GP Kanada 2019: Vettel-Strafe schenkt Hamilton den Sieg
Lewis Hamilton gewinnt in Montreal, obwohl Sebastian Vettel als Erster ins Ziel kommt: Fünf Strafsekunden kosten den Ferrari-Piloten den sicher geglaubten Sieg.
GP Kanada 2019 im Überblick: Hamilton siegt nach Vettel-Strafe
Lewis Hamilton gewann den GP Kanada 2019 auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montreal, obwohl Sebastian Vettel als Erster über die Ziellinie fuhr. Der Ferrari-Pilot war in Runde 48 nach einem Fahrfehler unsicher auf die Strecke zurückgekehrt und hatte dabei Hamiltons Mercedes Richtung Mauer gedrängt. Dafür bekam er fünf Strafsekunden. Vettel wurde so nur Zweiter, und Charles Leclerc machte als Dritter das Podium komplett.
Start in Montreal: Vettel führt, Chaos in Kurve 1, Norris scheidet früh aus
Vettel hatte die Pole-Position mit 1:10,240 Minuten geholt, neben ihm standen Hamilton und Leclerc. Daniel Ricciardo stellte seinen Renault auf Startplatz vier. Das war die beste Startposition des Werksteams seit 2010. Damals saß noch Robert Kubica im Renault, der an diesem Tag im Williams aus der letzten Reihe startete. Hamilton hatte schon vor dem Start Ärger: Laut formula1.com mussten die Mechaniker in der Startaufstellung noch die Bremsen seines Autos entlüften.
Vettel kam sauber weg und übernahm die Führung. Leclerc setzte Hamilton zeitweise unter Druck, blieb aber Dritter. Ricciardo hielt Platz vier gegen Pierre Gasly im Red Bull. Dahinter wurde es in Kurve 1 eng: Alexander Albon (Toro Rosso) geriet zwischen Sergio Pérez (Racing Point) und Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo). Er berührte den Alfa und verlor seinen Frontflügel. Trümmerteile blieben sogar am Halo von Romain Grosjean (Haas F1 Team) hängen. Albon musste nach der ersten Runde an die Box und fiel ans Ende des Feldes zurück. Danach fehlte ihm das Tempo, und nach 59 Runden stellte Toro Rosso das Auto ab. Offizieller Grund: Schäden aus der Kollision.
Noch früher war das Rennen für Lando Norris vorbei. Der Rookie im McLaren hatte in der ersten Runde kurz einen Platz an Max Verstappen verloren und ihn dann zurückgeholt. In Runde 9 bekam er jedoch Probleme hinten rechts. Die Bremsen waren überhitzt und fingen Feuer, das die Radaufhängung durchbrannte. Nach 8 Runden war Schluss, und ein Safety Car gab es deswegen nicht. Teamkollege Carlos Sainz kämpfte ebenfalls mit den Bremsen. Er war nach einer Strafversetzung um drei Plätze nur Elfter gestartet, weil er im Qualifying Albon behindert hatte. Schon in Runde 3 musste er an die Box, weil wegen einer blockierten Kühlöffnung die Bremssättel überhitzten.
Kevin Magnussen startete aus der Boxengasse. Er war im Qualifying in der letzten Kurve verunglückt und bekam ein neues Chassis. Die Unterbrechung nach seinem Unfall kostete auch Verstappen die Chance auf eine bessere Startposition.
Boxenstopps und Reifenstrategie: Einstopprennen an der Spitze
Die Fahrer vorne kamen alle mit einem Stopp aus. Vettel fuhr bis Runde 26 auf Medium-Reifen und wechselte dann auf die harte Mischung. Hamilton übernahm kurz die Führung und kam zwei Runden später rein. Laut FIA-Bericht lag er danach rund vier Sekunden hinter Vettel. Weil Leclerc erst in Runde 33 stoppte, führte er zwischenzeitlich das Rennen an. Danach lag wieder Vettel vorn, Hamilton saß ihm im Nacken.
Im Mittelfeld ging die Strategie nicht für alle auf. Gasly holte sich schon in Runde 7 harte Reifen, steckte danach aber lange hinter Lance Stroll fest. Beide Renaults zogen so an ihm vorbei. Ricciardo stoppte in Runde 8 ebenfalls für harte Reifen und hielt Valtteri Bottas erstaunlich lange hinter sich, bis der Mercedes-Pilot endlich vorbeikam. Bottas war nur von Platz sechs gestartet. Er stoppte in Runde 30 und wegen des Extrapunkts noch einmal in Runde 67 für weiche Reifen. Damit fuhr er in Runde 69 mit 1:13,078 Minuten die schnellste Runde.
Am meisten holte Verstappen aus seiner Strategie heraus. Er startete auf den harten Reifen und fuhr den längsten ersten Stint des Feldes. Erst in Runde 48 wechselte er auf Medium-Reifen und kam von Startplatz neun auf Rang fünf ins Ziel.
