Rückblick · erstellt am · Rennen vom 5. Oktober 2014

GP Japan 2014: Hamilton siegt im Regen, Bianchi schwer verunglückt

Lewis Hamilton gewann das von Taifun Phanfone geprägte Rennen in Suzuka vor Nico Rosberg. Überschattet wurde der Tag von Jules Bianchis schwerem Unfall.

GP Japan 2014 im Überblick: Hamilton gewinnt, Suzuka bangt um Bianchi

Lewis Hamilton gewann am 5. Oktober 2014 den regennassen Großen Preis von Japan auf dem Suzuka Circuit. Zweiter wurde sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg, Dritter Sebastian Vettel im Red Bull. Das Stallduell entschied Hamilton in Runde 29 mit einem Überholmanöver außen herum in der ersten Kurve. Am Ende rückte der Sport allerdings in den Hintergrund: Kurz vor Schluss verunglückte Jules Bianchi im Marussia schwer. Das Rennen wurde abgebrochen und nicht wieder aufgenommen. Alle Zeiten, Runden und Platzierungen findest du auf unserer Rennseite zum GP Japan 2014.

Start hinter dem Safety Car: Taifun Phanfone bestimmt den Rennbeginn

Taifun Phanfone hatte Suzuka starken Regen und stehendes Wasser gebracht. Die Rennleitung blieb trotzdem bei der geplanten Startzeit. Das Feld ging ohne Einführungsrunde hinter dem Safety Car ins Rennen, alle Autos fuhren auf Regenreifen. Nach nur zwei Runden zeigte die Rennleitung die rote Flagge, unter anderem weil Hamilton über die schlechte Sicht geklagt hatte. Nach rund 20 Minuten Unterbrechung ging es wieder hinter dem Safety Car weiter.

Kurz nach diesem Neustart war das Rennen für Fernando Alonso beendet. Der Spanier hatte im Ferrari von Platz fünf aus starten sollen. Nach zwei absolvierten Runden blieb sein Auto in der dritten Runde mit einem Elektronikdefekt in den S-Kurven stehen. Für Ferrari wurde es ein bitterer Tag: Laut formula1.com blieb die Scuderia zum ersten Mal seit 82 Grands Prix ohne Punkt. Das Safety Car fuhr am Ende der neunten Runde an die Box, erst danach war Überholen erlaubt.

Intermediates und Red-Bull-Angriff: Button pokert, Vettel und Ricciardo stürmen nach vorn

Die Strecke trocknete langsam ab, und als Erster wagte Jenson Button den Wechsel auf Intermediates. McLaren holte ihn laut unseren Daten bereits in Runde 9 an die Box. Als die Konkurrenz in den folgenden Runden nachzog, war Button bis auf Rang drei vorgefahren. Laut formula1.com zahlte sich dieser Poker voll aus. Rosberg wechselte in Runde 13, Hamilton eine Runde später. Deshalb führte Hamilton kurz die Runden 13 und 14 an.

Danach begann die Aufholjagd der Red Bulls. Das Team hatte die Abstimmung in Erwartung von Regen auf Kosten der Qualifying-Pace angepasst. Laut formula1.com hatte Red Bull deshalb in der Rennmitte das schnellste Auto. Die Williams, im Qualifying noch auf den Startplätzen drei und vier, fanden bei Nässe dagegen keinen Grip. Laut FIA-Rennbericht überholte Vettel in Runde 16 Felipe Massa und zwei Runden später Valtteri Bottas. Daniel Ricciardo zog in den Runden 17 und 19 an beiden Williams vorbei, an Bottas außen herum in den S-Kurven.

Button verlor seinen Podestplatz bei seinem zweiten Stopp. McLaren musste dabei das Lenkrad tauschen. Laut unseren Daten dauerte die Durchfahrt durch die Boxengasse 28,5 Sekunden statt der sonst üblichen rund 24 Sekunden. Beide Red Bulls zogen in dieser Zeit vorbei. Danach kämpfte Button noch mit Ricciardo um Rang vier, doch der Australier setzte sich in der Schlussphase nach mehreren Versuchen durch. Kurz vor dem Abbruch kam Button noch einmal an die Box und ließ wegen des erwarteten stärkeren Regens wieder Regenreifen aufziehen.

Hamilton gegen Rosberg: Das entscheidende Überholmanöver in Runde 29

Rosberg war von der Pole-Position gestartet und führte das Rennen lange an. Mit den Intermediates fand er aber keine Balance mehr und klagte über Übersteuern. Hamilton dagegen kam mit diesem Fahrverhalten seines Mercedes gut zurecht, wie formula1.com analysierte. Laut FIA-Rennbericht durfte Hamilton ab Runde 25 DRS nutzen. In Runde 27 vergaß er jedoch, den Flügel vor der ersten Kurve zu schließen. Er verlor deshalb Grip am Heck und rutschte in den Auslaufbereich von Kurve 1.

Zwei Runden später gelang es: Hamilton hatte auf der Start-Ziel-Geraden den besseren Schwung, ging aus Rosbergs Windschatten heraus und überholte ihn außen herum in Kurve 1. Ab Runde 29 lag er bis zum Schluss in Führung und fuhr seinem Teamkollegen davon. Mit 1:51,600 Minuten in Runde 39 fuhr er auch die schnellste Runde des Rennens. Nach den letzten regulären Stopps (Rosberg in Runde 33, Hamilton in Runde 35) änderte sich an der Spitze nichts mehr. Laut Wikipedia gewann Hamilton mit 9,1 Sekunden Vorsprung. Rosberg erkannte die Niederlage an: Laut formula1.com sagte er, an diesem Tag habe der Bessere gewonnen.

