Rückblick · erstellt am · Rennen vom 1. August 2010

GP Ungarn 2010: Webbers Reifen-Coup, Strafe kostet Vettel

Mark Webber gewann in Ungarn 2010 dank 43 Runden auf Supersoft-Reifen. Vettel fiel nach einer Durchfahrtsstrafe auf Rang 3 – Webber übernahm die WM-Führung.

Mit KI erstellt auf Basis unserer Renndaten · verantwortlich: Markus Ochmann

GP Ungarn 2010 kompakt: Webber siegt, Vettel stolpert hinter dem Safety-Car

Mark Webber gewann den GP Ungarn 2010 für Red Bull vor Fernando Alonso im Ferrari und seinem Teamkollegen Sebastian Vettel. Das Rennen entschied sich in der Safety-Car-Phase: Webber blieb als einziger Spitzenfahrer draußen. Vettel kassierte eine Durchfahrtsstrafe, weil er hinter dem Safety-Car mehr als zehn Wagenlängen zurückgefallen war. Damit übernahm Webber auch die Führung in der Fahrer-WM.

Start am Hungaroring: Vettel enteilt, Alonso schnappt sich Webber

Vettel ging am Hungaroring von der Pole-Position ins Rennen, Webber stand neben ihm. Alonso startete von Platz 3 und kam am besten weg. Schon vor der ersten Kurve zog er an Webber vorbei. Dahinter überholte Vitaly Petrov im Renault Lewis Hamilton. Der Brite holte sich den fünften Platz laut grandprix.com aber schon in der zweiten Runde zurück.

Für Jaime Alguersuari war der Nachmittag früh vorbei. Sein Toro Rosso verlor Kühlflüssigkeit, und er stellte ihn in der ersten Runde ab. Der offizielle Grund lautet Motorschaden.

Vorne fuhr Vettel einsam davon. Nach grandprix.com führte er in Runde 5 mit 5,0 Sekunden vor Alonso, in Runde 10 schon mit 9,6 Sekunden. Zu diesem Zeitpunkt sah alles nach einem klaren Sieg des Polesetters aus.

Safety-Car und Chaos in der Boxengasse: Rosberg, Kubica und Sutil

Nach 14 Runden kam das Safety-Car auf die Strecke. Grund waren Trümmer vom Frontflügel von Vitantonio Liuzzi im Force India. Die Quellen nennen dafür Runde 14 oder 15. Fast das ganze Feld fuhr gleichzeitig zum Reifenwechsel an die Box, und dort brach das Chaos aus.

  • Nico Rosberg (Mercedes): An seinem Wagen war nach dem Stopp ein Hinterrad nicht richtig befestigt. Das Rad löste sich, hüpfte durch die Boxengasse und traf laut Wikipedia einen Mechaniker, der mit Prellungen davonkam. Rosberg schied nach 15 Runden aus (Status: Rad).
  • Adrian Sutil (Force India): Renault ließ Robert Kubica genau in dem Moment losfahren, als Sutil in seine Box einbog. Nach der Kollision war Sutils Rennen nach 15 Runden beendet.
  • Kubica: Er bekam für den Unfall eine Stop-and-go-Strafe von zehn Sekunden. Renault musste wegen der unsicheren Freigabe laut Wikipedia 50.000 US-Dollar Strafe zahlen. Kubica wurde nach 23 Runden in der Box abgestellt.

Vettel bog im letzten Moment noch in die Boxengasse ein. Webber dagegen blieb auf der Strecke und lag damit ab Runde 16 in Führung.

Vettels Durchfahrtsstrafe und Webbers Supersoft-Strategie

Bei der Fahrt hinter dem Safety-Car ließ Vettel eine zu große Lücke zum Vordermann. Laut Reglement darf der Abstand nicht mehr als zehn Wagenlängen betragen. Damit bremste er zugleich Alonso hinter sich ein. Die Rennkommissare untersuchten den Fall, und das Team forderte Vettel per Funk auf, sicherheitshalber einen Puffer herauszufahren. Nach grandprix.com kam die Durchfahrtsstrafe in Runde 29. Vettel trat sie in Runde 31 an und kam als Dritter wieder heraus, 3,7 Sekunden hinter Alonso. An dem Ferrari kam er bis zum Schluss nicht mehr vorbei, und auch nach dem Rennen haderte er noch mit der Entscheidung.

