GP Kanada 2015: Hamilton siegt, Räikkönen-Dreher hilft Bottas
Lewis Hamilton gewann in Montreal vor Nico Rosberg und baute seine WM-Führung aus. Kimi Räikkönens Dreher nach dem Boxenstopp schenkte Bottas Rang drei.

GP Kanada 2015: Hamilton gewinnt von der Pole vor Rosberg
Beim Großen Preis von Kanada 2015 holte Lewis Hamilton einen souveränen Sieg von der Pole-Position. Er gab die Führung nur während der Boxenstopp-Phase für eine einzige Runde ab. Sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg folgte als Zweiter, Valtteri Bottas stand im Williams als Dritter auf dem Podium. Entschieden wurde der Kampf um Platz drei durch einen Dreher von Kimi Räikkönen gleich nach dessen erstem Boxenstopp.
Auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montreal war es bei Sonnenschein ein Rennen der Verwaltung: Sprit, Bremsen und Reifen bestimmten das Tempo mindestens so sehr wie direkte Duelle.
Rennverlauf in Montreal: Mercedes-Duell mit gebremstem Schaum
Beide Silberpfeile kamen sauber vom Start weg, und Hamilton fuhr sofort einen Vorsprung heraus, der Rosberg aus dem DRS-Fenster hielt. Laut grandprix.com lag der Abstand nach 20 Runden bei 3,7 Sekunden. Hamilton stoppte in Runde 29, Rosberg eine Runde später. Nach diesem kurzen Intermezzo führte wieder Hamilton.
In der zweiten Rennhälfte wurde es noch einmal knapp. Rosberg kam bis auf rund 1,3 Sekunden heran (grandprix.com), konnte aber nie richtig angreifen. Beide Fahrer mussten haushalten: Der Funk an Hamilton verriet, dass er beim Sprit schlechter dastand als sein Teamkollege. Bei Rosberg wiederum wurden die Bremsen laut FIA als „kritisch“ eingestuft, und das Team riet ihm, zehn Runden lang zurückzustecken, bevor er wieder angreifen sollte. Am Ende lagen 2,285 Sekunden zwischen den beiden (FIA).
Für Hamilton war es laut grandprix.com der vierte Sieg in Kanada und der 37. seiner Karriere. Außerdem überholte er Nigel Mansell als britischen Fahrer mit den meisten Führungsrunden in der Geschichte der Formel 1 (formula1.com).
Räikkönens Dreher, Bottas' Podium: der Kampf um Platz drei
Lange Zeit sah Ferrari wie die dritte Kraft aus. Räikkönen startete von Platz drei und kam in Runde 26 als erster der Spitzengruppe an die Box. Auf der Ausfahrtsrunde drehte er sich mit kalten Reifen in der Haarnadel. Laut Wikipedia kostete ihn das rund zwölf Sekunden, und Bottas blieb nach seinem eigenen Stopp vor ihm. Räikkönen entschuldigte sich am Funk und machte später ein Problem mit dem Drehmoment-Mapping nach dem Stopp verantwortlich. Auch Ferrari vermutete laut formula1.com eine Unregelmäßigkeit am SF15-T. Ein zweiter Stopp in Runde 40 brachte ihm frische Reifen und die schnellste Rennrunde, aber Bottas holte er nicht mehr ein.
Williams stellte bei Bottas während des Rennens von zwei Stopps auf einen um (formula1.com). Der Finne kam in Runde 28 nur einmal an die Box und sicherte sich damit seinen ersten Podestplatz der Saison.
Aufholjagd: Vettel von Startplatz 18 auf Rang fünf
Den größten Sprung des Tages machte Sebastian Vettel mit 13 gutgemachten Plätzen. Er musste von Startplatz 18 losfahren, auch wegen einer Rückversetzung um fünf Plätze: Im dritten freien Training hatte er Roberto Merhi unter roter Flagge überholt (Wikipedia). Im Rennen ging zunächst einiges schief. Der Ferrari stand beim ersten Stopp in Runde 7 rund sechs Sekunden still, und Vettel fiel zurück ans Ende des Feldes (Wikipedia, FIA).
Danach kämpfte er sich durch. An der Schlussschikane bremste er sich innen an Nico Hülkenberg vorbei. Der Force India-Pilot drehte sich beim Ausweichen. Die Rennkommissare sahen von einer Strafe ab (FIA). Hülkenberg hätte ohne diesen Dreher laut formula1.com womöglich Sechster werden können, so wurde er Achter. Später schnappte sich Vettel auch noch Pastor Maldonado und kam als Fünfter ins Ziel.
