GP Abu Dhabi 2024: Norris siegt, McLaren holt den Konstrukteurstitel
Lando Norris feiert in Abu Dhabi einen Start-Ziel-Sieg, McLaren ist Konstrukteursweltmeister. Leclerc stürmt von Startplatz 19 aufs Podium.
GP Abu Dhabi 2024: Norris' Start-Ziel-Sieg krönt McLaren
Lando Norris gewann das Saisonfinale auf dem Yas Marina Circuit von der Pole-Position aus und lag alle 58 Runden in Führung. Carlos Sainz und Charles Leclerc holten für Ferrari die Plätze zwei und drei. Das reichte aber nicht, um McLaren den Konstrukteurstitel noch abzunehmen. Der Schlüsselmoment kam schon in Kurve 1: Dort kollidierten Norris' Teamkollege Oscar Piastri und Max Verstappen, und Norris hatte ab da freie Fahrt.
Auf unserer Rennseite zum GP Abu Dhabi 2024 kannst du das ganze Rennen in 3D nacherleben.
Rennverlauf in Abu Dhabi: Chaos in Kurve 1 und Leclercs Aufholjagd
Norris kam vom Start weg sauber durch und behielt die Spitze. Hinter ihm krachte es: Verstappen (Startplatz 4) und Piastri (Startplatz 2) berührten sich in Kurve 1. Piastri fiel ans Ende des Feldes zurück. Als er in Runde 4 zum ersten Mal an die Box kam, lag er nur auf Platz 18. Sainz übernahm Rang zwei und gab ihn bis ins Ziel nicht mehr her.
Noch in der ersten Runde endete das Rennen für Sergio Pérez. Der Mexikaner wurde in Kurve 7 von Valtteri Bottas getroffen und blieb nach einem Dreher stehen. Deshalb gab es in den Runden 2 bis 3 die einzige virtuelle Safety-Car-Phase des Abends.
Die spannendste Geschichte schrieb Leclerc. Er musste von Startplatz 19 losfahren und lag vor seinem Stopp in Runde 20 schon auf Rang vier. Danach arbeitete er sich auf harten Reifen bis aufs Podium vor. Lewis Hamilton kam von Startplatz 16 bis auf Rang vier, in seinem letzten Rennen für Mercedes. In der letzten Runde überholte er seinen Teamkollegen George Russell außen herum. Auch Pierre Gasly mischte zwischendurch vorne mit: Vor seinem Stopp in Runde 14 lag er auf Platz drei.
Gefahren wurde im Trockenen. Die Luft hatte 25,8 bis 27,8 Grad, die Strecke 29,1 bis 37,2 Grad. Für das Reifenmanagement war es wichtig, dass die Strecke im Laufe des Rennens abkühlte.
Strafen und Vorfälle beim GP Abu Dhabi
Die Rennkommissare hatten viel zu tun. Die wichtigsten Entscheidungen:
- Verstappen: 10 Sekunden Zeitstrafe (Runde 5) für die Kollision mit Piastri. Die Kommissare sahen die Schuld allein beim Red-Bull-Piloten. Er saß die Strafe bei seinem Stopp in Runde 29 ab. Die Standzeit lag bei 13,5 Sekunden statt der üblichen gut 2 Sekunden, und er fiel von Platz 3 auf Platz 10 zurück.
- Bottas: 10 Sekunden Zeitstrafe (Runde 6) für die Kollision mit Pérez. Beim Stopp in Runde 6 stand er 21,5 Sekunden.
- Piastri: 10 Sekunden Zeitstrafe (Runde 9) für eine Kollision mit Franco Colapinto in Kurve 6. Abgesessen hat er sie beim zweiten Stopp in Runde 32 mit 13,4 Sekunden Standzeit. Dabei fiel er von Platz 9 auf Platz 15.
- Guanyu Zhou: 5 Sekunden Zeitstrafe (Runde 15) wegen eines Frühstarts, abgesessen in Runde 39. Bei Alexander Albon prüften die Kommissare ebenfalls einen Frühstart, leiteten aber keine weiteren Ermittlungen ein.
