GP Ungarn 2015: Vettel siegt im Chaos, Mercedes geht leer aus
Sebastian Vettel gewann den GP Ungarn 2015 vom dritten Startplatz und widmete den Sieg Jules Bianchi. Beide Mercedes verpassten erstmals seit 2013 das Podium.
GP Ungarn 2015: Vettel gewinnt, Red Bull holt Platz zwei und drei
Den GP Ungarn 2015 auf dem Hungaroring entschied Sebastian Vettel schon in den ersten Metern. Von Startplatz drei aus zog er mit seinem Ferrari an beiden Mercedes vorbei und lag danach bis auf eine Runde immer in Führung. Hinter ihm holte Red Bull einen Doppelerfolg: Daniil Kvyat stand als Zweiter zum ersten Mal auf dem Podium, Daniel Ricciardo wurde Dritter. Die Silberpfeile kamen nach einem Rennen voller Fehler und Pech nur auf die Plätze sechs und acht.
Start am Hungaroring: Ferrari überrumpelt Mercedes
Der erste Startversuch wurde abgebrochen, weil Felipe Massa seinen Williams nicht richtig in seiner Startbox abgestellt hatte. Nach einer zusätzlichen Einführungsrunde war das Rennen um eine Runde kürzer, Massa bekam eine Fünf-Sekunden-Strafe. Gefahren wurden am Ende 69 Runden.
Beim zweiten Versuch kamen beide Mercedes schlecht weg. Vettel ging innen an Polesetter Lewis Hamilton vorbei, Kimi Räikkönen schnappte sich Nico Rosberg vor Kurve 2. Damit fuhren die beiden Ferraris an der Spitze. Hamilton geriet bei seiner Aufholjagd in Kurve 6 neben die Strecke und durchs Kiesbett. Nach der ersten Runde lag er nur noch auf Rang zehn. Auch weiter hinten ging es eng zu: Ricciardo berührte sich am Start mit Valtteri Bottas und fiel zurück, Nico Hülkenberg dagegen fuhr im Force India früh in die Top fünf.
Rennverlauf: Vettel kontrolliert, Hamilton kämpft sich vor
Vettel und Räikkönen setzten sich vorne ab. Hamilton fuhr in der ersten Rennphase durchs Mittelfeld nach vorn und lag zur Rennhälfte wieder auf Rang vier (Quelle 2). Vettel kam in Runde 21 zum ersten Stopp. Räikkönen blieb eine Runde länger draußen und führte deshalb in Runde 22 als Einziger außer Vettel das Rennen an. Danach lag Vettel wieder vorn, zur Rennhälfte in Runde 35 mit acht Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen (Quelle 2).
Im Mittelfeld kassierte Pastor Maldonado von Lotus F1 gleich drei Strafen. Eine davon bekam er, weil er Sergio Pérez in Runde 19 in Kurve 1 umgedreht hatte. Die anderen beiden gab es für zu schnelles Fahren in der Boxengasse und hinter dem Safety Car (Quelle 2). Sein Teamkollege Romain Grosjean wurde für eine unsichere Freigabe aus der Box bestraft (Quellen 3, 4).
Dann bekam Räikkönen Probleme mit der MGU-K, also dem Teil des Hybridsystems, der beim Bremsen Energie zurückgewinnt. Sein Ferrari verlor deutlich an Leistung (Quellen 2, 3).
Safety Car nach Hülkenberg-Unfall: Das Feld wird neu gemischt
Zu Beginn von Runde 42 brach an Hülkenbergs Force India der Frontflügel. Auf der Anfahrt zu Kurve 1 schlug er in die Reifenstapel ein, blieb aber unverletzt. Zuerst kam das virtuelle Safety Car. Weil viele Trümmer auf der Strecke lagen, schickte die Rennleitung dann das echte Safety Car hinaus (Quellen 2, 3). Spitzenreiter und Verfolger nutzten die Neutralisation für einen Boxenstopp (Quelle 4).
Der Neustart sorgte für Chaos. Hamilton kollidierte in Kurve 1 mit Ricciardo, die Rennkommissare gaben ihm die Schuld und verhängten eine Durchfahrtsstrafe. Kvyat überholte Hamilton beim Neustart neben der Strecke und bekam dafür zehn Sekunden Zeitstrafe. Max Verstappen fuhr im Toro Rosso Bottas in Kurve 5 von hinten an, Bottas fing sich einen Reifenschaden ein. Verstappen musste außerdem durch die Boxengasse, weil er hinter dem Safety Car zu schnell gewesen war (Quellen 2, 3). Rosberg und Ricciardo kamen danach an Räikkönen vorbei, dessen Ferrari inzwischen kaum noch Leistung hatte (Quelle 4).
