Rückblick · erstellt am · Rennen vom 31. Juli 2016

GP Deutschland 2016: Hamilton siegt, Rosberg stürzt auf Platz 4

Lewis Hamilton gewann in Hockenheim vom zweiten Startplatz. Polesetter Nico Rosberg verpatzte den Start, kassierte eine Strafe und wurde nur Vierter.

GP Deutschland 2016: Hamiltons Start-Ziel-Sieg in Hockenheim

Lewis Hamilton gewann den Großen Preis von Deutschland 2016 auf dem Hockenheimring, ohne die Führung ein einziges Mal abzugeben. Hinter dem Mercedes-Piloten holte Red Bull mit Daniel Ricciardo auf Platz 2 und Max Verstappen auf Platz 3 einen Doppelpodestplatz. Das Rennen entschied sich schon beim Start: Polesetter Nico Rosberg fiel in den ersten Metern auf Rang 4 zurück. Danach folgten eine Zeitstrafe und ein verpatzter Boxenstopp. Am Ende blieb ihm bei seinem Heimrennen nur Platz 4.

Der Start: Rosberg verliert die Pole, Verstappen geht außen herum

Hamilton war von Startplatz 2 deutlich besser weggekommen als sein Teamkollege, zog innen vorbei und führte schon nach der ersten Kurve. Rosberg drehten die Räder durch. Die Ursache sah er bei der Kupplung, die laut seiner Aussage zu stark gegriffen hatte. Beide Red Bulls gingen an ihm vorbei. Verstappen umrundete Ricciardo in Kurve 1 außen und lag danach auf Platz 2.

Weiter hinten verlief der Start ebenfalls holprig. Sergio Pérez erwischte laut formula1.com den schlechtesten Start seiner Karriere und rutschte von Startplatz 9 auf Rang 16 ab. Felipe Massa wurde in der ersten Runde vom Renault von Jolyon Palmer getroffen. Palmer musste schon in Runde 2 an die Box und kam als 19. ins Ziel.

Hamilton setzte sich vorn sofort ab. Laut grandprix.com lag er nach der zweiten Runde schon 1,5 Sekunden vor Verstappen. Für den Rest des Nachmittags hatte er die Lage im Griff.

Rosbergs Strafe: Manöver gegen Verstappen in der Spitzkehre

Bei hohem Reifenverschleiß fuhren die sechs Fahrer an der Spitze alle drei Stopps. Rosberg kam in Runde 27 zu seinem zweiten Stopp und versuchte, Verstappen per Undercut zu überholen. Der Red-Bull-Pilot blieb noch eine Runde draußen und ging in Runde 28 an die Box. Danach kämpften beide auf der Strecke um die Position. Rosberg drückte sich in der Spitzkehre innen an Verstappen vorbei und schob ihn dabei über den Streckenrand. Laut Begründung der Rennkommissare hatte er den Red Bull in Kurve 6 „von der Strecke gedrängt und einen dauerhaften Vorteil erlangt“. Dafür gab es eine Fünf-Sekunden-Strafe, die Rosberg beim nächsten Stopp absitzen musste. Wie in welcher Runde das Duell stattfand, ist in den Quellen unterschiedlich angegeben.

Rosberg verteidigte sich. Er habe schon voll eingeschlagen und keinen Platz mehr gehabt. Die Rennkommissare überzeugte das nicht.

Boxenstopp-Panne bei Mercedes und Red-Bull-Strategie

Es kam noch schlimmer. Rosberg saß die Strafe bei seinem letzten Stopp in Runde 44 ab, doch Mercedes hielt ihn deutlich länger fest als nötig. Der Grund war eine Stoppuhr, die nicht richtig gestartet war. Teamchef Toto Wolff erklärte, man habe daraufhin auf Nummer sicher gehen wollen. Rosberg stand deshalb rund acht statt fünf Sekunden. Unsere Daten zeigen, was das kostete: Rosberg brauchte für die Durchfahrt durch die Boxengasse 28,4 Sekunden, bei seinen anderen Stopps waren es weniger als 20. Vor dem Stopp lag er auf Rang 2, drei Runden danach auf Rang 5. Laut Wolff änderte die Panne am Endergebnis aber wenig, weil Rosberg beide Red Bulls ohnehin nicht mehr hätte schlagen können.

