Rückblick · erstellt am · Rennen vom 30. Juli 2017

GP Ungarn 2017: Vettel siegt trotz schiefer Lenkung

Sebastian Vettel gewann den GP Ungarn 2017 trotz schiefer Lenkung vor Räikkönen. Mercedes tauschte zweimal die Plätze, Verstappen räumte Ricciardo ab.

GP Ungarn 2017: Ferrari-Doppelsieg vor der Sommerpause

Sebastian Vettel gewann den GP Ungarn 2017 von der Pole-Position aus. Teamkollege Kimi Räikkönen wurde Zweiter, damit feierte Ferrari einen Doppelsieg. Valtteri Bottas kam im Mercedes als Dritter ins Ziel. Entschieden wurde das Rennen auf dem engen Hungaroring bei Budapest durch Vettels Nervenstärke: Rund die Hälfte der Distanz fuhr er mit einer Lenkung, die nach links zog, und rettete am Ende 0,908 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Für Vettel war es der vierte Saisonsieg und der 46. Sieg seiner Karriere.

Start am Hungaroring: Red-Bull-Crash in Kurve 2 und Safety Car

Die ersten drei kamen sauber durch die erste Kurve: Vettel vor Räikkönen und Bottas. Dahinter wurde es hektisch. Max Verstappen schob sich in Kurve 1 an Lewis Hamilton vorbei, und auch Daniel Ricciardo ging außen an Hamilton vorbei. Danach versuchte Ricciardo, seinen Red-Bull-Teamkollegen außen in Kurve 2 zu überholen. Verstappen verbremste sich und rutschte in Ricciardos Auto.

Ricciardo kam mit schwer beschädigter rechter Seite zurück auf die Strecke, drehte sich und blieb mit kaputtem Kühler stehen. Er schied aus, ohne eine Runde beendet zu haben. Zum Bergen des Autos und zum Beseitigen der Ölspur kam das Safety Car, das laut Wikipedia am Ende der fünften Runde wieder an die Box fuhr. Die Rennkommissare verhängten gegen Verstappen eine 10-Sekunden-Zeitstrafe. Ricciardo bezeichnete das Manöver danach als Anfängerfehler, Verstappen entschuldigte sich.

Vettels Lenkproblem: Wie Ferrari den Sieg in Ungarn rettete

Anfangs hatte Vettel das Rennen im Griff. Laut FIA führte er nach 15 Runden mit 2,9 Sekunden vor Räikkönen, Bottas lag etwas mehr als sechs Sekunden zurück. Ab Runde 26 meldete Vettel dann über Funk, dass seine Lenkung nach links hänge. Ferrari wies ihn an, die Randsteine zu meiden. Seine Rundenzeiten wurden langsamer, Räikkönen schloss auf und auch die beiden Mercedes waren wieder dran.

In der Boxenstopp-Phase setzten alle vier Spitzenautos auf einen Stopp: Bottas kam in Runde 30, Hamilton in Runde 31, Vettel in Runde 32 und Räikkönen in Runde 33. Kurz führte Räikkönen, danach übernahm Verstappen, der seinen Stopp lange hinauszögerte, die Spitze. Er führte von Runde 34 bis 42, dann kam er an die Box und musste seine Strafe absitzen. Die Durchfahrt kostete ihn 33,6 Sekunden in der Boxengasse, und er kehrte als Fünfter zurück. Ab Runde 43 führte wieder Vettel.

Räikkönen war auf dem Hungaroring sichtbar schneller, durfte aber nicht vorbeigehen. Er blieb hinter Vettel und hielt ihm so die Mercedes vom Leib. Nach dem Rennen beschwerte sich der Finne, dass ihn die Teamtaktik unnötig unter Druck von Mercedes gesetzt habe. Erst als Ferrari Vettel zum Tempomachen aufforderte, setzten sich die beiden roten Autos wieder ab.

Mercedes-Stallorder: Hamilton gibt Platz drei an Bottas zurück

Bei Mercedes fiel die spektakulärste Entscheidung des Tages. Laut FIA lag Räikkönen in Runde 44 nur 1,8 Sekunden vor Bottas, und Hamilton folgte 1,1 Sekunden dahinter. Hamilton meldete, er sei schneller, und bat um Vorbeifahrt. In Runde 46 ließ Bottas ihn in Kurve 1 vorbei. Die Abmachung lautete: Schafft Hamilton es nicht an den Ferraris vorbei, bekommt Bottas den Platz zurück.

Hamilton kam zwar an Räikkönen heran, fand aber auf der engen Strecke keinen Weg vorbei. Gleichzeitig fiel Bottas zurück, und auch Verstappen rückte näher. Trotzdem hielt sich der Brite an die Abmachung: In der letzten Runde ging er vor der Schlusskurve vom Gas und ließ Bottas wieder vorbei. Wie knapp das war, zeigen die Abstände im Ziel: Bottas lag 12,462 Sekunden hinter dem Sieger, Hamilton 12,885 Sekunden und Verstappen 13,276 Sekunden. Für die Geste gab Hamilton drei WM-Punkte ab, und das im Titelkampf gegen Vettel.

