Rückblick · erstellt am · Rennen vom 20. Juni 2004

GP USA 2004: Schumacher siegt, Ralfs Crash überschattet Indy

Michael Schumacher gewann in Indianapolis vor Barrichello, Takuma Sato fuhr erstmals aufs Podium. Ralf Schumachers schwerer Unfall überschattete das Rennen.

Jock Clear in weißem BAR-Honda-Teamhemd in der Box von British American Racing beim Großen Preis der USA 2004 in Indianapolis
Foto: Wikimedia Commons, RickDikeman (CC0)

Mit KI erstellt auf Basis unserer Renndaten · verantwortlich: Markus Ochmann

GP USA 2004 in Indianapolis: Ferrari-Doppelsieg im Chaos

Beim GP USA 2004, dem 9. WM-Lauf der Saison, gewann Michael Schumacher vor seinem Ferrari-Teamkollegen Rubens Barrichello, der von der Pole Position gestartet war. Dritter wurde Takuma Sato im BAR. Das Rennen auf dem Indianapolis Motor Speedway entschied sich unter dem Safety Car: Zuerst ging Schumacher beim ersten Restart an Barrichello vorbei, dann nutzte er eine zweite Safety-Car-Phase für seinen Boxenstopp. Überschattet wurde der Tag vom schweren Unfall seines Bruders Ralf Schumacher im Steilkurvenstück.

Start in Indianapolis: Massenunfall und Schumachers Coup beim Restart

Barrichello behauptete am Start die Führung vor Schumacher. Dahinter krachte es. Laut grandprix.com bremste Cristiano da Matta in Kurve 2 ab, um seinem Toyota-Teamkollegen Olivier Panis auszuweichen, und bekam einen Schlag von hinten durch Christian Klien im Jaguar. Klien rutschte daraufhin in Felipe Massa im Sauber. Massa sagte später, der Jaguar habe quer auf der Strecke gestanden und er habe ihm nicht mehr ausweichen können (crash.net). Auch Giorgio Pantano im Jordan und Gianmaria Bruni im Minardi gerieten in den Unfall. Für Klien, Massa, Pantano und Bruni war das Rennen ohne eine einzige Runde beendet. Da Matta schleppte sich an die Box.

Das Safety Car blieb nach Angaben von grandprix.com und Wikipedia bis zum Ende der 5. Runde draußen. Den Restart entschied Schumacher für sich: Er hatte seine Reifen vorausschauend auf Temperatur gebracht, während Barrichello mit Wheelspin kämpfte. Barrichello erklärte, sein Reifendruck sei beim Restart zu niedrig gewesen (crash.net). Schumacher zog im Windschatten vorbei, an der Linie trennten die beiden laut grandprix.com nur 0,013 Sekunden. Ab Runde 6 führte Michael Schumacher.

Reifenschäden bei Alonso und Ralf Schumacher

Kurz danach wurde das Rennen von zwei Michelin-Reifenschäden geprägt. Fernando Alonso war im Renault von Startplatz 9 bis auf Rang 3 nach vorn gefahren. Nach 8 Runden platzte laut grandprix.com sein rechter Hinterreifen, und er schlug auf dem Weg zur ersten Kurve in die Mauer ein.

Noch heftiger erwischte es Ralf Schumacher. Sein Williams verlor nach 9 Runden in Kurve 13, dem einzigen Steilwandstück im damaligen Kalender, einen Hinterreifen und prallte nahezu rechtwinklig in die Mauer (Wikipedia, grandprix.com). Williams-Technikchef Sam Michael nannte einen Reifenschaden als Ursache. Grandprix.com hielt Trümmer vom Startunfall für die wahrscheinlichste Quelle. Ralf blieb lange im Wrack sitzen, mitten auf der Strecke lagen Trümmerteile. Das zweite Safety Car fuhr nach Wikipedia von Runde 10 bis 19 und damit deutlich länger als erwartet.

Einordnung aus den Tagen danach: Williams teilte mit, dass Ralf Schumacher zwei Brüche an der Wirbelsäule erlitten hatte und bis zu zwölf Wochen ausfallen würde. Beim folgenden Rennen in Frankreich ersetzte ihn Marc Gené (grandprix.com, 30. Juni 2004).

