GP Australien 2026: Russell siegt, Ferrari-Poker beim VSC scheitert
George Russell gewann den Saisonauftakt in Melbourne vor Antonelli. Mercedes stoppte unter VSC, Ferrari blieb draußen und verlor so die Führung.
GP Australien 2026: Mercedes-Doppelsieg zum Saisonauftakt
George Russell gewann von der Pole aus den ersten Grand Prix der Saison 2026 und holte für Mercedes einen Doppelsieg vor Teamkollege Andrea Kimi Antonelli. Dritter wurde Charles Leclerc im Ferrari. Entschieden wurde das Rennen in der ersten virtuellen Safety-Car-Phase ab Runde 12: Mercedes holte beide Autos an die Box, Ferrari ließ seine Fahrer draußen und verlor damit die Führung, die Leclerc bis dahin fast durchgehend gehalten hatte.
Alle Rundendaten, Stints und Positionen findest du auf unserer Rennseite zum GP Australien 2026. Dort kannst du das Rennen auch in 3D nacherleben.
Rennverlauf in Melbourne: Leclercs Angriff und das Duell um die Führung
Auf dem Albert Park Grand Prix Circuit blieb es trocken, die Luft hatte 23,1 bis 25,3 Grad, der Asphalt 33,3 bis 39,1 Grad. Schon vor dem Start fehlten zwei Autos (mehr dazu bei den Ausfällen). Als die Ampeln ausgingen, kam Leclerc von Startplatz 4 am besten weg und führte nach Kurve 1. Lewis Hamilton schob sich in der ersten Runde von Platz 7 auf Platz 3 vor. Antonelli dagegen fiel laut formula1.com auf Rang 7 zurück.
In Runde 2 holte sich Russell die Spitze zurück, eine Runde später war Leclerc wieder vorn. Danach führte der Monegasse bis einschließlich Runde 24. Hinter dem Spitzenduo startete Max Verstappen nach seinem Q1-Aus von Platz 20 eine Aufholjagd.
Das Rennen kippte mit den Ausfällen: Nach dem Defekt von Isack Hadjar gab es von Runde 12 bis 14 die erste VSC-Phase. Das Auto von Valtteri Bottas löste von Runde 18 bis 20 die zweite aus. In Runde 25 übernahm Hamilton nach Leclercs Stopp die Führung, bis Russell in Runde 28 wieder vorn lag. Laut Berichten überholte er Hamilton auf der Strecke, und der Ferrari bog direkt danach zum Reifenwechsel ab. Eine dritte, kurze VSC-Phase folgte in Runde 34, weil Trümmerteile vom Auto von Sergio Pérez auf der Strecke lagen. Von Runde 28 bis zur Zielflagge nach 58 Runden gab Mercedes die Spitze nicht mehr ab. Leclerc rettete Platz 3 knapp vor Hamilton.
Strategie: Warum Ferraris VSC-Poker den Sieg kostete
Alle vier Topautos kamen mit einem einzigen Reifenwechsel durch. Entscheidend war, wann sie wechselten. Mercedes nutzte gleich die erste VSC-Phase: Russell wechselte in Runde 12 von seinem schon zwei Runden alten Startsatz auf Hard (2,3 Sekunden Standzeit, 17,8 Sekunden in der Boxengasse). Er lag vor dem Stopp auf Platz 2 und drei Runden später auf Platz 3, verlor also kaum etwas. Antonelli fiel bei seinem Stopp in derselben Runde nur von Platz 4 auf 5 zurück. Danach fuhren beide 47 Runden auf demselben Hard-Satz bis ins Ziel.
Ferrari ließ Leclerc und Hamilton in beiden VSC-Phasen auf Medium draußen. Bei der zweiten Phase war die Boxengasse laut PlanetF1 zwischenzeitlich geschlossen, damit war diese Chance weg. Den Preis zahlte Ferrari später bei voller Renngeschwindigkeit: Leclerc wechselte in Runde 25 als Führender und war drei Runden später nur noch Dritter. Hamilton stoppte in Runde 28 ebenfalls als Führender und lag danach auf Platz 4. Die Zeit in der Boxengasse war mit 17,6 bzw. 17,7 Sekunden praktisch identisch mit der von Russell. Unter VSC fährt die Konkurrenz aber langsamer, deshalb kostet ein Stopp dort deutlich weniger Abstand. Den Vorteil, im Finale mit frischeren Hards zu fahren (34 bzw. 31 Runden alt statt 47 bei Mercedes), konnte Ferrari nicht in Positionen umsetzen. Fazit: Die Mercedes-Strategie ging auf, Ferraris Gamble nicht.
Lando Norris fuhr als einziger der Top 5 zwei Stopps. Sein Wechsel in Runde 11 kostete ihn zunächst zwei Plätze (von 7 auf 9). Der zweite Stopp unter VSC in Runde 34 warf ihn von Platz 5 auf 8 zurück, trotzdem kämpfte er sich wieder auf Rang 5 nach vorn. Verstappen startete als einer der wenigen auf Hard, wechselte unter VSC in Runde 18 ohne Platzverlust (6 vor und 6 nach dem Stopp) auf Medium und in Runde 41 noch einmal auf Hard. Er wurde Sechster und fuhr die schnellste Runde. Weniger gut lief es für Arvid Lindblad: Er lag vor seinem VSC-Stopp in Runde 18 auf Platz 5, danach auf Platz 7, und wurde am Ende Achter. Bei Williams verlor Carlos Sainz mit Standzeiten von 8,0 und 19,8 Sekunden in seinen späteren Stopps viel Zeit.
Ausfälle beim GP Australien: Piastri, Hülkenberg, Hadjar und Co.
