Rückblick · erstellt am · Rennen vom 2. Oktober 2022

GP Singapur 2022: Pérez siegt im Nachtregen trotz Strafe

Sergio Pérez gewann das Chaosrennen von Marina Bay vor Leclerc und Sainz. Eine Fünf-Sekunden-Strafe kostete ihn den Sieg nicht – Verstappen wurde Siebter.

GP Singapur 2022: Pérez gewinnt vor den beiden Ferrari

Beim GP Singapur 2022 holte Sergio Pérez für Red Bull den vierten Sieg seiner Karriere und seinen ersten in Singapur. Er ging von Startplatz 2 schon in der ersten Kurve an Polesetter Charles Leclerc vorbei und gab die Führung bis zum Ende nicht mehr ab. Carlos Sainz wurde Dritter und brachte damit beide Ferrari aufs Podium. Erst nach dem Rennen bekam Pérez eine Fünf-Sekunden-Strafe, sein Vorsprung reichte trotzdem.

Regen am Marina Bay Street Circuit: Verspäteter Start und Pérez' Blitzstart

Kurz vor dem Rennen gab es auf dem Marina Bay Street Circuit einen heftigen Regenschauer. Der Start verzögerte sich deshalb um gut eine Stunde. Die Einführungsrunde begann um 21:05 Uhr Ortszeit, alle Autos fuhren auf Intermediates. Durch die Verspätung entschied am Ende die Zwei-Stunden-Grenze über die Renndistanz und nicht die 61 geplanten Runden. Gefahren wurden 59 Runden.

Der Start entschied schon viel. Leclerc kam von der Pole schlecht weg, und Pérez zog in Kurve 1 vorbei. Sainz kämpfte sich an Lewis Hamilton im Mercedes vorbei auf Platz 3. Für Weltmeister Max Verstappen lief es dagegen schlecht. Im Qualifying hatte er seine letzte Runde in Q3 abbrechen müssen, damit ihm nicht der Sprit ausging. Deshalb startete er nur von Platz 8, und nach einem missratenen Start fiel er bis auf Rang 12 zurück. George Russell startete aus der Boxengasse, weil Mercedes neue Teile an der Antriebseinheit eingebaut hatte.

Safety-Car, VSC und Ausfälle: Das Chaos von Singapur

Das Rennen bei Nacht wurde zur Ausscheidungsfahrt. Nur 14 Autos kamen ins Ziel. Die wichtigsten Ausfälle und Zwischenfälle:

  • Guanyu Zhou (Alfa Romeo) und Nicholas Latifi (Williams): In Kurve 5 zog Latifi vor Zhou herüber und drückte ihn in die Mauer. Zhou war nach 6 Runden raus (Kollision), Latifi nach 7 Runden (Kollisionsschaden). Danach kam das erste Safety-Car, das am Ende von Runde 10 wieder reinging.
  • Fernando Alonso (Alpine F1 Team): Es war sein 350. Grand Prix. Nach 20 Runden stellte er sein Auto mit Motorschaden ab, und es gab eine virtuelle Safety-Car-Phase. Verstappen hatte bis dahin rund zehn Runden lang hinter dem Spanier festgesteckt.
  • Alexander Albon (Williams): Er schlug in die Mauer ein, sein Frontflügel blieb in der Barriere stecken, und es gab wieder eine VSC-Phase. Nach 25 Runden schied er mit Kollisionsschaden aus.
  • Esteban Ocon (Alpine): Motorschaden nach 26 Runden, die nächste VSC-Phase folgte. Damit fielen beide Alpine mit Motorproblemen aus.
  • Yuki Tsunoda (AlphaTauri): Kurz nach dem Wechsel auf Slicks landete er in Kurve 10 in der Barriere und war nach 34 Runden raus (Unfall). Das zweite Safety-Car blieb bis zum Ende von Runde 39 draußen. Danach blieben noch rund 35 Minuten.

Hamilton fuhr in Runde 33 in Kurve 7 zu spät auf die Bremse und schlug in die Begrenzung ein. Er fuhr mit beschädigtem Frontflügel weiter.

Strategie: Wechsel auf Slicks und das Duell Pérez gegen Leclerc

Mehr als 30 Runden lang fuhr die Spitze auf Intermediates. Pérez setzte immer wieder schnelle Runden und hielt Leclerc meist auf zwei bis drei Sekunden Abstand. Russell wechselte schon in der ersten VSC-Phase auf Medium-Reifen, viel zu früh. Auf der noch nassen Strecke war er langsamer als die Fahrer auf Intermediates und drehte sich sogar einmal.

Die Spitze wechselte erst auf Slicks, als die Strecke abtrocknete. Leclerc kam in Runde 34 an die Box, Pérez und Sainz eine Runde später. Alle drei behielten ihre Plätze. Teuer wurde es für Hamilton: Er brauchte zusätzlich eine neue Nase und war 41,0 Sekunden in der Boxengasse. Drei Runden später lag er nicht mehr auf Platz 5, sondern auf Platz 9. Lando Norris im McLaren kam erst in Runde 36 rein, als das Safety-Car schon draußen war, und verlor so kaum Zeit.

