Rückblick · erstellt am · Rennen vom 12. Mai 2002

GP Österreich 2002: Stallorder schenkt Schumacher den Sieg

Michael Schumacher gewann in Spielberg, weil Ferrari den führenden Rubens Barrichello kurz vor dem Ziel zurückpfiff. Die Fans buhten.

Start-Ziel-Gerade und Tribünen der Strecke Red Bull Ring in unserer 3D-Umgebung, ohne Fahrzeuge
Bild: Szene aus unserer 3D-Wiedergabe

Mit KI erstellt auf Basis unserer Renndaten · verantwortlich: Markus Ochmann

GP Österreich 2002: Das Wichtigste in Kürze

Michael Schumacher gewann den Großen Preis von Österreich 2002, aber eigentlich hatte sein Teamkollege Rubens Barrichello das Rennen gewonnen. Der Brasilianer startete von der Pole-Position und lag fast die ganze Zeit vorn. Dann ließ ihn Ferrari kurz vor der Ziellinie auf Anweisung vom Kommandostand zurückstecken. Laut den Quellen trennten die beiden im Ziel nur 0,182 Sekunden. Juan Pablo Montoya wurde im Williams Dritter. Selten hat ein Sieg in der Formel 1 so viel Ärger ausgelöst wie dieser.

Start am A1-Ring: Barrichello führt, Heidfeld stürmt nach vorn

Gefahren wurde auf dem A1-Ring in Spielberg, der erst 2011 zum Red Bull Ring umbenannt wurde. Barrichello stand auf der Pole, daneben Ralf Schumacher im Williams. Michael Schumacher startete als Dritter, Montoya als Vierter. Barrichello verteidigte seine Führung in der ersten Kurve. Für Aufsehen sorgte Nick Heidfeld: Laut den Berichten schob er seinen Sauber aus der dritten Startreihe sofort weit nach vorn.

Im hinteren Feld ging es dagegen chaotisch zu. Pedro de la Rosa schied im Jaguar aus, ohne eine Runde zu beenden. Der Grund war ein Defekt am Gaspedal (Throttle). In der Anfangsphase kollidierten Jacques Villeneuve (BAR) und die beiden Arrows-Piloten Enrique Bernoldi und Heinz-Harald Frentzen. Wie genau es dazu kam, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Bernoldi gab nach zwei Runden auf. Villeneuve bekam für den Zwischenfall mit Frentzen später eine Durchfahrtsstrafe. Schon nach fünf Runden war auch das Rennen von Kimi Räikkönen vorbei: Der Motor seines McLaren ging in Rauch auf. Zwei Runden später fiel Felipe Massa im zweiten Sauber mit einem Schaden an der Aufhängung aus.

Zwei Safety-Car-Phasen und der schwere Unfall von Heidfeld und Sato

Den ersten Einsatz des Safety-Cars löste Olivier Panis aus. Nach 22 Runden streikte der Honda-Motor seines BAR, und der Wagen blieb auf der Start-Ziel-Geraden stehen. Kurz nach dem Restart kam es zum schwersten Moment des Tages. Heidfeld verlor beim Anbremsen die Kontrolle über seinen Sauber und krachte in den Jordan von Takuma Sato. Zur Ursache gibt es zwei Versionen. Laut Wikipedia bremste Heidfeld mit kalten Bremsen hart, weil er dem Rauch aus dem Minardi von Alex Yoong ausweichen wollte. Crash.net hielt einen Defekt an der Aufhängung für möglich.

Heidfeld stieg ohne Hilfe aus. Sato wurde auf einer Trage geborgen und zur Untersuchung nach Graz geflogen. Laut Wikipedia wurden beide nur leicht verletzt. Das Safety-Car blieb diesmal acht Runden lang auf der Strecke.

Strategie: Ferrari mit zwei Stopps, Williams mit einem

Die Teams setzten auf verschiedene Taktiken mit Nachtanken. Ferrari plante zwei Stopps und holte beide Autos schon in der ersten Safety-Car-Phase an die Box. In der zweiten, langen Unterbrechung tankten die meisten anderen Teams nach. Williams blieb dagegen bei seinem Plan mit nur einem Stopp. Laut Crash.net verzichtete Montoya bei diesem Stopp auf neue Reifen. So kam er vor Ralf Schumacher zurück auf die Strecke und hielt den Platz bis ins Ziel, obwohl sein Teamkollege schneller war. Im Ziel lag Montoya 17,730 Sekunden hinter dem Sieger, Ralf Schumacher 18,448 Sekunden.

Vorne blieb Barrichello stark. Laut Wikipedia kam er in Runde 61 zu seinem zweiten Stopp. Für eine Runde übernahm deshalb Michael Schumacher die Führung. Nach dessen Stopp lag ab Runde 63 wieder Barrichello vorn. Laut Crash.net hatte er sich rund vier Sekunden Vorsprung herausgefahren.

Die Stallorder: Barrichello bremst kurz vor dem Ziel

In den letzten Runden griff Teamchef Jean Todt per Funk ein. Laut Motorsport Magazine sagte er zu Barrichello: „This is one of the occasions we will have to ask you to move over.“ Barrichello wehrte sich zunächst und erinnerte Todt laut Wikipedia an dessen Versprechen, keinen Sieg abgeben zu müssen. Am A1-Ring hatte er schon 2001 seinen zweiten Platz an Schumacher abgeben müssen. Der Vorsprung schmolz trotzdem, und eine Runde vor Schluss betrug er nur noch etwa eine Sekunde. In der letzten Kurve ging Barrichello dann vom Gas, und Schumacher fuhr als Erster über die Ziellinie.

