Rückblick · erstellt am · Rennen vom 11. Juni 2018

GP Kanada 2018: Vettels 50. Sieg und eine verfrühte Zielflagge

Sebastian Vettel gewann den GP Kanada 2018 von der Pole und holte sich die WM-Führung zurück. Kurios: Die Zielflagge kam eine Runde zu früh.

GP Kanada 2018: Vettel siegt von Start bis Ziel

Sebastian Vettel machte den GP Kanada 2018 auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montreal zu einer Demonstration der Stärke. Er fuhr von der Pole-Position los und führte jede Runde an. Für Ferrari war es der erste Sieg in Kanada seit 2004 und für Vettel der 50. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Valtteri Bottas im Mercedes wurde Zweiter, dahinter kam Max Verstappen im Red Bull als Dritter ins Ziel. Mit diesem Sieg übernahm Vettel wieder die Führung in der WM.

Start und Safety Car: Hartley und Stroll schon in Runde 1 raus

Vettel kam sauber vom Start weg. Hinter ihm setzte sich Verstappen neben Bottas, aber der Finne verteidigte Platz zwei. Verstappen war auf den Hypersoft-Reifen gestartet, um besser vom Fleck zu kommen. Weiter hinten ging Daniel Ricciardo an Kimi Räikkönen vorbei auf Rang fünf.

In der ersten Runde war das Rennen für zwei Fahrer schon vorbei. In der Passage um Kurve 5 verlor Lokalmatador Lance Stroll im Williams die Kontrolle über sein Auto und traf den Toro Rosso von Brendon Hartley. Hartleys Auto verhakte sich mit dem Williams, hob ab und schlug in die Mauer ein. Laut Faktenpaket schafften beide keine einzige Runde, als Grund steht dort „Collision“. Beide Fahrer blieben unverletzt. Hartley wurde aber zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht.

Das Safety Car kam heraus und das Rennen wurde nach einigen Runden wieder freigegeben. Beim Restart berührte Sergio Pérez den Renault von Carlos Sainz, kam von der Strecke ab und verlor mehrere Plätze. Am Ende reichte es für Pérez nur zu Platz 14, obwohl er von Platz 10 gestartet war.

Strategie in Montreal: Ricciardo überholt Hamilton mit dem Overcut

Gegen Vettel hatte an diesem Tag niemand eine Chance. Er und Bottas fuhren mehr als die Hälfte des Rennens auf Ultrasoft-Reifen und wechselten dann für den Rest der Distanz auf Supersoft. Bottas kam in Runde 36 an die Box, Ferrari reagierte und holte Vettel in Runde 37 herein. Laut FIA kam Vettel danach mit rund acht Sekunden Vorsprung zurück auf die Strecke.

Das spannendste Duell gab es um Platz vier. Lewis Hamilton hatte Probleme mit seinem Mercedes und kam schon in Runde 16 zum Reifenwechsel, zusammen mit Verstappen. Ricciardo blieb eine Runde länger draußen, fuhr eine schnelle Runde vor dem Stopp (In-Lap) und wechselte in Runde 17 ebenfalls auf Supersoft. Der Overcut gelang, Ricciardo kam vor Hamilton zurück auf die Strecke. Räikkönen wartete bis Runde 32 mit seinem Stopp und lag danach nur noch auf Rang sechs hinter Hamilton. So endete das Rennen dann auch.

Hamiltons Motorprobleme und Bottas’ Spritsparen

Hamilton hatte ein besonders schwieriges Wochenende. Mercedes hatte seinen geplanten Motor-Upgrade (Phase 2) zurückgezogen, deshalb fuhren beide Silberpfeile mit der älteren Spezifikation, die schon viele Kilometer hinter sich hatte. Im Rennen überhitzte Hamiltons Antrieb. Das Team stellte auf ein Motor-Mapping um, das mehr Sprit verbraucht, aber Leistung kostet, und öffnete die Kühlschlitze. Deshalb musste er auch früher an die Box als geplant. Laut grandprix.com sagte Hamilton, er habe lange Zeit damit gerechnet, dass der Motor ausfällt.

