Rückblick · erstellt am · Rennen vom 23. August 2015

GP Belgien 2015: Hamilton siegt, Vettels Reifen platzt kurz vor Schluss

Lewis Hamilton gewann in Spa vor Nico Rosberg. Romain Grosjean erbte Platz drei, als Sebastian Vettels Reifen nach einem Ein-Stopp-Poker platzte.

Mit KI erstellt auf Basis unserer Renndaten · verantwortlich: Markus Ochmann

GP Belgien 2015 in Spa: Hamilton gewinnt, Grosjean erbt das Podium

Lewis Hamilton gewann den GP Belgien 2015 auf dem Circuit de Spa-Francorchamps von der Pole-Position aus. Er führte bis auf eine Runde das ganze Rennen an. Dahinter machte Nico Rosberg den Doppelsieg für Mercedes perfekt. Platz drei ging an Romain Grosjean von Lotus F1, der von Startplatz neun kam. Entschieden wurde der Kampf ums Podium aber erst kurz vor Schluss: Der rechte Hinterreifen am Ferrari von Sebastian Vettel platzte, und Grosjean zog vorbei.

Der Start: zweite Einführungsrunde, Rosbergs Fehlstart und Pérez' Angriff

Schon vor dem Start ging einiges schief. Nico Hülkenberg meldete in der Einführungsrunde einen Leistungsverlust an seinem Force India. Der Start wurde abgebrochen, und es gab eine zweite Einführungsrunde. Hülkenberg musste in die Boxengasse und ging gar nicht erst ins Rennen. Durch den Abbruch wurde das Rennen von 44 auf 43 Runden verkürzt. Auch Carlos Sainz hatte in der zweiten Einführungsrunde Probleme mit der Leistung. Sein Toro Rosso wurde erst nach dem Start auf die Strecke geschickt.

Vorne kam Hamilton gut weg. Rosberg dagegen verpatzte seinen Start und fiel zunächst auf Platz fünf zurück. Er selbst sagte später, er habe den Start „just completely messed up“ (Quelle 4). Sergio Pérez startete von Platz vier und schob sich auf der Geraden nach Eau Rouge kurz an Hamilton vorbei. Der Brite holte sich die Spitze aber sofort zurück. Danach setzte er sich ab: Nach Angaben der FIA lag er schon nach wenigen Runden 2,6 Sekunden vor Pérez. Rosberg ging an der Bus-Stop-Schikane an Valtteri Bottas vorbei und war wieder Vierter. Auf Platz drei lag zu diesem Zeitpunkt Daniel Ricciardo im Red Bull.

In der Startaufstellung fehlte es nicht an Strafen. McLaren sammelte für Motorwechsel insgesamt 105 Strafplätze. Fernando Alonso und Jenson Button mussten deshalb von ganz hinten losfahren. Grosjean wurde wegen eines Getriebewechsels um fünf Plätze zurückversetzt, von Platz vier auf Platz neun. Max Verstappen bekam für seine sechste Antriebseinheit eine Strafe von zehn Plätzen (Quelle 4).

Strategie und Boxenstopps: Grosjeans Aufholjagd und das Duell an der Spitze

Die meisten Fahrer setzten auf zwei Stopps. Ricciardo kam als Erster aus der Spitzengruppe zum Reifenwechsel, schon in Runde 7. Mit diesem Undercut ging er an Pérez vorbei, der eine Runde später an die Box kam. Bei Mercedes wechselte Rosberg in Runde 12 die Reifen und Hamilton in Runde 13. An der Reihenfolge an der Spitze änderte das nichts.

Der Mann der Mittelphase war Grosjean. Er stoppte zum ersten Mal in Runde 9. Danach überholte er kurz hintereinander zuerst Ricciardo und dann Pérez, Letzteren mit DRS auf der Kemmel-Geraden. Ricciardo musste seinen Red Bull später nach der Bus-Stop-Schikane abstellen. Die Rennleitung schickte daraufhin das virtuelle Safety-Car auf die Strecke. Grosjean, Felipe Massa, Kimi Räikkönen, Pérez und Verstappen nutzten die Phase für ihren zweiten Stopp. Hamilton, Rosberg und Vettel blieben draußen.

