GP Großbritannien 2024: Hamilton siegt nach Reifenpoker im Regen
Lewis Hamilton gewinnt den Heim-GP in Silverstone. Der frühere Wechsel auf Slicks entschied gegen Norris, Verstappen wurde mit harten Reifen noch Zweiter.
GP Großbritannien 2024: Hamilton gewinnt das Wetterchaos von Silverstone
Lewis Hamilton hat den GP Großbritannien 2024 gewonnen. Auf unserer Rennseite kannst du das ganze Rennen in 3D nacherleben. Der Mercedes-Pilot kam vor Max Verstappen von Red Bull und Lando Norris von McLaren ins Ziel. Entschieden wurde das Rennen auf dem Silverstone Circuit beim Wechsel zurück auf Trockenreifen: Hamilton kam in Runde 38 an die Box, Norris erst eine Runde später. Das kostete Norris die Führung, und Hamilton gab sie bis zur Zielflagge nach 52 Runden nicht mehr ab.
Rennverlauf: Russell führt, dann bringt der Regen die McLaren nach vorn
Bei Lufttemperaturen zwischen 14,5 und 16,8 Grad starteten fast alle Fahrer auf Medium-Reifen. Ausnahmen waren Esteban Ocon (Alpine F1 Team) und Guanyu Zhou (Sauber) auf Soft sowie Sergio Pérez auf Hard. Polesetter George Russell behielt am Start die Führung, Hamilton folgte auf Platz zwei. Norris kam etwas zu weit von der Strecke ab und ließ Verstappen vorbei. Später holten Norris und sein Teamkollege Oscar Piastri den Weltmeister wieder ein und überholten ihn.
In Runde 3 notierte die Rennleitung einen Zwischenfall von Nico Hülkenberg (Haas F1 Team) in Kurve 3. Der Vorwurf lautete, er habe die Strecke verlassen und sich dadurch einen Vorteil verschafft. Die Rennkommissare prüften den Fall in Runde 5 und leiteten keine weitere Untersuchung ein.
Russell führte von Runde 1 bis 17. Als die ersten Tropfen fielen, wurde es für ihn schwierig. Ab Runde 18 lag Hamilton vorn. In Runde 19 wurde Russell außerdem eine Rundenzeit wegen Überschreitens der Streckenbegrenzung in Kurve 2 gestrichen. Beide Mercedes rutschten in Abbey von der Strecke. Die McLaren nutzten das: Ab Runde 20 führte Norris, Piastri schob sich ebenfalls an den Silberpfeilen vorbei. Auf der feuchter werdenden Strecke war McLaren plötzlich das schnellste Team.
Strategie: Leclercs Intermediate-Poker und Piastris später Stopp
Zum ersten Mal entschied der Zeitpunkt des Reifenwechsels in Runde 19, wer gewann und wer verlor. Charles Leclerc von Ferrari ging als Erster auf Intermediates. Drei Runden nach dem Stopp war er von Platz 7 auf Platz 16 abgerutscht, denn die Strecke war noch zu trocken. Ein zweiter Satz Intermediates in Runde 27 änderte daran nichts, er blieb 16. Am Ende wurde Leclerc 14. und lag eine Runde zurück. Auch Pérez kam in Runde 19 und fiel von Platz 15 auf 17 zurück. Ocon wechselte zunächst auf Intermediates, kam in Runde 21 aber schon wieder für Medium-Reifen herein. In Runde 26 fuhr er dann doch noch einmal auf Intermediates.
Die meisten Fahrer wechselten erst in den Runden 26 und 27. Verstappen ging als einer der Ersten des Spitzenfelds in Runde 26 rein: Vor dem Stopp lag er auf Platz 5, drei Runden danach auf Platz 3. Auch Carlos Sainz gewann mit dem Stopp in Runde 26 einen Platz (von 6 auf 5). Norris, Hamilton und Russell kamen in Runde 27. Norris blieb vorn, Hamilton verbesserte sich von Platz 3 auf 2.
Piastri blieb als Einziger aus der Spitzengruppe noch eine Runde länger draußen und führte damit in Runde 28 kurz. Das zahlte sich nicht aus: Er lag vor dem Stopp auf Platz 3 und drei Runden danach nur noch auf Platz 6. Der späte Wechsel kostete Piastri also drei Plätze. Ohne diesen Verlust hätte McLaren wohl zwei Autos ganz vorn gehabt. Bei Williams lief der Wechsel auf Intermediates ebenfalls nicht rund: Alexander Albon brauchte in Runde 27 34,7 Sekunden für die Fahrt durch die Boxengasse. Das waren mehrere Sekunden mehr als bei der Konkurrenz.
Rennentscheidung: Warum Hamiltons früherer Slick-Stopp den Sieg brachte
Als die Strecke wieder abtrocknete, kam es auf den richtigen Moment für den Wechsel auf Slicks an. Hamilton ging in Runde 38 auf Soft-Reifen. Für die Boxengasse brauchte er 30,0 Sekunden, und er lag danach statt auf Platz 2 auf Platz 1. Norris blieb eine Runde länger draußen und kam in Runde 39 ebenfalls für Softs, die schon zwei Runden alt waren. Mit 30,3 Sekunden war seine Boxendurchfahrt etwas langsamer, laut formula1.com hakte es beim Stopp. Danach lag Norris nur noch auf Platz 2, ab Runde 40 führte Hamilton. Das war ein klassischer Undercut, und er entschied das Rennen.
