GP Belgien 2016: Rosberg siegt, Hamilton stürmt von 21 auf 3
Nico Rosberg gewann den GP Belgien 2016 in Spa souverän vom Start weg. Lewis Hamilton fuhr von Startplatz 21 aufs Podium, Verstappen ging leer aus.
GP Belgien 2016: Rosberg gewinnt, Hamilton holt Platz 3
Nico Rosberg gewann den Großen Preis von Belgien 2016 im Mercedes von der Pole-Position aus und lag in keiner Runde hinten. Zweiter wurde Daniel Ricciardo im Red Bull. Den dritten Platz holte sich Lewis Hamilton, obwohl er nur von Startplatz 21 ins Rennen gegangen war. Schon in der ersten Kurve kollidierten die Verfolger von Rosberg. Dazu kam eine Rotphase nach einem schweren Unfall. So wurde das Rennen auf dem Circuit de Spa-Francorchamps zu einem der chaotischsten der Saison.
Startcrash in La Source: Verstappen, Räikkönen und Vettel verlieren alles
Hinter Rosberg standen Max Verstappen und Kimi Räikkönen, beide aus der ersten Startreihe. Für Verstappen war es der erste Startplatz in Reihe eins seiner Karriere. Der Red-Bull-Pilot kam aber schlecht weg, und die beiden Ferrari von Räikkönen und Sebastian Vettel zogen an ihm vorbei. Vor La Source stach Verstappen innen gegen Räikkönen hinein. Gleichzeitig zog Vettel von außen scharf nach innen und traf seinen Teamkollegen. Räikkönen wurde dadurch gegen den Red Bull gedrückt. Alle drei Autos waren beschädigt und mussten an die Box. Räikkönen hatte einen Reifenschaden und einen kaputten Frontflügel, Verstappen verlor Teile seines Frontflügels. Damit hatten sich Rosbergs gefährlichste Gegner schon in der ersten Kurve selbst aus dem Spiel genommen.
Auch dahinter ging es wild zu. In Les Combes fuhr Pascal Wehrlein mit seinem Manor Marussia auf das Heck des McLaren von Jenson Button. Beide Fahrer schieden aus. Carlos Sainz (Toro Rosso) musste nach einem Reifenschaden in der ersten Runde aufgeben, und es gab eine Phase unter virtuellem Safety-Car. In Runde 3 rollte noch Marcus Ericsson (Sauber) mit Getriebeschaden aus.
Magnussens Unfall in Eau Rouge und die rote Flagge
Kurz nach dem Ende des virtuellen Safety-Cars kam der schwerste Moment des Tages. Laut formula1.com verlor Kevin Magnussen in Runde 6 am Ende von Eau Rouge das Heck seines Renault. Er lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz acht. Der Wagen drehte sich und schlug rückwärts in die Reifenstapel an der Raidillon ein. Magnussen konnte aussteigen und kam mit einer Schnittwunde am Knöchel zur Untersuchung ins Krankenhaus. Sein Auto war ein Totalschaden. Zuerst fuhr das Safety-Car auf die Strecke. Weil die Reparatur der Barriere Zeit brauchte, wurde das Rennen in Runde 9 mit der roten Flagge unterbrochen. Nach rund 17 Minuten ging es weiter. In der Pause durften die Teams die Reifen wechseln.
Die Unterbrechung half vor allem zwei Fahrern. Nico Hülkenberg hatte im Force India zwischenzeitlich auf Platz zwei gelegen. Er war aber unter dem Safety-Car an die Box gekommen und fiel dadurch hinter Ricciardo zurück. Ricciardo hatte sich an Trümmern aus dem Startunfall den Frontflügel beschädigt. Red Bull tauschte den Flügel in der Rotphase in Ruhe aus und gab ihm frische Soft-Reifen.
Hamiltons Aufholjagd in Spa: von Platz 21 aufs Podium
Hamilton musste wegen mehrerer Motorstrafen vom Ende des Feldes starten. Mercedes hatte die Wechsel bewusst nach Spa gelegt. Dort kann man gut überholen, und so konnte das Team einen Vorrat an neuen Antriebsteilen für den Rest der Saison anlegen. Neben Hamilton stand auch Fernando Alonso nach Strafen ganz hinten.
Die beiden nutzten das Chaos optimal. Während der Rotphase stand Alonso auf Platz vier und Hamilton auf Platz fünf. Laut FIA ging Hamilton nach dem Neustart schnell an Alonso und Hülkenberg vorbei. Gegen Hülkenberg brauchte er allerdings mehrere Runden, bis das Manöver klappte. Danach fuhr er sich bis auf etwa eine Sekunde an Ricciardo heran. Mit zwei weiteren Stopps in den Runden 21 und 32 setzte Hamilton auf eine aggressivere Strategie. Ricciardo hielt Platz zwei trotzdem. Hamilton fuhr die schnellste Runde des Rennens und kam 27,634 Sekunden hinter Rosberg ins Ziel. Laut FIA waren seine 18 gewonnenen Plätze ein neuer Rekord beim Großen Preis von Belgien.
