Rückblick · erstellt am · Rennen vom 28. Juli 2019

GP Deutschland 2019: Verstappen siegt im Regenchaos von Hockenheim

Max Verstappen gewann das Regenchaos von Hockenheim, Vettel stürmte von Platz 20 auf 2, Kvyat holte Rang 3 – und Mercedes erlebte ein Jubiläums-Debakel.

GP Deutschland 2019: Verstappen gewinnt, Vettel und Kvyat auf dem Podium

Max Verstappen gewann am 28. Juli 2019 den GP Deutschland auf dem Hockenheimring. Es war eines der chaotischsten Rennen der Saison, denn Regen und abtrocknende Strecke wechselten ständig. Der Red Bull-Pilot startete von Platz 2, fuhr die schnellste Runde und holte damit 26 Punkte. Neben ihm standen Sebastian Vettel im Ferrari, der vom letzten Startplatz kam, und Daniil Kvyat im Toro Rosso auf dem Podium. Entschieden wurde das Rennen vor der Halbzeit: Polesetter Lewis Hamilton flog in der Schlusskurve ab, und Mercedes war auf den Reparaturstopp nicht vorbereitet.

Rennverlauf in Hockenheim: Regenstart, Pérez-Crash und frühe Reifenwechsel

Wegen starken Regens begann der Grand Prix hinter dem Safety-Car. Erst nach einigen Runden gab die Rennleitung den stehenden Start frei, und die Distanz wurde auf 64 Runden verkürzt. Hamilton war angeschlagen ins Rennen gegangen. Trotzdem behauptete er die Führung vor seinem Teamkollegen Valtteri Bottas. Verstappen kam schlecht weg und verlor Plätze. Kimi Räikkönen schob sich im Alfa Romeo von Startplatz 5 auf Rang 3 nach vorn, und Charles Leclerc arbeitete sich von Startplatz 10 bis auf Rang 6 vor.

Schon in der zweiten Runde drehte sich Sergio Pérez im Racing Point und schlug in die Begrenzung ein. Damit kam das erste Safety-Car auf die Strecke. Die Spitze wechselte in Runde 3 auf Intermediates. Wer zu lange auf den Regenreifen blieb, fiel weit zurück, darunter Kevin Magnussen, Lance Stroll, Lando Norris, George Russell und Robert Kubica. Nach Runde 13 schied Daniel Ricciardo im Renault mit einem Auspuffschaden aus, worauf ein virtuelles Safety-Car folgte.

Die Entscheidung: Abflüge in der Schlusskurve und Mercedes' Boxen-Debakel

Kurz nach Runde 20 wagten Magnussen und Vettel als Erste den Wechsel auf Trockenreifen. Der Rest des Feldes folgte nach und nach. Die rutschige Schlusskurve wurde dabei zur Falle. Leclerc rutschte nach Runde 27 in die Reifenstapel und schied aus, das Safety-Car kam heraus. Hamilton war gerade auf Slicks gewechselt und kam an derselben Stelle von der Strecke ab. Mit beschädigtem Frontflügel schleppte er sich an die Box und fuhr dabei auf der falschen Seite des Pfostens an der Boxeneinfahrt vorbei. Dafür bekam er eine Zeitstrafe von fünf Sekunden.

Mercedes hatte mit dem ungeplanten Stopp nicht gerechnet. Laut unseren Daten brauchte Hamilton in Runde 29 insgesamt 69,0 Sekunden für die Durchfahrt der Boxengasse. Ab Runde 30 führte Verstappen. Auch er drehte sich einmal, fing seinen Wagen aber ab. Danach brachte ihn Red Bull laut Wikipedia mit 1,88 Sekunden Standzeit zum damals schnellsten Boxenstopp der Formel-1-Geschichte zurück auf die Strecke.

Nach Runde 39 rutschte Lokalmatador Nico Hülkenberg bei seinem Heimrennen in das Kiesbett der Schlusskurve und blieb stecken. Das bedeutete das nächste Safety-Car. Während der Boxenstopps lag Hamilton in Runde 47 noch einmal kurz vorn. Ab Runde 48 führte aber wieder Verstappen. Hamilton drehte sich später zusätzlich in Kurve 1 und kam am Ende auf sechs Boxenstopps. Sein Fazit: „Ultimately it was a really terrible, disastrous day.“ (formula1.com)

Reifenpoker in der Schlussphase: Vettel, Kvyat und Stroll stürmen nach vorn

In der Schlussphase lohnte sich Mut beim Reifenwechsel. Stroll wechselte nach dem Hülkenberg-Unfall früh auf Trockenreifen. Mit seinem Stopp in Runde 44 sprang er laut unseren Daten von Platz 14 auf Rang 4. Kvyat kam eine Runde später an die Box und lag drei Runden danach auf Platz 3.

