GP Italien 2018: Hamilton bricht Ferraris Traum in Monza
Lewis Hamilton gewann den GP Italien 2018 gegen Pole-Mann Kimi Räikkönen – dank Mercedes-Taktik mit Bottas und Blasen auf Ferraris Hinterreifen.
GP Italien 2018: Hamilton siegt in Monza vor Räikkönen und Bottas
Ferrari stand in der ersten Reihe, die Tifosi feierten schon vor dem Start. Am Ende jubelte in Monza aber Lewis Hamilton. Der Mercedes-Pilot startete von Platz 3, überholte den Führenden Kimi Räikkönen im Ferrari in Runde 45 und gewann den GP Italien 2018. Räikkönen wurde Zweiter, Valtteri Bottas machte als Dritter den Mercedes-Erfolg komplett. Entschieden wurde das Rennen durch eine Startkollision mit WM-Rivale Sebastian Vettel und durch eine kluge Boxentaktik von Mercedes.
Rekord-Pole und Startchaos: Vettel und Hamilton kollidieren in Runde 1
Schon das Qualifying im Autodromo Nazionale di Monza hatte Geschichte geschrieben. Räikkönen fuhr in 1:19,119 Minuten auf die Pole. Mit einem Schnitt von 263,588 km/h war das die schnellste Pole-Runde, die die Formel 1 bis dahin gesehen hatte. Für Räikkönen war es die erste Pole seit Monaco 2017, für Ferrari die erste Heim-Pole seit 2010. Vettel komplettierte die rote erste Reihe.
Nach dem Start musste Räikkönen seinen Teamkollegen in der ersten Schikane abwehren. Das nutzte Hamilton: In der zweiten Schikane, der Roggia, ging er außen an Vettel vorbei. Vettel versuchte zu kontern, es kam zur Berührung, und der Ferrari drehte sich. Die Rennkommissare werteten die Szene als Rennunfall. Vettel musste nach der ersten Runde an die Box und fiel ans Ende des Feldes zurück. Laut unseren Daten lag er drei Runden nach dem Stopp auf Platz 17.
Gleichzeitig rollte Brendon Hartley im Toro Rosso mit beschädigter Aufhängung aus, und das Safety Car kam auf die Strecke. Beim Restart in Runde 4 ging Hamilton in der ersten Kurve an Räikkönen vorbei. Der Finne kam aber besser aus der Schikane und holte sich die Führung sofort zurück.
Boxenstopp-Poker: Wie Mercedes Bottas als Bremsklotz einsetzte
Im ersten Stint lag Hamilton laut ESPN fast durchgehend ein bis zwei Sekunden hinter Räikkönen. Dann zog Ferrari zuerst: Räikkönen kam in Runde 20 an die Box. Hamilton übernahm die Führung, fuhr aber auf seinen alten Reifen bis Runde 28 weiter und kam danach an die Box. Die reine Durchfahrtszeit durch die Boxengasse war bei beiden fast gleich (23,7 gegen 23,9 Sekunden).
Der eigentliche Trick folgte danach. Mercedes ließ Bottas auf der Strecke, und er führte von Runde 29 bis 35. Räikkönen hing hinter dem Finnen fest und verlor Zeit. Gleichzeitig verlangte er seinen Hinterreifen viel ab, um an Bottas vorbeizukommen, und überhitzte sie dabei. Hamilton kam so wieder an Räikkönens Getriebe heran. Erst in Runde 36 kam Bottas an die Box, und Räikkönen führte wieder. Doch jetzt hatte sich auf seinem linken Hinterreifen eine sichtbare Blase gebildet. Auch Hamilton hatte mit Blasen zu kämpfen, laut ThePitCrewOnline am linken Vorderreifen. Die Probleme bei Ferrari waren aber größer.
Die Entscheidung in Runde 45 – und Verstappens Strafe
Hamilton saß Räikkönen jetzt direkt im Nacken. Am Ende von Runde 44 verteidigte der Ferrari-Pilot noch die Innenbahn. Eine Runde später ging Hamilton mit DRS außen herum an ihm vorbei, diesmal endgültig. Mit dem kaputten Reifen konnte Räikkönen nicht mehr kontern und kam rund 8,7 Sekunden hinter Hamilton ins Ziel. Ein Trost blieb ihm: Es war sein 100. Podium in der Formel 1.
Dahinter kämpfte Max Verstappen im Red Bull um den dritten Platz. Nach seinem Stopp in Runde 36 kam Bottas hinter dem Niederländer wieder auf die Strecke und griff immer wieder an. In Runde 43 berührten sich die beiden beim Anbremsen der ersten Kurve, Bottas musste neben die Strecke ausweichen. Die Rennkommissare gaben Verstappen dafür eine Zeitstrafe von fünf Sekunden. Er kam als Dritter ins Ziel, fiel durch die Strafe aber hinter Bottas und Vettel auf Platz 5 zurück. Vettel hatte sich nach seinem Dreher und einem zweiten Stopp in Runde 29 bis auf Platz 4 zurückgekämpft.
