Rückblick · erstellt am · Rennen vom 22. September 2019

GP Singapur 2019: Vettel siegt per Undercut vor Leclerc

Sebastian Vettel gewann den GP Singapur 2019 dank seines früheren Boxenstopps vor Pole-Mann Leclerc. Ferrari feierte den ersten Doppelsieg seit Ungarn 2017.

GP Singapur 2019: Vettels Sieg in Kürze

Sebastian Vettel gewann den GP Singapur 2019 auf dem Marina Bay Street Circuit. Er war von Startplatz 3 ins Rennen gegangen. Sein Teamkollege Charles Leclerc wurde Zweiter und machte den Doppelsieg für Ferrari perfekt, Max Verstappen holte als Dritter für Red Bull den letzten Podestplatz. Entschieden wurde das Rennen in der Boxengasse: Ferrari holte Vettel in Runde 19 zum Reifenwechsel, eine Runde vor dem führenden Leclerc. Mit diesem Undercut ging Vettel an Leclerc und an Lewis Hamilton vorbei.

Start und Schleichtempo: Leclerc führt, das Feld bleibt eng beisammen

Leclerc verteidigte beim Start seine Pole-Position. Hinter ihm folgten Vettel und Hamilton. Im Mittelfeld ging es in der ersten Runde hoch her: Nico Hülkenberg im Renault und Carlos Sainz im McLaren berührten sich in Kurve 5 und hatten danach beide einen Reifenschaden. George Russell im Williams bekam nach einer Berührung mit Daniel Ricciardo ebenfalls einen Schaden ab. Hülkenberg und Russell steuerten schon nach der ersten Runde die Box an.

Danach begann eine merkwürdige Phase. Die Spitze fuhr bewusst langsam, um die weichen Reifen zu schonen. Laut Motorsport Magazine lag Leclerc rund 12 Sekunden über seiner Qualifying-Zeit. So blieb das Feld dicht beisammen, und keiner der Topfahrer hatte beim Boxenstopp eine Lücke, in die er hätte zurückfallen können. Erst als sich hinter Lance Stroll (Racing Point) eine Lücke von etwa zehn Sekunden auftat, öffnete sich das Boxenfenster.

Der Undercut: Wie Vettel Leclerc den Sieg wegschnappte

Ferrari holte zuerst den drittplatzierten Vettel herein. Er kam in Runde 19 zusammen mit Verstappen an die Box und bekam harte Reifen. Leclerc sollte in dieser Runde noch einmal pushen, aber seine abgefahrenen Softs gaben kaum noch etwas her. Motorsport Magazine zufolge war Vettel auf den frischen harten Reifen rund 3,9 Sekunden schneller. Normalerweise rechnet man mit einem Vorteil von ein bis eineinhalb Sekunden. Leclerc wechselte in Runde 20 und kam hinter seinem Teamkollegen wieder heraus. Am Funk machte er seinem Ärger Luft und stellte die Entscheidung des Teams mehrfach infrage.

Mercedes setzte bei Hamilton auf die entgegengesetzte Strategie. Er blieb bis Runde 26 draußen und hoffte auf ein Safety-Car oder darauf, dass die Ferraris im Verkehr stecken bleiben. Beides traf nicht ein. Hamilton fiel hinter beide Ferraris und auch hinter Verstappen zurück. Valtteri Bottas hatte schon in Runde 22 gewechselt. Er musste laut Motorsport Magazine später auf Anweisung langsamer fahren, damit Hamilton nach seinem Stopp vor Alexander Albon und Hülkenberg blieb.

Während die Spitze ihre Boxenstopps absolvierte, übernahm ab Runde 27 Antonio Giovinazzi die Führung. Er fuhr noch auf den Startreifen. Zum ersten Mal seit Andrea de Cesaris in Spa 1983 lag damit ein Alfa Romeo in Führung. In Runde 31 ging Vettel an Giovinazzi vorbei und hatte die Spitze bis ins Ziel inne.

Drei Safety-Car-Phasen: Russell, Pérez und Räikkönen fallen aus

In der zweiten Rennhälfte musste dreimal das Safety-Car raus. Vettel brachte seine Führung jedes Mal sicher durch den Neustart.

  • George Russell (Ausfall nach 34 Runden, Kollision): Romain Grosjean im Auto des Haas F1 Team wollte Russell vor Kurve 8 überholen und berührte dabei dessen Heck. Russell schlug in die Mauer ein. Die Stewards stuften den Zwischenfall als Rennunfall ein. Grosjean holte sich an der Box einen neuen Frontflügel.
  • Sergio Pérez (Ausfall nach 42 Runden, Motor): Sergio Pérez stellte seinen Racing Point am Streckenrand ab, laut Wikipedia wegen eines Öllecks. Danach rückte das zweite Safety-Car aus.
  • Kimi Räikkönen (Ausfall nach 49 Runden, Kollision): Kurz nach dem Neustart versuchte Daniil Kvyat (Toro Rosso), Kimi Räikkönen in Kurve 1 zu überholen. Dabei berührten sich ihre Vorderräder. Die Radaufhängung am Alfa Romeo brach, und das dritte Safety-Car kam auf die Strecke.

