GP Großbritannien 2008: Hamiltons Regenmeisterstück in Silverstone
Lewis Hamilton gewann den Regen-GP von Silverstone 2008 mit 68,5 Sekunden Vorsprung. Ferraris Reifenpoker scheiterte, Barrichello glänzte auf Regenreifen.

GP Großbritannien 2008: Hamilton siegt im Regen von Silverstone
Beim GP Großbritannien 2008 auf dem nassen Silverstone Circuit fuhr Lewis Hamilton im McLaren allen davon. Er gewann mit 68,5 Sekunden Vorsprung vor Nick Heidfeld (BMW Sauber), Dritter wurde Rubens Barrichello im Honda. Entschieden wurde das Rennen beim ersten Boxenstopp in Runde 21. McLaren gab Hamilton frische Intermediates, Ferrari ließ Kimi Räikkönen dagegen auf den alten Reifen weiterfahren. Kurz danach kam der Regen zurück.
Für Hamilton war es der siebte Grand-Prix-Sieg und der erste vor heimischem Publikum. Autosport zählte die Fahrt zu den größten Regenleistungen der Formel-1-Geschichte.
Start im Nassen: Hamilton schnappt sich Kovalainen
Am Morgen hatte es geregnet, und auf der Strecke stand noch Wasser. Alle Fahrer gingen deshalb auf Intermediates ins Rennen. Heikki Kovalainen stand auf der Pole-Position, neben ihm Mark Webber im Red Bull, dahinter Räikkönen im Ferrari und Hamilton.
Die drei Fahrer vor Hamilton fanden beim Start wenig Grip. Hamilton schob sich in der ersten Kurve sogar kurz vor seinen Teamkollegen, die beiden berührten sich, und Kovalainen holte sich die Führung zurück. Dahinter ging es drunter und drüber:
- Webber drehte sich in der ersten Runde und fiel ans Ende des Feldes zurück.
- Felipe Massa drehte sich ebenfalls und verlor fast alle Plätze.
- David Coulthard und Sebastian Vettel im Toro Rosso kollidierten und landeten beide im Kies. Coulthard fuhr damit seinen letzten Heim-Grand-Prix vor dem angekündigten Karriereende, und das Rennen war für ihn nach wenigen Kurven vorbei.
In Runde 5 ging Hamilton an Kovalainen vorbei und übernahm die Führung, die er bis ins Ziel nur noch beim Boxenstopp kurz abgab. Kovalainen drehte sich später und fiel hinter Räikkönen zurück. Der Ferrari-Pilot holte auf der abtrocknenden Strecke Sekunde um Sekunde auf und lag vor den ersten Stopps weniger als eine Sekunde hinter Hamilton. Dabei fuhr Räikkönen auch die schnellste Rennrunde.
Ferraris Reifenpoker: die Entscheidung beim ersten Boxenstopp
In Runde 21 kamen Hamilton und Räikkönen gemeinsam an die Box. McLaren tankte nach und montierte neue Intermediates. Ferrari setzte darauf, dass die Strecke weiter abtrocknen würde, und schickte Räikkönen nach dem Tanken mit den gebrauchten Reifen wieder hinaus. Hamilton kam knapp vor dem Finnen zurück auf die Strecke. In Runde 22 führte Heidfeld kurz, bevor er selbst zum Stopp abbog.
Kurz danach setzte der Regen wieder ein, und Ferraris Plan ging nicht auf. Laut Wikipedia verlor Räikkönen auf den abgefahrenen Reifen bis zu acht Sekunden pro Runde. Kovalainen und Heidfeld fuhren an ihm vorbei. Grandprix.com berichtete, dass auch Fernando Alonso im Renault ohne Reifenwechsel unterwegs war und im Regen „suffering badly“ war. In Runde 30 holte sich Räikkönen außerplanmäßig frische Intermediates und fiel auf den elften Platz zurück.
Hamilton war auf frischen Reifen in seinem Element. Als er in Runde 38 zum zweiten Mal stoppte, führte er laut Wikipedia schon rund 30 Sekunden. Er blieb bei Intermediates und fuhr den Vorsprung ungefährdet ins Ziel.
Barrichello und die Regenreifen: Honda-Podium aus Startreihe acht
Die Geschichte hinter dem Sieger schrieb Barrichello. Als der Regen stärker wurde, holte Honda in Runde 37 beide Autos herein und zog Extreme-Regenreifen auf. Im heftigsten Schauer war Barrichello damit laut Wikipedia rund neun Sekunden pro Runde schneller als der Großteil des Feldes. Grandprix.com nannte ihn das „fastest car on track“.