Rosberg gegen Ricciardo: Die Entscheidung um Platz zwei
Nach dem Neustart lag Rosberg Zweiter und machte Druck auf Vettel. Ricciardo hatte die frischeren Reifen und schloss von hinten auf. In Runde 64 versuchte der Australier in Kurve 1 innen vorbeizugehen, die beiden berührten sich. Rosberg bekam einen Reifenschaden, musste an die Box und fiel bis auf Rang acht zurück. Ricciardo holte sich in der Box einen neuen Frontflügel und kam als Dritter zurück auf die Strecke. Die Rennkommissare werteten die Kollision als Rennunfall (Quellen 2, 3). Kvyat erbte so Platz zwei. Er hatte vor Ricciardo genug Vorsprung herausgefahren, um trotz seiner Zeitstrafe Zweiter zu bleiben. Ricciardo fuhr außerdem die schnellste Rennrunde.
Vettel brachte den Sieg souverän ins Ziel. Über Funk widmete er ihn auf Französisch dem Marussia-Fahrer Jules Bianchi, der wenige Tage zuvor an den Folgen seines Unfalls beim GP Japan 2014 gestorben war. Vor dem Start hatten die Fahrer mit einer Schweigeminute an ihn erinnert (Quellen 4, 5).
Ausfälle, Gewinner und Verlierer beim GP Ungarn
Ausfälle:
- Nico Hülkenberg (Force India): Unfall nach gebrochenem Frontflügel, er hatte 41 Runden absolviert.
- Sergio Pérez (Force India): Aufhängung, nach 53 Runden.
- Kimi Räikkönen (Ferrari): Antriebseinheit, nach 55 Runden. Ferrari versuchte bei einem langen Boxenhalt vergeblich, das System neu zu starten (Quelle 2).
- Carlos Sainz (Toro Rosso): Elektrik, nach 60 Runden. Carlos Sainz verlor zuvor an Leistung (Quelle 2).
Gewinner des Tages: Fernando Alonso gewann von Startplatz 15 aus zehn Plätze und wurde für McLaren Fünfter. Mit Jenson Button auf Platz neun holte McLaren erstmals seit der Rückkehr zu Honda mit beiden Autos Punkte (Quelle 4). Verstappen und Kvyat machten je fünf Plätze gut. Verstappen wurde trotz Durchfahrtsstrafe Vierter. Marcus Ericsson holte als Zehnter einen Punkt für Sauber.
Verlierer: Räikkönen verlor einen sicher geglaubten Podestplatz. Für Mercedes war es ein Tag zum Vergessen: Hamilton fiel von der Pole auf Platz sechs zurück, Rosberg von Startplatz zwei auf Platz acht. Laut Quelle 4 stand zum ersten Mal seit dem GP Brasilien 2013 kein Werks-Mercedes auf dem Podium. Bottas wurde nach seinem Reifenschaden nur 13., Massa 12.
WM-Stand 2015 und Einordnung: Vettel zieht mit Senna gleich
Hamilton blieb auch nach diesem Rennen Spitzenreiter im WM-Stand 2015. Er hatte 202 Punkte, Rosberg lag mit 181 Punkten 21 Punkte zurück. Vettel lag mit 160 Punkten als Dritter nur noch 42 Punkte hinter Hamilton. In der Teamwertung führte Mercedes mit 383 Punkten deutlich vor Ferrari mit 236 Punkten.
Für die Geschichtsbücher war es Vettels 41. Grand-Prix-Sieg. Damit zog er mit Ayrton Senna gleich und lag auf Platz drei der ewigen Bestenliste. Er gewann außerdem zum ersten Mal in Ungarn (Quellen 4, 5). Für Ferrari war es der zweite Saisonsieg und der erste Erfolg auf dem Hungaroring seit 2004 (Quelle 4). Red Bull feierte mit zwei Autos auf dem Podium sein bestes Ergebnis des Jahres.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Ungarn 2015 – formel-1-livestream.de
- Vettel beats Kvyat and Ricciardo in Hungarian thriller – Formula1.com
- Hungarian GP 2015 – Race report: Not the usual suspects – GrandPrix.com
- 2015 Hungarian Grand Prix – Wikipedia
- Vettel finds mettle – Khaleej Times (Reuters)