Rückblick · erstellt am · Rennen vom 22. Oktober 2006

GP Brasilien 2006: Massa siegt, Alonso ist erneut Weltmeister

Massa gewinnt in Interlagos als erster Brasilianer seit Senna 1993 sein Heimrennen. Alonso wird als Zweiter Weltmeister, Schumacher kämpft sich auf Rang 4.

GP Brasilien 2006 im Überblick: Heimsieg für Massa, Titel für Alonso

Beim Saisonfinale 2006 in São Paulo gewann Felipe Massa im Ferrari von der Pole-Position aus und führte bis auf zwei Runden das ganze Rennen an. Als Zweiter sicherte sich Fernando Alonso mit Renault seinen zweiten WM-Titel in Folge. Jenson Button fuhr im Honda von Startplatz 14 auf Rang drei. Die große Geschichte des Nachmittags schrieb aber Michael Schumacher: Nach einem Reifenschaden war er in seinem Abschiedsrennen für Ferrari fast eine Runde zurück, kämpfte sich dann durch das gesamte Feld und wurde noch Vierter. Alle Ergebnisse und Daten findest du auf unserer Rennseite zum GP Brasilien 2006.

Ausgangslage in Interlagos: Schumachers Pech im Qualifying

Alonso kam mit zehn Punkten Vorsprung auf Schumacher nach Brasilien. Der Ferrari-Star brauchte also ein kleines Wunder. Schon im Qualifying sank seine Hoffnung weiter: Im letzten Abschnitt verlor sein Auto auf der Aufwärmrunde plötzlich den Benzindruck, Schumacher blieb stehen und musste von Platz zehn starten. Auch Button erwischte es im Qualifying, ein Defekt an der elektronischen Traktionskontrolle hielt ihn aus den Top Ten heraus.

Vorne standen Massa, Kimi Räikkönen im McLaren, Jarno Trulli im Toyota und Alonso auf Startplatz vier.

Rennverlauf: Williams-Crash, Safety Car und Schumachers Reifenschaden

Massa verteidigte die Führung in der ersten Kurve vor Räikkönen und Trulli, Schumacher machte am Start Plätze gut. Noch in der ersten Runde kam es zum Teamduell bei Williams: Nico Rosberg traf seinen Teamkollegen Mark Webber und riss ihm dabei den Heckflügel ab. Rosberg flog danach mit seinem beschädigten Auto ab, das Wrack und die Trümmer riefen das Safety Car auf die Strecke. Beide Williams fielen aus, offiziell wegen der Kollision.

In Runde 6 wurde das Rennen wieder freigegeben. Gleich danach folgte der Moment, der Schumachers letzte Titelchance beendete: Beim Angriff auf Giancarlo Fisichella berührte sein linker Hinterreifen den Frontflügel des Renault. Schumacher schlich mit dem platten Reifen an die Box, bekam neue Reifen und eine große Portion Benzin und kam als Letzter fast eine Runde hinter Massa wieder heraus.

Vorne hatte Massa alles im Griff. Nur rund um seinen ersten Boxenstopp übernahm Alonso für zwei Runden die Führung, ab Runde 27 lag wieder der Brasilianer vorne. Laut grandprix.com hatte Massa in Runde 38 schon 24 Sekunden Vorsprung, in Runde 55 waren es 26 Sekunden. Massa stoppte in Runde 52 zum zweiten Mal, Alonso zwei Runden später. An der Reihenfolge änderte das nichts mehr. Dass Massa sich nach Rennende von einem Fan eine brasilianische Flagge geben ließ, verstieß übrigens gegen die FIA-Regeln. Eine Strafe gab es dafür aber nie.

Schumachers Aufholjagd: von hinten bis auf Platz vier

Mit dem nachgetankten Benzin konnte Schumacher einen langen Mittelstint fahren und musste danach nur noch einmal an die Box. Er nutzte die Stopps der anderen und seine eigenen Überholmanöver: Erst ging er an Robert Doornbos vorbei, danach an Nick Heidfeld, der wegen eines beschädigten Frontflügels an der Box gewesen war. Nach seinem zweiten Stopp setzte er sich um Runde 50 gegen Rubens Barrichello durch.