- Liam Lawson: 10 Sekunden Stop-and-Go (Runde 29) wegen einer unsicheren Freigabe aus der Box.
- Lance Stroll: 5 Sekunden Zeitstrafe in Runde 58, weil er zu oft die Streckengrenzen überschritten hatte.
Zwei Fälle wurden erst nach der Zielflagge untersucht. Kevin Magnussen soll einen Probestart nicht nach den Vorgaben der Rennleitung gemacht haben. Außerdem ging es um die Kollision zwischen Magnussen und Bottas in Kurve 6. Hier gaben die Kommissare Bottas die Schuld, weil er sich beim Bremsen deutlich verschätzt habe. Er wird im nächsten Rennen, in dem er startet, um fünf Plätze zurückversetzt und bekommt drei Strafpunkte.
Ausfälle beim GP Abu Dhabi: Pérez, Colapinto, Bottas und Lawson
- Sergio Pérez (Red Bull), Runde 1: Bottas traf ihn in Kurve 7, Pérez drehte sich und blieb auf der Strecke stehen. Damit endete sein Rennen ohne eine einzige gewertete Runde. Nach Angaben von formula1.com war es sein zweiter Ausfall in Folge.
- Franco Colapinto (Williams), nach 26 Runden: Nach Angaben seines Teams hatte er nach der Berührung mit Piastri einen Reifenschaden und Schäden am Auto. Er kam deshalb schon in Runde 3 unter dem virtuellen Safety Car an die Box. Laut Williams war seine Pace danach gut. Abgestellt wurde das Auto wegen eines vermuteten Problems an der Antriebseinheit.
- Valtteri Bottas (Sauber), nach 30 Runden: Nach seiner Strafe für den Pérez-Unfall kollidierte er in Kurve 6 mit Magnussen und musste aufgeben.
- Liam Lawson (RB F1 Team), nach 55 Runden: Er lag vor seinem ersten Stopp in Runde 23 noch auf Platz 6. Doch das linke Vorderrad war nicht befestigt, und Lawson musste eine ganze Runde langsam zurück zur Box fahren. Dieser zweite Stopp in Runde 24 brachte ihm auch noch die Strafe für die unsichere Freigabe ein. In der vorletzten Runde stellte er das Auto wegen eines technischen Problems ab, und als er ausstieg, rollte es davon. Er wurde trotzdem als 17. gewertet. Lawsons Fazit: „It sucks.“
Strategie: Warum Hamiltons umgekehrter Plan aufging
Fast das ganze Feld fuhr einen Einstopper von Medium auf Hard. An der Spitze versuchte Ferrari den Undercut: Sainz kam in Runde 25 mit 2,2 Sekunden Standzeit an die Box. McLaren reagierte eine Runde später. Norris war nach 2,0 Sekunden wieder draußen und lag drei Runden nach dem Stopp weiter vorn. Der Angriff auf den Sieg war damit vorbei.
Mercedes ließ Hamilton als Einzigen der Top 10 auf Hard starten und hielt ihn bis Runde 34 draußen. Danach lag er vor dem Stopp auf Platz 3 und drei Runden später auf Platz 7. Im Schlussstint hatte er aber 24 Runden lang frischere Medium-Reifen. Russell fuhr dagegen seit Runde 27 auf Hard und hatte durch seinen Stopp drei Plätze verloren (von 3 auf 6). Diesen Unterschied nutzte Hamilton in der letzten Runde zum Überholen. Mit dieser Strategie machte er 12 Plätze gut.
Auch Leclerc kam mit einem frühen Stopp in Runde 20 ans Ziel. Er verlor zwar zunächst drei Plätze (von 4 auf 7), hielt danach aber 38 Runden auf Hard durch. Gasly und Nico Hülkenberg stoppten noch früher, in Runde 14 und 13, und fuhren dann 44 und 45 Runden auf Hard. Gasly fiel nach dem Stopp von 3 auf 8 zurück, Hülkenberg von 6 auf 11. Am Ende holten sie als Siebter und Achter trotzdem Punkte für Alpine und Haas.