Webber hatte währenddessen eine schwierige Aufgabe. Er fuhr noch auf den Supersoft-Reifen, mit denen er schon im Qualifying unterwegs gewesen war, und musste bis zu seinem Pflichtstopp genug Vorsprung herausfahren. Das gelang ihm eindrucksvoll: In Runde 38 lag er laut grandprix.com 20,6 Sekunden vorn. Als er nach Tyrepress in Runde 43 auf die mittlere Mischung wechselte, waren es 23,7 Sekunden. Er kam ungefährdet vor Alonso zurück auf die Strecke. Laut Tyrepress fuhr er bis zum Stopp trotz hoher Asphalttemperaturen immer wieder schnellste Runden. Bridgestone lobte die Strategie mit dem Satz: „He used a great strategy to use the Bridgestone super soft tyres for 43 laps.“

Im Ziel lag Webber 17,8 Sekunden vor Alonso und 19,2 Sekunden vor Vettel. Vettel holte sich immerhin die schnellste Runde des Rennens.

Schumacher drängt Barrichello an die Boxenmauer

Für die meistdiskutierte Szene des Tages sorgten zwei Altmeister. Rubens Barrichello war im Williams auf den harten Reifen gestartet und hinter dem Safety-Car draußen geblieben. Seinen einzigen Stopp machte er laut grandprix.com erst in Runde 55. Danach machte er mit frischen Reifen Jagd auf Michael Schumacher.

In Runde 64 setzte Barrichello sich auf der Start-Ziel-Geraden neben den Mercedes. Schumacher zog nach rechts und hätte ihn beinahe in die Boxenmauer gedrückt. Barrichello zog trotzdem durch und holte sich den zehnten Platz. Die Kommissare bestraften Schumacher mit einer Rückversetzung um zehn Startplätze für den GP Belgien. Schumacher wurde nur Elfter, und Mercedes ging laut Wikipedia zum ersten Mal in der Saison 2010 ohne Punkte nach Hause.

Gewinner und Verlierer des GP Ungarn 2010

Gewinner:

Verlierer:

  • Hamilton (McLaren) gab nach 23 Runden mit Getriebeschaden auf und verlor die WM-Führung. Weltmeister Jenson Button kam von Startplatz 11 nur auf Rang 8.
  • Rosberg verlor durch das lose Rad 16 Plätze, mehr als jeder andere. Sutil und Kubica fielen dem Boxengassen-Unfall zum Opfer.
  • Vettel hatte das Rennen bis zum Safety-Car fest im Griff und wurde am Ende nur Dritter.

WM-Stand nach dem GP Ungarn 2010: Webber übernimmt die Spitze

Mit seinem vierten Saisonsieg (laut grandprix.com) setzte sich Webber an die Spitze der Gesamtwertung. Der WM-Stand 2010 nach dem zwölften Lauf:

  • 1. Mark Webber – 161 Punkte
  • 2. Lewis Hamilton – 157
  • 3. Sebastian Vettel – 151
  • 4. Jenson Button – 147
  • 5. Fernando Alonso – 141

Zwischen den ersten fünf lagen also nur 20 Punkte. Bei den Konstrukteuren überholte Red Bull mit 312 Punkten McLaren (304), Ferrari folgte mit 238. Für Webber war es ein Ausrufezeichen: Er hatte nicht von der Pole gewonnen, sondern weil er die Reifen schonte und gleichzeitig konstant schnelle Runden fuhr. Vettel war das schnellste Auto des Wochenendes, verlor die Punkte aber durch einen Regelverstoß. Für Red Bull machte das die Stallduell-Frage nicht einfacher. Nach Ungarn folgte die Sommerpause, und das Titelrennen war so offen wie selten.

Das Rennen in Zahlen

Grafiken und Tabellen aus unserer Datenbank (amtliches Ergebnis, Rundendaten).

Positionsverlauf

Platz jedes Fahrers am Ende jeder Runde; farbig die ersten zehn im Ziel.
110203040506070RundeWEBALOVETMASPETHULDLRBUTKOBBAR

WM-Stand vorher und nachher

PlatzFahrervorherPunkte
1Mark Webber3 (136)161
2Lewis Hamilton1 (157)157
3Sebastian Vettel4 (136)151
4Jenson Button2 (143)147
5Fernando Alonso5 (123)141
6Felipe Massa8 (85)97
7Nico Rosberg6 (94)94
8Robert Kubica7 (89)89
9Michael Schumacher9 (38)38
10Adrian Sutil10 (35)35

Quellen

Amtliches Ergebnis auf unserer Rennseite

  1. Ergebnis und Daten GP Ungarn 2010 – formel-1-livestream.de
  2. Hungarian GP 2010 – Race notes: Webber wins Hungarian GP – grandprix.com
  3. 2010 Hungarian Grand Prix – Wikipedia
  4. Webber Dominates in Hungary to Lead Championship – Tyrepress

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