GP Abu Dhabi 2020: Verstappen siegt Start-Ziel im Saisonfinale
Max Verstappen gewinnt das Saisonfinale 2020 in Abu Dhabi von der Pole und führt jede Runde. McLaren schnappt Racing Point noch Platz drei der Team-WM weg.
GP Abu Dhabi 2020: Verstappen beendet die Saison mit einem Start-Ziel-Sieg
Der letzte Lauf einer von der Pandemie geprägten Saison ging nicht an die Weltmeister: Max Verstappen gewann den GP Abu Dhabi 2020 für Red Bull von der Pole-Position und lag in allen Runden vorn. Die Mercedes-Piloten Valtteri Bottas und Lewis Hamilton wurden Zweiter und Dritter. Die Top 3 kamen also genau in der Startreihenfolge ins Ziel. Entschieden wurde das Rennen schon auf den ersten Metern und durch Verstappens Tempo im Anschluss. Echte Spannung gab es dahinter, wo McLaren und Racing Point um Platz drei der Konstrukteurs-WM kämpften.
Qualifying und Start auf dem Yas Marina Circuit: Red Bull hat das schnellere Auto
Schon die Pole-Position war ein Ausrufezeichen. Verstappen holte die einzige Pole des Jahres für ein Auto ohne Mercedes-Motor. Außerdem stand in Abu Dhabi zum ersten Mal seit 2013 kein Mercedes ganz vorn. Im Rennen über 55 Runden auf dem Yas Marina Circuit ließ der Niederländer nichts anbrennen. Er behielt beim Start die Führung und fuhr in den ersten Runden pro Umlauf ein paar Zehntel auf Bottas heraus.
Bottas räumte später ein, er habe schon früh im ersten Stint bemerkt, dass Red Bull mehr Tempo hatte. Damit habe er nicht gerechnet. Ins DRS-Fenster kam der Finne nie. Laut Motor Sport Magazine hatte Mercedes aus Sorge um die MGU-K die Motoren vorsorglich etwas zurückgedreht. Ob das den Rückstand erklärte, blieb offen.
Hamilton war nach seiner Corona-Infektion zurück. Wegen ihr hatte er den GP Sakhir eine Woche zuvor verpasst. Er hielt Platz drei, sagte nach dem Rennen aber, dass er sich nicht gut fühle. Dahinter überholte Alexander Albon den von Platz vier gestarteten Lando Norris und setzte sich auf den vierten Rang.
Ausfall von Pérez, Safety-Car und Boxenstopps in Runde 10
Der einzige Ausfall des Tages traf ausgerechnet den Sieger des Vorwochenrennens. Sergio Pérez startete nur von Platz 19, weil er neue Teile an der Antriebseinheit bekommen hatte. Bis auf Rang 14 kämpfte er sich nach vorn. Nach 8 Runden war Schluss. Offiziell ist der Ausfallgrund als Getriebedefekt („Transmission“) erfasst. Zeitgenössische Berichte nannten dagegen ein MGU-K-Problem. Pérez stellte seinen Racing Point am Streckenrand ab.
Die Bergung führte zu einer Kettenreaktion. Zuerst kam ein virtuelles Safety-Car, dann das echte Safety-Car, weil die Streckenposten das Auto nicht schnell genug bergen konnten. Fast das gesamte Feld nutzte die Gelegenheit und wechselte in Runde 10 auf harte Reifen, um damit bis ins Ziel zu fahren. Damit fielen Under- und Overcut als Waffe praktisch weg.
Vorn blieb alles beim Alten: Verstappen, Bottas, Hamilton und Albon kamen in der gleichen Reihenfolge zurück auf die Strecke. Weiter hinten gab es Verlierer. McLaren holte beide Autos direkt nacheinander an die Box, und Carlos Sainz fiel von Platz sechs auf neun zurück. Die Rennkommissare prüften, ob Sainz in der Boxengasse zu stark verlangsamt hatte. Nach dem Rennen sprachen sie ihn frei. Bei AlphaTauri verlor Daniil Kvyat mit 25,7 Sekunden in der Boxengasse viel Zeit und rutschte von Platz neun auf 14 ab. Nach dem Restart fuhr Verstappen in freier Luft davon. Er meldete nur leichte Vibrationen an seinen harten Reifen.
Ricciardo, Ferrari und der Kampf um Platz drei der Team-WM
Einige Fahrer blieben unter dem Safety-Car draußen, darunter Daniel Ricciardo und die beiden Ferrari. Für Ricciardo ging die Rechnung auf. Er fuhr lange auf Platz fünf und kam erst in Runde 39 an die Box. Danach fiel er nur auf Rang sieben zurück. In der letzten Runde holte er sich mit 1:40,926 Minuten die schnellste Runde und den Extrapunkt. Für Renault war es das letzte Rennen unter diesem Namen. Teamkollege Esteban Ocon hatte Ricciardo früh auf Anweisung des Teams vorbeigelassen. In der letzten Runde schnappte er sich noch Platz neun von Lance Stroll.
