Rückblick · erstellt am · Rennen vom 29. September 2019

GP Russland 2019: Hamilton profitiert von Ferraris Stallkrieg

Lewis Hamilton gewann den GP Russland 2019 vor Bottas und Leclerc. Ferraris Streit um die Teamorder und Vettels Defekt ebneten Mercedes den Weg zum Doppelsieg.

GP Russland 2019 im Überblick: Mercedes-Doppelsieg in Sotschi

Lewis Hamilton gewann den Großen Preis von Russland 2019 auf dem Sochi Autodrom vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. Charles Leclerc war von der Pole Position gestartet und wurde Dritter. Lange sah es nach einem Sieg für Ferrari aus. Den Ausschlag gaben dann der Streit um eine Teamorder, ein Defekt an Sebastian Vettels Auto und das Virtuelle Safety-Car, das Mercedes einen günstigen Boxenstopp schenkte.

Start in Sotschi: Vettel nutzt den Windschatten, Ferrari streitet über die Teamorder

Leclerc startete von Platz 1, Hamilton von Platz 2 und Sebastian Vettel von Platz 3. Auf der langen Geraden bis zur zweiten Kurve hängte sich Vettel in den Windschatten und zog an Hamilton und Leclerc vorbei. Dahinter überholte Carlos Sainz im McLaren auf ähnliche Weise Bottas. Kimi Räikkönen war im Alfa Romeo zu früh losgefahren und musste zur Durchfahrtsstrafe in die Box.

Was am Start so gut aussah, wurde für Ferrari schnell zum Problem. Über den Funk kam heraus, dass das Team mit dem Überholmanöver im Windschatten gerechnet hatte. Vettel sollte zuerst einen Vorsprung auf Hamilton herausfahren und Leclerc dann wieder vorbeilassen. Vettel weigerte sich. Leclerc sei zu weit weg, und wenn er langsamer fahre, könne auch Hamilton vorbeikommen. Auf die Aufforderung, Platz zu machen, funkte er laut Sky Sports nur: „He'll have to close up.“ Leclerc verwies darauf, dass er sich an alle Absprachen gehalten habe, und kündigte an, man werde später darüber sprechen.

Hinter den Ferraris setzte sich Bottas in Runde 7 wieder an Sainz vorbei auf Platz 3. Max Verstappen hatte wegen eines Motorwechsels eine Strafe von fünf Startplätzen bekommen und ging von Platz 9 ins Rennen. Bis Runde 17 hatte er sich auf Platz 5 nach vorn gearbeitet.

Boxenstopps und Virtuelles Safety-Car: So übernahm Hamilton die Führung

Ferrari löste den Konflikt über die Strategie. Leclerc kam nach Runde 22 zum Reifenwechsel und lag drei Runden später auf Platz 4, hinter den beiden Mercedes, die noch nicht gestoppt hatten. Vettel blieb bis Runde 26 draußen und kam nach seinem Stopp hinter Leclerc auf die Strecke zurück. Damit war die Reihenfolge so, wie Leclerc sie gewollt hatte.

Kurz darauf meldete Vettel auf der Runde aus der Box einen Defekt an der MGU-K, also dem Teil des Hybridantriebs, das beim Bremsen Energie zurückgewinnt. Er stellte sein Auto ab, und die Rennleitung rief das Virtuelle Safety-Car aus. Das war der Moment, in dem das Rennen entschieden wurde. Hamilton führte das Rennen seit Runde 26 an, kam in Runde 28 an die Box und behielt die Führung vor Leclerc. Laut Sky Sports und Reuters brachte gerade diese Neutralisation den Mercedes den entscheidenden Vorteil.

Noch während des Virtuellen Safety-Cars fuhr George Russell in Kurve 9 geradeaus in die Streckenbegrenzung. Danach kam das echte Safety-Car auf die Strecke. Ferrari holte Leclerc in Runde 30 ein zweites Mal herein und gab ihm wie den Mercedes-Piloten weiche Reifen. Das kostete ihn Platz 2 an Bottas. Nach dem Neustart in Runde 33 versuchte Leclerc rund 20 Runden lang, an Bottas vorbeizukommen. Es gelang ihm nicht. Hamilton fuhr in Runde 51 mit 1:35,761 Minuten die schnellste Runde. Das war zugleich ein neuer Rundenrekord für Sotschi und brachte ihm einen Extrapunkt.