Barrichello überholte unter anderem Jarno Trulli und Heidfeld und lag zeitweise auf dem zweiten Platz. Wegen eines Problems beim Nachtanken musste er aber noch einmal an die Box. Bis dahin fuhr er einen großen Vorsprung auf Heidfeld heraus. Nach dem Stopp in Runde 47 kam er auf Intermediates als Dritter hinter dem Deutschen zurück und hielt diesen Platz bis ins Ziel. Für Honda war es der erste Podestplatz der Saison.
Von Startplatz 16 auf Rang 3: Mit 13 gewonnenen Plätzen war Barrichello der große Aufsteiger des Tages. Er selbst sprach von einem „perfect race“.
Ausfälle und Dreher: Kubica, Piquet und Button im Kies
Die Bedingungen forderten viele Opfer. Nur 13 Autos sahen das Ziel, sieben Fahrer schieden aus, und bis auf die beiden Unfallopfer der ersten Runde rutschten alle von der Strecke:
- Sebastian Vettel und David Coulthard: Sie kollidierten in der ersten Runde und kamen nicht zurück ins Rennen.
- Adrian Sutil (Force India): Er drehte sich und schied nach 10 Runden aus.
- Giancarlo Fisichella (Force India): Auch er rutschte von der Strecke und schied nach 16 Runden aus.
- Nelson Piquet Jr. (Renault): Laut Autosport lag er zuvor auf dem vierten Platz. Nach 35 Runden drehte er sich im Starkregen ins Aus.
- Jenson Button (Honda): Er drehte sich nach 38 Runden von der Strecke. Damit verpasste er die Phase, in der die Extreme-Regenreifen ihren größten Vorteil hatten.
- Robert Kubica (BMW Sauber): Er lag zwischenzeitlich auf dem dritten Platz und drehte sich laut Autosport bei Abbey ins Kiesbett. Nach 39 Runden war sein Rennen vorbei, und damit war auch ein möglicher Podestplatz verloren.
Auch Kovalainen, Webber und Räikkönen drehten sich, kamen aber weiter. Massa drehte sich laut Wikipedia fünf Mal. Nico Rosberg im Williams fuhr bei einem Überholversuch in Timo Glock im Toyota und musste einen neuen Frontflügel holen.
Gewinner, Verlierer und WM-Stand nach dem GP Großbritannien 2008
Gewinner des Tages:
- Hamilton: Er gewann von Startplatz 4 aus. Nach dem Rennen sagte er: „It is definitely and by far the best victory I've ever had.“
- Barrichello: Er machte 13 Plätze gut, mehr als jeder andere.
- Heidfeld: Er fuhr von Startplatz 5 auf Rang 2.
- Rosberg: Er startete von Platz 20 und kam trotz Flügelschaden als Neunter ins Ziel, 11 Plätze weiter vorne.
- Trulli und Kazuki Nakajima: Sie machten je 7 Plätze gut und holten als Siebter und Achter Punkte.
Sébastien Bourdais wurde Elfter, Glock Zwölfter.
Verlierer des Tages:
- Ferrari: Räikkönen wurde nur Vierter, mit einer Runde Rückstand, aber mit der schnellsten Runde. Massa kam nach seinen Drehern als Dreizehnter und Letzter mit zwei Runden Rückstand ins Ziel.
- Webber: Er ging aus der ersten Reihe ins Rennen und landete auf Platz 10, 8 Plätze weiter hinten.
- Kovalainen: Er verlor von der Pole-Position 4 Plätze und wurde Fünfter.
- Vettel: Er verlor nach dem Unfall in der ersten Runde 11 Plätze.
WM-Folgen: Nach 9 von 18 Rennen war die Fahrerwertung völlig offen. Hamilton, Massa und Räikkönen hatten je 48 Punkte, Hamilton führte durch seinen Sieg und war drei Plätze nach vorne gesprungen. Kubica folgte mit 46 Punkten, Heidfeld mit 36. Bei den Teams führte Ferrari mit 96 Punkten vor BMW Sauber (82) und McLaren (72). Den kompletten WM-Stand 2008 findest du in unserem Archiv.
Einordnung: Im Sommer 2008 bewies Hamilton in Silverstone, dass er auch unter den schwierigsten Bedingungen der Maßstab sein konnte. Bei einem Dreikampf an der Spitze der WM-Wertung war Silverstone 2008 ein starkes Signal.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Großbritannien 2008 – formel-1-livestream.de
- 2008 British Grand Prix – Wikipedia
- British GP 2008 – Race notes: Hamilton dominates British GP – GrandPrix.com
- 2008 British Grand Prix – Formula One History
- 2008 British Grand Prix – Live – Autosport