An der Spitze wurde Rosberg nach dem Neustart noch einmal stärker und kam bis auf 2,6 Sekunden an Hamilton heran (Quelle 2). Hamilton ging in Runde 30 an die Box, Rosberg eine Runde später. Deshalb führte Rosberg genau eine Runde lang, die 31. Danach war Hamilton wieder vorne und gab die Führung nicht mehr ab. Im Ziel lag er 2,058 Sekunden vor Rosberg (Quelle 2). Es war Hamiltons 39. Grand-Prix-Sieg (Quelle 3).

Vettels Reifenschaden: Ferraris Ein-Stopp-Strategie geht schief

Ferrari ging bei Vettel einen anderen Weg. Er wechselte nur einmal die Reifen, in Runde 14, von Soft auf Medium. Danach wollte er bis zum Ziel durchfahren. Lange sah das gut aus: Vettel lag auf Platz drei. Doch Grosjean holte mit frischeren Reifen immer weiter auf. Nach Angaben der FIA war der Abstand irgendwann nur noch 3,5 Sekunden groß.

Zu einem Duell kam es nicht mehr. Nach 42 Runden, also kurz vor dem Ende, platzte Vettels rechter Hinterreifen. Laut FIA passierte das auf der Kuppe von Raidillon. Grosjean ging vorbei, und Vettel schleppte sich zurück an die Box. Gewertet wurde er als Zwölfter ohne Punkte. Der Deutsche war hörbar wütend: „Things like that are not allowed to happen full stop.“ (Quelle 3). Er nannte den Schaden „unacceptable“ (Quelle 4).

Pirelli verwies auf einen eigenen Vorschlag aus dem November 2013. Darin wollte der Hersteller festlegen, wie viele Runden ein Reifensatz höchstens fahren darf. Der Vorschlag war damals nicht angenommen worden. Nach diesen Regeln hätte der Medium-Reifen in Spa nur 22 Runden halten müssen (Quelle 3). Vettel war darauf zu diesem Zeitpunkt deutlich länger unterwegs. Später führte Pirelli den Schaden laut Wikipedia auf Trümmerteile zurück (Quelle 4). Die Frage nach der Schuld blieb also umstritten.

Ausfälle und Pannen beim GP Belgien 2015

  • Nico Hülkenberg (Force India): fuhr keine einzige Rennrunde. Offizieller Grund war ein Leistungsverlust (Power loss), der schon in der Einführungsrunde auftrat.
  • Pastor Maldonado (Lotus F1): gab nach 2 Runden auf, wegen eines Motorschadens. Am Funk meldete er laut FIA, er habe den Motor verloren.
  • Daniel Ricciardo (Red Bull): fiel nach 19 Runden mit einem Defekt an der Antriebseinheit aus. Er hatte vorher auf einem starken Platz gelegen.
  • Carlos Sainz (Toro Rosso): ging zunächst mit einem Leistungsproblem ins Rennen und schied nach 32 Runden aus, ebenfalls mit einem Defekt an der Antriebseinheit.
  • Sebastian Vettel (Ferrari): wurde nach seinem Reifenschaden mit 42 Runden als Zwölfter gewertet.

Auch Bottas erwischte einen schlechten Tag. Bei seinem ersten Stopp montierte Williams einen Satz mit gemischten Reifen: drei Reifen der einen Mischung und einer der anderen. Dafür bekam er eine Durchfahrtsstrafe, die er in Runde 15 antrat. Das Team leitete danach eine interne Untersuchung ein (Quelle 4). Bottas war von Platz drei gestartet und wurde am Ende Neunter.