Ausfälle beim GP Russland: Grosjean, Ricciardo, Vettel und das Williams-Doppelaus

  • Romain Grosjean (Haas F1 Team): Für ihn war das Rennen schon nach wenigen Kurven vorbei. Nach einer Berührung mit Antonio Giovinazzi und Daniel Ricciardo schlug er in Kurve 5 in die Barriere ein. Offizieller Grund: Kollision. Er kam auf 0 Runden. Die Kommissare stuften den Zwischenfall als Rennunfall ein. Das Safety-Car war bis zum Ende der dritten Runde draußen.
  • Daniel Ricciardo (Renault): Bei derselben Szene bekam er einen Reifenschaden hinten links und einen beschädigten Unterboden. Er fuhr weiter, stellte das Auto aber nach 24 Runden ab. Offizieller Grund: Kollision.
  • Sebastian Vettel (Ferrari): Nach 26 Runden war Schluss, weil die MGU-K ausgefallen war. Offizieller Grund: Leistungsverlust. Laut Sky Sports war es sein erster Ausfall seit dem GP Deutschland 2018.
  • George Russell (Williams): Nach 27 Runden schlug er in Kurve 9 ein. Offizieller Grund: Bremsen. Williams nannte später ein Problem an der Sicherung einer Radmutter als Ursache.
  • Robert Kubica (Williams): Er schied nach 28 Runden aus. Offizieller Grund: Bremsen. Laut Wikipedia nahm Williams sein Auto auch heraus, um für das nächste Rennen Teile zu sparen. Für das Team war es ein Doppelausfall.

Gewinner und Verlierer: Albon und Kvyat stürmen nach vorn

Alexander Albon fuhr die beste Aufholjagd des Tages. Nach seinem Unfall im ersten Qualifying-Abschnitt brauchte sein Red Bull einen neuen Unterboden, deshalb musste er aus der Boxengasse starten. Beim Neustart nach dem Safety-Car lag er auf Platz 9. In Runde 49 überholte er Sainz und wurde Fünfter, was seinem bisher besten Ergebnis entsprach. Verstappen kam von Startplatz 9 auf Platz 4. Damit holte Red Bull 22 Punkte.

Von den Fahrern, die aus der Startaufstellung losfuhren, machte Daniil Kvyat bei seinem Heimrennen die meisten Plätze gut. Im Toro Rosso fuhr er von Platz 19 auf Platz 12, also sieben Plätze nach vorn, Punkte gab es dafür aber nicht. Sergio Pérez (Racing Point) und Kevin Magnussen (Haas) gewannen je vier Plätze und kamen als Siebter und Neunter in die Punkte. Magnussen hatte in Runde 44 nach einem Angriff von Pérez die zweite Kurve abgekürzt und dabei die Begrenzungspoller nicht umfahren. Die Zeitstrafe von fünf Sekunden kostete ihn Platz 8 an Lando Norris. Sainz wurde Sechster, Nico Hülkenberg holte als Zehnter den letzten Punkt.

Der große Verlierer war Ferrari. Das Team hatte die erste Startreihe besetzt und Vettel in Führung gebracht. Am Ende standen nur Platz 3 und ein Ausfall. Nach drei Siegen in Folge, in Spa, Monza und Singapur, riss Ferraris Serie in Sotschi.

WM-Stand nach dem GP Russland 2019 und Einordnung

Mit 26 Punkten für den Sieg und die schnellste Runde baute Hamilton seinen Vorsprung im WM-Stand 2019 aus. Er hatte jetzt 322 Punkte, Bottas 249. Fünf Rennen vor Schluss lag Hamilton damit 73 Punkte vorn. Dahinter kämpften drei Fahrer eng um Platz 3: Leclerc mit 215 Punkten, Verstappen mit 212 und Vettel mit 194. Norris verbesserte sich um drei Plätze auf Rang 9 mit 35 Punkten und lag damit einen Punkt vor Ricciardo. In der Konstrukteurswertung baute Mercedes mit 571 Punkten den Vorsprung auf Ferrari mit 409 Punkten aus.

Für Hamilton war es der 82. Sieg seiner Karriere und der neunte der Saison. Für Mercedes war es der erste Sieg nach der Sommerpause und der erste Doppelsieg seit Silverstone. Außerdem blieb Mercedes in Russland ungeschlagen: Das Team hatte jeden Grand Prix in Sotschi seit der ersten Ausgabe 2014 gewonnen. Teamchef Toto Wolff fasste den Tag so zusammen: „Even without the right package, if you do things right you can still win the race.“

Am meisten wirkte aber der Streit bei Ferrari nach. Das Rennen in Sotschi zeigte offen, wie schwierig das Verhältnis zwischen dem viermaligen Weltmeister Vettel und dem aufstrebenden Leclerc geworden war.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Russland 2019 – formel-1-livestream.de
  2. 2019 Russian Grand Prix – Wikipedia
  3. Russian GP: Lewis Hamilton ends victory wait as Mercedes beat Ferrari – Sky Sports
  4. Hamilton wins in Russia to end Ferrari's run of success – TimesLive (Reuters)
  5. 2019 Russian Grand Prix race report: Hamilton steals win & Ferrari squabbles – Motor Sport Magazine

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