Ausfälle und Disqualifikation: Hartley, Alonso, Ricciardo, Grosjean
- Brendon Hartley (Toro Rosso): Er kam nicht einmal durch die erste Runde. Offiziell steht Bremsen als Ausfallgrund im Ergebnis. Laut Berichten war er schon vor der ersten Kurve zwischen einen McLaren und einen Sauber geraten und mit gebrochener Aufhängung ausgerollt.
- Fernando Alonso (McLaren): Fernando Alonso gab nach 9 Runden mit Motorschaden auf.
- Daniel Ricciardo (Red Bull): Daniel Ricciardo war von Platz 19 gestartet und schied nach 23 Runden ebenfalls mit Motorschaden aus. Laut ESPN geschah das trotz einer neuen Antriebseinheit.
- Romain Grosjean (Haas): Romain Grosjean kam als Sechster ins Ziel, wurde aber nachträglich disqualifiziert. Renault hatte direkt nach dem Rennen gegen den Boden seines Haas protestiert. Die Kommissare stellten fest, dass die Referenzplatte nicht dem technischen Reglement entsprach. Die FIA hatte Haas schon vor Monza aufgefordert, die vorderen Ecken anzupassen. Das Team wollte dafür aber bis Singapur Zeit haben.
Durch die Disqualifikation rückte Esteban Ocon auf Platz 6 vor. Sergey Sirotkin wurde Zehnter und holte für Williams den ersten WM-Punkt seiner Karriere. Es sollte sein einziger Punkt in der Formel 1 bleiben.
Gewinner und Verlierer des GP Italien 2018
Gewinner: Neben Hamilton war Force India der große Gewinner. Sergio Pérez fuhr von Platz 14 auf Platz 7 und machte damit sieben Plätze gut. Zusammen mit Ocon holte das Team 14 Punkte. Ebenfalls sieben Plätze gewann Nico Hülkenberg, der von ganz hinten (Platz 20) auf Platz 13 fuhr. Stoffel Vandoorne im McLaren verbesserte sich um fünf Plätze auf Rang 12. Lance Stroll holte als Neunter zwei Punkte für Williams.
Verlierer: Für Ferrari war es ein bitterer Heim-Grand-Prix. Das Team startete aus der ersten Reihe und gewann trotzdem nicht. Pierre Gasly (von 9 auf 14) und Kevin Magnussen (von 11 auf 16) verloren je fünf Plätze. Magnussen musste schon in Runde 4 an die Box. Bei Haas kam noch Grosjeans Disqualifikation dazu. Carlos Sainz holte als Achter vier Punkte für Renault. Charles Leclerc fuhr im Sauber von Startplatz 15 auf Platz 11, knapp an den Punkten vorbei. Sein Teamkollege Marcus Ericsson wurde Fünfzehnter.
WM-Stand nach Monza: Hamilton baut Vorsprung auf Vettel aus
In der WM war Monza eine wichtige Station. Laut WM-Stand 2018 führte Hamilton nach dem 14. von 21 Saisonrennen mit 256 Punkten, 30 mehr als Vettel mit 226. Vor dem Rennen hatte der Abstand noch 17 Punkte betragen. Dahinter folgten Räikkönen (164), Bottas (159), Verstappen (130) und Ricciardo (118). Pérez und Ocon gingen in der Tabelle je einen Platz nach oben, auf die Ränge 9 und 10.
Bei den Teams lag Mercedes mit 415 Punkten jetzt 25 Punkte vor Ferrari (390). Red Bull war mit 248 Punkten Dritter. Im engen Mittelfeld kostete die Disqualifikation Haas Boden: Force India (91) und Renault (86) lagen vor dem US-Team (76).
Hamilton und Mercedes hatten Ferrari ausgerechnet in Monza geschlagen, auf der Strecke, die Ferraris Stärke hätte zeigen sollen. Vettel hatte durch die Kollision in der ersten Runde wieder wichtige Punkte verloren.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Italien 2018 – formel-1-livestream.de
- Italian GP race report 2018 – ESPN
- 2018 Italian Grand Prix – Wikipedia
- 2018 Italian GP Review: Raging Tifosi – The Pit Crew Online
- Grosjean disqualified following Renault protest – PlanetF1
- Hamilton wins, 100th podium for Kimi in Monza – racecar.com
- Italian GP 2018 – Qualifying report – GrandPrix.com