GP Australien 2014: Rosberg siegt, Ricciardo disqualifiziert
Nico Rosberg gewann den Auftakt der Turbo-Hybrid-Ära souverän. Ricciardo wurde nach dem Rennen disqualifiziert, Rookie Magnussen erbte Platz 2.
GP Australien 2014: Rosberg gewinnt den Auftakt der Hybrid-Ära
Nico Rosberg gewann den Großen Preis von Australien 2014 für Mercedes. Er führte von der ersten bis zur letzten Runde und fuhr außerdem die schnellste Runde. Hinter ihm kamen Kevin Magnussen und Jenson Button für McLaren aufs Podium. Beide rückten erst nach der Zielankunft einen Platz nach vorn: Lokalmatador Daniel Ricciardo war als Zweiter über die Linie gefahren, wurde aber wegen eines zu hohen Benzinflusses disqualifiziert.
Auf dem Albert Park Grand Prix Circuit in Melbourne lief das erste Rennen mit den neuen 1,6-Liter-V6-Turbomotoren samt Hybridsystem. Turbomotoren waren damit zum ersten Mal seit 1988 wieder in der Formel 1 im Einsatz. Das Wetter war bewölkt, die Luft hatte 19 Grad.
Start in Melbourne: Hamiltons Motor streikt, Chaos in Kurve 1
Schon der Start ging schief. Weil Max Chilton seinen Marussia nicht losbekam, wurden kurz vor dem Erlöschen der Ampeln gelbe Flaggen gezeigt, und das Feld musste eine weitere Einführungsrunde fahren. Deshalb ging das Rennen nur über 57 Runden. Romain Grosjean startete aus der Boxengasse.
Polesetter Lewis Hamilton hatte einen Motor, der nur auf fünf Zylindern lief. Er kam schlecht vom Fleck und fiel sofort zurück. Rosberg startete von Platz 3, zog an Ricciardo und Hamilton vorbei und bog als Erster in die erste Kurve ein. Hamilton musste seinen Mercedes nach 2 Runden mit Motorschaden abstellen. Laut unseren Daten war er mit 18 verlorenen Plätzen der größte Verlierer des Tages.
In der ersten Kurve bremste der Caterham von Kamui Kobayashi hinten nicht mehr. Kobayashi krachte in den Williams von Felipe Massa, und für beide war das Rennen nach 0 Runden vorbei. Auch Kimi Räikkönen war in die Szene verwickelt, konnte aber weiterfahren. Die Rennkommissare sahen von einer Strafe ab, weil ein technischer Defekt den Unfall ausgelöst hatte. Weltmeister Sebastian Vettel kämpfte schon seit dem dritten freien Training am Samstagmorgen mit seinem Antrieb und schied im Red Bull nach 3 Runden mit Motorproblemen aus.
Rennverlauf: Safety-Car nach Bottas-Fehler, Rosberg fährt allein
Vorn baute Rosberg seinen Vorsprung stetig aus. Den entscheidenden Moment für das Mittelfeld lieferte Valtteri Bottas. Wegen einer Getriebestrafe war er nur von Platz 15 gestartet. Als er Fernando Alonso im Ferrari unter Druck setzte, streifte er in Kurve 9 die Mauer und holte sich einen Reifenschaden hinten rechts. Bottas kam in Runde 10 an die Box, laut unseren Daten mit 34,9 Sekunden in der Boxengasse, und fiel auf Platz 16 zurück. Wegen der Reifenteile in Kurve 12 kam das Safety-Car heraus, und zwar laut Motor Sport Magazine von Runde 11 bis zum Ende von Runde 15.
Rosbergs Vorsprung von zuvor knapp acht Sekunden war damit weg. McLaren nutzte die Phase am besten: Button kam in Runde 11 an die Box und sprang dadurch an den beiden Toro Rosso vorbei. Nach drei Runden lag er laut unseren Daten schon auf Platz 6. Die meisten Spitzenfahrer stoppten eine Runde später, in Runde 12.
Nach dem Neustart ließ Rosberg nichts mehr anbrennen. Albert Park verbraucht besonders viel Benzin, deshalb gingen viele Fahrer vor den Kurven früh vom Gas. Rosbergs Mercedes hatte trotzdem genug Reserven. In Runde 19 fuhr er die schnellste Runde in 1:32,4 Minuten (Motor Sport Magazine). Seinen zweiten Stopp legte er in Runde 38 ein, ohne die Führung abzugeben. Am Ende lag er rund 24 Sekunden vor Ricciardo. Es war der vierte Grand-Prix-Sieg seiner Karriere.
Dahinter gab es noch Positionskämpfe. Alonso hatte zu Beginn Probleme mit dem Elektromotor, ging aber nach einem Boxenstopp an Nico Hülkenberg vorbei. Der Force India-Pilot verlor bei seinem zweiten Stopp in Runde 33 zwei Plätze und kämpfte auf den weichen Reifen mit Körnung vorn links. Button beschädigte sich beim zweiten Stopp die Nase, fuhr aber trotzdem als Vierter über die Linie. Bottas arbeitete sich mit frischen Reifen wieder nach vorn.