Albon versuchte es auf einem Stopp mit 45 Runden auf Hard. Das ging nicht auf: Zum Schluss bauten seine Reifen ab, Piastri ging noch an ihm vorbei, und Albon wurde Elfter. Fernando Alonso von Aston Martin wurde mit zwei Stopps Neunter, obwohl er beim ersten Stopp 4,3 Sekunden stand. Magnussen holte sich in Runde 55 frische Soft-Reifen und fuhr damit die schnellste Runde. Als 16. bekam er dafür aber keinen Punkt.
Gewinner und Verlierer in Yas Marina
Gewinner:
- Charles Leclerc: Mit 16 gutgemachten Plätzen war er der stärkste Fahrer des Abends, von Startplatz 19 aufs Podium.
- Lewis Hamilton: Er machte 12 Plätze gut und schlug Russell in der letzten Runde.
- Lando Norris: Pole, alle Runden in Führung, Sieg. Ein fehlerfreies Wochenende, das McLaren den Titel sicherte.
- Alexander Albon: Er fuhr 7 Plätze nach vorn, verpasste die Punkte als Elfter aber knapp.
Verlierer:
- Oscar Piastri: Erst die Kollision in Kurve 1, dann die eigene Strafe. Am Ende stand er 8 Plätze hinter seinem Startplatz und holte nur noch 1 Punkt.
- Sergio Pérez und Valtteri Bottas: Pérez fiel von Startplatz 10 in der ersten Runde aus. Bottas ging von Startplatz 9 ins Rennen, bekam eine Zeitstrafe, schied aus und nimmt eine Rückversetzung mit ins nächste Rennen.
- Liam Lawson: Er lag auf Platz 6, doch das fehlende Rad, die Stop-and-Go-Strafe und der späte Defekt warfen ihn ganz nach hinten.
- Max Verstappen: Der Weltmeister verursachte die Kollision, bekam 10 Sekunden Strafe und kam als Sechster ins Ziel, zwei Plätze hinter seinem Startplatz.
Jack Doohan gewann bei seinem Einsatz für Alpine zwei Plätze und wurde 15. Yuki Tsunoda wurde Zwölfter, eine Runde hinter dem Sieger.
WM-Stand nach dem GP Abu Dhabi: McLaren vor Ferrari
Ferrari holte in Abu Dhabi 33 Punkte, McLaren nur 26. Damit wurde der Abstand kleiner, aber der Titel blieb bei McLaren: Am Ende stand es 666 zu 652 Punkte. Für McLaren ist es der erste Konstrukteurstitel seit 1998. Red Bull wurde mit 589 Punkten Dritter, vor Mercedes mit 468. Im Mittelfeld lagen Aston Martin (94), Alpine (65), Haas (58) und das RB F1 Team (46) vorne, dahinter Williams (17) und Sauber (4).
Bei den Fahrern ist Verstappen mit 437 Punkten Weltmeister. Norris wurde mit 374 Punkten Vizeweltmeister, Leclerc mit 356 Punkten Dritter. Um Platz vier wurde es knapp: Piastri liegt mit 292 Punkten nur zwei Zähler vor Sainz (290). Dahinter folgen Russell (245), Hamilton (223), Pérez (152) und Alonso (70). Gasly rückte mit 42 Punkten um einen Platz auf Rang zehn vor. Die komplette Tabelle findest du im WM-Stand 2024.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Abu Dhabi 2024 – formel-1-livestream.de
- 2024 Abu Dhabi Grand Prix – Infringement – Car 77 – Causing a collision (2nd) – FIA
- 2024 Abu Dhabi Grand Prix – Williams Racing
- ‘It sucks’ – Lawson insists Abu Dhabi ‘one of my better races’ with tough outing ending in DNF – formula1.com
- Perez says collision with Bottas in Abu Dhabi ‘sums it up’ as he admits uncertainty around his future – formula1.com
- Verstappen penalised after Piastri collision in Abu Dhabi – Gulf News
- Abu Dhabi GP 2024 – Race Notes – GrandPrix.com
- F1 Abu Dhabi GP: McLaren clinches constructors' title as Norris wins race – Autosport
- Norris wins in Abu Dhabi as McLaren seal constructors’ title; Hamilton snatches 4th in farewell race with Merc – Morung Express (Reuters)