Rückblick · erstellt am · Rennen vom 9. August 2020

GP 70 Jahre F1 2020: Verstappen schlägt Mercedes mit harten Reifen

Max Verstappen gewann in Silverstone vor Hamilton und Bottas. Den Ausschlag gab sein Start auf harten Reifen, während Mercedes mit Blasen kämpfte.

GP 70 Jahre F1 2020: Verstappen beendet die Siegesserie von Mercedes

Beim GP 70 Jahre F1 2020 in Silverstone schlug Max Verstappen die bis dahin übermächtigen Silberpfeile. Der Fahrer von Red Bull startete von Platz 4 und gewann vor Lewis Hamilton und Polesetter Valtteri Bottas von Mercedes. Damit war er der erste Fahrer in dieser Saison, der ein Rennen nicht in einem Mercedes gewann. Entschieden wurde das Rennen schon am Samstag: Als einziger Fahrer aus den Top 10 nahm Verstappen das Rennen auf harten Reifen auf. Bei Mercedes bildeten sich dagegen Blasen auf den Reifen.

Auf der Strecke in Silverstone fuhr die Formel 1 am 9. August 2020 das zweite Rennen in Folge. Pirelli brachte diesmal Mischungen mit, die eine Stufe weicher waren als eine Woche zuvor beim GP Großbritannien. Die Medium-Mischung entsprach also dem Soft-Reifen der Vorwoche. Auf dem Asphalt maß man das ganze Rennen über mehr als 40 °C.

Start und erste Phase: Verstappen will nicht „wie eine Oma“ hinterherfahren

Beim Start behielt Bottas die Führung vor Hamilton. Verstappen kam stark weg und ging gleich in Kurve 1 an Nico Hülkenberg vorbei. Der Deutsche hatte seinen Racing Point sensationell auf Startplatz 3 gestellt. Er fuhr als Ersatz für Sergio Pérez, der positiv auf Corona getestet worden war.

Auf den harten Reifen hielt Verstappen erstaunlich gut mit den Mercedes mit, die auf Medium unterwegs waren. Sein Renningenieur warnte ihn vor zu hohen Reifentemperaturen und riet ihm, sich zurückfallen zu lassen. Verstappen lehnte ab. Sinngemäß funkte er, das sei seine einzige Chance gegen Mercedes, und er werde nicht wie eine Oma hinterherfahren. Teamchef Christian Horner scherzte später: „His grandmother must have been pretty fast.“

Mercedes holte zuerst Bottas in Runde 13 an die Box, dann Hamilton in Runde 14. Beide wechselten auf harte Reifen. Ab Runde 15 lag Verstappen vorn, und auf seinen alten Reifen fuhr er dem Feld davon. Laut FIA-Bericht betrug sein Vorsprung auf Bottas in Runde 20 bereits 13 Sekunden.

Strategie: Mit dem Overcut gegen die Mercedes-Blasen

Red Bull hatte das Rennen ideal geplant. Verstappen fuhr die Reihenfolge Hart, Medium, Hart, Mercedes dagegen Medium, Hart, Hart. Erst in Runde 26 kam Verstappen herein und holte sich Medium-Reifen. Bottas lag kurz in Führung, doch an der Brooklands-Kurve fuhren die beiden Seite an Seite. Mit seinen frischeren Reifen holte Verstappen sich die Spitze zurück. Horner nannte das einen Overcut: Red Bull konnte mit älteren Reifen länger schnell fahren und so die Führung erobern.

Gleichzeitig bildeten sich bei Mercedes sogar auf den harten Reifen Blasen, vorn wie hinten. Bottas berichtete hinterher, die Reifen seien regelrecht zerfallen, sobald er gegen Ende Druck machte. In Runde 32 wechselte Verstappen zurück auf Hart und reihte sich hinter Hamilton ein, der noch einmal an die Box musste. Das tat Hamilton in Runde 41, und so lag Verstappen ab Runde 42 wieder vorn. Dort blieb er bis ins Ziel. Laut FIA hatte er am Ende 11,326 Sekunden Vorsprung.

Pirelli-Sportchef Mario Isola lobte: „This weekend's race was all about pure strategy, judged to perfection by Red Bull and Max Verstappen.“

Hamiltons Schlussspurt und Bottas’ Pech in der letzten Runde

Nach seinem zweiten Stopp lag Hamilton auf Platz 4. Laut FIA-Bericht fuhr er 1,7 Sekunden hinter Charles Leclerc, der wiederum 2,8 Sekunden hinter Bottas lag. Auf frischen harten Reifen überholte Hamilton zuerst den Ferrari. In der letzten Runde bremste Bottas mit abgefahrenen Reifen früh vor Brooklands, und Hamilton zog vorbei. Hamilton fuhr außerdem die schnellste Runde. Damit holte er 19 Punkte, Bottas als Dritter 15.