Die Zuschauer verstanden sofort, was passiert war. Pfiffe und Buhrufe kamen von den Tribünen, aus Teilen der Boxengasse und sogar aus dem Pressezentrum. Auf dem Podium wirkte Schumacher sichtlich unwohl. Er schob Barrichello auf die oberste Stufe und überreichte ihm den Siegerpokal, den Bundeskanzler Wolfgang Schüssel übergeben hatte. Doug Nye schrieb im Motorsport Magazine rückblickend, es sei einer der schändlichsten Eingriffe eines Teamchefs in der Geschichte des Grand-Prix-Sports gewesen.

Gewinner, Verlierer und Ausfälle beim GP Österreich

Der Gewinner des Tages hinter den Ferraris war Giancarlo Fisichella. Er startete als 15., machte zehn Plätze gut und wurde Fünfter. Damit holte er die ersten Punkte des Jahres für Jordan. Den letzten Punkt sicherte sich David Coulthard im McLaren auf Platz sechs, knapp vor Jenson Button im Renault. Dahinter kamen die beiden Toyota mit Mika Salo als Achtem und Allan McNish als Neuntem ins Ziel. Ebenfalls stark: Mark Webber fuhr im Minardi von Startplatz 21 auf Platz zwölf, ein Plus von neun Plätzen. Villeneuve wurde trotz Durchfahrtsstrafe mit einer Runde Rückstand als Zehnter gewertet.

Die Verlierer waren vor allem die Fahrer von Sauber und McLaren:

  • Kimi Räikkönen (McLaren): Motorschaden nach 5 Runden, von Startplatz 6
  • Felipe Massa (Sauber): Aufhängung nach 7 Runden, von Startplatz 7
  • Nick Heidfeld (Sauber): Kollision nach 27 Runden, von Startplatz 5
  • Olivier Panis (BAR): Motorschaden nach 22 Runden, von Startplatz 9
  • Takuma Sato (Jordan): Kollision nach 26 Runden
  • Eddie Irvine (Jaguar): Hydraulik nach 38 Runden
  • Alex Yoong (Minardi): Motorschaden nach 42 Runden
  • Jarno Trulli (Renault): Benzindruck nach 44 Runden

Auch Ralf Schumacher gehörte zu den Verlierern. Er startete als Zweiter und musste sich mit Platz vier begnügen.

WM-Stand 2002 nach dem GP Österreich und Einordnung

Nach sechs von 17 Rennen führte Michael Schumacher den WM-Stand 2002 mit 54 Punkten an. Montoya hatte 27 Punkte, Ralf Schumacher 23. Barrichello verbesserte sich mit seinen sechs Punkten um zwei Plätze auf Rang vier und hatte nun 12 Punkte. Bei den Konstrukteuren lag Ferrari mit 66 Punkten vor Williams mit 50 und McLaren mit 14. Für Schumacher war es laut Wikipedia der vierte Sieg in Folge und der 58. seiner Karriere.

Gerade diese Überlegenheit machte die Stallorder für viele so unverständlich. Der Weltmeister hatte nach dem Rennen doppelt so viele Punkte wie der Zweite. Todt begründete den Eingriff damit, dass Ausfälle oder Unfälle Schumacher den Titel noch kosten könnten. Einordnung: Später verhängte der FIA-Weltrat gegen Ferrari, Schumacher und Barrichello eine Geldstrafe von insgesamt einer Million Dollar. Bestraft wurde damit allerdings der Verstoß gegen das Podiumsprotokoll, nicht die Stallorder selbst. Ab 2003 waren Stallorders, die das Ergebnis beeinflussen, dann verboten. Alle Zahlen findest du auf der Rennseite zum GP Österreich 2002.

Das Rennen in Zahlen

Grafiken und Tabellen aus unserer Datenbank (amtliches Ergebnis, Rundendaten).

Positionsverlauf

Platz jedes Fahrers am Ende jeder Runde; farbig die ersten zehn im Ziel.
11020304050607071RundeMSCBARMONSCHFISCOUBUTMika SaloAllan McNishVIL

WM-Stand vorher und nachher

PlatzFahrervorherPunkte
1Michael Schumacher1 (44)54
2Juan Pablo Montoya2 (23)27
3Ralf Schumacher3 (20)23
4Rubens Barrichello6 (6)12
5David Coulthard4 (9)10
6Jenson Button5 (8)8
7Nick Heidfeld7 (5)5
8Kimi Räikkönen8 (4)4
9Eddie Irvine9 (3)3
10Felipe Massa10 (3)3

Quellen

Amtliches Ergebnis auf unserer Rennseite

  1. Ergebnis und Daten GP Österreich 2002 – formel-1-livestream.de
  2. 2002 Austrian Grand Prix – Wikipedia
  3. Austrian GP 2002: Rubens robbed – Crash.net
  4. Doug Nye: The disgraceful F1 day Ferrari ordered Barrichello to let Schumacher win – Motor Sport Magazine

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