GP Italien 2022: Verstappen siegt von P7 hinter dem Safety Car
Max Verstappen gewann in Monza von Startplatz 7 aus seinen ersten Italien-GP. Leclerc wurde Zweiter, das Rennen endete hinter dem Safety Car.
GP Italien 2022: Verstappen gewinnt in Monza von Startplatz 7
Max Verstappen gewann den Großen Preis von Italien 2022 für Red Bull, obwohl er nach einer Strafe nur von Platz 7 gestartet war. Polesetter Charles Leclerc wurde im Ferrari Zweiter, George Russell holte mit Mercedes Platz 3. Entschieden wurde das Rennen durch Ferraris Boxenstopp unter dem virtuellen Safety Car und durch Verstappens überlegenes Tempo. Weil sich das Auto von Daniel Ricciardo nicht schnell genug bergen ließ, endete der Grand Prix hinter dem Safety Car. Es war Verstappens erster Sieg im Autodromo Nazionale di Monza, sein fünfter Sieg in Folge und sein elfter in dieser Saison.
Start in Monza: Verstappens Aufholjagd bis auf Platz zwei
Die Startaufstellung war durch Motorenstrafen stark durcheinandergewürfelt. Verstappen war im Qualifying Zweiter gewesen, musste aber wegen eines zusätzlichen Antriebsteils fünf Plätze zurück. Auch Carlos Sainz, Lewis Hamilton, Sergio Pérez und Yuki Tsunoda wurden strafversetzt. Deshalb standen neben Leclerc und Russell überraschend Lando Norris und Daniel Ricciardo im McLaren in Reihe zwei.
Leclerc behielt am Start die Führung. Russell kam besser weg, fuhr aber in der ersten Schikane über die Randsteine und blieb Zweiter. Verstappen machte in der ersten Runde drei Plätze gut. In Runde 2 überholte er Ricciardo in der Schikane, in Runde 5 auch Russell. Damit war der Red-Bull-Pilot schon früh Leclercs direkter Verfolger. Hamilton musste in der ersten Runde über die Auslaufzone der ersten Kurve ausweichen, um eine Berührung zu vermeiden. Weiter hinten berührten sich Kevin Magnussen und Valtteri Bottas. Magnussen bekam später eine Fünf-Sekunden-Strafe, weil er sich durch Abkürzen in der ersten Runde einen Vorteil verschafft hatte.
Virtuelles Safety Car und Ferrari-Strategie: Hier fiel die Entscheidung
Der Wendepunkt kam früh. Sebastian Vettels Aston Martin verlor auf dem Weg zur Ascari-Schikane an Leistung und blieb stehen. Die Rennleitung schickte daraufhin das virtuelle Safety Car auf die Strecke. Ferrari holte Leclerc in Runde 12 an die Box und wechselte von Soft auf Medium. Verstappen blieb draußen und übernahm die Führung. Bei einer verringerten Geschwindigkeit war der Boxenstopp zwar günstig, doch Leclerc musste so eine Zweistopp-Strategie fahren.
Verstappen führte auf seinen Soft-Reifen bis zu seinem einzigen regulären Stopp in Runde 25, bei dem er Medium-Reifen bekam. Leclerc lag danach wieder vorn, allerdings nur mit einem Vorsprung, den der Red Bull schnell verkleinerte. In Runde 33 kam Leclerc ein zweites Mal herein und bekam Softs. Ab Runde 34 führte wieder Verstappen. Laut Formula1.com lag Leclerc nach dem Stopp rund 20 Sekunden hinter ihm. Mit schnellen Runden kam der Ferrari-Pilot zwar etwas näher, doch für einen Angriff auf den Sieg reichte es nicht mehr. Laut der Formula1.com-Analyse war Ferrari an diesem Tag schlicht langsamer.
Ausfälle beim GP Italien: Vettel, Alonso, Stroll und Ricciardo
Vier Fahrer kamen nicht ins Ziel:
- Sebastian Vettel (Aston Martin) schied nach 10 Runden mit einem Motorschaden aus. Sein Ausfall löste das virtuelle Safety Car aus.
- Fernando Alonso (Alpine F1 Team) gab nach 31 Runden wegen fehlenden Wasserdrucks auf. Bitter, denn mit seinem 349. Start hatte er an diesem Wochenende Kimi Räikkönens Rekord für die meisten Grand-Prix-Starts eingestellt.
- Lance Stroll fiel nach 39 Runden ebenfalls mit einem Motorschaden aus. Damit kam keiner der beiden Aston Martin ins Ziel.
- Daniel Ricciardo stellte seinen McLaren nach 45 gewerteten Runden kurz vor der zweiten Lesmo-Kurve ab. Der offizielle Grund war ein Ölleck. Laut Motorsport Magazine blieb der Wagen im Gang stecken und ließ sich deshalb nicht einfach wegschieben. Dieser Ausfall brachte das Safety Car auf die Strecke, das bis zum Schluss draußen blieb.
