GP Japan 2004: Schumacher trotzt Taifun, Bruder Ralf Zweiter
Michael Schumacher gewann in Suzuka von der Pole vor Bruder Ralf. Weil Taifun Ma-on den Samstag wegfegte, fiel das Qualifying auf den Rennmorgen.
GP Japan 2004 in Kürze: Start-Ziel-Sieg für Michael Schumacher
Michael Schumacher gewann den Großen Preis von Japan 2004 von der Pole-Position. Er führte alle 53 Runden an und lag im Ziel rund 14 Sekunden vor seinem Bruder Ralf Schumacher im Williams. Dritter wurde Jenson Button im BAR. Für Ferrari war es der 15. Saisonsieg, Schumacher selbst gewann zum 13. Mal in diesem Jahr. Entschieden war das Rennen praktisch schon nach dem ersten Boxenstopp-Zyklus.
Taifun Ma-on: Qualifying in Suzuka erst am Rennmorgen
Das Wochenende auf dem Suzuka Circuit stand ganz im Zeichen von Taifun Ma-on. Weil der Sturm auf Japan zuzog, wurde der gesamte Samstag abgesagt. Beide Qualifying-Teile fanden deshalb am Sonntagmorgen statt, auf einer feuchten, abtrocknenden Strecke. Die Teams hatten kaum Gelegenheit, ihre Autos auf trockene Bedingungen abzustimmen.
Schumacher ging spät auf die Strecke und holte sich die Pole. Neben ihm stand Bruder Ralf. Die Überraschung war Mark Webber, der den Jaguar auf Startplatz drei stellte. Dahinter folgten Takuma Sato, Button und Jarno Trulli. Mehrere Favoriten patzten dagegen: Fernando Alonso startete nur als Elfter, Kimi Räikkönen als Zwölfter, Juan Pablo Montoya als 13. und Rubens Barrichello sogar nur als 15. Zsolt Baumgartner musste nach einem Motorwechsel und einem Dreher ohne Qualifying-Zeit aus der Boxengasse starten.
Rennverlauf: Michael Schumacher fährt allen davon
Am Nachmittag schien in Suzuka die Sonne, und das Rennen begann im Trockenen. Die Schumacher-Brüder behielten am Start ihre Plätze. Webber erwischte dagegen einen schwachen Start und verlor drei Positionen. Michael setzte sich schnell ab und hatte laut Crash.net nach vier Runden schon sieben Sekunden Vorsprung auf den Drittplatzierten Button.
Ralf kam vier Runden früher an die Box als sein Bruder. Michael tankte erst in Runde 13 nach und kam als Führender zurück auf die Strecke. Danach war das Rennen um den Sieg entschieden: Zur Halbzeit lag der Ferrari-Pilot laut Crash.net 36 Sekunden vorn. Auch beim zweiten Stopp verlor Michael die Führung nicht.
Dahinter kämpfte das BAR-Duo um das Podium. Sato war leichter betankt und lag zeitweise vor Button. Am Ende setzte sich Button aber durch und holte seinen zehnten Podestplatz der Saison. Im Mittelfeld lieferten sich Trulli, Montoya, Barrichello und Giancarlo Fisichella im Sauber einen harten Kampf. Fisichella leistete sich in Runde 16 einen Fehler und ließ mehrere Gegner vorbei. Montoya schob sich in Runde 21 innen an Trulli vorbei, doch der Italiener holte sich den Platz außen zurück. Eine Runde später verbremste sich der Kolumbianer an der Schikane, und Barrichello schlüpfte durch.
Ausfälle: Webbers glühendes Cockpit und Barrichellos Kollision mit Coulthard
- Mark Webber (Jaguar), Ausfall nach 20 Runden, Überhitzung: Im Cockpit wurde es immer heißer. Laut GrandPrix.com kam Webber in Runde 18 mit überhitztem Sitz an die Box, eine Ursache fand das Team offenbar nicht. Weil die Hitze gefährlich wurde, stellte er den Wagen ab. Laut Wikipedia zog er sich leichte Verbrennungen am Oberschenkel zu. Crash.net vermutete, dass der Jaguar wegen der knappen Abstimmungszeit im Trockenen aufsetzte und die Hitze über den Sitz ins Cockpit gelangte.