Nach dem Restart machte Leclerc auf der trocknenden Strecke Druck. In Runde 43 wurde DRS freigegeben, da waren noch etwa 26 Minuten zu fahren. Pérez klagte am Funk über wenig Grip, wehrte sich aber mit schnellen Runden. In Runde 53 lag er 3,2 Sekunden vorn. Auf der Strecke kam er mit rund 7,6 Sekunden Vorsprung ins Ziel, genau als die zwei Stunden um waren. Er selbst sprach von seiner besten Leistung: „It was certainly my best performance, I controlled the race.“ (Quelle 6)

Gewinner und Verlierer des GP Singapur

Gewinner: Daniel Ricciardo holte die meisten Plätze und fuhr von Startplatz 16 auf Rang 5. Das sind elf Plätze. Zusammen mit Norris auf Platz 4 gab es für McLaren die ersten Punkte mit beiden Autos seit Frankreich. Gut lief es auch für Aston Martin: Lance Stroll kam von Platz 11 auf Platz 6, Sebastian Vettel von 13 auf 8. Damit zog das Team in der Konstrukteurswertung an Haas vorbei.

Verlierer: Wer zählt, verlor Alonso mit 13 Plätzen am meisten, und dafür konnte er wegen des Motorschadens nichts. Hamilton fiel nach seinem Einschlag von Platz 3 auf Platz 9 zurück, er verlor sechs Plätze. Verstappen erlebte einen verkorksten Abend. Nach dem zweiten Restart griff er Norris zu ungestüm an, bremste sich einen Platten in die Reifen und rutschte in den Notausgang. Er musste in Runde 40 noch einmal an die Box und lag drei Runden später nur auf Platz 12. Auf den letzten Runden überholte er noch Hamilton und Vettel und wurde Siebter.

Russell fuhr mit vier Boxenstopps zwar die schnellste Runde, kam aber mit zwei Runden Rückstand nur als 14. ins Ziel. Pierre Gasly holte als Zehnter einen Punkt für AlphaTauri. Leer gingen dagegen Valtteri Bottas als Elfter sowie Kevin Magnussen und Mick Schumacher vom Haas F1 Team aus. Magnussen musste schon früh wegen eines beschädigten Frontflügels die schwarze Flagge mit orangefarbener Scheibe beachten und an die Box.

Die Strafe gegen Pérez: Fünf Sekunden ohne Folgen

Noch während des Rennens nahmen die Rennkommissare Pérez' Verhalten hinter dem Safety-Car unter die Lupe. Die Entscheidung kam erst rund drei Stunden nach der Zielflagge. Der Mexikaner hatte hinter dem Safety-Car mehr als zehn Wagenlängen Abstand gelassen und auch auf eine Aufforderung der Rennleitung nicht reagiert. Laut FIA bekam er dafür eine Verwarnung und eine Zeitstrafe von fünf Sekunden. Die nasse Strecke werteten die Kommissare als mildernden Umstand. Nach Angaben des Veranstalters kamen zwei Strafpunkte dazu. Im offiziellen Ergebnis schrumpfte sein Vorsprung auf Leclerc so auf 2,595 Sekunden, der Sieg blieb aber bei ihm.

WM-Stand nach dem GP Singapur 2022: Verstappens Titel muss warten

Verstappen reiste mit der ersten Chance auf den Titel nach Singapur, Platz 7 reichte dafür aber nicht. Im WM-Stand 2022 führte er danach mit 341 Punkten, 104 vor Leclerc mit 237. Pérez lag mit 235 Punkten nur noch zwei Zähler hinter dem Monegassen. Dahinter folgten Russell mit 203 und Sainz mit 202 Punkten. Bei den Teams baute Red Bull mit 576 Punkten den Vorsprung auf Ferrari (439) aus, Mercedes lag mit 373 Punkten auf Platz 3.

Für Pérez war es der beste Abend der Saison. Er war der erste Fahrer seit Vettel 2011, der in einem Jahr sowohl in Monaco als auch in Singapur gewann. Gleichzeitig hielt er sich so im Kampf um den Vizetitel. Die nächste Chance auf den Titel hatte Verstappen eine Woche später beim GP Japan.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Singapur 2022 – formel-1-livestream.de
  2. Perez holds off Leclerc to win rollercoaster 2022 Singapore Grand Prix as Verstappen settles for 7th – Formula 1
  3. Singapore GP 2022 – Race Notes – GrandPrix.com
  4. F1 – Perez penalised but wins Singapore ahead of Leclerc, Verstappen finishes seventh – FIA
  5. Swashbuckling Pérez stays cool through chaos for his maiden Singapore win – Singapore GP
  6. Singapore Grand Prix: Perez's finest hour, fends off Leclerc – GrandPrix247
  7. Horner hails 'outstanding' Verstappen as Dutchman prepares for first opportunity to claim 2022 title in Singapore – Formula 1

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