Gewinner und Verlierer: Sainz, Hamilton und Debütant de Vries
Gewinner des Tages waren Sainz und Hamilton, die laut unseren Daten jeweils 14 Plätze gutmachten. Sainz kam von Startplatz 18 auf Rang 4. Schon in Runde 6 lag er in den Punkterängen, und bis Runde 12 war er an Zhou, de Vries, Alonso, Norris und Gasly vorbei auf Platz 5 gefahren. Hamilton startete von Platz 19 und hielt nur einmal an. Nach seinem Wechsel auf Soft-Reifen in Runde 33 überholte er innerhalb weniger Runden Guanyu Zhou, Nyck de Vries, Norris, Pierre Gasly und Ricciardo und wurde Fünfter. Pérez musste wegen Bremsproblemen schon in Runde 7 an die Box. Trotzdem fuhr er noch von Startplatz 13 auf Rang 6 und holte mit einer Runde in 1:24,030 Minuten die schnellste Runde des Rennens.
Die Geschichte des Wochenendes schrieb aber Nyck de Vries. Alexander Albon musste wegen einer Blinddarmentzündung pausieren, und Williams holte den Niederländer kurzfristig ins Team. Im ersten Training war er sogar noch für Aston Martin gefahren. Bei seinem Formel-1-Debüt startete er von Platz 8 und wurde Neunter. Am Ende wehrte er die Angriffe von Guanyu Zhou (Alfa Romeo) ab. Die Fans wählten ihn zum „Driver of the Day“. Pierre Gasly holte für AlphaTauri mit nur einem Stopp Platz 8. Esteban Ocon verpasste als Elfter knapp die Punkte. Mick Schumacher (Haas F1 Team) überholte spät noch Nicholas Latifi und wurde Zwölfter.
Verlierer waren vor allem Ricciardo und Alonso, die nach ihren Ausfällen jeweils 13 Plätze verloren hatten. Norris fiel von Startplatz 3 auf Rang 7 zurück.
Safety-Car-Finale in Monza und WM-Stand 2022
Die Führenden rechneten nach Ricciardos Ausfall mit einem Neustart. Verstappen, Leclerc, Russell und Sainz fuhren deshalb noch einmal an die Box. Laut Formula1.com dauerte es jedoch bis Runde 51 von 53, bis sich das Feld hinter dem Safety Car sortiert hatte, auch weil überrundete Autos zwischen den Spitzenfahrern lagen. Für einen Neustart blieb keine Zeit mehr, und Verstappen gewann mit 2,446 Sekunden Vorsprung. Leclerc und Norris waren über das Ende verärgert, Ferrari-Teamchef Mattia Binotto widersprach der Entscheidung. Red-Bull-Teamchef Christian Horner meinte, man hätte das Rennen mit der roten Flagge unterbrechen sollen. Mercedes-Chef Toto Wolff verteidigte dagegen die FIA. Nach deren Angaben ließ sich Ricciardos Auto nicht rechtzeitig bergen.
Im WM-Stand 2022 lag Verstappen nun mit 335 Punkten weit vor Leclerc (219), Pérez (210), Russell (203) und Sainz (187). Bei den Konstrukteuren führte Red Bull mit 545 Punkten vor Ferrari (406) und Mercedes (371).
Einordnung: Was der GP Italien 2022 für die Saison bedeutete
Ausgerechnet beim Heimrennen von Ferrari, das die Scuderia mit einer Sonderlackierung zum 75. Jubiläum feierte, wurde deutlich, wie die Kräfte inzwischen verteilt waren. Leclerc hatte auf eine Runde die Pole geholt. Im Rennen konnte Verstappen ihn aber trotz der Strafversetzung schlagen, weil Red Bull die Reifen besser schonte und auf langen Distanzen schneller war. Mit dem fünften Sieg in Folge baute Verstappen seinen Vorsprung auf 116 Punkte aus. Sechs Rennen vor Saisonende rückte sein zweiter WM-Titel damit in greifbare Nähe. In Erinnerung blieb das Rennen auch wegen des umstrittenen Endes hinter dem Safety Car, das die FIA zu Gesprächen mit den Teamchefs veranlasste, und wegen de Vries' Punkten bei seinem Debüt.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Italien 2022 – formel-1-livestream.de
- Verstappen takes his first-ever Italian Grand Prix win behind the Safety Car as Leclerc has to settle for P2 – Formula1.com
- Verstappen steals Leclerc's Monza thunder: 2022 Italian GP as it happened – Motor Sport Magazine
- Italian GP 2022 – Race notes – GrandPrix.com
- 2022 Italian Grand Prix – Wikipedia