GP Brasilien 2016: Hamilton siegt im Regen, Verstappen zaubert
Lewis Hamilton gewann das Regenchaos von Interlagos mit zwei roten Flaggen und verkürzte auf 12 Punkte. Max Verstappen stürmte spät noch auf Platz drei.
GP Brasilien 2016: Hamiltons Regensieg in der Zusammenfassung
Lewis Hamilton gewann den Großen Preis von Brasilien 2016 von der Pole-Position aus und führte das Rennen von der ersten bis zur letzten Runde an. Sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg wurde Zweiter. Den Nachmittag prägte aber Max Verstappen von Red Bull: Nach einem späten Reifenwechsel war er weit zurückgefallen und kämpfte sich in den letzten Runden bis auf Platz drei nach vorn.
Auf dem Autódromo José Carlos Pace regnete es stark. Das Rennen wurde zweimal mit der roten Flagge unterbrochen und dauerte mehr als drei Stunden. Es war Hamiltons erster Sieg in Brasilien. Für den Titelkampf bedeutete das Ergebnis, dass die Entscheidung erst beim Finale fallen würde.
Start hinter dem Safety Car: Grosjean scheitert schon vor dem Rennen
Nach zwei weitgehend trockenen Trainingstagen setzte am Sonntag heftiger Regen ein. Das erste Opfer gab es schon vor dem Start: Romain Grosjean verlor seinen Haas auf der Fahrt zur Startaufstellung wegen stehenden Wassers und schlug ein. Er hätte von Platz sieben aus starten sollen und wird in der Wertung als zurückgezogen geführt.
Weil die Strecke sehr nass war, ging das Feld hinter dem Safety Car ins Rennen. Alle Autos fuhren auf Pirellis Regenreifen. Erst nach sieben Runden wurde das Rennen freigegeben. Hamilton setzte sich sofort ab, und Verstappen ging in der Senna-S an Kimi Räikkönen von Ferrari vorbei auf Platz drei.
Sebastian Vettel drehte sich früh im Rennen. Nach seinem Stopp in Runde 10 lag er nur noch auf Rang 18.
Ericsson und Räikkönen crashen: Zwei rote Flaggen in Interlagos
In Runde 12 verunglückte Marcus Ericsson mit seinem Sauber heftig in der letzten Kurve. Er war auf Intermediates unterwegs, und das Safety Car musste erneut auf die Strecke. Einige Teams nutzten die Pause, um auf Intermediates zu wechseln, darunter Red Bull. Verstappen kam danach als bester Fahrer auf diesen Reifen auf Platz vier zurück auf die Strecke. Daniel Ricciardo fuhr in dieser Phase in die geschlossene Boxengasse und bekam dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe.
Kaum war das Rennen in Runde 20 wieder freigegeben, verlor Räikkönen auf der Start-Ziel-Geraden die Kontrolle. Sein Ferrari schlug auf beiden Seiten der Strecke in die Mauer ein und blieb entgegen der Fahrtrichtung stehen. Die Rennleitung brach das Rennen mit der roten Flagge ab, und alle Teams zogen frische Regenreifen auf.
Nach etwa 35 Minuten ging es hinter dem Safety Car weiter. Die Bedingungen blieben aber so schlecht, dass das Rennen in Runde 29 ein zweites Mal unterbrochen wurde. Kurz davor hatte Nico Hülkenberg sich an Trümmerteilen einen Reifenschaden eingefangen und war von Platz vier auf Platz 15 zurückgefallen. Nach weiteren rund 25 Minuten Pause wurde das Rennen erneut gestartet.
Verstappens Aufholjagd: Vom Ausrutscher zum Podium
Als das Safety Car am Ende von Runde 31 wieder an die Box fuhr, ging Verstappen sofort außen an Rosberg vorbei auf Platz zwei. Wenig später geriet sein Red Bull in Runde 38 oder 39 im letzten Sektor heftig ins Rutschen. Verstappen fing das Auto ab und blieb vor Rosberg.
Am Ende von Runde 43 wechselte er auf Intermediates und kam als Fünfter zurück auf die Strecke. Dann wurde der Regen wieder stärker, und Red Bull musste ihn in Runde 54 noch einmal für Regenreifen hereinholen. Danach lag er weit hinten im Feld. Was dann kam, war die stärkste Phase des Rennens: Auf frischen Regenreifen fuhr Verstappen deutlich schneller als alle anderen. Er überholte Vettel in Kurve 12 und Carlos Sainz. Zwei Runden vor Schluss ging er in Kurve 10 außen an Sergio Pérez vorbei und holte sich Platz drei.
In Runde 67 fuhr er mit 1:25,305 Minuten die schnellste Runde des Rennens. Pirelli-Motorsportchef Paul Hembery fasste den Tag so zusammen: Die Fahrt habe gezeigt, dass „great driving is possible even in these extreme conditions“.
