Rückblick · erstellt am · Rennen vom 13. Juni 2004

GP Kanada 2004: Schumachers Rekordsieg, Williams disqualifiziert

Michael Schumacher siegte in Montreal zum siebten Mal – Rekord. Nach der Disqualifikation von Williams und Toyota feierte Ferrari einen Doppelsieg.

Mit KI erstellt auf Basis unserer Renndaten · verantwortlich: Markus Ochmann

GP Kanada 2004: Ferrari-Doppelsieg nach Zwei-Stopp-Strategie

Michael Schumacher gewann den GP Kanada 2004 auf dem Circuit Gilles Villeneuve von Startplatz 6. Auf Platz zwei kam sein Teamkollege Rubens Barrichello, Dritter wurde Jenson Button im BAR. Das Rennen gewann Ferrari mit einer Strategie, die einen Boxenstopp weniger brauchte als die direkten Gegner an der Spitze. Entschieden wurde das Endergebnis aber erst nach der Zielflagge: Die Rennkommissare schlossen beide Williams und beide Toyota wegen unzulässiger Bremsbelüftungen aus der Wertung aus.

Start in Montreal: Ralf Schumacher führt, Trulli bleibt liegen

Polesetter Ralf Schumacher behielt beim Start die Führung vor Button. Gleich dahinter traf es Renault: Jarno Trulli war von Startplatz 3 losgefahren und kam keine einzige Runde weit. Das offizielle Ergebnis nennt einen Defekt an der Kraftübertragung, in den Rennberichten ist von einem Schaden an der Aufhängung auf dem Weg in die erste Kurve die Rede. Teamkollege Fernando Alonso kam dagegen gut durch den Start.

Am Ausgang der zweiten Kurve gab es Gedränge im Mittelfeld. Dabei gerieten Christian Klien, Felipe Massa und Mark Webber aneinander, und je nach Quelle war auch David Coulthard beteiligt. Webber musste mit einem Reifenschaden an die Box und stellte seinen Jaguar nach 6 Runden ab, offiziell wegen eines Schadens an der Aufhängung. Michael Schumacher hielt in der Anfangsphase Platz fünf, auch gegen einen Angriff von Kimi Räikkönen in Kurve 2 (laut autosport.com). Zu den großen Profiteuren des Tages sollte später Jordan-Neuling Timo Glock gehören.

Strategie: Wie Michael Schumacher mit zwei Stopps das Rennen gewann

Ferrari setzte bei Michael Schumacher auf zwei Boxenstopps. Er war also zu Beginn schwerer betankt als die Spitze. Ralf Schumacher, Button und Juan Pablo Montoya waren dagegen auf drei Stopps unterwegs. Laut grandprix.com kamen Button und Montoya in Runde 13 als Erste herein. Danach hatte Michael freie Fahrt und konnte mit schnellen Runden Zeit gutmachen.

Die Führung wechselte jetzt mehrfach. Ralf Schumacher führte bis einschließlich Runde 14, dann lag Alonso ab Runde 15 kurz vorn. Sein eigener Stopp dauerte zu lang, weil die Tankanlage nicht richtig funktionierte. Laut autosport.com verlor er dabei rund 16 Sekunden. Ab Runde 17 führte Michael, bis er selbst zum ersten Mal an die Box fuhr. Ab Runde 19 lag wieder Ralf vorn.

Die Entscheidung fiel in der zweiten Stopp-Runde. Als Ralf in Runde 33 zum zweiten Mal hereinkam, übernahm Michael die Spitze und behielt sie bis Runde 46. Danach fuhr er zu seinem zweiten und letzten Stopp. Ralf führte nur in Runde 47 und musste dann ein drittes Mal an die Box. Ab Runde 48 lag Michael uneinholbar vorn. Am Ende sagte Michael laut autosport.com, der Plan sei aufgegangen.

Barrichello fuhr einige Runden direkt hinter seinem Teamkollegen. Nach seinem zweiten Stopp hatte er auf der Ausfahrtsrunde Probleme mit den Bremsen. Er rutschte in Kurve 8 weit nach außen und verlor auf der Strecke Platz zwei an Ralf. Zum Trost fuhr Barrichello die schnellste Rennrunde.

Ausfälle und Pannen beim GP Kanada 2004

Für Renault wurde Montreal zum Albtraum. Nach Trullis Aus am Start fiel auch Alonso nach 44 Runden aus. Er lag damals auf Platz drei, als die Antriebswelle brach. Die weiteren Ausfälle:

  • Jarno Trulli (Renault): 0 Runden, Kraftübertragung
  • Mark Webber (Jaguar): nach 6 Runden, Aufhängung
  • Gianmaria Bruni (Minardi): nach 30 Runden, Getriebe
  • Fernando Alonso (Renault): nach 44 Runden, Antriebswelle
  • Takuma Sato (BAR): nach 48 Runden, Motor. Der Japaner war aus der Boxengasse gestartet und hatte sich vorher beim Versuch, Olivier Panis zu überholen, in der Haarnadel gedreht.
  • Felipe Massa (Sauber): nach 62 Runden, Unfall. Massa flog in der Haarnadel schwer ab. Ein Rad flog über den Fangzaun, verletzt wurde niemand. Als Ursache nennen die Quellen Probleme mit den Bremsen bzw. der hinteren Aufhängung. Massa wurde zur Vorsicht im Krankenhaus untersucht.