Bei Ferrari ging die Strategie nicht auf. Charles Leclerc war nach einem Unfall mit Pérez in Sakhir um drei Startplätze nach hinten versetzt worden und ging von Platz 12 ins Rennen. Er stoppte in Runde 22 und kam nur als 13. ins Ziel. Sebastian Vettel fuhr bis Runde 35 auf seinen ersten Reifen und lag zwischendurch auf Platz neun. Danach fiel er bis auf Rang 15 zurück und wurde am Ende 14. Für Vettel war es das letzte Rennen für die Scuderia. Beide Ferrari landeten sogar hinter Kimi Räikkönen im Alfa Romeo mit Ferrari-Motor.
Das wichtigste Duell im Mittelfeld fand in der Team-WM statt. Racing Point war mit zehn Punkten Vorsprung auf McLaren ins Finale gegangen. Mit Norris auf Platz fünf und Sainz auf Platz sechs holte McLaren 18 Punkte. Racing Point kam nach dem Ausfall von Pérez nur auf den einen Punkt von Stroll, der als Zehnter ins Ziel kam. Damit drehte McLaren die Wertung noch um.
Gewinner und Verlierer beim Saisonfinale in Abu Dhabi
Gewinner:
- Max Verstappen: Pole, jede Runde geführt und sein zehnter Grand-Prix-Sieg. Red Bull gewann zum ersten Mal seit sieben Jahren in Abu Dhabi.
- Daniel Ricciardo: Er machte mit 4 Plätzen am meisten Boden gut, von Startplatz 11 auf Rang 7, und holte dazu die schnellste Runde.
- McLaren: Platz drei in der Konstrukteurs-WM, das beste Team-Ergebnis seit 2012.
- Kimi Räikkönen: Er kam von Startplatz 15 auf Rang 12 und war damit der beste Fahrer mit Ferrari-Motor.
Verlierer:
- Daniil Kvyat: Er verlor die meisten Plätze im Feld, von Startplatz 7 auf Rang 11. Mit einer Runde Rückstand verpasste er knapp die Punkte. Es war sein letztes Rennen für AlphaTauri, Teamkollege Pierre Gasly wurde Achter.
- Racing Point: Pérez fiel aus, Stroll fiel von Startplatz 8 auf Rang 10 zurück, und damit war auch Platz drei in der Team-WM weg.
- Ferrari: Keine Punkte im Finale und Platz sechs in der Konstrukteurs-WM.
Bei Williams kehrte George Russell nach seinem Einsatz für Mercedes zurück und wurde 15. Nicholas Latifi kam als 17. ins Ziel. Für das Haas F1 Team fuhr Kevin Magnussen in seinem letzten Formel-1-Rennen auf Platz 18. Pietro Fittipaldi, erneut Ersatz für Romain Grosjean, wurde mit zwei Runden Rückstand 19. Antonio Giovinazzi landete auf Platz 16.
WM-Stand 2020 und Einordnung: Ein Fingerzeig für 2021
Die Titel waren schon vergeben. Hamilton schloss die Saison mit 347 Punkten als Weltmeister ab. Bottas sicherte sich mit 223 Punkten Platz zwei vor Verstappen mit 214. Pérez blieb trotz seines Ausfalls mit 125 Punkten Vierter vor Ricciardo mit 119. Durch ihre Punkte in Abu Dhabi zogen Sainz und Albon (je 105) an Leclerc (98) vorbei. Gasly schob sich mit 75 Punkten auf Rang zehn. In der Team-WM gewann Mercedes mit 573 Punkten vor Red Bull (319), McLaren (202), Racing Point (195) und Renault (181). Alle Werte findest du im WM-Stand 2020.
Das Finale war auch ein Abschied. Renault und Racing Point fuhren zum letzten Mal unter diesen Namen. Vettel bestritt sein letztes Rennen für Ferrari. Außerdem war es das letzte Rennen auf der ursprünglichen Streckenführung von Yas Marina, die seit 2009 gefahren worden war.
Vor allem aber setzte Red Bull ein Signal. Erstmals in der Hybrid-Ära unterlag Mercedes auf dieser Strecke, und das aus eigener Kraft statt durch Pech. Verstappen selbst gab sich danach vorsichtig, ob Red Bull 2021 wirklich um den Titel fahren könne. Im Rückblick zeigt sich: Ein Jahr später wurde er an gleicher Stelle Weltmeister.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Abu Dhabi 2020 – formel-1-livestream.de
- Verstappen dominates F1's Abu Dhabi season finale – The Race
- Does defeat make Mercedes stronger? 2020 Abu Dhabi Grand Prix report – Motor Sport Magazine
- 2020 Abu Dhabi Grand Prix – Wikipedia
- Abu Dhabi GP 2020 – Race Analysis – grandprix.com