Für Hamilton war es der achte Saisonsieg, der 30. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere und der erste in Suzuka. Den GP Japan hatte er 2007 schon einmal gewonnen, damals in Fuji.

Die Unfälle von Sutil und Bianchi in der Dunlop-Kurve

In der Schlussphase regnete es wieder stärker. Adrian Sutil kam im Sauber in der Dunlop-Kurve (Kurve 7) durch Aquaplaning von der Strecke und schlug in die Reifenstapel ein. Sutil blieb unverletzt. An der Stelle wurden doppelte gelbe Flaggen geschwenkt, ein Safety Car schickte die Rennleitung nicht auf die Strecke. Ein Bergungskran fuhr hinaus, um den Sauber abzutransportieren.

Eine Runde später verlor Bianchi an derselben Stelle die Kontrolle über seinen Marussia und prallte gegen das Bergungsfahrzeug. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und kam ins Krankenhaus. Safety Car und Medical Car rückten aus, kurz darauf wurde das Rennen mit der roten Flagge abgebrochen und nicht wieder gestartet. Gewertet wurde der Stand am Ende der 44. Runde. Sutil (40 Runden) und Bianchi (41 Runden) wurden auf den Plätzen 21 und 20 gewertet. Aus Rücksicht auf Bianchi verzichteten die drei Podiumsfahrer auf die Champagnerdusche.

Einordnung aus heutiger Sicht: Im Dezember 2014 legte ein Untersuchungsausschuss der FIA seinen Bericht vor. Demnach führten mehrere Faktoren zu dem Unfall: die Streckenbedingungen in Kurve 7, das Bergungsfahrzeug im Gefahrenbereich und die Feststellung, dass Bianchi unter Doppelgelb nicht ausreichend verlangsamt hatte. Bianchis Familie wies die Schuldzuweisung an Jules später zurück. Als Konsequenz wurde 2015 das virtuelle Safety Car eingeführt. Jules Bianchi starb am 17. Juli 2015 an den Folgen seiner Verletzungen. Er war der erste Fahrer seit Ayrton Senna 1994, der nach einem Unfall in einem Formel-1-Rennen starb.

Gewinner und Verlierer des GP Japan 2014

Gewinner:

  • Jean-Éric Vergne machte im Toro Rosso die meisten Plätze gut: Er startete als 20. und kam als Neunter ins Ziel, 11 Positionen weiter vorn.
  • Sebastian Vettel fuhr von Startplatz neun aufs Podium und gewann sechs Plätze. Teamkollege Ricciardo verbesserte sich von Rang sechs auf vier.
  • Nico Hülkenberg fuhr im Force India von Startplatz 13 auf Rang acht. Sergio Pérez holte als Zehnter einen weiteren Punkt.
  • Pastor Maldonado gewann im Lotus F1 ebenfalls sechs Plätze, blieb als 16. aber ohne Punkte. Die Lotus kämpften laut formula1.com mit starkem Reifenverschleiß und mussten deshalb oft an die Box.

Verlierer:

  • Fernando Alonso fiel nach zwei Runden mit einem Elektronikdefekt aus. Kimi Räikkönen kam als Zwölfter eine Runde zurück ins Ziel, damit holte Ferrari keinen Punkt.
  • Kevin Magnussen startete im McLaren von Rang sieben und wurde nur 14. Nach unseren Daten warf ihn ein langer Stopp in Runde 15 bis auf Platz 20 zurück.
  • Williams verlor im Regen viel Boden: Bottas und Massa fielen von den Startplätzen drei und vier auf die Ränge sechs und sieben zurück.

WM-Stand nach dem GP Japan 2014: Hamilton baut Vorsprung aus, Vettel verkündet Abschied

Mit seinem Sieg baute Hamilton seine WM-Führung auf zehn Punkte aus: Er hatte jetzt 266 Zähler, Rosberg 256. Dahinter lag Ricciardo mit 193 Punkten auf Rang drei. Vettel zog mit 139 Punkten an Alonso (133) vorbei auf Platz vier, Bottas folgte mit 130 Zählern. In der Konstrukteurswertung lag Mercedes mit 522 Punkten weit vor Red Bull (332). Williams (201) blieb vor Ferrari (178) auf Rang drei. Den vollständigen WM-Stand 2014 findest du bei uns.

Überraschende Neuigkeiten hatte es schon am Samstag gegeben: Red Bull gab vor dem Qualifying bekannt, dass Vettel das Team zum Saisonende verlassen würde. Teamchef Christian Horner nannte Ferrari als neues Ziel, die Italiener bestätigten das zunächst nicht. Als Nachfolger beförderte Red Bull Daniil Kvyat von Toro Rosso. Vettel hatte sich nur als Neunter qualifiziert. Mit seinem Podestplatz setzte er im Rennen trotzdem ein Zeichen. Weiter ging die Saison mit dem GP Russland.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Japan 2014 – formel-1-livestream.de
  2. 2014 Japanese Grand Prix – Wikipedia
  3. Japan analysis - Hamilton imperious on dark Suzuka day – Formula 1
  4. Hamilton wins in Japan. Bianchi suffers serious crash – FIA
  5. Vettel to leave Red Bull at end of 2014 season – WTOP / Associated Press
  6. F1: Bianchi report says yellow speed limits the only practical solution – RACER

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