GP Italien 2019: Leclerc trotzt Mercedes – Ferrari-Sieg in Monza
Charles Leclerc gewann in Monza vor Bottas und Hamilton – Ferraris erster Heimsieg seit 2010. Vettel drehte sich, wurde bestraft und ging leer aus.
Leclerc gewinnt den GP Italien 2019 in Monza
Die Tifosi bekamen endlich wieder einen Sieg in Rot zu sehen: Charles Leclerc gewann den GP Italien 2019 auf dem Autodromo Nazionale di Monza von der Pole-Position aus für Ferrari. Er wehrte über 53 Runden eine Doppelattacke von Mercedes ab. Valtteri Bottas wurde Zweiter, Lewis Hamilton Dritter.
Entschieden wurde das Rennen durch Leclercs Verteidigung gegen Hamilton nach den Boxenstopps und durch Hamiltons Verbremser in Runde 42. Damit holte Ferrari den ersten Sieg in Monza seit 2010, und Leclerc gewann nach dem GP Belgien zum zweiten Mal in Folge.
Qualifying-Chaos und Startaufstellung in Monza
Schon das Qualifying sorgte für Gesprächsstoff. In Q3 verunfallte Kimi Räikkönen im Alfa Romeo, die Session wurde unterbrochen. Danach warteten alle Fahrer mit der Ausfahrt bis kurz vor Schluss, denn in Monza bringt der Windschatten viel. Auf der Aufwärmrunde bummelten die Autos dann so lange, dass nur Leclerc und Carlos Sainz rechtzeitig ihre letzte schnelle Runde beginnen konnten. Die Rennkommissare verwarnten Nico Hülkenberg, Sainz und Lance Stroll wegen zu langsamen Fahrens. Mercedes-Teamchef Toto Wolff nannte das Ganze eine „junior class“-Vorstellung (Quelle 2).
Leclerc stand auf der Pole-Position, neben ihm Hamilton, dahinter Bottas und Sebastian Vettel. Max Verstappen musste nach einem Motorwechsel weit hinten ins Rennen gehen und startete als 19. Räikkönen startete aus der Boxengasse, weil Alfa Romeo nach seinem Unfall Getriebe und Motor gewechselt hatte. Zusätzlich setzte das Team ihn auf die falschen Reifen: Laut Motorsport.com galt die Q2-Reifenregel trotz Boxengassenstart weiter. Die Folge war eine Stop-and-Go-Strafe über zehn Sekunden.
Rennverlauf: Vettels Dreher, Strafen und Verstappens Fehlstart
Am Start hielten die ersten Vier ihre Positionen, Leclerc führte ab Runde 1. Weiter hinten berührte Verstappen in der ersten Schikane Sergio Pérez. Mit beschädigtem Frontflügel musste der Fahrer von Red Bull schon nach der ersten Runde an die Box.
Der Tiefpunkt für Ferrari folgte in Runde 6. Vettel lag auf Rang vier und drehte sich allein in der Ascari-Schikane. Beim Zurückfahren auf die Strecke fuhr er Stroll im Racing Point in den Weg. Vettels Frontflügel ging kaputt, Stroll drehte sich. Vettel kam zum Flügelwechsel an die Box und fiel ans Ende des Feldes zurück. Für das unsichere Zurückfahren bekam er eine Stop-and-Go-Strafe über zehn Sekunden und drei Strafpunkte. Er trat sie laut unseren Daten in Runde 12 an.
Auch Stroll bekam eine Strafe: Bei seiner eigenen Rückkehr auf die Strecke drängte er Pierre Gasly im Toro Rosso ins Kiesbett. Dafür musste er eine Durchfahrtsstrafe absitzen. Laut grandprix.com bekam außerdem Alexander Albon fünf Strafsekunden, weil er Kevin Magnussen neben der Strecke an der zweiten Schikane überholt hatte.
Strategie und Duell: Leclerc gegen Hamilton und Bottas
Die Boxenstopps waren der Schlüssel zum Rennen. Hamilton kam als Erster in Runde 19 herein, wechselte von Soft auf Medium und versuchte, Leclerc per Undercut zu überholen. Ferrari reagierte eine Runde später: Leclerc kam in Runde 20 an die Box, bekam die härteste Mischung und blieb knapp vor Hamilton. Bottas blieb länger draußen und führte von Runde 20 bis 27. Nach seinem Stopp in Runde 27 übernahm Leclerc in Runde 28 wieder die Führung.
Danach bekamen die Zuschauer ein spannendes Duell zu sehen. Hamilton klebte mit DRS an Leclercs Getriebe und lag oft weniger als eine Sekunde hinter ihm. Beim Anbremsen der zweiten Schikane drängte Leclerc Hamilton in die Auslaufzone. Laut grandprix.com war das in Runde 23. Die Rennleitung zeigte ihm die schwarz-weiße Flagge, also eine Verwarnung wegen unsportlichen Fahrens. In Runde 36 verbremste sich Leclerc und kürzte die erste Schikane ab. Die Rennkommissare sahen darin keinen Grund für eine Untersuchung (Quelle 4).