Boxenstopps und Ferrari-Duell: Barrichello kommt nicht vorbei

In der zweiten Safety-Car-Phase fiel die Entscheidung. Ferrari holte beide Autos gleichzeitig an die Box, und Barrichello musste hinter Schumacher warten. Grandprix.com zufolge stand er nur 5,1 Sekunden, verlor in dieser Runde aber rund 15 Sekunden. Schumacher kam trotz Tankstopp und neuer Reifen in Führung wieder auf die Strecke, weil das Feld wegen der Trümmer langsam fahren musste. Barrichello dagegen fand sich als Siebter in der Schlange hinter dem Safety Car wieder. Bis etwa Runde 35 steckte er im Verkehr fest, danach lag er laut grandprix.com rund zehn Sekunden hinter seinem Teamkollegen.

Als Schumacher zum zweiten Stopp abbog, übernahm Barrichello ab Runde 42 die Führung und gab alles. Bei seinem eigenen Stopp war der Rückstand laut Wikipedia von etwa 15 auf rund zwei Sekunden geschrumpft. Ab Runde 51 lag wieder Schumacher vorn. Danach kam es zum Duell der Ferrari-Piloten: Barrichello stach in Kurve 4 innen hinein, Schumacher machte die Tür rigoros zu, und beinahe hätten sich die beiden berührt. Anschließend sollte Barrichello laut Wikipedia hinter seinem Teamkollegen bleiben. Er sicherte sich immerhin die schnellste Runde. Im Ziel lag Schumacher 2,950 Sekunden vor ihm (grandprix.com).

Takuma Sato aufs Podium, Jarno Trulli stürmt von Startplatz 20 auf Rang 4

Der Mann des Tages hinter den Ferraris war Takuma Sato. Er startete von Platz 3 und kam auch als Dritter ins Ziel, laut crash.net 22,0 Sekunden hinter dem Sieger. Es war sein erster Podestplatz in der Formel 1 und für Japan erst der zweite überhaupt nach Aguri Suzuki (Wikipedia). Allerdings musste Sato ihn sich spät noch erkämpfen.

Auf Platz 3 lag nämlich lange Jarno Trulli. Der Renault-Pilot hatte im Qualifying wegen eines Getriebeproblems keine Zeit gesetzt und war deshalb als Letzter gestartet (Wikipedia). Trulli zog seinen ersten Stopp in die zweite Safety-Car-Phase vor, und das zahlte sich aus (crash.net). In der Schlussphase kam Sato jedoch immer näher. Trulli leistete sich einen Ausritt, und als auf der Steilkurve wegen Öl auf der Strecke Flaggen geschwenkt wurden, ging er vom Gas. Sato nutzte das und ging in Kurve 1 vorbei (crash.net, grandprix.com). Trotzdem gewann Trulli mit Platz 4 die meisten Positionen aller Fahrer, nämlich 16.

Panis wurde Fünfter. Dahinter kamen die McLaren von Kimi Räikkönen und David Coulthard mit einer Runde Rückstand ins Ziel. Räikkönen musste laut crash.net zweimal außerplanmäßig an die Box, weil ein Luftkompressor am Motor defekt war. Coulthard brauchte einen Extrastopp, weil sich Styroporreste unter seinem Auto verklemmt hatten. Einen historischen Moment erlebte Zsolt Baumgartner: Mit Platz 8 holte er als erster Ungar überhaupt einen WM-Punkt (grandprix.com, Wikipedia), für Minardi war es laut crash.net der erste Punkt seit 41 Rennen.