Gewinner und Verlierer: Kvyat, Verstappen und Räikkönen fahren nach vorn

Die größte Aufholjagd gelang Verstappen. Er startete von Platz 18 und wurde Achter, zehn Plätze besser. Für Aufsehen sorgte vor allem sein Überholmanöver gegen Felipe Nasr vom Team Sauber: Er ging außen herum in der schnellen Blanchimont-Kurve vorbei. Allan McNish sagte, so etwas habe er dort noch nie gesehen (Quelle 4).

Räikkönen startete von Platz 16 und wurde Siebter. Neun Plätze gutgemacht klingt ordentlich, doch Ferrari fuhr damit an diesem Wochenende ohne Podium nach Hause. Daniil Kvyat kam von Platz zwölf auf Platz vier. Bei seinem zweiten Stopp in Runde 27 bekam er Soft-Reifen. Damit überholte er am Ende noch Bottas, Räikkönen, Massa und Pérez, Massa mit einem späten Bremsmanöver vor Les Combes (Quelle 2). Grosjean holte sechs Plätze auf und damit das erste Podium für Lotus seit dem GP USA 2013 (Quelle 3).

Auf der Verliererseite standen Ricciardo, der 13 Plätze verlor, und Maldonado mit minus zwölf Plätzen. Beide fielen aus. McLaren hatte nach den vielen Strafen ohnehin wenig zu hoffen: Alonso wurde 13., Button 14., beide eine Runde zurück. Bei Sauber holte Marcus Ericsson als Zehnter einen Punkt. Für Manor Marussia kamen Roberto Merhi und Will Stevens als 15. und 16. ins Ziel.

WM-Stand nach dem GP Belgien 2015: Hamilton baut die Führung aus

Mit dem Sieg baute Hamilton seinen Vorsprung im WM-Stand 2015 aus. Er hatte jetzt 227 Punkte, Rosberg 199. Damit lagen 28 Punkte zwischen den beiden. Vettel blieb mit 160 Punkten Dritter. Der Reifenschaden kostete ihn aber 15 Punkte, mit denen er näher an die Mercedes-Fahrer herangerückt wäre. Dahinter lagen Räikkönen und Massa mit je 82 Punkten gleichauf. Bottas fiel mit 79 Punkten auf Platz sechs zurück.

In der Konstrukteurswertung lag Mercedes mit 426 Punkten weit vor Ferrari mit 242 und Williams mit 161 Punkten. Lotus F1 schob sich mit Grosjeans Podium auf Platz fünf, mit 50 Punkten knapp vor Force India mit 49.

Spa zeigte, wie die Saison 2015 lief: Mercedes war klar überlegen, Ferrari war erster Verfolger, ging aber auch Risiken ein, und im Mittelfeld kam es stark auf die Strategie an. Nach dem elften Saisonlauf hatte Hamilton die Weltmeisterschaft fest im Griff.

Das Rennen in Zahlen

Grafiken und Tabellen aus unserer Datenbank (amtliches Ergebnis, Rundendaten).

Positionsverlauf

Platz jedes Fahrers am Ende jeder Runde; farbig die ersten zehn im Ziel.
11020304043RundeHAMROSGROKVYPERMASRAIVERBOTERI

WM-Stand vorher und nachher

PlatzFahrervorherPunkte
1Lewis Hamilton1 (202)227
2Nico Rosberg2 (181)199
3Sebastian Vettel3 (160)160
4Kimi Räikkönen5 (76)82
5Felipe Massa6 (74)82
6Valtteri Bottas4 (77)79
7Daniil Kvyat8 (45)57
8Daniel Ricciardo7 (51)51
9Romain Grosjean10 (23)38
10Max Verstappen11 (22)26

Quellen

Amtliches Ergebnis auf unserer Rennseite

  1. Ergebnis und Daten GP Belgien 2015 – formel-1-livestream.de
  2. Hamilton takes dominant Belgian GP win ahead of Rosberg and Grosjean – FIA
  3. Belgian GP 2015 – Race report: Blowout II – grandprix.com
  4. 2015 Belgian Grand Prix – Wikipedia

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