Ricciardo disqualifiziert: Streit um den Benzinfluss
Ricciardo erlebte bei seinem ersten Rennen für Red Bull zunächst einen Traumtag. Er war von Platz 2 gestartet und fuhr vor heimischem Publikum als Zweiter ins Ziel. Rund fünf Stunden nach dem Rennen kam dann die Disqualifikation. Das neue Reglement begrenzte den Benzinfluss auf 100 Kilogramm pro Stunde, gemessen wird er mit einem von der FIA vorgeschriebenen Sensor. Laut FIA-Technikdelegiertem lag der Wert an Ricciardos Auto durchgehend über diesem Limit.
Red Bull hielt den Sensor für ungenau und berechnete den Durchfluss mit einer eigenen Methode. Die Rennkommissare warfen dem Team vor, eine Anweisung der FIA ignoriert zu haben: Es habe den Durchfluss im Rennen trotz Aufforderung nicht gesenkt. Red Bull kündigte Berufung an und betonte, Team und Motorenpartner Renault hielten das verbrauchte Benzin für regelkonform.
Ausfälle beim GP Australien 2014
Gleich in seinem ersten Rennen zeigte der neue Antrieb, wie anfällig er war:
- Felipe Massa (Williams) und Kamui Kobayashi (Caterham): Kollision in Kurve 1 nach 0 Runden. Auslöser war Kobayashis Bremsdefekt hinten.
- Lewis Hamilton (Mercedes): Motor, nach 2 Runden. Ein Zylinder fiel aus.
- Sebastian Vettel (Red Bull): Motor, nach 3 Runden.
- Marcus Ericsson (Caterham): Öldruck, nach 27 Runden. Marcus Ericsson kam bei seinem Debüt damit nicht ins Ziel.
- Pastor Maldonado und Romain Grosjean (Lotus F1): Defekt am Energierückgewinnungssystem (ERS), nach 29 bzw. 43 Runden. Laut grandprix.com war bei beiden die MGU-K defekt. Pastor Maldonado und Grosjean waren zudem von den Plätzen 21 und 22 gestartet.
- Jules Bianchi (Marussia): Nach dem Stillstand am Start legte Jules Bianchi nur 49 Runden zurück. Damit hatte er weniger als 90 Prozent der Distanz geschafft und wurde nicht gewertet.
- Daniel Ricciardo (Red Bull): nach 57 Runden wegen des Benzinflusses disqualifiziert.
Nur 13 Autos kamen in die Wertung. Chilton holte als Dreizehnter die Zielflagge für Marussia.
Gewinner und Verlierer: Magnussen, Bottas und Kvyat glänzen
Kevin Magnussen war der Mann des Debüts. Er startete von Platz 4 und stand am Ende auf Rang 2. Kein Neuling hatte seit Hamilton beim GP Australien 2007 bei seinem ersten Rennen das Podium erreicht. Laut grandprix.com war es sogar das beste Ergebnis eines Rookies seit Jacques Villeneuves zweitem Platz 1996.
Valtteri Bottas gewann laut unseren Daten die meisten Plätze, nämlich 10, und das trotz Mauerkontakt und Reifenschaden. Von Startplatz 15 kam er als Fünfter ins Ziel. Jenson Button fuhr von Platz 10 auf Rang 3 nach vorn (plus 7). McLaren führte damit nach dem ersten Rennen die Konstrukteurswertung an. Esteban Gutiérrez machte im Sauber 8 Plätze gut, verpasste die Punkte als Zwölfter aber knapp. Sein Teamkollege Adrian Sutil wurde Elfter.
Auch Daniil Kvyat schrieb Geschichte. Der 19-Jährige wurde bei seinem Debüt Neunter und war damit der bis dahin jüngste Punktesammler der Formel 1. Sein Teamkollege Jean-Éric Vergne wurde Achter, obwohl er zwei Plätze verlor. Den letzten Punkt holte Sergio Pérez im Force India von Startplatz 16 aus.
Der große Verlierer war Hamilton mit 18 verlorenen Plätzen. Red Bull ging ohne einen einzigen Punkt aus Melbourne nach Hause, obwohl das Team mit Ricciardo eigentlich einen Podestplatz eingefahren hatte.
WM-Stand 2014 nach dem GP Australien und Einordnung
Im WM-Stand 2014 führte Rosberg nach dem ersten Rennen mit 25 Punkten. Dahinter folgten Magnussen mit 18 und Button mit 15 Punkten, dann Alonso (12), Bottas (10) und Hülkenberg (8). Seit 1982 hatte kein Rosberg mehr die WM angeführt, damals war es sein Vater Keke. Bei den Konstrukteuren lag McLaren mit 33 Punkten vor Mercedes (25) und Ferrari (18). Red Bull, Caterham und Lotus F1 standen bei null.
Aus damaliger Sicht war Melbourne ein erstes Zeichen dafür, wohin die neue Ära ging. Mercedes-Motoren trieben fünf der ersten sechs Autos der Zielankunft an. Rosberg gewann ohne Gegenwehr. Die Konkurrenz kämpfte dagegen mit Elektronik, Zuverlässigkeit und Benzinverbrauch. Für die Titelverteidiger von Red Bull war es nach vier WM-Titeln in Serie ein ernüchternder Auftakt.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Australien 2014 – formel-1-livestream.de
- 2014 Australian Grand Prix – Wikipedia
- 2014 Australian GP report – Motor Sport Magazine
- Australian GP 2014 – Race report: All by myself – grandprix.com
- From podiums to pit lane dancing – Daniil Kvyat's most memorable F1 moments – formula1.com