GP Großbritannien 2010: Webber siegt nach Frontflügel-Streit
Mark Webber gewann in Silverstone vor Lewis Hamilton und Nico Rosberg, kurz nach dem Frontflügel-Streit bei Red Bull. Alonso ging nach einer Strafe leer aus.
GP Großbritannien 2010 kompakt: Webbers Antwort auf der Strecke
Mark Webber gewann den Großen Preis von Großbritannien 2010 von Startplatz 2 und führte alle 52 Runden an. Hinter ihm kamen Lewis Hamilton im McLaren und Nico Rosberg im Mercedes aufs Podium. Entschieden war das Rennen schon auf dem Weg zur ersten Kurve: Webber zog am Polesetter und Teamkollegen Sebastian Vettel vorbei. Vettel holte sich in der ersten Runde einen Reifenschaden.
Vorgeschichte in Silverstone: Der Streit um den neuen Frontflügel bei Red Bull
Das Rennen auf dem Silverstone Circuit begann mit einem Streit bei Red Bull. Das Team hatte einen neuen Frontflügel mitgebracht. Am Samstagmorgen brach Vettel das Exemplar am Auto weg. Darauf ließ Teamchef Christian Horner das einzige verbliebene neue Bauteil von Webbers Auto abbauen und Vettel geben. Webber war außer sich, und die Spannungen aus der Kollision der beiden in Istanbul brachen wieder auf.
Vettel holte mit dem neuen Flügel die Pole-Position, Webber stand daneben auf Platz 2. Dahinter folgten Fernando Alonso im Ferrari, Hamilton, Rosberg und Robert Kubica im Renault. Weltmeister Jenson Button startete nur von Platz 14. McLaren hatte nach dem Freitagstraining den neuen Diffusor mit angeblasenem Auspuff wieder ausgebaut. Danach fehlte die Zeit für die Abstimmung.
Auch die Strecke war neu: Der Grand Prix fand erstmals auf der umgebauten Arena-Variante mit dem neuen Wellington Straight statt. Zugleich war es das letzte Rennen mit der alten Boxenanlage zwischen Woodcote und Copse.
Rennverlauf: Webber gewinnt den Start, Vettel fällt ans Ende zurück
Beim Start kam Webber besser weg, setzte sich neben Vettel und bremste als Erster in Copse. Vettel kam von der Linie ab, und Hamilton traf mit dem Frontflügel seinen rechten Hinterreifen. Mit dem Reifenschaden schlingerte Vettel durch Maggotts und Becketts. Am Ende der ersten Runde kam er an die Box und bekam die härteren Bridgestone-Reifen, die bis ins Ziel halten mussten. Er war jetzt Letzter. Auch Felipe Massa fing sich in Runde 1 einen Plattfuß ein, nach einer Berührung mit Teamkollege Alonso, und musste ebenfalls früh an die Box.
An der Spitze hatte Webber danach alles im Griff. Hamilton blieb so nah dran, dass Webber wach bleiben musste, kam aber nie zu einem echten Angriff. Webber sagte später, er habe sich für niemanden sonst im Rennen interessiert. Im Ziel lag er 1,360 Sekunden vor Hamilton. Es war Webbers dritter Saisonsieg nach dem GP Spanien und dem GP Monaco. Auf der Auslaufrunde funkte er an die Box: „Not bad for a number two driver.“ (Nicht schlecht für einen Nummer-zwei-Fahrer.) Das war eine unmissverständliche Spitze nach dem Flügeltausch.
Alonsos Strafe, Kubicas Ausfall und das Safety Car
Den bittersten Nachmittag hatte Ferrari. Alonso verlor am Start Plätze an Rosberg und Kubica und lag bis zu den Reifenwechseln auf Rang 5. Im Duell mit Kubica fuhr er dann neben die Strecke, ging dabei vorbei und gab die Position nicht zurück. Kubica fiel nach Runde 19 mit einem Defekt an der Antriebswelle aus. Damit konnte Alonso den Platz gar nicht mehr zurückgeben. Die Rennkommissare verhängten trotzdem eine Durchfahrtsstrafe. Rennleiter Charlie Whiting sagte, Ferrari sei geraten worden, Kubica vorbeizulassen. Ferraris eigene Darstellung des Ablaufs widersprach dem.