Auch Alonso war stark: Er fuhr im unterlegenen McLaren von Startplatz 22 auf Platz sieben. In der Schlussphase hielt er Valtteri Bottas, den aufholenden Räikkönen und Felipe Massa hinter sich.
Rosbergs Start-Ziel-Sieg und Ricciardos drittes Podium in Folge
An der Spitze ging es ruhiger zu. Rosberg hatte das Rennen nach dem Neustart sofort wieder im Griff und kam nach der Unterbrechung nur noch in Runde 26 zum Reifenwechsel. Ricciardo blieb lange in Reichweite, verlor aber gegen Ende auf abgefahrenen Medium-Reifen an Tempo. Im Ziel fehlten ihm 14,113 Sekunden. Für den Australier war es das dritte Podium in Folge. Rosberg holte seinen sechsten Saisonsieg, seinen 20. Grand-Prix-Sieg insgesamt und seinen ersten in Spa. Er gab offen zu, dass ihm Hamiltons Startplatz das Wochenende „deutlich leichter“ gemacht habe (sinngemäß nach FIA).
Hülkenberg und Sergio Pérez brachten Force India mit den Plätzen vier und fünf ein starkes Ergebnis ins Ziel. Für Hülkenberg war es aber wieder nicht das erste Podium seiner Karriere. Vettel erholte sich vom Startunfall und wurde Sechster. Bottas und Massa im Williams wurden Achter und Zehnter, dazwischen kam Räikkönen als Neunter ins Ziel.
Verstappen gegen Räikkönen: Streit um die Verteidigung auf der Kemmel-Geraden
Nach dem Startunfall war Verstappen nach FIA-Angaben bis auf Platz 16 zurückgefallen. Auf dem Weg nach vorn geriet er mit Räikkönen, Vettel und Pérez aneinander. Am meisten diskutiert wurde eine Szene auf der Kemmel-Geraden. Verstappen wechselte dort im allerletzten Moment die Linie, und Räikkönen musste bei voller Fahrt hart bremsen. Der Finne nannte die Fahrweise „lächerlich“ (sinngemäß) und warnte vor einem schweren Unfall. Die Rennkommissare und die FIA hielten den einen, späten Spurwechsel aber gerade noch für regelkonform. Verstappen fiel am Ende mit insgesamt vier Boxenstopps auf Platz elf zurück und blieb ohne Punkte.
*Einordnung:* Vor dem nächsten Rennen in Monza sprachen Verstappen und Red Bull mit Renndirektor Charlie Whiting über die Grenzen bei der Verteidigung.
Hinter Verstappen kamen die Haas F1 Team-Piloten Esteban Gutiérrez und Romain Grosjean auf den Plätzen 12 und 13 ins Ziel. Danach folgten Daniil Kvyat und Jolyon Palmer. Esteban Ocon und Felipe Nasr wurden mit einer Runde Rückstand 16. und 17.
Gewinner, Verlierer und WM-Stand nach dem GP Belgien 2016
Gewinner des Tages:
- Hamilton: 18 Plätze gutgemacht und mit nur 9 Punkten Rückstand die WM-Führung verteidigt
- Alonso: 15 Plätze gutgemacht, Platz sieben im McLaren
- Force India: 22 Punkte, damit im Konstrukteurs-Stand mit 103 zu 101 Punkten an Williams vorbei auf Rang vier
- Gutiérrez (+6) und Kvyat (+5), allerdings ohne Punkte
Verlierer des Tages:
- Verstappen: Von Startplatz zwei auf Rang elf, also 9 Plätze verloren
- Räikkönen: Von Startplatz drei auf Rang neun
- Button: Schon in der ersten Runde unverschuldet ausgeschieden
Im WM-Stand 2016 führte Hamilton nach dem 13. Saisonlauf mit 232 Punkten. Rosberg hatte 223 Punkte und lag damit nur noch neun Zähler zurück. Ricciardo festigte mit 151 Punkten Platz drei. Vettel (128) ging an Räikkönen (124) vorbei auf Platz vier. Hülkenberg verbesserte sich mit 45 Punkten auf Rang neun. Bei den Teams lag Mercedes mit 455 Punkten weit vor Red Bull (274) und Ferrari (252). Hamiltons Strafen hatten sich trotzdem gelohnt: Mit frischen Motorteilen im Rücken verlor er in Spa nur zehn Punkte auf Rosberg. Der Titelkampf ging damit völlig offen in die letzten acht Rennen.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Belgien 2016 – formel-1-livestream.de
- Rosberg wins frenetic Spa race as Hamilton recovers to third – Formula 1
- F1 – Rosberg wins dramatic Belgian GP as Hamilton goes from back of field to third – FIA
- Verstappen's driving up for discussion in Monza meeting – Formula 1
- 2016 Belgian Grand Prix – Wikipedia