Massas emotionaler Abschied, Ausfälle und Strafen
Für Lokalmatador Felipe Massa von Williams sollte es der letzte Heim-Grand-Prix sein. Er verunglückte in Runde 47 an der Boxeneinfahrt, was offiziell als Kollision gewertet wurde. Das Safety Car kam heraus, und Hamiltons Vorsprung von rund 25 Sekunden auf Rosberg war dahin. Mit der brasilianischen Flagge ging Massa zu Fuß zurück. Mehrere Boxencrews standen Spalier und applaudierten ihm, die Fans auf den Tribünen ebenso. *Einordnung:* Später kehrte Massa doch noch für die Saison 2017 zu Williams zurück.
Die Ausfälle im Überblick:
- Romain Grosjean (Haas): Unfall auf dem Weg zur Startaufstellung, nicht gestartet
- Marcus Ericsson (Sauber): Unfall in Runde 12
- Kimi Räikkönen (Ferrari): Unfall in Runde 20, danach die erste rote Flagge
- Jolyon Palmer (Renault): Aus nach 20 Runden mit Kollisionsschäden; den Hergang konnten wir nicht verlässlich belegen. Link: Jolyon Palmer
- Felipe Massa (Williams): Unfall in Runde 47
- Esteban Gutiérrez (Haas): Aus nach 60 Runden, laut Wikipedia wegen eines elektrischen Defekts
Ricciardo nahm seine Strafe bei einem Boxenstopp. Er wurde am Ende Achter und verlor damit zwei Plätze gegenüber seinem Startplatz. Der Wechsel zwischen Intermediates und Regenreifen hatte ihm mehrere zusätzliche Stopps eingebrockt.
Gewinner und Verlierer: Nasr rettet Sauber, Pérez knapp am Podium vorbei
Der große Gewinner im Mittelfeld war Felipe Nasr. Bei seinem Heimrennen fuhr er von Startplatz 21 auf Platz neun und gewann damit 12 Plätze, mehr als jeder andere Fahrer. Seine zwei Punkte waren die ersten für Sauber in dieser Saison. Damit überholte Sauber in der Konstrukteurswertung Manor Marussia und lag nun mit 2 zu 1 Punkten auf Rang zehn.
Auch andere machten viele Plätze gut. Sainz brachte seinen Toro Rosso von Startplatz 15 auf Rang sechs. Esteban Ocon startete nach einer Strafe von Platz 22 und kam mit dem Manor als Zwölfter ins Ziel. Pérez fuhr für Force India lange auf Podiumskurs und wurde am Ende Vierter, Teamkollege Hülkenberg kam als Siebter an. Vettel landete nach seinem Dreher auf Platz fünf. Fernando Alonso holte für McLaren als Zehnter den letzten Punkt.
Der größte Verlierer war Räikkönen. Er war von Startplatz drei ins Rennen gegangen und schied ohne Punkte aus. In der Fahrer-WM rutschte er deshalb hinter Verstappen auf Platz sechs.
WM-Stand nach dem GP Brasilien 2016: Finale in Abu Dhabi
Rosberg war mit 19 Punkten Vorsprung nach Brasilien gekommen. Nach Hamiltons Sieg führte er die WM-Wertung mit 367 Punkten noch 12 Punkte vor Hamilton (355). Damit fiel die Entscheidung erst beim letzten Rennen, dem GP Abu Dhabi. Rosberg war in der besseren Lage: Selbst wenn Hamilton dort gewann, reichte ihm ein dritter Platz für den Titel.
Dahinter stand Ricciardo mit 246 Punkten fest auf Platz drei. Vettel lag mit 197 Punkten knapp vor Verstappen, der mit 192 Punkten auf Rang fünf vorrückte.
Die Konstrukteurswertung hatte Mercedes schon vorher gewonnen. Nach dem Rennen lag das Team mit 722 Punkten klar vor Red Bull (446) und Ferrari (375).
In der Rückschau der Saison steht dieses Rennen vor allem für zwei Dinge: Hamilton blieb mit einem fehlerfreien Sieg im Titelkampf. Und Verstappen zeigte im Regen von Interlagos, wie gut er mit 19 Jahren schon war. Alle Ergebnisse und Daten zum Rennen findest du auf unserer Rennseite.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Brasilien 2016 – formel-1-livestream.de
- 2016 Brazilian Grand Prix – Wikipedia
- F1 - Hamilton wins incident-packed Brazil GP ahead of Rosberg as Verstappen thrills Interlagos – FIA
- Brazilian GP 2016 – Race report: Serene chaos – GrandPrix.com
- 2016 Brazilian Grand Prix - Race – Pirelli