GP Russland 2014: Hamilton siegt, Mercedes holt den Teamtitel
Lewis Hamilton gewann die Premiere in Sochi vor Nico Rosberg, der nach einem Verbremser in Runde 1 noch Zweiter wurde. Mercedes holte den Teamtitel.

GP Russland 2014 in Sochi: Hamilton gewinnt, Mercedes ist Konstrukteursweltmeister
Lewis Hamilton gewann den ersten GP Russland der WM-Geschichte von der Pole-Position aus und führte alle 53 Runden. Hinter ihm kam sein Mercedes-Teamkollege Nico Rosberg ins Ziel, Valtteri Bottas wurde im Williams Dritter. Die Entscheidung fiel schon in der ersten Kurvenkombination: Rosberg griff zu spät zur Bremse, ruinierte seine Reifen und musste nach der ersten Runde an die Box. Mit dem Doppelsieg sicherte sich Mercedes den Konstrukteurstitel. Drei Rennen standen da noch aus.
Rennstart am Sochi Autodrom: Rosbergs Verbremser in Kurve 2
Im Sochi Autodrom, rund um den Olympiapark der Winterspiele, fuhr die Formel 1 zum ersten Mal in Russland einen WM-Lauf. Zuletzt hatte es 1913 und 1914 Rennen unter dem Namen Großer Preis von Russland gegeben. Mercedes hatte im Qualifying die erste Startreihe komplett belegt. Laut Wikipedia war es die 15. Pole des Teams im 16. Rennen der Saison.
Beim Start setzte Rosberg sich neben Hamilton und versuchte, ihn auf der Bremse in Kurve 2 auszustechen. Dabei blockierten beide Vorderräder, und der Deutsche rutschte geradeaus von der Strecke. Die Führung gab er Hamilton zurück. Viel schwerer wog aber der Bremsplatten auf beiden Vorderreifen, der starke Vibrationen verursachte. Rosberg kam am Ende der ersten Runde an die Box. Damit war das Duell um den Sieg entschieden, bevor es richtig begonnen hatte.
Bottas schob sich danach auf Platz zwei und konnte Hamilton in der Anfangsphase folgen. Auf Dauer hielt der Finne das Tempo des Mercedes aber nicht mit. Hamilton fuhr einen ungefährdeten Vorsprung heraus und kam in Runde 27 zu seinem einzigen Reifenwechsel. Laut unseren Daten dauerte die Fahrt durch die Boxengasse 30,5 Sekunden. Danach lag er sofort wieder vorn.
Strategie: Rosbergs Aufholjagd mit einem Satz Medium-Reifen
Die Reifen von Pirelli galten in Sochi als sehr haltbar, und die Spritverbrauchsgrenze zwang viele Teams zum Sparen. Beides spielte Rosberg in die Hände. Mercedes zog ihm bei seinem Stopp in Runde 1 die härtere Medium-Mischung auf und plante, mit diesem Satz bis zum Ende durchzufahren. Er ging also 52 Runden ohne einen weiteren Stopp. Von ganz hinten arbeitete er sich mit dem Topspeed seines Mercedes und dank der Stopps der anderen nach vorn. Am Ende überholte er auch Bottas auf der Strecke und holte sich Platz zwei zurück.
An Hamilton kam Rosberg nicht mehr heran. Nach 53 Runden fehlten ihm 13,657 Sekunden auf den Sieger. Hamilton sagte später, er habe in der Schlussphase die Zeiten seines Teamkollegen mitgehen können. Rosberg selbst nannte das Ergebnis Schadensbegrenzung. Für Hamilton war es laut grandprix.com der 31. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere und der vierte in Folge.
Auch Felipe Massa kam schon nach Runde 1 an die Box, wechselte aber auf die weichere Mischung. Seine Strategie ging weniger gut auf, und er musste in Runde 27 ein zweites Mal stoppen.
Bottas mit schnellster Runde, McLaren stark, Kvyat stürzt beim Heimrennen ab
Bottas hatte im Qualifying lange nach seiner ersten Pole ausgesehen, bis ihm in der letzten Kurve ein Fehler unterlief. Im Rennen blieb ihm Platz drei. In der letzten Runde setzte er mit 1:40,896 Minuten die schnellste Runde des Rennens, laut Wikipedia zugleich der erste offizielle Rundenrekord auf der neuen Strecke.
McLaren zeigte sein bestes Teamergebnis seit Langem. Jenson Button fuhr von Startplatz vier auf Rang vier ins Ziel. Kevin Magnussen hatte nach einem Getriebewechsel eine Rückversetzung um fünf Plätze bekommen und startete nur von Position elf. Er arbeitete sich schnell nach vorn, musste danach viel Benzin sparen, hielt aber Ferrari und Red Bull hinter sich und wurde Fünfter. Mit sechs gewonnenen Plätzen gehörte er zu den Gewinnern des Tages.
