Rückblick · erstellt am · Rennen vom 27. Mai 2018

GP Monaco 2018: Ricciardo siegt trotz MGU-K-Defekt

Daniel Ricciardo gewann in Monaco 2018 von der Pole, obwohl ihm ab Runde 28 rund 160 PS fehlten. Vettel und Hamilton fanden keinen Weg vorbei.

GP Monaco 2018: Ricciardos Sieg im Überblick

Daniel Ricciardo gewann den Großen Preis von Monaco 2018 für Red Bull von der Pole-Position aus und führte alle 78 Runden an. Hinter ihm kamen Sebastian Vettel im Ferrari und Lewis Hamilton im Mercedes ins Ziel. Entschieden wurde das Rennen allerdings nicht im Duell auf der Strecke. Ab Runde 28 musste Ricciardo ein Auto mit deutlich weniger Leistung über den Circuit de Monaco bringen, und Vettel saß ihm dabei 50 Runden lang im Nacken.

Qualifying und Start: Ricciardo von der Pole, Verstappen von ganz hinten

Ricciardo war schon vor dem Sonntag der Mann des Wochenendes. Laut Wikipedia fuhr er in 1:10,810 Minuten einen neuen Qualifying-Rekord für die Strecke. Sein Teamkollege Max Verstappen erlebte dagegen einen Albtraum. Im dritten freien Training schlug er an der Schwimmbad-Schikane heftig ein, und das Auto ließ sich bis zum Qualifying nicht reparieren. Er musste deshalb vom 20. und letzten Platz starten.

Am Start blieb alles ruhig. Ricciardo kam sauber weg und konnte einen frühen Angriff von Vettel abwehren. Die ersten sechs lagen nach der ersten Runde in ihrer Startreihenfolge: Ricciardo, Vettel, Hamilton, Kimi Räikkönen, Valtteri Bottas und Esteban Ocon im Force India. Laut Autosport fuhr Ricciardo rasch einen Vorsprung von etwa zwei Sekunden heraus, und als Vettels Reifen nachließen, wuchs er um eine weitere Sekunde.

Boxenstopps und Reifen: Einstopprennen mit Hypersoft

In Monaco gab Pirellis neue Hypersoft-Mischung ihr Renndebüt. Die ersten zehn Startplätze gingen damit ins Rennen, und fast das ganze Feld plante nur einen Stopp. Als Erster der Spitzengruppe kam Hamilton in Runde 12 herein. Laut FIA wechselte er auf Ultrasoft und lag danach 28 Sekunden hinter Ricciardo. Vettel versuchte es in Runde 16 mit dem Undercut, doch Red Bull holte Ricciardo eine Runde später rein. Anders als bei der verpatzten Szene von 2016 lagen diesmal alle vier Reifen rechtzeitig bereit, und Ricciardo blieb vorne.

Die vier Erstplatzierten fuhren den zweiten Stint auf Ultrasoft. Bottas setzte laut grandprix.com auf Supersoft, die bessere Wahl, denn die Ultrasoft-Reifen der anderen bekamen Körnung und verloren Grip. Eine Chance zum Angriff bekam Bottas trotzdem nicht, weil die vier vor ihm ihre Reifen bis ins Ziel brachten.

Einen ganz anderen Plan fuhren Verstappen und Nico Hülkenberg im Renault. Beide waren auf den haltbareren Ultrasoft gestartet und blieben lange draußen. Hülkenberg stoppte erst in Runde 50, Verstappen in Runde 47. Für den Schlussstint zogen sie Hypersoft auf.

Das Rennen kippt fast: Ricciardos MGU-K fällt aus

In Runde 28 meldete sich Ricciardo über Funk mit einem Leistungsverlust. Die MGU-K, die Bremsenergie zurückgewinnt, war ausgefallen. Autosport beziffert den Verlust auf rund 160 PS. Außerdem konnte Ricciardo den siebten und achten Gang nicht mehr nutzen. Auf den Geraden war der Red Bull laut Autosport bis zu 12 mph (etwa 19 km/h) langsamer als sonst. Grandprix.com berichtet, dass Ricciardo zusätzlich überhitzende Hinterradbremsen und die Reifentemperaturen im Griff behalten musste.

Red Bull ließ ihn trotzdem weiterfahren. Teamchef Christian Horner sagte dazu, man werde fahren, „bis dieser Motor stehen bleibt“ (laut Autosport). Ricciardo stellte seine Fahrweise um, wählte früh die Gänge, schonte die Bremsen und setzte auf die engen Straßen. Dort zahlte sich Monacos größte Eigenheit aus: Überholen ist fast unmöglich. Vettel kam zwar zeitweise in DRS-Reichweite, laut Autosport wurde der Abstand aber nie kleiner als neun Zehntel. Mit dem Ferrari in der Verwirbelung des Red Bull fand er keinen Platz für einen Angriff.