Während Verstappen vorn ungefährdet war, kämpfte sich Vettel weiter nach vorn. Ferrari hatte am Samstag einen Doppel-Defekt erlitten, deshalb war Vettel ohne Zeit aus dem Qualifying gekommen. In der Schlussphase überholte er Carlos Sainz, Stroll und Kvyat. Bottas jagte noch einen Podestplatz, verunfallte aber nach Runde 56, und das letzte Safety-Car kam auf die Strecke. Kurz vor Schluss berührten sich Pierre Gasly und Alexander Albon. Gasly war nach Runde 61 raus, wurde aber noch als 14. gewertet. Albon kam als Sechster ins Ziel.

Verstappen gewann mit 7,333 Sekunden Vorsprung auf Vettel. Es war sein zweiter Saisonsieg nach dem GP Österreich. Kvyat war am Vortag Vater geworden und holte nun Platz 3. Für Toro Rosso war das das beste Ergebnis seit Vettels Sieg in Monza 2008. Carlos Sainz wurde Fünfter im McLaren. Sein Teamkollege Norris war nach Runde 25 mit Leistungsverlust ausgefallen.

Ausfälle und Strafen beim GP Deutschland 2019

Sieben Fahrer sahen die Zielflagge nicht regulär:

  • Sergio Pérez (Racing Point): nach Runde 1, Dreher mit Einschlag
  • Daniel Ricciardo (Renault): nach Runde 13, Auspuffschaden
  • Lando Norris (McLaren): nach Runde 25, Leistungsverlust
  • Charles Leclerc (Ferrari): nach Runde 27, Unfall in der Schlusskurve
  • Nico Hülkenberg (Renault): nach Runde 39, Unfall im Kiesbett der Schlusskurve
  • Valtteri Bottas (Mercedes): nach Runde 56, Unfall
  • Pierre Gasly (Red Bull): nach Runde 61, Kollision mit Albon, als 14. gewertet

Auch nach der Zielflagge änderte sich das Ergebnis noch. Räikkönen und Antonio Giovinazzi waren als Siebter und Achter ins Ziel gekommen. Die Kommissare stellten aber fest, dass beim Start das Kupplungsmoment nicht zur Vorgabe der Fahrer gepasst hatte. In einem Fall dauerte die Freigabe der Kupplung rund 300 statt der erlaubten 70 Millisekunden. Die Kommissare werteten das wie einen Frühstart und verhängten eine Stop-and-Go-Strafe von zehn Sekunden. Daraus wurden 30 Sekunden Zeitzuschlag für beide Alfa-Piloten, die damit auf die Plätze 12 und 13 fielen. Davon profitierten Romain Grosjean und Magnussen vom Haas F1 Team auf den Plätzen 7 und 8, Hamilton als Neunter und Kubica als Zehnter. Alfa Romeos Einspruch blieb erfolglos.

Gewinner, Verlierer und WM-Stand nach dem GP Deutschland

Gewinner des Tages war neben Verstappen vor allem Vettel. Er machte 18 Plätze gut, so viele wie niemand sonst. Kvyat und Stroll gewannen je 11 Plätze, Albon 10 und Kubica 8. Kubicas zehnter Platz brachte Williams den ersten Punkt der Saison 2019.

Verlierer waren die Silberpfeile ausgerechnet beim Fest zu 125 Jahren Mercedes im Motorsport. Bottas fiel aus, Hamilton rettete von der Pole nur Platz 9 und zwei Punkte. Auch Gasly ging von Startplatz 4 leer aus.

Im WM-Stand 2019 führte Hamilton weiter mit 225 Punkten, 41 vor Bottas (184). Dahinter folgten Verstappen (162), Vettel (141) und Leclerc (120). Kvyat sprang mit 27 Punkten um sechs Ränge auf Platz 8. Bei den Teams lag Mercedes mit 409 Punkten klar vor Ferrari (261) und Red Bull (217).

Einordnung: Für 2020 gab es keinen Vertrag, deshalb galt dieses Rennen schon damals als vorerst letzter Grand Prix von Deutschland. Rückblickend sollte es der letzte Formel-1-Lauf in Hockenheim bleiben. Für Kvyat war es sein letzter Podestplatz, für Kubica der letzte WM-Punkt seiner Karriere.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Deutschland 2019 – formel-1-livestream.de
  2. 2019 German Grand Prix – Wikipedia
  3. Alfa Romeo penalised post-race, Williams score first 2019 point – formula1.com
  4. Unwell Hamilton bemoans 'terrible, disastrous' German Grand Prix – formula1.com
  5. Best races of the 2019 F1 season: German Grand Prix – Motor Sport Magazine
  6. 2019 German Grand Prix race report — Verstappen stars after Mercedes meltdown – Motor Sport Magazine
  7. Verstappen wins chaotic German GP, Vettel goes 20th to 2nd – CFJC Today (The Associated Press)
  8. Max Verstappen wins thrilling German Grand Prix – Onmanorama

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