Auch in der Boxengasse ging einiges schief. Bei Nick Heidfeld wurde der Jordan losgeschickt, obwohl das Tanken noch nicht abgeschlossen war. Ein Mechaniker wurde dabei umgerissen. Bei Button sprang bei seinem zweiten Stopp die Anti-Stall-Funktion an, sodass er nur zäh loskam. Räikkönen kassierte eine Durchfahrtsstrafe, weil er bei der Boxenausfahrt die weiße Linie überfahren hatte. Außerdem musste er für Lenkradwechsel an die Box.

Disqualifikation: Williams und Toyota verlieren alle Punkte

Auf der Strecke war Ralf Schumacher als Zweiter ins Ziel gekommen, Montoya als Fünfter. Bei der technischen Abnahme nach dem Rennen stellten die FIA-Kontrolleure fest, dass die vorderen Bremsbelüftungen beider Williams-BMW nicht den Vorgaben des Reglements entsprachen. Dasselbe galt für die Toyota von Cristiano da Matta und Olivier Panis. Alle vier Autos wurden aus der Wertung genommen.

Williams-Technikchef Sam Michael sprach von einem unbeabsichtigten Fehler, der keinen Leistungsvorteil gebracht habe. Das Team akzeptierte die Entscheidung. Für Williams war das bitter, denn das Team verlor auf einen Schlag die Punkte für Platz zwei und Platz fünf.

Gewinner, Verlierer und WM-Stand nach dem GP Kanada

Die Disqualifikationen brachten den Fahrern dahinter einen großen Gewinn. Giancarlo Fisichella bekam als Vierter fünf Punkte. Er war von Platz 11 aus 7 Plätze nach vorn gefahren. McLaren holte mit Räikkönen (5.) und Coulthard (6.) sieben Punkte. Am meisten Plätze gewann Timo Glock: Von Startplatz 16 auf Rang 7 bedeutete 9 Plätze mehr und 2 WM-Punkte in seinem ersten Grand Prix. Heidfeld wurde Achter und sorgte dafür, dass Jordan mit beiden Autos punktete.

Die Verlierer des Tages waren neben Williams und Toyota die Renault-Piloten. Trulli verlor von Startplatz 3 aus 13 Plätze, Alonso 8.

In der WM-Wertung 2004 führte Michael Schumacher nun mit 70 Punkten vor Barrichello (54) und Button (44). Trulli (36) und Alonso (25) folgten auf den Plätzen vier und fünf. Ralf Schumacher hatte nach dem Rennen nur 12 Punkte statt 20. Bei den Teams baute Ferrari die Führung aus und kam auf 124 Punkte. Renault hatte 61, BAR 52 und Williams 36.

Einordnung: Siebter Sieg in Montreal, siebter Saisonsieg

Mit diesem Erfolg schrieb Michael Schumacher Geschichte. Als erster Fahrer gewann er denselben Grand Prix zum siebten Mal. Es war sein 77. Sieg in der Formel 1 und schon der siebte im achten Rennen der Saison 2004. Dass Ferrari die Saison dominierte, war nach Montreal kaum noch zu übersehen. Barrichello und Button fehlte im Titelkampf immer mehr der Anschluss.

Rückblickend: Ferrari sollte erst 2018 wieder in Kanada gewinnen. Mehr als zwei Disqualifikationen in einem Rennen gab es erst wieder beim GP China 2025.

Das Rennen in Zahlen

Grafiken und Tabellen aus unserer Datenbank (amtliches Ergebnis, Rundendaten).

Positionsverlauf

Platz jedes Fahrers am Ende jeder Runde; farbig die ersten zehn im Ziel.
110203040506070RundeMSCBARBUTFISRAICOUGLOHEIKLIZsolt Baumgartner

WM-Stand vorher und nachher

PlatzFahrervorherPunkte
1Michael Schumacher1 (60)70
2Rubens Barrichello2 (46)54
3Jenson Button3 (38)44
4Jarno Trulli4 (36)36
5Fernando Alonso5 (25)25
6Juan Pablo Montoya6 (24)24
7Ralf Schumacher7 (12)12
8Giancarlo Fisichella10 (5)10
9Takuma Sato8 (8)8
10David Coulthard11 (4)7

Quellen

Amtliches Ergebnis auf unserer Rennseite

  1. Ergebnis und Daten GP Kanada 2004 – formel-1-livestream.de
  2. 2004 Canadian Grand Prix – Wikipedia
  3. Canadian GP 2004 – Race notes: Michael Schumacher wins in Canada – grandprix.com
  4. Schuey in seventh heaven – autosport.com
  5. News, 14. Juni 2004: Williams und Toyota disqualifiziert – grandprix.com

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