Rückblick · erstellt am · Rennen vom 1. September 2019

GP Belgien 2019: Leclercs erster Sieg im Schatten der Trauer

Charles Leclerc gewann in Spa sein erstes Formel-1-Rennen, 0,981 Sekunden vor Hamilton. Er widmete den Sieg seinem verstorbenen Freund Anthoine Hubert.

GP Belgien 2019: Leclerc gewinnt sein erstes Rennen in Spa

Charles Leclerc gewann den GP Belgien 2019 von der Pole-Position aus. Es war der erste Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Für Ferrari war es der erste Erfolg seit dem GP USA 2018. Hinter ihm kamen Lewis Hamilton und Valtteri Bottas für Mercedes aufs Podium. Entschieden wurde das Rennen in der Schlussphase: Hamilton kam auf frischeren Reifen immer näher an Leclerc heran, doch die Runden reichten nicht mehr. Im Ziel lagen nur 0,981 Sekunden zwischen den beiden.

Feiern wollte an diesem Sonntag auf dem Circuit de Spa-Francorchamps niemand richtig. Am Vortag war der Formel-2-Fahrer Anthoine Hubert nach einem Unfall im Hauptrennen gestorben. Leclerc kannte ihn seit der gemeinsamen Zeit im Kartsport.

Start in Spa: Verstappen scheidet aus, Safety Car auf der Strecke

Vor dem Start gab es eine Schweigeminute für Hubert. In Runde 19, passend zu seiner Startnummer, applaudierten die Fans auf den Tribünen.

Die Startphase war chaotisch. Max Verstappen kam von Platz fünf schlecht weg. In La Source bremste er spät, stach innen hinein und berührte den Alfa Romeo von Kimi Räikkönen. Mit beschädigter Vorderradaufhängung fuhr der Niederländer weiter und rutschte oben an der Eau Rouge in die Streckenbegrenzung. Er schied aus, bevor er eine Runde beendet hatte. Für Räikkönen war das Rennen damit praktisch gelaufen: Er musste zweimal an die Box, in Runde 1 und Runde 2, und kam mit einer Runde Rückstand als 16. ins Ziel.

Auch Carlos Sainz traf es früh. Sein McLaren verlor schon beim Start Leistung, nach der ersten Runde stellte er ihn mit dem offiziellen Grund Leistungsverlust ab. Deshalb blieb das Safety Car länger draußen, das wegen Verstappens Unfall gekommen war. Das Feld gab es erst zu Beginn der fünften Runde wieder frei. Vorne setzte sich Leclerc vor Sebastian Vettel ab. Hamilton war in der ersten Kurve kurz an Vettel vorbeigegangen, doch der holte sich den zweiten Platz auf der folgenden Geraden zurück.

Strategie und Stallregie bei Ferrari: Vettel hilft Leclerc

Alle Spitzenfahrer kamen mit einem Stopp aus, nur Vettel nicht. Ferrari holte ihn schon in Runde 15 zum Reifenwechsel. Mit diesem Undercut kam er an allen anderen vorbei: Leclerc stoppte in Runde 21, Hamilton in Runde 22, Bottas in Runde 23. Ab Runde 23 führte Vettel das Rennen an. Seine Reifen waren aber deutlich älter als die der Konkurrenz und ließen schnell nach.

Deshalb gab es bei Ferrari eine Stallregie: Vettel sollte seinen Teamkollegen vorbeilassen. Nach kurzem Zögern ließ er Leclerc vorbei, der ab Runde 27 wieder führte. Danach fuhr Vettel als Puffer gegen Hamilton. Das kostete den Mercedes-Piloten wertvolle Zeit, bis er Vettel in Runde 32 auf der Kemmel-Geraden überholte. Vettel holte sich in Runde 33 noch einmal frische Soft-Reifen, fuhr mit 1:46,409 Minuten die schnellste Runde und wurde Vierter.

Hamilton holte danach Runde für Runde auf Leclerc auf, dessen Reifen immer mehr abbauten. Der Ferrari-Pilot hielt aber ohne Fehler durch.

