GP Belgien 2014: Ricciardo siegt, Mercedes-Duo kollidiert in Spa
Daniel Ricciardo gewann in Spa, nachdem Rosberg und Hamilton in Runde 2 kollidiert waren. Rosberg wurde Zweiter und baute seine WM-Führung auf 29 Punkte aus.
GP Belgien 2014 im Überblick: Ricciardo profitiert vom Mercedes-Crash
Den GP Belgien 2014 auf dem Circuit de Spa-Francorchamps gewann Daniel Ricciardo im Red Bull von Startplatz 5. Hinter ihm kamen Nico Rosberg (Mercedes) und Valtteri Bottas (Williams) aufs Podium. Entschieden wurde das Rennen schon in Runde 2: Die beiden Mercedes-Fahrer berührten sich vor Les Combes, und danach war das überlegene Silberpfeil-Duo kein Faktor mehr im Kampf um den Sieg.
Start und Runde 2: Rosberg gegen Hamilton in Les Combes
Rosberg hatte die Pole-Position, kam aber schlecht weg. Lewis Hamilton übernahm von Startplatz 2 schon in La Source die Führung. Bergauf Richtung Eau Rouge ging Sebastian Vettel an Rosberg vorbei und zwischen die beiden Mercedes. Später bremste er sich auch an Hamilton vorbei, verbremste sich aber auf kalten Reifen, kürzte über die Auslaufzone ab und fiel auf Platz 3 zurück. Rosberg holte sich den zweiten Platz zurück.
In Runde 2 kam es zum entscheidenden Moment. Rosberg nutzte den Windschatten und versuchte, außen an Hamilton vorbei in Les Combes einzubiegen. Hamilton blieb auf seiner Linie. Dabei schlitzte die rechte Endplatte von Rosbergs Frontflügel den linken Hinterreifen des Teamkollegen auf. Hamilton schleppte sich mit dem Plattfuß an die Box. Der Reifen war beim Ausgang von Pouhon zerfetzt und hatte die Karosserie beschädigt. Hamilton fiel weit ans Ende des Feldes zurück; laut unseren Daten lag er drei Runden nach seinem Stopp in Runde 2 auf Platz 19.
Rosberg führte nun, meldete aber Schäden am Frontflügel und konnte sich nicht von Vettel und Fernando Alonso absetzen. Die Rennkommissare werteten die Kollision später als normalen Rennunfall.
Rennverlauf: Ricciardos Weg an die Spitze
Hinter den Mercedes arbeitete sich Ricciardo nach vorn. In der Anfangsphase überholte er zuerst Alonso und dann Vettel, der in Pouhon auf den feuchten Kunstrasen geraten war. In Runde 8 musste Rosberg an die Box, um Reifen und den beschädigten Frontflügel zu wechseln. Der Stopp dauerte laut unseren Daten 30,0 Sekunden in der Boxengasse und warf ihn auf Platz 8 zurück, gemessen drei Runden danach. Dadurch übernahm Ricciardo die Führung.
Nach Ricciardos erstem Stopp in Runde 11 lag Bottas in Runde 12 eine Runde lang vorn, dann übernahm der Australier ab Runde 13 wieder die Spitze und gab sie bis zur Zielflagge nicht mehr ab. Er kam mit zwei Stopps aus (Runden 11 und 27). Rosberg brauchte drei.
Strategie und Schlussphase: Rosbergs Aufholjagd kommt zu spät
Mercedes rief Rosberg in Runde 34 ein drittes Mal herein. Laut Grandprix.com lag er zu diesem Zeitpunkt etwa 21 Sekunden hinter Ricciardo und holte mit frischen weichen Reifen rund drei Sekunden pro Runde auf. Nach der Rückkehr auf die Strecke duellierte er sich zuerst mit Bottas, dann ging er an Kimi Räikkönen vorbei. Laut Formula1.com schrumpfte Ricciardos Vorsprung von 21,6 Sekunden in Runde 35 auf 4,3 Sekunden in Runde 43. Am Ende rettete er 3,383 Sekunden ins Ziel. Rosberg fuhr mit 1:50,511 Minuten in Runde 36 die schnellste Rennrunde.
Bottas überholte spät im Rennen noch Räikkönen und holte Platz 3. Für den Finnen im Ferrari war Platz 4 trotzdem das beste Ergebnis seit dem GP Korea 2013.
Dahinter wurde in der Schlussphase hart um Platz 5 gekämpft. Vettel, Kevin Magnussen, Jenson Button und Alonso fuhren eng beieinander. Vettel setzte sich gegen Magnussen in La Source durch. Alonso touchierte Vettels Heck und verlor dabei einen Teil seines Frontflügels.
Strafen und Ausfälle in Spa
Alonso: Ferrari-Mechaniker arbeiteten noch am Auto, als nur noch weniger als 15 Sekunden bis zur Einführungsrunde blieben. Laut Wikipedia war die Batterie leer, und Ferrari musste eine Ersatzbatterie einsetzen. Alonso bekam dafür eine Stop-and-go-Strafe von fünf Sekunden, die er bei seinem ersten Stopp in Runde 12 absaß. Deshalb stand er laut unseren Daten 28,9 Sekunden in der Boxengasse. Er kam als Siebter ins Ziel.