Die Wende kam in Runde 42. Hamilton blockierte die Räder in Kurve 1, fuhr über die Poller und ließ Bottas auf Platz zwei vorbei. Bottas hatte acht Runden frischere Medium-Reifen und kam Leclerc mehrmals bis auf weniger als eine Sekunde nahe. Zwei Runden vor Schluss verbremste sich dann auch Bottas in Kurve 1, damit war seine Chance auf den Sieg vorbei (Quelle 6). Hamilton holte sich in Runde 49 frische Reifen und fuhr in Runde 51 mit 1:21,779 Minuten die schnellste Runde (Quelle 4). Leclerc gab später sinngemäß zu, er habe ein paar Fehler gemacht, sei am Ende aber Erster geworden und deshalb sehr glücklich (Quelle 3).
Ausfälle beim GP Italien 2019: Sainz, Kvyat und Magnussen
Drei Fahrer kamen nicht ins Ziel:
- Carlos Sainz (McLaren) war nach 27 Runden raus, offizieller Grund: Rad. Er lag auf Platz sechs, als er zum Reifenwechsel kam. Ein Rad war nicht richtig befestigt, und er musste kurz nach der Boxenausfahrt anhalten. Die Rennleitung schickte daraufhin das virtuelle Safety-Car auf die Strecke (Quelle 4).
- Daniil Kvyat (Toro Rosso) schied nach 29 Runden mit Motorschaden aus. Er stellte sein Auto kurz hinter Kurve 1 ab, was eine zweite Phase mit virtuellem Safety-Car auslöste.
- Kevin Magnussen (Haas F1 Team) gab nach 43 Runden wegen eines Hydraulikschadens auf.
Gewinner und Verlierer in Monza
Gewinner: Pérez und Verstappen machten jeweils elf Plätze gut. Pérez kam von Startplatz 18 auf Rang sieben und hielt Verstappen hinter sich, obwohl der nach der Startberührung schon einen zusätzlichen Stopp hinter sich hatte. Für Renault war es ein starker Tag: Daniel Ricciardo wurde Vierter, sein bestes Ergebnis der Saison bis dahin. Hülkenberg kam als Fünfter ins Ziel. Zusammen holten die beiden 22 Punkte. Auch Antonio Giovinazzi holte als Neunter beim Heimrennen Punkte für Alfa Romeo, und Lando Norris rettete als Zehnter einen Zähler für McLaren.
Verlierer: Ferrari hatte zwei völlig verschiedene Rennen. Während Leclerc gewann, fiel Vettel nach seinem Dreher und der Strafe neun Plätze zurück und kam mit einer Runde Rückstand nur auf Rang 13 ins Ziel. Stroll wurde nach seiner Durchfahrtsstrafe Zwölfter, Räikkönen war nach dem Reifenfehler seines Teams chancenlos und wurde 15. Williams mit George Russell (14.) und Robert Kubica (17.) hatte wie so oft in dieser Saison mit dem Kampf um Punkte nichts zu tun.
WM-Stand nach dem GP Italien 2019 und Einordnung
Im WM-Stand führte Hamilton nach Platz drei und dem Extrapunkt für die schnellste Runde mit 284 Punkten. Bottas hatte 221 Punkte, der Abstand betrug also weiter 63 Zähler. Verstappen blieb mit 185 Punkten Dritter. Leclerc sprang mit 182 Punkten auf Rang vier und überholte damit Teamkollege Vettel (169), der auf Platz fünf zurückfiel. Ricciardo verbesserte sich um vier Positionen auf Rang acht. In der Teamwertung hatte Mercedes mit 505 Punkten einen großen Vorsprung vor Ferrari (351) und Red Bull (266).
Für Ferrari war Monza 2019 ein emotionaler Höhepunkt: Es war der erste Sieg beim Heimrennen seit Fernando Alonsos Erfolg 2010. Der starke Topspeed des SF90 zahlte sich auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke voll aus. Mit seinem zweiten Sieg in Folge war Leclerc nun der neue Hoffnungsträger der Scuderia, auch wenn die Fahrweise in seinen Duellen umstritten blieb. Rückblickend: Ferrari sollte erst 2024 wieder in Monza gewinnen.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Italien 2019 – formel-1-livestream.de
- 2019 Italian Grand Prix – Wikipedia
- Race report: Leclerc wins Italian Grand Prix 2019 – Formula 1
- Italian GP 2019 – Race notes – GrandPrix.com
- Tyre mistake capped weekend for Raikkonen – Motorsport.com
- 2019 Italian Grand Prix live text – Autosport
- 2019 Italian Grand Prix race report: steely Leclerc's Monza masterclass – Motor Sport Magazine