Albon und Kvyat sind die Gewinner des Tages

Die meisten Plätze gutgemacht haben Alexander Albon und Daniil Kvyat, jeweils zwölf. Wegen Motorenstrafen mussten beide weit hinten starten. Albon fuhr sein erstes Rennen für Red Bull. Er startete als 17. und arbeitete sich mit mehreren Überholmanövern nach vorn, unter anderem gegen Nico Hülkenberg und Kvyat. In der letzten Runde fuhr er mit allen vier Rädern auf das Gras, um an Sergio Pérez im Racing Point vorbeizukommen. Das Manöver gelang, und Albon wurde Fünfter. Es war das beste Ergebnis seiner Karriere. Die Rennkommissare untersuchten den Zweikampf, eine Strafe gab es nicht.

Kvyat startete im Toro Rosso als 19. und wurde Siebter. Hülkenberg holte für Renault als Achter Punkte. Teamkollege Pierre Gasly wurde Neunter. Den letzten Punkt holte Lance Stroll, der als 16. gestartet war.

Bittere Ausfälle für Norris und Giovinazzi

Am härtesten traf es Lando Norris. Der McLaren-Rookie war lange Fünfter und auf dem Weg zu seinem besten Ergebnis. In der letzten Runde fiel dann sein Motor aus, und Norris blieb auf der Start-Ziel-Geraden stehen. Weil er 43 Runden geschafft hatte, wurde er noch als Elfter gewertet. Punkte bekam er dafür nicht.

Kurz vor dem Ende verlor auch Antonio Giovinazzi einen sicher scheinenden Punkt. Der Italiener lag im Alfa Romeo auf Kurs zum achten Platz, als er in Pouhon abflog und in die Mauer krachte. Er blieb unverletzt und wurde nach 42 Runden als 18. gewertet.

Einen schweren Tag hatte auch das Haas F1 Team: Kevin Magnussen und Romain Grosjean waren als Achter und Neunter gestartet, kamen aber mit einer Runde Rückstand nur als Zwölfter und 13. ins Ziel. Daniel Ricciardo wurde nach einer Berührung mit Stroll in der ersten Runde nur 14. Für Williams kamen George Russell als 15. und Robert Kubica als 17. ins Ziel.

WM-Stand nach dem GP Belgien 2019

Hamilton baute mit Platz zwei seine Führung im WM-Stand 2019 aus. Er hatte jetzt 268 Punkte, 65 mehr als Bottas mit 203. Verstappen blieb ohne Punkte, war mit 181 Zählern aber weiterhin Dritter, vor Vettel (169) und Leclerc (157). Albon sprang um fünf Plätze nach vorn, er war mit 26 Punkten jetzt Zehnter. Kvyat überholte Räikkönen und lag mit 33 Punkten auf Rang acht.

Bei den Konstrukteuren lag Mercedes mit 471 Punkten klar vor Ferrari (326) und Red Bull (254).

Einordnung: ein historischer, aber stiller Sieg

Mit 21 Jahren war Leclerc der drittjüngste Grand-Prix-Sieger der Geschichte. Monaco war damit das 23. Land, aus dem ein Formel-1-Sieger kam. Nach vielen verpassten Chancen in der ersten Saisonhälfte gewann Ferrari endlich ein Rennen. Leclerc kam so zu seinem ersten Sieg, auf den er seit dem Rennen in Bahrain gewartet hatte.

Nach dem Rennen verzichteten die Fahrer auf die Champagnerdusche auf dem Podium. Leclerc widmete seinen Sieg Anthoine Hubert. So wird man sich an das Rennen weniger wegen der Statistik erinnern, sondern als Wochenende, an dem Sport und Trauer nah beieinanderlagen.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Belgien 2019 – formel-1-livestream.de
  2. Leclerc holds off Hamilton to take emotional maiden Grand Prix victory – Formula 1
  3. Belgian Grand Prix: Leclerc fends off Hamilton to take first F1 win – Autosport
  4. 2019 Belgian Grand Prix – Wikipedia

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