- Oscar Piastri (McLaren), nicht gestartet: Der Lokalmatador von Startplatz 5 rutschte schon auf dem Weg in die Startaufstellung in Kurve 4 über den Randstein und drehte sich in die Barriere. Als Grund nannte er unter anderem kalte Reifen.
- Nico Hülkenberg (Audi), nicht gestartet: Auf der Fahrt in die Startaufstellung trat ein technischer Defekt auf. Audi schob das Auto von der Startaufstellung und konnte es nicht mehr rechtzeitig reparieren. Die Rennkommissare prüften wegen der Startprozedur einen Verstoß, sahen aber von Maßnahmen ab.
- Isack Hadjar (Red Bull), nach Runde 10: Hadjar war von Startplatz 3 ins Rennen gegangen, dann versagte die Antriebseinheit. Aus dem Heck qualmte es, er stellte das Auto im Gras ab.
- Valtteri Bottas (Cadillac F1 Team), nach Runde 15: Ein Problem im Kraftstoffsystem zwang ihn, sein Auto nahe der Boxeneinfahrt im Gras abzustellen.
- Fernando Alonso (Aston Martin), nach Runde 21: Alonso war von Platz 17 aus zunächst gut unterwegs. Dann holte Aston Martin ihn zur Kontrolle in die Garage (972,3 Sekunden in der Boxengasse ab Runde 13), schickte ihn noch einmal hinaus und stellte das Auto schließlich ab, um Bauteile zu schonen.
- Lance Stroll (Aston Martin), nicht gewertet: Auch Stroll verbrachte lange Zeit in der Garage, allein in Runde 34 stand er 1081,5 Sekunden in der Boxengasse. Er fuhr danach weiter, um Kilometer zu sammeln, kam aber nur auf 43 Runden und wurde deshalb nicht gewertet.
Strafen und Vorfälle: Das entschieden die Rennkommissare
Die einzige Strafe traf Franco Colapinto vom Alpine F1 Team. Wegen eines Verstoßes gegen die Startprozedur verhängten die Kommissare in Runde 8 eine Stop-and-Go-Strafe, die er laut Rennleitung in Runde 13 absaß. Am Ende wurde er Vierzehnter.
Alle anderen Fälle blieben ohne Folgen:
- Ein Vorfall mit Leclerc in Kurve 11 (Runde 9) wurde geprüft, eine Untersuchung gab es nicht.
- Das Duell zwischen Pérez und Liam Lawson in Kurve 11 (Runde 21, Vorwurf: von der Strecke gedrängt) wurde untersucht, ohne weitere Maßnahmen.
- Die Berührung zwischen Esteban Ocon und Pierre Gasly in Kurve 3 (Runde 23) wurde untersucht, ebenfalls ohne Folgen.
- Pérez wurde wegen ignorierter blauer Flaggen gemeldet, die Kommissare leiteten keine Untersuchung ein.
- Ocon wurde außerdem wegen unnötig langsamen Fahrens gemeldet, dieser Fall sollte nach dem Rennen untersucht werden.
Gewinner und Verlierer beim GP Australien 2026
Gewinner:
- Max Verstappen: Von Platz 20 auf 6, das sind 14 gewonnene Plätze und dazu die schnellste Runde. Der Bestwert des Tages.
- Lewis Hamilton: Von Startplatz 7 auf Rang 4, zwischendurch drei Runden in Führung.
- Oliver Bearman: Fünf Plätze gutgemacht (von 12 auf 7), mit einem einzigen Stopp unter VSC in Runde 18. Das brachte dem Haas F1 Team 6 Punkte.
- Pierre Gasly: Von Platz 14 auf 10, damit holte er den einzigen Punkt für Alpine.
- Gabriel Bortoleto: Platz 9 trotz eines langsamen Stopps (5,2 Sekunden Standzeit) und eines zweiten Wechsels in Runde 33. Das waren die ersten WM-Punkte für Audi.
- Arvid Lindblad: Platz 8 für das RB F1 Team, Punkte gleich bei seinem Debüt.
Verlierer:
- Isack Hadjar: Von Startplatz 3 aus war er in Schlagdistanz zur Spitze, dann kam nach 10 Runden das Aus.
- Liam Lawson: Er fiel von Startplatz 8 auf 13 zurück, das sind fünf Plätze verloren.
- Aston Martin: Beide Autos verbrachten vor allem Zeit in der Garage, keines wurde gewertet.
- McLaren: Piastris Unfall vor dem Start halbierte die Chancen, und Norris blieb mit Platz 5 ohne Podiumschance. Alexander Albon (von 15 auf 12) und Sainz (von 21 auf 15) machten zwar Plätze gut, blieben für Williams aber ohne Punkte.
WM-Stand nach dem GP Australien: Russell führt
Nach dem ersten von 24 Rennen führt Russell die Fahrerwertung mit 25 Punkten an, vor Antonelli (18) und Leclerc (15). Dahinter folgen Hamilton (12), Norris (10) und Verstappen (8). Bei den Teams liegt Mercedes mit 43 Punkten klar vor Ferrari (27), McLaren (10) und Red Bull (8). Williams, Cadillac und Aston Martin blieben zum Auftakt ohne Punkte.
Die komplette Tabelle findest du im WM-Stand 2026. Weiter geht es mit dem GP China. Dort will Ferrari zeigen, dass die Pace für mehr reicht, wenn die Strategie stimmt.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Australien 2026 – formel-1-livestream.de
- Russell wins action-packed Australian GP from Antonelli as Mercedes secure 1-2 finish – formula1.com
- Australian GP: Russell leads Mercedes 1-2 after Ferrari VSC gamble fails Leclerc – PlanetF1
- 2026 Australian Grand Prix retirements and DNFs explained – Speedcafe