Rückblick · erstellt am · Rennen vom 16. August 2020

GP Spanien 2020: Hamilton überrundet fast das ganze Feld

Lewis Hamilton siegte in Barcelona souverän vor Verstappen und Bottas, überrundete das Feld ab Platz vier und stellte mit Podium Nr. 156 einen Rekord auf.

GP Spanien 2020: Hamilton fährt in einer eigenen Liga

Beim GP Spanien 2020 auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya hatte niemand eine Chance gegen Lewis Hamilton. Der Mercedes-Pilot startete von der Pole-Position, führte alle 66 Runden an und gewann vor Max Verstappen im Red Bull und seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. Laut den Rennberichten lag Hamilton am Ende 24,177 Sekunden vor Verstappen und 44,752 Sekunden vor Bottas. Nur diese drei Fahrer kamen über die volle Distanz, alle anderen hatte der Sieger überrundet. Entschieden wurde das Rennen beim Reifenmanagement in der Hitze von Barcelona: Hier war Hamilton allen anderen überlegen.

Der Start: Verstappen schnappt sich Bottas, Stroll zieht mit

Hamilton kam sauber vom Start weg und fuhr ungefährdet in die erste Kurve. Dahinter erwischte Bottas einen schwachen Start. Verstappen ging von Startplatz drei aus an ihm vorbei. Auch Lance Stroll im Racing Point fuhr in Kurve 1 an dem Finnen vorbei. Kurz darauf griff auch Sergio Pérez an, aber Bottas konterte sofort. Erst in Runde 5 holte er sich mit DRS den dritten Platz von Stroll zurück.

Im Mittelfeld fiel Alexander Albon zurück, der in der Anfangsphase hinter Bottas aufgehalten wurde. Pierre Gasly im AlphaTauri machte dagegen gleich zu Beginn zwei Plätze gut. Lando Norris verlor beim Start Boden.

Verstappen konnte Hamilton in den ersten zehn Runden auf etwa zwei Sekunden folgen. Danach wuchs der Abstand stetig. Den Grund meldete der Niederländer selbst über Funk: Seine Soft-Reifen bauten ab.

Reifenstrategie in Barcelona: Hamiltons Meisterstück

Bei hohen Temperaturen ging es vor allem darum, wer seine Reifen am besten schont. Red Bull holte Verstappen in Runde 21 zum ersten Stopp herein. Mercedes reagierte in Runde 23 mit einem Doppelstopp für beide Fahrer. An der Reihenfolge an der Spitze änderte das nichts. Albon versuchte es mit einem frühen Stopp in Runde 17 auf harte Reifen, landete damit aber mitten im Verkehr.

Für seinen zweiten Stopp kam Verstappen bereits in Runde 41 an die Box. Bottas blieb draußen, fuhr kurz auf Platz zwei und stoppte erst in Runde 48. Danach lag er wieder hinter Verstappen. Trotz frischerer Reifen kam er nicht mehr an den Red Bull heran. Hamilton zögerte seinen zweiten Stopp bis Runde 50 hinaus und wehrte sich am Funk gegen den Soft-Reifen: „Don't put me on the soft, man.“ (formula1.com) Er bekam Medium-Reifen und fuhr den Sieg nach Hause.

Danach erzählte Hamilton, er sei „in a different zone“ gewesen und habe nicht einmal mitbekommen, dass er in der letzten Runde war (Motor Sport Magazine). Laut demselben Bericht hatte nicht einmal das Team damit gerechnet, dass die Reifen so gut halten würden. Einen kleinen Makel gab es trotzdem: Bottas gab die Jagd auf Verstappen auf, kam in Runde 64 für frische Reifen an die Box und holte sich die schnellste Runde. Damit verpasste Hamilton den Grand Slam aus Pole, Führung in jeder Runde, Sieg und schnellster Runde.

Racing Point, Vettel und die Strafen für blaue Flaggen

Racing Point setzte bei seinen Fahrern auf unterschiedliche Strategien. Pérez kam mit einem einzigen Stopp in Runde 29 durch und überquerte die Ziellinie als Vierter. Die Rennkommissare hatten ihm aber eine Zeitstrafe von fünf Sekunden gegeben, weil er blaue Flaggen missachtet und dabei Hamilton aufgehalten hatte. Deshalb fiel er auf Platz fünf zurück. Pérez nannte die Strafe „really unfair“. Er erklärte, er habe Hamilton erst in Kurve 1 vorbeigelassen, weil ihm das im engen letzten Sektor zu gefährlich gewesen sei (formula1.com). Stroll stoppte zweimal, in den Runden 27 und 42, und erbte so den vierten Platz. Für das Team war es das beste Ergebnis des bisherigen Jahres.

