Rückblick · erstellt am · Rennen vom 27. März 2022

GP Saudi-Arabien 2022: Verstappen gewinnt DRS-Duell gegen Leclerc

Max Verstappen schlägt Charles Leclerc in Jeddah nach einem Katz-und-Maus-Spiel um das DRS knapp. Pérez verliert seine erste Pole durch das Safety-Car.

GP Saudi-Arabien 2022 im Überblick: Verstappen siegt im Herzschlagfinale

Max Verstappen gewann im Red Bull den GP Saudi-Arabien 2022 auf dem Jeddah Corniche Circuit. Er kam nur 0,549 Sekunden vor Charles Leclerc ins Ziel, dahinter wurde Carlos Sainz im zweiten Ferrari Dritter. Entschieden wurde das Rennen in den letzten Runden. Dort lieferten sich Verstappen und Leclerc ein Taktikduell um den DRS-Messpunkt vor der letzten Kurve. Für Verstappen war es der erste Saisonsieg nach dem Ausfall in Bahrain.

Vor dem Rennen in Jeddah: Raketenangriff, Qualifying-Unfälle und Pérez' erste Pole

Das Wochenende stand zunächst gar nicht im Zeichen des Sports. Am Freitag wurde ein Öllager von Aramco etwa 16 Kilometer von der Strecke entfernt mit Drohnen und Raketen angegriffen. Die schwarze Rauchsäule war schon im ersten Training zu sehen. Fahrer, Teamchefs und die Formel-1-Führung berieten danach über vier Stunden lang, bevor die Fahrervereinigung GPDA zustimmte, das Rennen zu fahren.

Auch das Qualifying verlief turbulent. Nicholas Latifi löste in Q1 mit einem Unfall eine rote Flagge aus. In Q2 krachte Mick Schumacher schwer in die Mauer und wurde zur Vorsorge im Krankenhaus untersucht. Das Haas F1 Team zog seinen Wagen zurück, weil zu Beginn der Saison zu wenige Ersatzteile verfügbar waren. Schumacher fuhr deshalb nicht im Rennen. Lewis Hamilton schied im Mercedes schon in Q1 aus und startete nur von Platz 15.

Ganz vorn sorgte Sergio Pérez für eine Premiere. Er holte die erste Pole-Position seiner Karriere, und zwar in seinem 215. Grand Prix. Kein Fahrer vor ihm hatte so viele Rennen bis zu seiner ersten Pole gebraucht. Leclerc, Sainz und Verstappen folgten auf den Startplätzen zwei bis vier.

Start und Safety-Car: Wie Pérez die Führung verlor

Nur 18 Autos gingen ins Rennen. Neben Schumacher fehlte auch Yuki Tsunoda. Seine AlphaTauri bekam schon auf dem Weg in die Startaufstellung ein Problem mit der Antriebseinheit. Pérez behauptete am Start die Spitze vor Leclerc. Verstappen ging in der ersten Runde an Sainz vorbei und lag damit auf Platz drei.

In den ersten 14 Runden führte Pérez das Feld souverän an. Dann kam der Moment, der das Rennen kippen ließ. Red Bull holte den Mexikaner in Runde 15 zum Reifenwechsel. Kurz danach verunfallte Latifi in seinem Williams und das Safety-Car kam auf die Strecke. Alle hatten auf Medium-Reifen begonnen. So konnten Leclerc, Verstappen und Sainz in Runde 16 unter Neutralisation stoppen und verloren dabei viel weniger Zeit. Leclerc übernahm die Führung vor Verstappen. Pérez überholte Sainz an der Boxenausfahrt regelwidrig und musste den Platz beim Restart zurückgeben. Statt um den Sieg fuhr der Polesetter nun nur noch um das Podium. Er sagte später: „There was nothing else I could really do.“ (Quelle 3)

Beim Restart hielt Leclerc Verstappen hinter sich. Hamilton war auf harten Reifen gestartet und fuhr einen langen ersten Stint. Nach zwei Anläufen ging er an Kevin Magnussen vorbei und lag hinter seinem Teamkollegen George Russell auf Platz sechs.

Ausfälle beim GP Saudi-Arabien: Dreifaches Aus und virtuelles Safety-Car

Im Mittelfeld kämpften Fernando Alonso und Esteban Ocon viele Runden lang gegeneinander und tauschten mehrmals die Plätze. Dann befahl das Alpine F1 Team Ocon, die Position zu halten. Kurz vor Rennende fielen innerhalb kürzester Zeit drei Autos aus, und zwar aus unterschiedlichen technischen Gründen:

  • Fernando Alonso (Alpine) verlor Leistung und rollte aus. Er schied nach Runde 35 mit einem Defekt an der Wasserpumpe aus.
  • Daniel Ricciardo (McLaren) verlor in der letzten Kurve den Antrieb und blieb an der Boxeneinfahrt stehen. Er schied ebenfalls nach Runde 35 aus, Grund war das Getriebe.
  • Valtteri Bottas (Alfa Romeo) fuhr in die Box und gab nach Runde 36 wegen eines Problems am Kühlsystem auf.