Auch Bottas konnte nicht alles aus seinem Auto herausholen. Im ersten Stint hatte er viel Benzin verbraucht und musste im zweiten Teil des Rennens sparen. Dadurch kam Verstappen in den letzten Runden wieder heran und lag im Ziel weniger als eine Sekunde hinter ihm. Verstappen konnte Bottas trotzdem nicht ernsthaft angreifen, denn per Funk wurde er vor zu hohen Temperaturen an den Vorderreifen gewarnt. Bottas gab nach dem Rennen zu: „They were just a bit too good for us this weekend.“ (Motor Sport Magazine). Als Trost blieb Verstappen die schnellste Rennrunde.

Zielflaggen-Panne und Alonsos Ausfall

Kurz vor Schluss gab es eine kuriose Szene: Die Zielflagge wurde eine Runde zu früh geschwenkt. Vettel war verwirrt, denn seine Boxentafel zeigte noch eine weitere Runde an. Er fuhr trotzdem weiter. Das Reglement sieht für so einen Fall vor, dass der Stand am Ende der Runde vor der Zielflagge zählt. Statt der geplanten 70 Runden kamen also nur 68 in die Wertung. An der Reihenfolge an der Spitze änderte sich nichts. Ricciardo verlor aber seine schnellen Rundenzeiten aus den gestrichenen Runden, und Pérez’ spätes Überholmanöver gegen Kevin Magnussen zählte nicht mehr.

Für Fernando Alonso, der laut Wikipedia seinen 300. Grand Prix fuhr, endete das Jubiläum nach 40 Runden. Ein Schaden am Auspuff ließ die Verkleidung seines McLaren überhitzen und schickte den Motor in den Notlauf. Laut Motor Sport Magazine hatte er seinen Rückstand auf Esteban Ocon davor schon fast halbiert.

Gewinner und Verlierer des Kanada-GP

  • Romain Grosjean (Haas F1 Team) machte am meisten Plätze gut. Er startete als Letzter von Platz 20 und kam als Zwölfter ins Ziel, also acht Plätze besser. Er stoppte erst in Runde 48 und damit später als alle anderen.
  • Pierre Gasly (Toro Rosso) verbesserte sich von Startplatz 16 auf Rang elf.
  • Charles Leclerc holte im Sauber von Startplatz 13 aus den letzten WM-Punkt auf Platz zehn.
  • Renault war im Mittelfeld das stärkste Team: Nico Hülkenberg wurde Siebter, Sainz Achter.
  • Verlierer: Hamilton fiel von Startplatz 4 auf Rang fünf zurück und verlor damit die WM-Führung. Pérez büßte vier Plätze ein, Ocon im Force India rettete mit Platz neun immerhin zwei Punkte.

WM-Stand nach dem GP Kanada 2018: Vettel wieder vorn

Laut Wikipedia hatte Hamilton vor dem Rennen noch 14 Punkte Vorsprung. Nach Montreal führte Vettel die Fahrer-WM mit 121 Punkten an, nur einen Punkt vor Hamilton mit 120. Dahinter folgten Bottas (86), Ricciardo (84) und Räikkönen (68). Bei den Konstrukteuren blieb Mercedes mit 206 Punkten vorn, aber Ferrari kam mit 189 Punkten näher heran. Red Bull lag mit 134 Punkten auf Platz drei.

So endete ein ruhiges, aber wichtiges Rennen. Ferrari kam mit weiterentwickeltem Motor nach Kanada und war das ganze Wochenende das Maß der Dinge. Mercedes dagegen musste mit der alten Motorversion auskommen. Vettel war mit seinem 50. Sieg erst der vierte Fahrer nach Michael Schumacher, Alain Prost und Hamilton, der diese Marke erreichte. Bemerkenswert war auch der Termin: Der Ferrari-Triumph fiel auf den 40. Jahrestag von Gilles Villeneuves Sieg auf genau dieser Strecke.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Kanada 2018 – formel-1-livestream.de
  2. 2018 Canadian Grand Prix – Wikipedia
  3. F1 – Vettel takes 50th career win in Canada ahead of Bottas and Verstappen – FIA
  4. Canadian GP 2018 – Race Analysis – grandprix.com
  5. 2018 Canadian Grand Prix report – Motor Sport Magazine

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