Ähnlich stark fuhr Felipe Massa. Nach Problemen mit der Antriebseinheit im Qualifying musste er von Platz 15 losfahren und kam mit einer Einstoppstrategie auf Rang sechs nach vorne. Kurz vor Schluss überholte auch er noch Maldonado (Wikipedia, formula1.com).
Ausfälle und Strafen: McLaren-Honda erneut ohne Zielankunft
Für McLaren wurde Montreal zum nächsten Rückschlag. Beide Fahrer hatten laut formula1.com große Mühe, Sprit zu sparen.
- Fernando Alonso schied nach 44 Runden aus. In der offiziellen Wertung steht ein Motorschaden, McLaren nannte laut formula1.com ein Problem am Auspuff. Für Alonso war es der dritte Ausfall in Folge (Wikipedia).
- Jenson Button hatte nach einem Defekt an der Antriebseinheit im dritten Training das Qualifying verpasst und durfte nur mit Sondergenehmigung starten. Wegen weiterer getauschter Motorteile musste er schon in der ersten Runde zur Durchfahrtsstrafe an die Box. Nach 54 Runden stellte er den Wagen ab, laut formula1.com mit einem davon unabhängigen Auspuffproblem.
- Roberto Merhi (Manor Marussia) gab nach 57 Runden auf. Laut formula1.com war eine Antriebswelle gebrochen.
Romain Grosjean verlor seine gute Ausgangslage von Startplatz fünf. Beim Überrunden von Will Stevens kam es zur Berührung, und Grosjean beschädigte sich dabei den linken Hinterreifen. Dafür bekam er fünf Strafsekunden und zwei Strafpunkte. Er nahm die Schuld auf sich und wurde nur noch Zehnter (Wikipedia, FIA). Max Verstappen (Toro Rosso) hatte Strafen aus Monaco und für einen Motorwechsel mitgebracht. Weil sich die Rückversetzungen in der Startaufstellung nicht vollständig umsetzen ließen und 2015 nicht mehr auf das nächste Rennen übertragen wurden, musste er bei seinem Stopp in Runde 39 zehn Sekunden zusätzlich stehen (Wikipedia). Er kam als 15. ins Ziel.
Gewinner und Verlierer des GP Kanada 2015
Gewinner: Vettel (+13 Plätze) und Massa (+9) machten im Feld am meisten Boden gut. Maldonado holte als Siebter seine ersten Punkte der Saison für Lotus F1 (formula1.com). Bottas brachte Williams mit Platz drei wieder aufs Podest.
Verlierer: Grosjean büßte fünf Positionen ein, Alonso gegenüber dem Start sieben. Red Bull kam nur auf zwei Punkte durch Daniil Kvyat auf Rang neun. Daniel Ricciardo, Sieger des Vorjahres, wurde lediglich 13. Ihn verwirrte laut formula1.com, wie wenig Leistung sein Auto hatte. Sergio Pérez verpasste als Elfter knapp die Punkte, dahinter folgten Carlos Sainz im Toro Rosso und Marcus Ericsson von Sauber. Felipe Nasr kämpfte mit Bremsproblemen und Leistungsverlust und wurde 16. (formula1.com).
WM-Stand nach Kanada: Hamilton baut Vorsprung aus
Nach dem siebten Lauf der Saison führte Hamilton den WM-Stand 2015 mit 151 Punkten an, 17 mehr als Rosberg (134). Vettel lag mit 108 Punkten auf Rang drei, dahinter Räikkönen (72) und Bottas (57). Bei den Konstrukteuren hatte Mercedes mit 285 Punkten schon einen deutlichen Vorsprung vor Ferrari (180) und Williams (104).
Das Rennen zeigte, wie die Kräfte zur Saisonmitte verteilt waren: Mercedes war außer Reichweite und musste nur Sprit und Bremsen ins Ziel bringen. Ferrari hatte das Tempo für Platz drei, verschenkte ihn aber durch Fehler. Williams nutzte jede Gelegenheit, die sich bot. Nach dem Sieg von Rosberg in Monaco eroberte Hamilton die Initiative im teaminternen Duell zurück.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Kanada 2015 – formel-1-livestream.de
- 2015 Canadian Grand Prix – Wikipedia
- Canadian GP 2015 – Race notes: Hamilton wins Canadian 1-2 for Mercedes – grandprix.com
- Hamilton extends title lead after close battle with Rosberg in Canada – FIA
- Winners and Losers – Canada – Formula 1