GP Brasilien 2018: Hamilton siegt, Ocon kostet Verstappen den Sieg
Hamilton siegte in Interlagos, Mercedes holte den fünften Teamtitel in Folge. Verstappen verlor die Führung durch eine Kollision mit Ocon.
GP Brasilien 2018: Hamilton gewinnt, Mercedes ist Konstrukteursweltmeister
Lewis Hamilton gewann für Mercedes den Großen Preis von Brasilien 2018 vor Max Verstappen im Red Bull und Kimi Räikkönen im Ferrari. Entschieden wurde das Rennen in Runde 44. Verstappen führte zu diesem Zeitpunkt souverän, kollidierte dann aber beim Überrunden mit Esteban Ocon und drehte sich. Hamilton übernahm die Führung, und mit diesem Sieg stand Mercedes vorzeitig als Konstrukteursweltmeister fest. Es war der fünfte Titel in Folge.
Das komplette Ergebnis und alle Daten zum GP Brasilien 2018 findest Du auf unserer Rennseite. Mehr zur Strecke steht auf unserer Seite zum Autódromo José Carlos Pace in Interlagos.
Start und Reifenpoker: Verstappen stürmt von Platz fünf nach vorn
Hamilton stand auf der Pole-Position. Laut grandprix.com war es seine zehnte der Saison und die 100. Pole für Mercedes in der Formel 1. Sebastian Vettel startete als Zweiter. Nach einem Verstoß gegen das Verfahren an der Waage im Qualifying kam er mit einer Verwarnung und 25.000 Euro Geldstrafe davon und behielt seinen Startplatz. Daniel Ricciardo musste dagegen wegen eines Turbowechsels fünf Plätze zurück und ging nur als Elfter ins Rennen.
Am Start behielt Hamilton die Führung. Valtteri Bottas ging außen an Vettel vorbei, der in Kurve 1 ein Rad blockierte, und schon lag Mercedes auf Platz eins und zwei. Bei den Reifen ging Ferrari ein Risiko ein: Beide Ferrari starteten auf den Soft-Reifen, Mercedes und Red Bull auf Supersoft. Laut Motorsport Magazine ging die Rechnung nicht auf, denn der Supersoft hielt viel länger als erwartet.
Verstappen nutzte das. Erst ging er an Räikkönen vorbei, eine Runde später mit DRS auch an Vettel. Ungefähr in Runde 8 überholte er schließlich Bottas innen in Kurve 1 und lag damit auf Platz zwei. Ricciardo kämpfte sich derweil von hinten nach vorn. Im Duell mit Vettel berührten sich die Räder zweimal, aber der Australier setzte sich durch.
Boxenstopps und Strategie: Red Bull mit dem längeren Atem
Mercedes hatte mit dem Supersoft mehr Probleme als die Konkurrenz. Bottas kam in Runde 18 an die Box, Hamilton eine Runde später. Beide wechselten auf Medium, und Hamilton reagierte damit auf einen möglichen Undercut von Red Bull. Ab Runde 19 führte Verstappen. Red Bull ließ ihn viel länger draußen als geplant, weil das Auto im Laufe des Stints immer schneller wurde. Erst in Runde 35 holte er sich Soft-Reifen. Danach führte Ricciardo, bis er in Runde 39 stoppte. Ab Runde 40 lag wieder Verstappen vorn, denn kurz nach seinem Stopp war er auf der Strecke auch an Hamilton vorbeigegangen.
Als Grund für Hamiltons Probleme nannte Motorsport Magazine nicht nur Blasen auf den Reifen, sondern vor allem den Motor. Kurz vor dem ersten Stopp stellte Mercedes fest, dass die Abgastemperaturen bei rund 1000 °C lagen, also etwa zehn Prozent über dem Limit. Das Team nahm Leistung weg und fuhr ein fetteres Gemisch. Für den Rest des Rennens musste Hamilton im vorsichtigen Motormodus fahren und konnte auf Verstappens Tempo nicht antworten.
Auch Vettel war gehandicapt. Ein Sensor am Motor war defekt, deshalb lief der Antrieb im Schutzmodus. Das Auto ließ sich schlechter fahren und hatte weniger Grip. In Runde 27 stoppte Vettel zum ersten Mal, in Runde 53 holte er sich noch einmal Supersoft-Reifen. Er hatte genug Vorsprung nach hinten, deshalb kostete ihn der zweite Stopp keinen Platz.
Die Kollision mit Ocon: Runde 44 entscheidet den GP Brasilien
Verstappen hatte das Rennen unter Kontrolle und baute seinen Vorsprung auf Hamilton aus. Dann kam ihm Ocon im Force India in die Quere. Ocon war bereits überrundet, kam aber nach seinem Stopp in Runde 40 mit frischen Supersoft-Reifen auf die Strecke. Mit DRS versuchte er, sich zurückzurunden, und griff Verstappen auf der Außenbahn in der Senna-S an. Verstappen verteidigte innen, in Kurve 2 berührten sich die beiden, und beide drehten sich. Verstappens Red Bull verlor einen großen Teil des Unterbodens und der Bargeboards auf der rechten Seite. Hamilton fuhr vorbei und übernahm die Führung.