Auch abseits der Ausfälle war viel los. Ricciardo und Giovinazzi kollidierten bei einem Überholversuch. Ricciardo hatte danach einen Reifenschaden, Giovinazzi verlor Plätze. Stroll streifte die Mauer und fiel auf den letzten Platz zurück. Laut Wikipedia erhielt Giovinazzi nach dem Rennen eine Zeitstrafe von zehn Sekunden, weil er eine Anweisung der Rennleitung missachtet hatte. Sein Vorsprung reichte trotzdem, um Platz 10 zu behalten. Am Ende fehlten Leclerc 2,641 Sekunden auf Vettel, Verstappen lag 3,821 Sekunden zurück (Zeiten laut FIA).

Gewinner und Verlierer beim GP Singapur

Gewinner: Natürlich gehört Vettel dazu. Grosjean und Ricciardo machten aber die meisten Plätze gut, jeweils sechs. Grosjean fuhr von Startplatz 17 auf Rang 11, Ricciardo von Startplatz 20 auf Rang 14. Ricciardo war nur deshalb so weit hinten gestartet, weil er nach dem Qualifying disqualifiziert worden war. Sein Renault hatte in Q1 die erlaubte Leistung der MGU-K überschritten, eigentlich hatte er sich als Achter qualifiziert. Pierre Gasly arbeitete sich mit dem Toro Rosso von Startplatz 11 auf Rang 8 vor. Lando Norris wurde als Siebter bester Fahrer hinter den drei Topteams. Hülkenberg verdient ebenfalls Respekt: Nach dem Boxenstopp in der ersten Runde kämpfte er sich noch auf Rang 9 und in die Punkte.

Verlierer: Räikkönen verlor durch seinen Ausfall sechs Plätze auf seine Startposition und damit am meisten. Dahinter folgte Sainz, der nach dem Unfall in der ersten Runde von Startplatz 7 nur auf Rang 12 kam. Hamilton fiel wegen der missglückten Strategie von Startplatz 2 auf Rang 4 zurück. Leclerc musste den Sieg nach seiner Pole-Position dem Teamkollegen überlassen. Kevin Magnussen fuhr zwar die schnellste Runde des Rennens, nach einem späten Reifenwechsel auf weiche Reifen. Als 17. bekam er dafür aber keinen Zusatzpunkt, denn den gibt es nur für Fahrer in den Top 10.

WM-Stand nach dem GP Singapur 2019

An der Spitze des WM-Stands 2019 änderte sich wenig. Hamilton führte mit 296 Punkten weiterhin klar vor Bottas mit 231 Punkten. Der Abstand betrug also 65 Punkte. Dahinter wurde es eng: Leclerc und Verstappen hatten jetzt beide 200 Punkte, Leclerc rückte dabei auf den dritten Platz vor. Vettel folgte als Fünfter mit 194 Punkten. Albon schob sich mit 42 Punkten an Ricciardo vorbei auf Rang 8.

In der Teamwertung lag Mercedes mit 527 Punkten vorn. Ferrari hatte 394 Punkte und Red Bull 289. Dank des Doppelsiegs verkürzte die Scuderia den Rückstand auf die Silberpfeile, die Führung von Mercedes blieb aber deutlich.

Einordnung: Vettels Befreiungsschlag und Ferraris erster Doppelsieg seit 2017

Für Vettel war es ein wichtiger Sieg. Nach einer schwierigen Saison, in der Leclerc ihn intern immer mehr unter Druck setzte, gewann er zum ersten Mal seit dem GP Belgien 2018. Es war sein 53. Grand-Prix-Sieg und sein fünfter in Singapur. Vor dem Rennen hatte er gesagt: „I knew that my race was only going to come alive around the pitstops.“ (Motorsport Magazine). Genau so lief es dann auch.

Ferrari holte seinen ersten Doppelsieg seit Ungarn 2017 und als erstes Team überhaupt einen Doppelsieg in Singapur. Trotzdem blieb ein Beigeschmack. Die Frage, ob die Scuderia Leclerc den Sieg mit Absicht oder aus Versehen genommen hatte, beschäftigte das Fahrerlager noch lange.

Rückblickend: Es sollte Vettels letzter Formel-1-Sieg bleiben. Ferrari gewann danach erst beim GP Bahrain 2022 wieder ein Rennen und feierte dort auch den nächsten Doppelsieg.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Singapur 2019 – formel-1-livestream.de
  2. 2019 Singapore Grand Prix – Wikipedia
  3. 2019 F1 Singapore Grand Prix report: Vettel nabs victory from outstanding Leclerc – Motor Sport Magazine
  4. F1 – Vettel wins, Ferrari score 1-2 finish in Singapore – FIA

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