Danach gab es ein virtuelles Safety-Car. Weil die Boxengasse geschlossen war, konnte Hamilton nicht günstig stoppen. Sein Stopp in Runde 40 warf ihn von Platz sechs auf Platz elf zurück. In der vorletzten Runde versuchte Alexander Albon in Kurve 1 einen Angriff auf Lance Stroll. Die beiden kollidierten, und Albon schied mit Schäden aus der Kollision aus. Er wurde trotzdem als 14. gewertet. Weitere Ausfälle waren Latifi (Unfall nach Runde 14) und Tsunoda, der wegen der Antriebseinheit nicht startete.

Verstappen gegen Leclerc: Das DRS-Duell der Schlussrunden

Die Phase mit dem virtuellen Safety-Car half Verstappen. Leclercs Reifen kühlten ab, und danach konnte er den Red Bull nicht mehr aus dem DRS-Fenster halten. Verstappen sagte über seine harten Reifen: „On the hard tyre I had a much better feeling.“ (Quelle 3)

Dann begann ein ungewöhnliches Taktikspiel. Der DRS-Messpunkt lag vor der letzten Kurve, und auf der langen Start-Ziel-Geraden war der Flügel besonders stark. Keiner der beiden wollte dort vorn liegen. Am Ende von Runde 41 ließ Leclerc Verstappen bewusst vorbei und holte sich die Führung in Runde 43 mit DRS vor Kurve 1 zurück. In der nächsten Runde bremste Verstappen so stark, um nicht vorn am Messpunkt anzukommen, dass ihm die Räder blockierten. Leclerc blieb vorn.

In Runde 46 klappte es dann. Verstappen blieb durch die letzte Kurve dicht dran, ging vor Kurve 1 vorbei und hatte zum ersten Mal einen Vorsprung von einer vollen Runde. „Once I got ahead it was like four laps flat out trying to stay ahead“, sagte er danach (Quelle 3). Die Kollision von Albon und Stroll half ihm zusätzlich. Wegen der gelben Flaggen war das DRS auf der Zielgeraden abgeschaltet, und Leclerc konnte etwa 0,7 Sekunden Rückstand ohne Flügel nicht aufholen. In der letzten Runde hatte er das DRS zwar wieder, war aber zu weit weg für einen Angriff. Zum Trost holte er die schnellste Runde.

Wegen der gelben Flaggen untersuchten die Kommissare nach dem Rennen das Verhalten von Magnussen, Sainz und Pérez. Strafen gab es keine.

Gewinner, Verlierer und WM-Stand nach dem GP Saudi-Arabien 2022

Gewinner des Tages: Hamilton und Nico Hülkenberg machten jeweils fünf Plätze gut. Hamilton kam von Startplatz 15 auf Rang zehn und holte damit einen Punkt. Hülkenberg fuhr im Aston Martin von Startplatz 17 auf Rang zwölf. Lando Norris verbesserte sich von Startplatz elf auf Rang sieben und holte die ersten Punkte des Jahres für McLaren. Auf Ocon fehlte ihm am Ende nur rund eine Zehntelsekunde. Russell (5.), Pierre Gasly (8.), Magnussen (9.) und Guanyu Zhou (11.) gewannen jeweils einen Platz.

Verlierer des Tages: Alonso verlor nach seinem Ausfall neun Plätze gegenüber dem Start, Bottas sieben. Am bittersten war der Abend aber für Pérez. Er hatte das Rennen von der Pole aus kontrolliert und wurde nur Vierter, weil das Safety-Car zum falschen Zeitpunkt kam.

WM-Folgen: Leclerc führte die Fahrer-WM mit 45 Punkten an. Dahinter lagen Sainz mit 33 und Verstappen mit 25 Punkten. Mit seinem Sieg kletterte der Weltmeister vom 19. auf den 3. Platz. Russell (22) und Hamilton (16) folgten. Bei den Konstrukteuren baute Ferrari seine Führung auf 78 Punkte aus, vor Mercedes (38) und Red Bull (37). Aston Martin und Williams hatten noch keinen Punkt. Den vollständigen Stand findest du im WM-Stand 2022.

Einordnung: Verstappen holte in Jeddah den 21. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Hamilton bestritt sein 180. Rennen für Mercedes. Damit hatte er mehr Starts für ein Team als Michael Schumacher, der zuvor den Rekord hielt. Nach zwei Rennen der neuen Ground-Effect-Ära war klar, dass sich Ferrari und Red Bull um den Titel streiten würden. Das Duell von Jeddah zeigte gleich, wie eng es zwischen Leclerc und Verstappen zuging. Weiter ging es mit dem GP Australien.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Saudi-Arabien 2022 – formel-1-livestream.de
  2. 2022 Saudi Arabian Grand Prix – Wikipedia
  3. Verstappen beats Leclerc in frantic fight to the flag: 2022 Saudi Arabian GP report – Motor Sport Magazine

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