Fernando Alonso wurde Sechster und war damit der beste Fahrer ohne Mercedes-Motor. Lange musste er sich gegen Daniel Ricciardo wehren. Der Australier hatte schon nach dem Qualifying einen Reifen mit Blasen und kam deshalb bereits in Runde 11 an die Box. Während der Stopps zog er an seinem Teamkollegen Sebastian Vettel vorbei und wurde Siebter. Vettel war in Q2 ausgeschieden und lange auf dem ersten Reifensatz geblieben. Vor seinem Stopp in Runde 30 lag er deshalb zeitweise auf Platz zwei. Am Ende wurde er Achter. Kimi Räikkönen und Sergio Pérez im Force India holten die letzten Punkte.
Der größte Verlierer war ausgerechnet der einzige Russe im Feld. Daniil Kvyat hatte seinen Toro Rosso im Qualifying auf den fünften Startplatz gestellt, sein bestes Qualifying bis dahin. Im Rennen klagte er über fehlenden Grip und musste mehr Sprit sparen als die Konkurrenz. Mit einer Runde Rückstand wurde er nur 14., neun Plätze schlechter als beim Start. Massa machte von Startplatz 18 aus die meisten Positionen gut, nämlich sieben, und wurde Elfter. Für Punkte reichte es nicht. Im Qualifying hatte ein Problem mit dem Benzindurchfluss ihn Leistung gekostet.
Ausfälle und Strafen beim GP Russland 2014
Nur zwei der 21 Starter kamen nicht ins Ziel:
- Max Chilton, Marussia: Ausfall nach Runde 9, offizieller Grund Aufhängung. Er meldete Vibrationen vorne links. Das Team wollte keinen Bruch riskieren und holte ihn herein.
- Kamui Kobayashi, Caterham: Ausfall nach Runde 21, offizieller Grund Bremsen. Caterham sprach von überhitzten Bremsen. Kobayashi meinte dagegen, sein Auto sei in Ordnung gewesen und das Team habe es abgestellt, um Laufleistung zu sparen.
Romain Grosjean bekam für eine Berührung mit Adrian Sutil in Kurve 2 eine Fünf-Sekunden-Strafe und wurde mit dem Lotus F1 17. Sein Teamkollege Pastor Maldonado war wegen einer Strafe aus Japan und eines Getriebewechsels vom letzten Startplatz losgefahren. Auch Nico Hülkenberg musste nach einem Getriebewechsel fünf Plätze nach hinten und startete von Rang 17. Er wurde Zwölfter. Die Sauber-Piloten Esteban Gutiérrez und Sutil blieben als 15. und 16. erneut ohne Punkte, genau wie Jean-Éric Vergne als 13. und Marcus Ericsson als 19.
WM-Stand 2014 nach Sochi und Einordnung: Erster Teamtitel für Mercedes
Das Wochenende stand ganz im Zeichen von Jules Bianchi. Er hatte eine Woche zuvor beim GP Japan schwere Kopfverletzungen erlitten. Marussia setzte nur ein Auto ein, auf den Wagen stand „#JB17“, und die Fahrer trugen auf ihren Helmen Aufkleber mit „Tous avec Jules #17“. Vor dem Start gab es eine Schweigeminute. Hamilton widmete Bianchi seinen Sieg. Den Pokal überreichte ihm der russische Präsident Wladimir Putin.
Sportlich war Sochi ein Meilenstein für Mercedes. Mit 565 Punkten lag das Team uneinholbar vor Red Bull (342) und holte vorzeitig seinen ersten Konstrukteurstitel. Dahinter behauptete Williams (216) Platz drei vor Ferrari (188). McLaren (143) zog an Force India (123) vorbei.
Im Fahrerduell baute Hamilton seinen Vorsprung auf 17 Punkte aus: 291 zu 274 vor Rosberg. Ricciardo blieb mit 199 Punkten Dritter. Bottas sprang mit 145 Punkten von Platz sechs auf vier, knapp vor Vettel (143) und Alonso (141). Weil das Finale in Abu Dhabi doppelte Punkte brachte, war der Titelkampf zwischen den beiden Mercedes-Piloten noch lange nicht entschieden. Den kompletten WM-Stand 2014 und alle Zahlen zum Rennen findest du auf unserer Rennseite zum GP Russland 2014. Weiter geht es mit dem GP USA.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Russland 2014 – formel-1-livestream.de
- 2014 Russian Grand Prix – Wikipedia
- Russian GP 2014 – Race report: Russian runaway – grandprix.com
- Russian GP 2014 – Race notes: Hamilton wins four in a row – grandprix.com