Magnussen: Kurz vor Schluss drängte der McLaren-Pilot Alonso auf der Kemmel-Geraden ins Gras. Dafür erhielt er nach dem Rennen 20 Sekunden Zeitstrafe und fiel auf Platz 12 zurück.
Die Ausfälle:
- Pastor Maldonado (Lotus F1) schied nach Runde 1 mit technischem Defekt aus. Wikipedia nennt einen vermuteten Auspuffschaden.
- André Lotterer (Caterham) blieb laut Formula1.com in der ersten Runde am Streckenrand stehen. Als offiziellen Grund nennen unsere Daten die Antriebseinheit. Der Le-Mans-Sieger fuhr in Spa für Kamui Kobayashi und gab sein Formel-1-Debüt. Mit 32 Jahren war er laut Wikipedia der älteste Debütant seit Giovanni Lavaggi 1995.
- Romain Grosjean (Lotus F1) stellte sein Auto nach 33 Runden aus ungeklärter Ursache ab.
- Hamilton bat das Team, ihn aus dem Rennen zu nehmen, weil sein Auto seit der Kollision beschädigt war. Mercedes holte ihn nach 38 Runden herein.
- Jules Bianchi (Marussia) hatte sich schon in der ersten Runde bei einer Berührung mit Grosjean einen Reifen aufgeschlitzt. Nach 39 Runden fiel er mit Getriebeschaden aus. Er wurde trotzdem als 18. gewertet.
Gewinner und Verlierer des GP Belgien 2014
Gewinner:
- Ricciardo holte seinen dritten Grand-Prix-Sieg und gewann nach dem GP Ungarn zum zweiten Mal in Folge. Er war damit der einzige Fahrer außer den Mercedes-Piloten, der 2014 bis dahin gewonnen hatte. Für Red Bull war es der 50. Sieg in der Formel 1.
- Nico Hülkenberg (Force India) machte die meisten Plätze gut: Er fuhr von Startplatz 18 auf Platz 10 und holte damit einen Punkt.
- Sein Teamkollege Sergio Pérez verbesserte sich um fünf Plätze von Startplatz 13 auf Platz 8. Ebenfalls fünf Plätze gutmachten Esteban Gutiérrez (Sauber) auf Platz 15 und Marcus Ericsson (Caterham) auf Platz 17.
- Daniil Kvyat holte als Neunter Punkte für Toro Rosso. Sein Teamkollege Jean-Éric Vergne verpasste sie als Elfter knapp.
Verlierer:
- Hamilton fiel von Startplatz 2 ohne Punkte aus.
- Magnussen verlor durch seine Strafe fünf Plätze gegenüber seinem Startplatz 7.
- Felipe Massa wurde laut Formula1.com früh durch Trümmerteile ausgebremst und kam nur als 13. ins Ziel.
- Bei McLaren holte nur Button als Sechster Punkte.
- Hinter Adrian Sutil auf Platz 14 kam Max Chilton (Marussia) als 16. vor Ericsson ins Ziel.
WM-Stand nach Spa und Einordnung: Pfiffe für Rosberg
Rosberg gingen in Spa wichtige Punkte zum Sieg verloren, im Titelkampf gewann er aber trotzdem: Laut WM-Stand 2014 führte er nun mit 220 Punkten vor Hamilton mit 191. Damit wuchs sein Vorsprung auf 29 Punkte. Ricciardo lag mit 156 Punkten auf Platz 3, vor Alonso (121) und Bottas (110). Bei den Teams führte Mercedes mit 411 Punkten deutlich vor Red Bull mit 254.
Die Stimmung war trotzdem schlecht. Auf dem Podium wurde Rosberg ausgepfiffen. Hamilton behauptete, Rosberg habe die Berührung als absichtlich zugegeben, was Rosberg bestritt. Die Teamführung um Toto Wolff und Niki Lauda war wütend. Wolff stellte klar, dass so eine Kollision „nicht noch einmal passieren kann und wird“ (sinngemäß nach Grandprix.com). Fünf Tage nach dem Rennen sprach das Team mit beiden Fahrern. Rosberg entschuldigte sich für einen Fehler in seiner Einschätzung und bekam eine nicht öffentlich gemachte Strafe. Feste Teamorder gab es aber weiterhin nicht. Spa markierte damit den bis dahin härtesten Moment im Stallduell der Silberpfeile. Alle Ergebnisse findest du auf unserer Seite Ergebnisse 2014.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Belgien 2014 – formel-1-livestream.de
- Race - brilliant Ricciardo denies Rosberg at Spa-Francorchamps – Formula1.com
- Belgian GP 2014 – Race report: Controversial clashes – GrandPrix.com
- 2014 Belgian Grand Prix – Wikipedia