In der Schlussphase lag Fisichella vor ihm. In Runde 62 bremste der Italiener in Kurve 1 zu spät, fuhr über das Gras, und Schumacher ging vorbei. Danach gab es ein spannendes Duell mit Räikkönen. Gelbe Flaggen verhinderten einen frühen Angriff, ein Fehler des Finnen in Kurve 10 reichte noch nicht aus. Schließlich fuhr Schumacher bei der Anfahrt auf Kurve 1 neben ihn und drängte ihn auf die schmutzige Linie, laut grandprix.com war er in Runde 68 Vierter. Mit 1:12,162 Minuten fuhr er dazu die schnellste Runde des Rennens. Für den Titel reichte das nicht, doch Ferrari erlebte einen würdigen Abschied seines Rekordweltmeisters.

Ausfälle beim GP Brasilien 2006: Toyota-Doppel-K.o. und Heidfelds Unfall

  • Nico Rosberg (Williams), ausgefallen in Runde 1: Kollision mit Webber, danach Abflug.
  • Mark Webber (Williams), nach 1 Runde: Kollision, der Heckflügel war abgerissen.
  • Ralf Schumacher (Toyota), nach 9 Runden, und Jarno Trulli (Toyota), nach 10 Runden: Bei beiden versagte die Hinterradaufhängung auf dieselbe Art. Damit war auch Toyotas Chance dahin, BMW Sauber noch Platz fünf in der Konstrukteurs-WM abzunehmen.
  • David Coulthard (Red Bull), nach 14 Runden: Getriebeschaden.
  • Nick Heidfeld (BMW Sauber), nach 63 Runden: Zuerst beschädigte er nach seinem ersten Stopp bei einer Kollision mit Vitantonio Liuzzi seinen Frontflügel. Später brach am Ende der Start-Ziel-Geraden die Aufhängung, und Heidfeld drehte sich in Kurve 1 von der Strecke. Er wurde trotzdem als 17. gewertet.

Gewinner und Verlierer: Button, Sato und de la Rosa

Den größten Sprung machte Button mit elf gewonnenen Plätzen. Er fuhr lange in den Top drei und überholte laut grandprix.com in Runde 28 Räikkönen für Rang drei. Auch Takuma Sato war stark: Er gewann neun Plätze und holte als Zehnter das erste Top-Ten-Ergebnis für Super Aguri. Doornbos machte zehn Positionen gut, wurde aber nur Zwölfter. Pedro de la Rosa kam mit nur einem Boxenstopp von Platz 12 auf Platz 8 und holte damit einen Punkt.

Auf der Verliererseite stand Toyota: Trulli fiel von Startplatz drei aus, sein Teamkollege von Startplatz sieben. Räikkönen startete aus der ersten Reihe und verlor am Ende noch Platz vier an Schumacher.

WM-Entscheidung 2006: Alonso und Renault holen die Doppel-Krone

Mit seinem zweiten Platz beendete Alonso die Saison mit 134 Punkten, Schumacher kam auf 121. Damit war der Spanier der jüngste zweifache Weltmeister der Geschichte. Massa wurde mit 80 Punkten WM-Dritter, dahinter folgten Fisichella (72) und Räikkönen (65). Bei den Konstrukteuren gewann Renault mit 206 Punkten knapp vor Ferrari (201). BMW Sauber rettete Platz fünf mit 36 zu 35 Punkten gegen Toyota. Den kompletten WM-Stand 2006 findest du bei uns.

Für Massa war es nach dem GP Türkei der zweite Grand-Prix-Sieg. Vor allem aber gewann zum ersten Mal seit Ayrton Senna 1993 wieder ein Brasilianer sein Heimrennen in São Paulo. Gleichzeitig ging an diesem Tag eine Ära zu Ende: Schumacher bestritt sein letztes Rennen für Ferrari und verabschiedete sich mit einer seiner besten Aufholjagden.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Brasilien 2006 – formel-1-livestream.de
  2. 2006 Brazilian Grand Prix – Wikipedia
  3. Brazilian GP 2006 – Race notes: Massa wins in Brazil, Alonso takes championship – grandprix.com
  4. The Complete 2006 Brazilian GP Review – Autosport

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