Red Bull ließ seine beiden Fahrer bei der Reifenwahl unterschiedliche Wege gehen. Ricciardo kam im späteren Rennverlauf mit frischen Reifen schnell an Verstappen heran. Der Teenager ließ ihn in Runde 40 vorbei. Verstappen sagte später, der superweiche Reifen sei „definitiv nicht der Rennreifen“ gewesen, und klagte über Übersteuern. Ricciardo fuhr außerdem mit 1:18,442 Minuten die schnellste Runde des Rennens und schloss im Finale auf etwa sieben Sekunden zu Hamilton auf. Gefährden konnte er ihn nicht. Hamilton hatte seine Stopps in den Runden 14, 34 und 47 eingelegt und kam jedes Mal als Führender wieder auf die Strecke.

Gewinner und Verlierer in Hockenheim: Ferrari abgehängt, Button stark

Ferrari hatte einen enttäuschenden Tag. Sebastian Vettel wurde Fünfter vor Kimi Räikkönen, beide hatten mehr als eine halbe Minute Rückstand auf den Sieger. Vettel sagte, sein Auto sei zu stark gerutscht und habe dadurch die Reifen zu sehr belastet. Teamchef Maurizio Arrivabene sah Defizite bei mechanischem Grip und Abtrieb.

Bester Deutscher wurde Nico Hülkenberg auf Platz 7. Force India hatte ihn früh im Rennen von zwei auf drei Stopps umgestellt. Pérez kämpfte sich nach seinem Fehlstart noch auf Rang 10 vor, sodass beide Force-India-Fahrer punkteten. Jenson Button fuhr im McLaren von Startplatz 12 auf Rang 8 und kam damit vor beiden Williams ins Ziel, obwohl er am Ende stark Sprit sparen musste. Teamkollege Fernando Alonso hatte ebenfalls mit dem Benzinverbrauch zu kämpfen und verlor den letzten Punkterang an Pérez.

Gemessen an gutgemachten Plätzen war Romain Grosjean der stärkste Fahrer des Tages. Er fuhr im Haas vom 20. Startplatz auf Rang 13, sieben Plätze nach vorn. Button und Marcus Ericsson gewannen je vier Plätze.

Williams verlor dagegen. Valtteri Bottas war als einziger Spitzenfahrer mit nur zwei Stopps unterwegs. Gegen Ende bauten seine Reifen stark ab, und Hülkenberg, Button und Pérez gingen an ihm vorbei. Am Ende blieb nur Platz 9.

Ausfälle: Massa und Nasr

Nur zwei Fahrer kamen nicht ins Ziel:

  • Felipe Massa (Williams) gab nach 36 Runden wegen eines Schadens an der Aufhängung auf. Seit der Kollision mit Palmer in der ersten Runde hatte er mit dem Fahrverhalten seines Autos gekämpft. Massa verlor gegenüber seinem Startplatz 10 die meisten Positionen aller Fahrer.
  • Felipe Nasr (Sauber) schied nach 57 Runden mit einem Defekt an der Antriebseinheit aus. Damit blieb Sauber als einziges Team der Saison weiter ohne WM-Punkt.

WM-Stand nach dem GP Deutschland: Hamilton geht mit 19 Punkten Vorsprung in die Pause

Für Hamilton war es nach Angaben der FIA der 49. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere und der sechste der Saison 2016. Zuletzt hatte er vier Rennen in Folge gewonnen. Damit hatte sich die WM gedreht: Nach fünf Saisonrennen hatte Hamilton noch 43 Punkte hinter Rosberg gelegen. Jetzt ging er mit 217 zu 198 Punkten in die Sommerpause. Dahinter folgte Ricciardo mit 133 Punkten vor Räikkönen (122), Vettel (120) und Verstappen (115). Für Ricciardo war es ein besonderes Wochenende, denn er bestritt in Hockenheim seinen 100. Grand Prix. Auf dem Podium feierte er das Jubiläum mit einem „Shoey“ aus seinem Rennschuh.

Bei den Teams baute Mercedes seinen Vorsprung auf 415 Punkte aus. Mit dem Doppelpodium überholte Red Bull (256 Punkte) Ferrari (242). Laut formula1.com lagen die Bullen damit erstmals seit fast zwei Jahren in der Konstrukteurs-WM vor der Scuderia. Den vollständigen Stand findest du im WM-Stand 2016.

Aus damaliger Sicht schien Hamilton das Momentum klar auf seiner Seite zu haben. Nach dem Patzer bei seinem Heimrennen musste Rosberg die Wende nach der Pause schaffen. Nächster Halt war der GP Belgien.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Deutschland 2016 – formel-1-livestream.de
  2. German GP 2016 – Race report: When it counted – grandprix.com
  3. F1 – Hamilton wins in Germany ahead of Ricciardo and Verstappen to extend title lead – FIA
  4. Winners and losers – Germany – Formula 1
  5. Wolff explains Rosberg's long penalty – PlanetF1
  6. 2016 German Grand Prix – Wikipedia

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