Auch Daniil Kvyat bekam fünf Strafsekunden für das Missachten blauer Flaggen. Er blieb trotzdem Zwölfter.

Bei Ferrari entschied man erst spät, dass Sebastian Vettel mit nur einem Stopp durchfahren sollte. Nach seinem Wechsel auf Soft-Reifen in Runde 29 lag er zeitweise auf Platz fünf. Am Ende fuhr er 37 Runden mit demselben Satz Reifen. Stroll und Carlos Sainz gingen in der Schlussphase noch an ihm vorbei, aber mit Platz sieben von Startplatz elf aus war Vettel trotzdem einer der Gewinner des Tages. Sainz fuhr bei seinem Heimrennen im McLaren auf Platz sechs.

Ausfall von Leclerc: Elektrikproblem stoppt den Ferrari

Charles Leclerc war der einzige Ausfall des Rennens. Kurz nach der Rennhälfte schaltete sich der Motor seines Ferrari plötzlich ab. Die Hinterräder blockierten, und der Monegasse drehte sich in der Schikane im letzten Sektor. Zwar bekam er den Wagen wieder in Gang, meldete aber, dass sich das Auto „strange“ anfühle (formula1.com). Außerdem hatte er laut Motor Sport Magazine beim Versuch, neu zu starten, seine Gurte gelöst. Er musste deshalb ohnehin an die Box. Ferrari stellte das Auto nach Runde 38 ab. Offizieller Grund war ein Elektrikproblem (Electronics). Für Leclerc, der von Startplatz neun ins Rennen gegangen war, war es ein bitterer Nachmittag.

Gewinner und Verlierer beim GP Spanien

  • Lewis Hamilton: 88. Grand-Prix-Sieg, fünfter Erfolg in Spanien, vierter Saisonsieg 2020 und sein 156. Podium. Damit hielt er den Allzeitrekord und lag einen Podestplatz vor Michael Schumacher.
  • Sebastian Vettel und Antonio Giovinazzi: Sie machten jeweils vier Plätze gut und damit die meisten im Feld. Antonio Giovinazzi fuhr im Alfa Romeo von Startplatz 20 auf Rang 16.
  • Racing Point: Platz vier und fünf, 22 Punkte und damit Platz drei in der Teamwertung.
  • Max Verstappen: Als einziger Fahrer brachte er Mercedes durcheinander und stand bei jedem Rennen, das er 2020 beendet hatte, auf dem Podium.
  • Charles Leclerc: Er war der große Verlierer mit elf verlorenen Plätzen und seinem Ausfall.
  • Alexander Albon: Er fiel von Startplatz sechs auf Rang acht zurück. Seine frühe Strategie mit harten Reifen ging nicht auf, und er rettete den achten Platz nur knapp vor Gasly.
  • Renault: Daniel Ricciardo wurde Elfter, Esteban Ocon Dreizehnter. Diesmal holte das Team keine Punkte. Den zehnten und letzten Punkt sicherte sich Norris.

WM-Stand nach dem GP Spanien 2020: Hamilton zieht davon

Im WM-Stand 2020 baute Hamilton seine Führung aus. Mit 132 Punkten lag er 37 Zähler vor Verstappen (95). Bottas folgte mit 89 Punkten auf Platz drei, Leclerc lag trotz Ausfall mit 45 Punkten weiter auf Rang vier. Dahinter ging es eng zu: Stroll verbesserte sich auf Platz fünf und lag mit 40 Punkten gleichauf mit Albon, Norris fiel mit 39 Punkten auf Platz sieben zurück.

In der Teamwertung lag Mercedes mit 221 Punkten weit vor Red Bull (135). Um Platz drei kämpften drei Teams, die nur zwei Punkte trennten: Racing Point (63), McLaren (62) und Ferrari (61).

Nach sechs Saisonrennen sah es so aus, als sei Hamilton auf dem Weg zum nächsten Titel kaum aufzuhalten. Der Sieg in Barcelona zeigte, wie stark die Kombination aus Hamilton und dem Mercedes war. Gleichzeitig war Hamilton mit 88 Siegen jetzt nicht mehr weit von Schumachers Rekord von 91 Erfolgen entfernt.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Spanien 2020 – formel-1-livestream.de
  2. Dominant Hamilton eases to fifth Spanish GP win as Verstappen splits Mercedes – formula1.com
  3. 2020 F1 Spanish Grand Prix report: Hamilton "in a different zone" – Motor Sport Magazine
  4. Perez brands blue flag penalty 'really unfair' after fifth-place finish – formula1.com

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