Runde 48: Vettels Fehler, die Strafe und der vertauschte Schild
Auf den harten Reifen tat sich Vettel immer schwerer, und Hamilton kam näher. In Runde 48 verlor der Ferrari-Pilot am Eingang von Kurve 3 das Heck, fuhr über das Gras und ließ Kurve 4 aus. Er blieb vorn, kam aber genau dort auf die Strecke zurück, wo Hamilton gerade vorbeiwollte. Hamilton wurde in Richtung Mauer gedrängt und musste vom Gas gehen, um eine Kollision zu vermeiden. Am Funk beschwerte er sich sofort.
In Runde 57 entschieden die Rennkommissare: fünf Sekunden Zeitstrafe wegen unsicherer Rückkehr auf die Strecke. Vettel musste diesen Vorsprung nun herausfahren, schaffte es aber nicht. Im Ziel lag er auf der Strecke nur rund 1,3 Sekunden vor Hamilton. Nach der Strafe stand ein offizieller Rückstand von 3,658 Sekunden in der Wertung. Leclerc kam 1,038 Sekunden hinter seinem Teamkollegen ins Ziel.
Nach dem Rennen kochte Vettel. Statt in den Parc fermé zu fahren, stellte er sein Auto in der Boxengasse ab. Ein Offizieller musste ihn zur Siegerehrung holen. Auf dem Weg dorthin stellte Vettel die „1“-Tafel von Hamiltons Mercedes auf den leeren Platz, wo eigentlich sein Ferrari hätte stehen sollen. Die Fans wählten ihn zum Fahrer des Tages. Die Entscheidung der Kommissare war schon am Renntag heftig umstritten, und Ferrari kündigte an, sie überprüfen zu lassen. Zur Einordnung: Am 21. Juni lehnte die FIA den Antrag ab, weil Ferrari keine wesentlichen neuen Beweise vorgelegt habe.
Gewinner und Verlierer beim GP Kanada 2019
Gewinner:
- Lance Stroll: Beim Heimrennen fuhr der Racing-Point-Pilot von Startplatz 17 auf Rang neun. Mit acht gutgemachten Plätzen war er der beste Aufholer des Tages.
- Max Verstappen: Dank der langen ersten Phase auf harten Reifen gewann er vier Plätze und wurde Fünfter.
- Renault: Ricciardo wurde Sechster, Nico Hülkenberg Siebter. Das war das beste Ergebnis des Teams in dieser Saison und die erste doppelte Punkteplatzierung seit dem GP USA 2018.
- Daniil Kvyat: Daniil Kvyat überholte Sainz spät im Rennen und holte für Toro Rosso als Zehnter den letzten Punkt.
Verlierer:
- Sebastian Vettel: Er fuhr als Erster über die Ziellinie und wurde trotzdem nur Zweiter.
- Lando Norris: Von Startplatz acht ging es wegen der Bremsen und der Radaufhängung früh in die Garage.
- Alexander Albon: Mit der Kollision in Kurve 1 war sein Rennen praktisch schon gelaufen.
- Pierre Gasly: Er verlor drei Plätze und wurde als Achter überrundet.
- Alfa Romeo und Williams: Kimi Räikkönen wurde 15., Giovinazzi drehte sich in Runde 27 und kam als 13. ins Ziel. George Russell (16.) und Kubica (18.) blieben weit zurück. Williams hatte damit weiter keinen einzigen WM-Punkt.
WM-Stand nach dem GP Kanada und Einordnung
Hamilton holte in Montreal seinen fünften Saisonsieg und seinen siebten Sieg beim GP Kanada. Damit zog er mit Michael Schumachers Rekord für dieses Rennen gleich. Für Mercedes war es der siebte Sieg im siebten Rennen des Jahres. Im WM-Stand 2019 führte Hamilton danach mit 162 Punkten. Bottas folgte mit 133 Punkten, also 29 Punkte dahinter. Vettel war Dritter mit 100 Punkten, vor Verstappen (88) und Leclerc (72). Ricciardo machte fünf Plätze gut und lag mit 16 Punkten auf Rang acht.
Bei den Teams führte Mercedes mit 295 Punkten deutlich vor Ferrari (172) und Red Bull (124). Mit Platz zwei und drei war es Ferraris bestes Ergebnis der bisherigen Saison. Ein Sieg hätte gezeigt, dass Ferrari mit Mercedes mithalten kann. Stattdessen ging Montreal 2019 vor allem wegen einer Strafe in die Geschichte ein, über die noch lange gestritten wurde.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Kanada 2019 – formel-1-livestream.de
- Canadian Grand Prix 2019 race report and highlights – Formula 1
- F1 – Hamilton wins in Montreal as time penalty costs Vettel victory – FIA
- Canadian GP 2019 – Race notes – GrandPrix.com
- 2019 Canadian Grand Prix – Wikipedia