Die Rennkommissare sahen die Schuld bei Ocon und gaben ihm eine 10-Sekunden-Stop-and-go-Strafe. Verstappen lag danach etwa sechs Sekunden hinter Hamilton. Trotz des beschädigten Autos war er schneller und holte pro Runde zwei bis drei Zehntel auf. In DRS-Reichweite kam er aber nicht mehr. Im Ziel fehlten ihm laut FIA 1,469 Sekunden zum Sieg.
Unterschiedlich sahen die beiden Fahrer den Vorfall. Verstappen sagte, ein überrundeter Fahrer dürfe sich durchaus zurückrunden, aber nicht auf diese Weise. Ocon meinte dagegen, es sei seine Kurve gewesen und ihm habe der Platz zugestanden. Nach dem Rennen eskalierte der Streit: Im Wiegebereich der FIA stieß Verstappen Ocon mehrfach vor die Brust. Dafür musste er zwei Tage Dienst für die FIA leisten.
Ausfälle und Mittelfeld: Ericsson und Hülkenberg ohne Zielankunft
Nur zwei Fahrer kamen nicht ins Ziel. Marcus Ericsson war im Sauber von Startplatz 6 aus gestartet, doch sein Rennen begann schlecht. Laut Motorsport Magazine verlor er schon in der Startaufstellung einen Teil des Diffusors, und in der ersten Runde berührte er sich mit Romain Grosjean im Haas. Das Auto lag immer schlechter, Ericsson drehte sich und schied nach Runde 20 aus. Als offizieller Grund ist Kollision verzeichnet. Nico Hülkenberg stellte seinen Renault nach Runde 32 wegen Überhitzung ab, ohne einen Boxenstopp gemacht zu haben.
Im Mittelfeld holte Charles Leclerc für Sauber von Startplatz 7 aus Rang sieben. Haas punktete doppelt, denn Grosjean wurde Achter und Kevin Magnussen Neunter. Den letzten Punkt sicherte sich Sergio Pérez als Zehnter. Danach folgten Brendon Hartley im Toro Rosso, Carlos Sainz und Pierre Gasly. Gasly war von Platz 9 gestartet und fiel auf Rang 13 zurück. Bei McLaren bekamen Stoffel Vandoorne und Fernando Alonso laut Wikipedia je fünf Strafsekunden, weil sie blaue Flaggen ignoriert hatten. Sie wurden 14. und 17. Für Williams blieben Sergey Sirotkin auf Platz 16 und Lance Stroll auf Platz 18 ohne Punkte.
Gewinner, Verlierer und WM-Stand nach dem GP Brasilien 2018
Gewinner des Tages:
- Lewis Hamilton holte laut FIA seinen zehnten Saisonsieg und seinen zweiten Sieg in Brasilien, obwohl sein Motor in der zweiten Rennhälfte angeschlagen war.
- Daniel Ricciardo fuhr von Startplatz 11 auf Rang vier. Mit sieben gewonnenen Plätzen machte er an diesem Tag die meisten Positionen gut. Vandoorne gewann sechs Plätze, Hartley fünf.
- Kimi Räikkönen stand als Dritter auf dem Podium. Einordnung: Laut Wikipedia sollte es sein letzter Podestplatz in der Formel 1 bleiben.
Verlierer des Tages:
- Max Verstappen verlor einen sicher geglaubten Sieg und wurde trotzdem Zweiter.
- Sebastian Vettel fiel mit dem Sensorproblem von Startplatz 2 auf Rang sechs zurück.
- Marcus Ericsson büßte nach dem frühen Ausfall 14 Plätze ein, mehr als jeder andere Fahrer.
- Valtteri Bottas stoppte in Runde 59 ein zweites Mal und wurde Fünfter. Dafür holte er die schnellste Runde des Rennens.
WM-Folgen: Hamilton war schon vor dem Rennen Weltmeister. Nach Interlagos hatte er 383 Punkte, Vettel 302 und Räikkönen 251. Spannend blieb der Kampf um Platz vier: Bottas lag mit 237 Punkten nur drei Zähler vor Verstappen mit 234. Ricciardo folgte mit 158 Punkten auf Platz sechs. In der Konstrukteurswertung kam Mercedes auf 620 Punkte, Ferrari auf 553. Mit nur noch dem GP Abu Dhabi im Kalender war der Titel für Mercedes damit entschieden. Den vollständigen WM-Stand 2018 findest Du bei uns.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Brasilien 2018 – formel-1-livestream.de
- 2018 Brazilian Grand Prix report – Motor Sport Magazine
- Brazilian GP 2018 – Race analysis – GrandPrix.com
- F1 – Hamilton wins in Brazil as Ocon clash denies Verstappen victory – FIA
- 2018 Brazilian Grand Prix – Wikipedia