Verstappen ging einen anderen Weg. Red Bull holte ihn ebenfalls in Runde 38 rein, setzte aber auf harte Reifen. Drei Runden nach dem Stopp lag er weiter auf Platz 3, doch gegen Rennende lohnte sich die Wahl. Die Softs von Norris bauten ab, Verstappen holte schnell auf und überholte den McLaren in der Schlussphase in Stowe. Für Hamilton reichte es aber nicht mehr. Die harten Reifen brachten Verstappen einen Platz und wichtige WM-Punkte, den Sieg aber nicht.
Piastri wechselte in Runde 38 auf Medium-Reifen und kam von Platz 5 auf Platz 4 vor. Dort beendete er auch das Rennen. Sainz stoppte als Einziger aus der Spitzengruppe dreimal: Nach Intermediates und harten Reifen holte Ferrari ihn in Runde 50 noch einmal für gebrauchte Softs herein. Er blieb Fünfter und fuhr die schnellste Runde des Rennens. Dafür gab es einen Zusatzpunkt, insgesamt also 11 Punkte.
Ausfälle beim GP Großbritannien: Russell und Gasly
Für Russell endete das Heimrennen bitter. Er war von der Pole gestartet und wurde nach 33 Runden aus dem Rennen genommen. Laut Mercedes lag vermutlich ein Problem mit dem Wassersystem vor. Russell erzählte nach dem Rennen, dass schon viele Runden vorher Warnungen zum Kühlsystem auf seinem Lenkrad angezeigt worden seien. Mit dem frühen Abstellen wollte das Team die Antriebseinheit schützen. In der Wertung fiel Russell mit dem Ausfall um 18 Plätze zurück, mehr als jeder andere.
Pierre Gasly ging gar nicht erst ins Rennen. Der Alpine-Pilot hätte von Platz 19 starten sollen. Er bog nach der Einführungsrunde in die Box ab und stellte sein Auto ab. Das Team vermutete ein Problem am Getriebe. Damit blieb Ocon der einzige Alpine im Rennen und kam als 16. mit zwei Runden Rückstand ins Ziel. Safety-Car-Phasen, virtuelle Safety Cars oder rote Flaggen gab es trotz des Wetters nicht, die Rennkommissare verhängten auch keine Strafen.
Gewinner und Verlierer in Silverstone
Gewinner:
- Hamilton war beim Wechsel auf Intermediates und später auf Slicks jeweils eine Runde früher dran als die Konkurrenz. So holte er von Startplatz 2 den Sieg und 25 Punkte.
- Verstappen startete von Platz 4 und wurde Zweiter. Sein Stopp in Runde 26 und die harten Reifen am Schluss brachten ihn zwei Plätze nach vorn.
- Kevin Magnussen gewann von Startplatz 17 bis auf Platz 12 fünf Plätze, so viele wie niemand sonst. Punkte gab es dafür aber nicht.
- Aston Martin fuhr mit Lance Stroll auf Platz 7 und Fernando Alonso auf Platz 8 (von Startplatz 10) zusammen zehn Punkte ein.
- Hülkenberg startete als Sechster und kam auch als Sechster ins Ziel. Das brachte Haas acht Punkte.
- Yuki Tsunoda kam von Startplatz 13 auf Platz 10 und holte den letzten Punkt für das RB F1 Team.
Verlierer:
- Russell startete von der Pole und fiel aus.
- Leclerc startete als Elfter. Sein früher Wechsel auf Intermediates warf ihn auf Platz 14 zurück, mit einer Runde Rückstand.
- Pérez startete von Platz 20, stoppte viermal und kam als 17. mit zwei Runden Rückstand ins Ziel.
- Zhou verlor vier Plätze und wurde 18. Auch Valtteri Bottas blieb als 15. ohne Punkte, Sauber hat damit weiterhin null Zähler.
- Knapp an den Punkten vorbei fuhren Logan Sargeant als Elfter und Daniel Ricciardo als 13. Albon holte dagegen als Neunter zwei Punkte für Williams.
WM-Stand nach dem GP Großbritannien 2024
Im WM-Stand 2024 führt Verstappen mit 255 Punkten. Sein Vorsprung auf Norris (171) beträgt jetzt 84 Punkte. Dahinter folgen die beiden Ferrari-Piloten Leclerc (150) und Sainz (146). Piastri liegt mit 124 Punkten jetzt auf Platz 5 und ist damit an Pérez (118) vorbeigezogen. Im Mercedes-Duell bleibt Russell trotz des Ausfalls mit 111 Punkten knapp vor Hamilton (110). Stroll ist mit 23 Punkten neu in die Top Ten gerückt.
In der Konstrukteurswertung führt Red Bull mit 373 Punkten. Dahinter wird es eng: Ferrari hat 302 Punkte, McLaren mit 295 Punkten nur noch sieben weniger. Mercedes folgt auf Platz 4 mit 221 Punkten.