Ausfälle und Montoyas Disqualifikation beim GP USA 2004

Nur neun Fahrer wurden gewertet. Neben dem Startunfall und den beiden Reifenschäden schieden aus:

  • Juan Pablo Montoya, Williams: Sein Auto sprang in der Startaufstellung nicht an. Er lief zur Box und stieg ins Ersatzauto um. Nach Ansicht der Rennkommissare hatte er die Startaufstellung damit nicht rechtzeitig vor der Einführungsrunde verlassen. Grandprix.com nennt die 15-Sekunden-Regel, Sam Michael verwies laut crash.net auf Artikel 85. Nach 57 Runden bekam Montoya die schwarze Flagge. Grandprix.com kritisierte, dass die Entscheidung so spät fiel. Es war nach dem GP Kanada seine zweite Disqualifikation in Folge (Wikipedia).
  • Mark Webber, Jaguar: Motorschaden nach 60 Runden. Grandprix.com zufolge verlor Mark Webber eine Ölleitung, und genau dieses Öl führte zu den Flaggen, die Trulli den Podestplatz kosteten.
  • Nick Heidfeld, Jordan: Motorschaden nach 40 Runden. Nick Heidfeld hatte sich laut grandprix.com zuvor tapfer gegen schnellere Autos gewehrt.
  • Jenson Button, BAR: Getriebeschaden nach 26 Runden. Jenson Button hatte laut grandprix.com schon beim Durchfahren des Trümmerfelds viel Zeit verloren, außerdem brachte die lange Safety-Car-Phase BARs Strategie durcheinander.
  • Cristiano da Matta, Toyota: Getriebeschaden nach 17 Runden. Er war vorher schon in den Startunfall verwickelt gewesen.

Giancarlo Fisichella wurde im Sauber trotz 8 Runden Rückstand als Neunter gewertet. Laut Wikipedia hatte er einen Reifenschaden hinten links und musste später mit einem Hydraulikproblem aufgeben.

WM-Stand nach dem GP USA 2004 und Einordnung

Mit dem Sieg baute Michael Schumacher seine Führung im WM-Stand 2004 aus. Er hatte jetzt 80 Punkte, 18 mehr als Barrichello mit 62. Button blieb trotz seines Ausfalls mit 44 Punkten Dritter, knapp vor Trulli mit 41. Dahinter folgten Alonso mit 25 und Montoya mit 24 Punkten. Sato verbesserte sich mit 14 Punkten um zwei Plätze auf Rang 7, Ralf Schumacher rutschte mit 12 Zählern auf Platz 8 ab. Bei den Teams lag Ferrari mit 142 Punkten schon mehr als doppelt so weit vorn wie Renault mit 66. Dritter war BAR mit 58 Punkten.

Sportlich bestätigte Indianapolis die Überlegenheit von Ferrari, die Michelin-Teams erlebten dagegen einen bitteren Tag: Gleich zwei Spitzenfahrer verloren ihr Auto durch geplatzte Reifen. Für Williams war das Wochenende ein Desaster. Montoya wurde disqualifiziert, und Ralf Schumacher fiel wegen seiner Verletzung für mehrere Rennen aus. Für Sato und Baumgartner bleibt das Rennen dagegen ein Meilenstein. Einordnung: Für Sato sollte es nach Wikipedia der einzige Podestplatz in der Formel 1 bleiben.

Das Rennen in Zahlen

Grafiken und Tabellen aus unserer Datenbank (amtliches Ergebnis, Rundendaten).

Positionsverlauf

Platz jedes Fahrers am Ende jeder Runde; farbig die ersten zehn im Ziel.
11020304050607073RundeMSCBARSATTRUOlivier PanisRAICOUZsolt BaumgartnerFISWEB

Gewonnene und verlorene Plätze

WM-Stand vorher und nachher

PlatzFahrervorherPunkte
1Michael Schumacher1 (70)80
2Rubens Barrichello2 (54)62
3Jenson Button3 (44)44
4Jarno Trulli4 (36)41
5Fernando Alonso5 (25)25
6Juan Pablo Montoya6 (24)24
7Takuma Sato9 (8)14
8Ralf Schumacher7 (12)12
9Giancarlo Fisichella8 (10)10
10David Coulthard10 (7)9

Quellen

Amtliches Ergebnis auf unserer Rennseite

  1. Ergebnis und Daten GP USA 2004 – formel-1-livestream.de
  2. United States GP 2004 – Race Report – grandprix.com
  3. US 2004: Michael wins, Ralf has horror crash – crash.net
  4. 2004 United States Grand Prix – Wikipedia
  5. Gene confirmed at this weekend's French GP (30. Juni 2004) – grandprix.com

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