Leclerc war einer der großen Gewinner des Tages. Ferrari setzte auf einen riskanten Einstopper: In Runde 18 wechselte er von Medium auf Hart und hielt diesen Satz bis ins Ziel. Laut Pirelli war das mit 34 Runden der längste Stint auf harten Reifen. Von Startplatz 8 aus wurde Leclerc Vierter. Sein Teamkollege Sebastian Vettel blieb als Zwölfter ohne Punkte.

Mittelfeld: Albon kämpft sich nach vorn, Hülkenbergs rätselhafter Stopp

Alexander Albon kam schon in Runde 6 an die Box und fiel damit weit zurück. Danach arbeitete er sich wieder nach vorn. Kurz vor Schluss ging er außen herum in die Copse-Kurve an Lance Stroll vorbei und holte von Startplatz 9 aus Rang 5. Stroll wurde Sechster.

Hülkenberg lag lange auf Kurs zu einem starken Ergebnis. In Runde 44 holte Racing Point ihn aber zu einem dritten Stopp an die Box, obwohl er auf Platz 5 lag. Er bekam weiche Reifen und kam als Siebter ins Ziel. Der FIA-Bericht nennt diesen späten Stopp „mystifying“.

Die meisten Plätze gewannen Esteban Ocon im Renault und Daniil Kvyat im AlphaTauri, jeweils sechs. Ocon kam mit nur einem Stopp in Runde 22 von Startplatz 14 auf Rang 8. Kvyat holte von Startplatz 16 aus den letzten Punkt. Dazwischen wurde Lando Norris für McLaren Neunter.

Zu den Verlierern zählte Daniel Ricciardo. Er startete als Fünfter, musste dreimal an die Box und kam mit einer Runde Rückstand nur auf Platz 14 ins Ziel. Pierre Gasly fiel nach einem frühen ersten Stopp in Runde 7 von Startplatz 7 auf Rang 11 zurück. Carlos Sainz lag in Runde 20 auf seinen Startreifen noch auf Platz 4. Bei seinem Stopp in Runde 22 verbrachte er aber 35,9 Sekunden in der Boxengasse und kam nur als 13. ins Ziel. Auch Kimi Räikkönen machte im Alfa Romeo fünf Plätze gut, blieb als 15. aber ohne Punkte.

Einziger Ausfall: Magnussen muss aus Sicherheitsgründen aufgeben

Alle Fahrer außer einem sahen die Zielflagge. Kevin Magnussen gab nach 43 Runden auf. Seine Reifen nutzten sich immer wieder stark ab, und die Vibrationen wurden schlimmer. Das Haas F1 Team holte ihn deshalb aus Sicherheitsgründen herein. Teamchef Guenther Steiner erklärte knapp: „Just blisters, vibrations and we had to retire him for safety reasons, obviously.“ Laut Autosport bekam Magnussen außerdem eine Zeitstrafe, weil er gefährlich vor Nicholas Latifi auf die Strecke zurückgefahren war.

Auch für Romain Grosjean im zweiten Haas sowie Williams mit George Russell und Latifi war es ein schwieriger Tag. Alle drei kamen mit einer Runde Rückstand ins Ziel, ebenso Antonio Giovinazzi.

WM-Stand nach dem GP 70 Jahre F1: Verstappen wird erster Verfolger

Mit dem Sieg ging Verstappen in der Fahrer-WM an Bottas vorbei auf Platz 2. Nach fünf Rennen sah die Spitze so aus:

  • Lewis Hamilton: 107 Punkte
  • Max Verstappen: 77 Punkte
  • Valtteri Bottas: 73 Punkte
  • Charles Leclerc: 45 Punkte

In der Konstrukteurswertung führte Mercedes mit 180 Punkten klar vor Red Bull mit 113 Punkten. Dahinter lagen Ferrari mit 55 und McLaren mit 53 Punkten eng beieinander.

Im Rückblick auf die Saison hatte dieses Rennen Gewicht. Verstappen zeigte, dass Mercedes bei Hitze und weichen Reifen verwundbar war. Red Bull wiederum bewies, dass es mit cleverer Strategie gegen das schnellste Auto gewinnen konnte. Den großen Vorsprung von Hamilton änderte das zunächst aber kaum.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP 70 Jahre F1 2020 – formel-1-livestream.de
  2. F1 - Verstappen wins 70th Anniversary Grand Prix ahead of Hamilton and Bottas – FIA
  3. Emirates Formula 1 70th Anniversary Grand Prix 2020 - Race – Pirelli
  4. Haas retired Magnussen from F1 70th Anniversary GP for safety reasons – Autosport
  5. Horner jokes: "Verstappen's Grandma must have been pretty quick!" – GPblog
  6. Max Verstappen beats Mercedes to victory at Silverstone – ESPN

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