Dann kam auch noch Pech dazu. Adrian Sutil im Force India und Pedro de la Rosa im Sauber berührten sich auf der Start-Ziel-Geraden. Der Heckflügel des Sauber zerfiel, und die Trümmer riefen das Safety Car auf die Strecke. Während einer Safety-Car-Phase darf man keine Durchfahrtsstrafe antreten. Alonso konnte sie erst nach dem Neustart abholen und fiel so ans Ende des eng beisammenliegenden Feldes zurück. Am Ende stand er auf Platz 14, ohne Punkte. Die schnellste Runde des Rennens, eine 1:30,874 in der letzten Runde, war ein schwacher Trost. Alonso lehnte nach dem Rennen Interviews ab. Massa kam als 15. ins Ziel, Ferrari holte keinen einzigen Punkt.
Die Ausfälle im Überblick:
- Lucas di Grassi (Virgin): nach Runde 9, Hydraulik
- Robert Kubica (Renault): nach Runde 19, Antriebswelle
- Pedro de la Rosa (Sauber): nach Runde 29, nach der Kollision mit Sutil
- Jaime Alguersuari (Toro Rosso): nach Runde 44, Bremsen
Gewinner und Verlierer: Buttons Aufholjagd und Vettels Schadensbegrenzung
Der große Gewinner hinter Webber war Button. Der Weltmeister fuhr vor heimischem Publikum von Startplatz 14 auf Rang 4, das waren zehn gutgemachte Plätze. Im Ziel fehlten ihm nur 0,679 Sekunden auf Rosberg und das Podium. Rosberg wiederum holte für Mercedes den ersten Podestplatz seit dem GP China. Die meisten Plätze nach Button gewann Vitantonio Liuzzi, der im Force India von Startplatz 20 auf Rang 11 fuhr. Stark war auch Kamui Kobayashi im Sauber: Er fuhr von Rang 12 auf Platz 6. Rubens Barrichello wurde im Williams Fünfter, Teamkollege Nico Hülkenberg holte als Zehnter einen Punkt.
Vettel nutzte das Safety Car, um wieder ans Feld heranzukommen. In der Schlussphase ging er an Hülkenberg, Sutil und Michael Schumacher vorbei und rettete als Siebter noch sechs Punkte. Sutil wurde Achter, Schumacher Neunter. Auf der Verliererseite stehen Kubica, der nach einem starken Start ausfiel, und das Ferrari-Duo, das zusammen 19 Startplätze verlor. Hinten im Feld schlug Jarno Trulli als 16. im Lotus die Konkurrenz der neuen Teams. Beste Fahrer von Virgin und HRT waren Timo Glock als 18. und Karun Chandhok als 19.
WM-Stand nach dem GP Großbritannien 2010: Hamilton vorn, Webber rückt vor
Hamilton baute seine Führung im WM-Stand 2010 aus: Er hatte jetzt 145 Punkte, Button folgte mit 133. Webber sprang mit 128 Punkten auf Rang 3 und überholte dabei Vettel, der mit 121 Punkten Vierter war. Alonso blieb mit 98 Punkten Fünfter, wurde aber in der Spitzengruppe immer weiter abgehängt. Rosberg schob sich mit 90 Punkten auf Platz 6 vor Kubica (83).
Bei den Konstrukteuren führte McLaren mit 278 Punkten vor Red Bull (249) und Ferrari (165). Nach zehn von 19 Rennen lagen damit vier Fahrer innerhalb von 24 Punkten.
Die Bedeutung des Rennens ging über die Zahlen hinaus. Webber hatte auf der Strecke auf den Flügeltausch geantwortet. Nach dem Rennen sagte er, er hätte seinen neuen Vertrag nicht unterschrieben, wenn er gewusst hätte, dass es so laufen würde. Die Frage, wen Red Bull im Titelkampf bevorzugte, war damit offen auf dem Tisch. Weiter geht es mit dem GP Deutschland.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Großbritannien 2010 – formel-1-livestream.de
- 2010 British Grand Prix – Wikipedia
- 2010 British Grand Prix Report – Motor Sport Magazine
- 2010 British Grand Prix – Formula One History