Um Runde 60 lag Vettel laut FIA immer noch etwa eine Sekunde hinter Ricciardo. Hamilton folgte knapp drei Sekunden dahinter, Räikkönen wiederum 2,6 Sekunden weiter zurück. Vorentschieden war das Rennen erst kurz vor Schluss. Nach dem Unfall von Leclerc und Hartley kam das virtuelle Safety-Car, und unter Gelb ging Stoffel Vandoorne im McLaren noch einmal an die Box. Danach steckte Vettel laut Autosport auf. Am Ende lagen laut FIA 7,336 Sekunden zwischen den beiden. Über Funk jubelte Ricciardo nur noch: „Redemption!“

Ausfälle: Alonso mit Getriebeschaden, Leclerc ohne Bremse

Im ganzen Rennen schieden nur drei Fahrer aus:

  • Fernando Alonso (McLaren): Nach 52 Runden war Schluss, das Getriebe war defekt. Laut Wikipedia stellte er seinen McLaren an Sainte-Dévote ab. Es war sein erster Ausfall der Saison 2018.
  • Charles Leclerc (Sauber) und Brendon Hartley (Toro Rosso): Nach 70 absolvierten Runden ging bei Leclerc nach dem Tunnel, beim Anbremsen der Schikane, die vordere linke Bremsscheibe kaputt. Der Sauber krachte ins Heck von Hartleys Toro Rosso. Laut formula1.com fuhren die beiden auf den Plätzen 11 und 12. Die Stewards sahen den technischen Defekt als Ursache und gaben keinem Fahrer die Schuld. Leclerc erzählte hinterher, das Bremspedal sei immer länger geworden, bis die Bremsen schließlich ganz versagten. Weil Leclerc in die Auslaufzone rutschte und Hartley die Box erreichte, reichte ein virtuelles Safety-Car.

Ein richtiges Safety-Car gab es den ganzen Nachmittag nicht. Laut Wikipedia war das der erste Grand Prix von Monaco seit 2009 ohne volles Safety-Car.

Gewinner und Verlierer: Verstappens Aufholjagd und Gaslys siebter Platz

Wer die meisten Plätze gutgemacht hat, findest du in den Daten unserer Rennseite. Mit Abstand vorne ist Verstappen, der von Startplatz 20 als Neunter ins Ziel kam, elf Plätze weiter vorne. Dazu bekam er die schnellste Runde des Rennens. Die Hypersoft-Reifen im letzten Stint gaben ihm laut FIA den nötigen Schub. Zuerst schloss er auf eine Gruppe um Hülkenberg, Pierre Gasly und Carlos Sainz auf. Nachdem Sainz die Schikane abgekürzt und Hülkenberg vorbeigelassen hatte, ging Verstappen außen an Sainz vorbei und holte sich Platz neun.

Mehr Plätze als erwartet holten außerdem:

  • Kevin Magnussen (Haas F1 Team): von 19 auf 13, sechs Plätze gewonnen
  • Marcus Ericsson (Sauber): von 16 auf 11, fünf Plätze gewonnen
  • Gasly (Toro Rosso): von 10 auf 7. Er fuhr lange auf seinem ersten Reifensatz und holte sechs Punkte.
  • Hülkenberg (Renault): von 11 auf 8, vier Punkte

Die klaren Verlierer waren Alonso, der von Startplatz sieben ohne Punkte ausfiel, und Sergio Pérez im Force India. Pérez fiel von Startplatz neun auf Rang zwölf zurück, und seine Fahrt durch die Boxengasse dauerte mit 29,4 Sekunden deutlich länger als bei den meisten anderen. Sainz verlor zwei Plätze und rettete mit Rang zehn gerade noch einen Punkt. Bei Williams war die Lage düster: Sergey Sirotkin wurde 16., Lance Stroll brauchte drei Stopps und kam mit zwei Runden Rückstand als 17. ins Ziel.

WM-Stand nach Monaco 2018 und Einordnung

An der Spitze der Fahrer-WM änderte sich nichts. Hamilton führte mit 110 Punkten vor Vettel mit 96, der Abstand betrug also weiter 14 Punkte. Ricciardo sprang mit 72 Punkten von Platz fünf auf drei und schob sich vor Bottas (68) und Räikkönen (60). In der Konstrukteurswertung lag Mercedes mit 178 Punkten vor Ferrari (156) und Red Bull (107). Die ganze Tabelle findest du im WM-Stand 2018.

Für Ricciardo hatte der Sieg ein besonderes Gewicht. Es war laut FIA sein siebter Grand-Prix-Sieg und der erste in Monaco, außerdem sein zweiter Saisonsieg nach dem GP China. Zwei Jahre zuvor hatte ihn ein verpatzter Boxenstopp im Fürstentum den sicheren Sieg gekostet. Horner sprach hinterher von der „Revanche für 2016“ (laut Autosport). Red Bull gewann damit zum ersten Mal seit 2012 wieder in Monaco.

Späterer Rückblick: Es sollte Ricciardos letzter Sieg für Red Bull bleiben. Seinen nächsten Grand Prix gewann er erst beim GP Italien 2021, damals schon im McLaren.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Monaco 2018 – formel-1-livestream.de
  2. F1 Monaco GP 2018 retrospective: How Ricciardo banished his '16 ghosts – Autosport
  3. F1 – Ricciardo battles engine issues and race-long pressure to take Monaco win – FIA
  4. Monaco GP 2018 – Race analysis – GrandPrix.com
  5. Brake disc failure to blame for Leclerc-Hartley collision – Formula 1
  6. 2018 Monaco Grand Prix – Wikipedia

Weitere News

Alle News