Mittelfeld, Ausfälle und Strafen beim GP Ungarn 2017

Bester Fahrer hinter den drei Top-Teams war Fernando Alonso. Er setzte sich gegen Carlos Sainz im Toro Rosso durch, wurde Sechster und fuhr in der Schlussphase mit 1:20.182 Minuten die schnellste Rennrunde. Mit dem zehnten Platz von Stoffel Vandoorne holte McLaren zum ersten Mal in der Saison mit beiden Autos Punkte und war nicht mehr Letzter in der Konstrukteurswertung. Sainz wurde Siebter, dahinter folgten Sergio Pérez und Esteban Ocon für Force India.

Die Ausfälle im Überblick:

  • Daniel Ricciardo (Red Bull), 0 Runden: Kollision mit Verstappen, Kühler beschädigt.
  • Romain Grosjean (Haas), nach 20 Runden: Er kam wegen eines Reifenschadens außerplanmäßig an die Box. Danach war die linke hintere Radmutter schief aufgeschraubt, und er musste das Auto abstellen. Haas zahlte laut Wikipedia 5.000 Euro Strafe für die unsichere Freigabe.
  • Paul di Resta (Williams), nach 60 Runden: Ölleck.
  • Nico Hülkenberg (Renault), nach 67 Runden: Bremsen. Er wurde trotzdem als 17. gewertet.

Di Restas Einsatz war eine Geschichte für sich. Felipe Massa fühlte sich schon am Freitag schwindlig und unwohl. Im dritten Training am Samstag ging es ihm erneut schlecht, und er sagte das Wochenende ab. Ersatzfahrer di Resta saß damit zum ersten Mal seit dem GP Brasilien 2013 wieder in einem Formel-1-Auto, und das ohne eine Trainingsrunde. Er qualifizierte sich als 19.

Hülkenbergs Rennen wurde durch einen langsamen Boxenstopp zurückgeworfen. Zum Gesprächsthema machte ihn aber ein Duell mit Kevin Magnussen. Der Däne drängte ihn in Kurve 2 von der Strecke und bekam dafür eine Fünf-Sekunden-Zeitstrafe und zwei Strafpunkte. Laut den Rennkommissaren war Hülkenberg vollständig neben und vor ihm. Nach dem Rennen gerieten die beiden vor laufenden Kameras aneinander: Hülkenberg nannte Magnussen den unsportlichsten Fahrer im Feld, und Magnussen antwortete mit einer derben Bemerkung, die weltweit zitiert wurde.

Gewinner und Verlierer des Tages

Gewinner:

  • Sebastian Vettel: Er gewann trotz beschädigter Lenkung und baute seine WM-Führung vor der Sommerpause aus.
  • Sergio Pérez: Er startete als 13. und wurde Achter, das waren fünf Plätze gut.
  • Daniil Kvyat: Auch er gewann fünf Plätze (von 16 auf 11), blieb aber ohne Punkte.
  • Fernando Alonso: Platz sechs, schnellste Rennrunde und McLarens bestes Saisonergebnis bis dahin.

Verlierer:

  • Daniel Ricciardo: Er verlor 14 Plätze und fiel schon in der ersten Runde aus, ausgerechnet durch den eigenen Teamkollegen.
  • Romain Grosjean und Nico Hülkenberg: Beide verloren fünf Plätze, Grosjean durch die Radmutter, Hülkenberg durch den langen Boxenstopp, das Duell mit Magnussen und den späten Bremsdefekt.
  • Jolyon Palmer: Er startete als Zehnter und wurde nur Zwölfter.

Weiter hinten wurden Lance Stroll 14., Pascal Wehrlein 15. und Marcus Ericsson 16. Die beiden Sauber-Fahrer machten damit jeweils Plätze gut.

WM-Stand nach dem GP Ungarn 2017: Vettel mit 14 Punkten Vorsprung

Nach dem elften WM-Lauf führte Vettel die Fahrerwertung mit 202 Punkten an. Hamilton hatte 188 Punkte, also 14 weniger, Bottas lag mit 169 Punkten auf Rang drei. Hätte Hamilton den dritten Platz behalten, wäre der Abstand auf elf Punkte geschrumpft. So ging Vettel mit einem etwas größeren Vorsprung in die Sommerpause. Ricciardo (117) und Räikkönen (116) folgten dicht hintereinander. In der Konstrukteurswertung blieb Mercedes mit 357 Punkten vorn, Ferrari kam mit 318 Punkten bis auf 39 Zähler heran.

Das Rennen stand damit für die Saison 2017, wie sie damals aussah: Ferrari war auf winkligen Strecken wie dem Hungaroring mindestens gleichwertig mit Mercedes, und beide Teams hielten sich an klare Absprachen zwischen ihren Fahrern. Den aktuellen Überblick findest du im WM-Stand 2017, alle Zeiten und Platzierungen auf unserer Rennseite zum GP Ungarn 2017.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Ungarn 2017 – formel-1-livestream.de
  2. 2017 Hungarian Grand Prix – Wikipedia
  3. F1 – Vettel victorious as Ferrari claim one-two finish in Hungary – FIA
  4. Hungarian GP 2017 – Race notes: Vettel wins Hungary – GrandPrix.com
  5. Hulkenberg and Magnussen in nasty Hungary clash – Formula 1
  6. Stewards Decision Doc 38 – K. Magnussen – FIA
  7. Hungarian Grand Prix: Race Recap – Haas F1 Team
  8. Di Resta to stand in for unwell Massa in Hungary – Formula 1
  9. Felipe Massa withdraws from Hungarian Grand Prix after dizzy spells, replaced by Paul di Resta – Eurosport

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