- Rubens Barrichello (Ferrari) und David Coulthard (McLaren), beide nach 38 Runden, Kollision: Im Kampf um Platz fünf versuchte Barrichello an der Schikane innen an Coulthard vorbeizugehen. Die beiden berührten sich, und an beiden Autos brach die Vorderradaufhängung. Barrichello meinte, Coulthard habe ihn nicht gesehen und die Tür zugemacht. Coulthard wollte niemandem die Schuld geben. Für den Schotten war es bitter: Er lag auf Punktekurs und hatte bis dahin auf eine Strategie mit nur zwei Stopps gesetzt. Zuvor, in Runde 30, war Barrichello noch die schnellste Runde des Rennens gefahren (1:32,730 Minuten).
- Zsolt Baumgartner (Minardi), Ausfall nach 41 Runden, Dreher: Der Ungar drehte sich am Ende des Feldes von der Strecke.
Strafen der Rennleitung sind für dieses Rennen nicht überliefert.
Gewinner und Verlierer des Tages in Suzuka
Gewinner:
- Felipe Massa (Sauber): Nach einem Ausrutscher im Qualifying startete er nur von Platz 19. Er machte zehn Plätze gut, so viele wie kein anderer, und überholte spät noch Jacques Villeneuve. Platz neun brachte ihm allerdings keinen Punkt ein.
- Alonso, Räikkönen und Montoya: Alle drei fuhren nach ihrem verpatzten Qualifying sechs Plätze nach vorn und kamen als Fünfter, Sechster und Siebter ins Ziel. Alonso im Renault erbte Rang fünf durch die Kollision von Barrichello und Coulthard.
- Takuma Sato: Er wurde vor heimischem Publikum Vierter, sein bestes Ergebnis in Suzuka. Dafür kämpfte er mit Schulterschmerzen durch eine alte Verletzung und musste lange ohne Wasser auskommen, weil seine Trinkflasche ausfiel.
Verlierer:
- Mark Webber: Er startete als Dritter, verlor aber durch den Ausfall 17 Plätze.
- David Coulthard: Der McLaren-Pilot rutschte von Startplatz acht auf Rang 18 der Wertung und verlor damit sichere Punkte.
- Jarno Trulli: In seinem ersten Rennen für Toyota startete er mit wenig Sprit als Sechster und kam als Elfter eine Runde zurück ins Ziel. Sein Teamkollege Olivier Panis bestritt sein letztes Formel-1-Rennen und wurde 14.
WM-Stand 2004 nach Japan und Einordnung
Im WM-Stand 2004 war der Titel längst vergeben: Michael Schumacher hatte 146 Punkte, Barrichello 108. Weil im letzten Rennen nur noch zehn Punkte zu holen waren, stand Barrichello damit auch als Vizeweltmeister fest. Button folgte mit 85 Punkten auf Platz drei. Montoya zog mit 48 Punkten an Trulli (46) vorbei auf Rang fünf.
Spannender war der Kampf um Platz zwei bei den Konstrukteuren. BAR feierte in Suzuka seinen 100. Grand Prix und baute mit dem dritten und vierten Platz den Vorsprung auf Renault auf 16 Punkte aus (116 zu 100). Für das Finale beim GP Brasilien hatte das Team damit beste Karten. Ferrari führte mit 254 Punkten weit vor allen anderen.
Historisch war das Rennen ein Meilenstein: Mit dem 15. Saisonsieg zog Ferrari mit den Rekorden von McLaren aus dem Jahr 1988 und Ferrari selbst aus dem Jahr 2002 gleich. Für Michael Schumacher war es der 83. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere und sein sechster in Japan. Als Erster und Zweiter kamen die Schumacher-Brüder später nie wieder ins Ziel, Suzuka 2004 blieb also ihr letzter gemeinsamer Doppelerfolg. Alle Ergebnisse der Saison findest du auf der Rennseite und in den Ergebnissen 2004.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Japan 2004 – formel-1-livestream.de
- 2004 Japanese Grand Prix – Wikipedia
- Japanese GP 2004: Hurricane Michael blows 'em away – Crash.net
- Japanese GP 2004 – Race Notes: Schumacher wins Japanese GP – GrandPrix.com
- Race incidents from Suzuka – GrandPrix.com
- 2004 Formula 1 Fuji Television Japanese Grand Prix – Fastest Laps – Formula 1