GP Deutschland 2010: Alonso siegt nach Stallorder in Hockenheim
Fernando Alonso gewann 2010 in Hockenheim vor Felipe Massa – nach dem Funkspruch „Fernando is faster than you“. Ferrari kassierte 100.000 Dollar Strafe.

GP Deutschland 2010 im Überblick: Ferrari-Doppelsieg mit Beigeschmack
Fernando Alonso gewann den Großen Preis von Deutschland 2010 auf dem Hockenheimring vor seinem Teamkollegen Felipe Massa. Polesetter Sebastian Vettel wurde im Red Bull Dritter. Entschieden wurde das Rennen allerdings nicht auf der Strecke, sondern über Funk: Massa führte bis Runde 48 und ließ Alonso dann nach einem verschlüsselten Funkspruch seines Ingenieurs vorbei. Für den Doppelsieg musste Ferrari eine Geldstrafe zahlen, und die Debatte über Teamorder war wieder voll entbrannt.
Der Start in Hockenheim: Massa überrumpelt Vettel und Alonso
Enger hätte das Qualifying kaum ausgehen können. Vettel holte die Pole mit 1:13,791 Minuten, Alonso fehlten nur zwei Tausendstelsekunden. Massa ging als Dritter ins Rennen. Beim Start konzentrierte sich Vettel darauf, Alonso abzublocken, und das nutzte Massa: Der Brasilianer zog auf dem Weg in die erste Kurve außen an beiden vorbei. Alonso schnappte sich Vettel ebenfalls, und schon lagen die beiden Ferrari vorne. Jenson Button musste hinter dem Red Bull vom Gas gehen, und Lewis Hamilton ging in der ersten Runde an Mark Webber vorbei.
Nach Runde 1 lag folgende Reihenfolge vor: Massa, Alonso, Vettel, Hamilton, Webber, Button, Robert Kubica, Michael Schumacher, Nico Rosberg und Kamui Kobayashi. Weiter hinten krachte es in der Haarnadel (Kurve 6) zwischen den Teamkollegen bei Toro Rosso: Jaime Alguersuari fuhr Sébastien Buemi ins Heck und riss ihm den Heckflügel ab. Für Buemi war das Rennen nach einer Runde gelaufen.
Boxenstopps und Strategie: Buttons kurze Führung
In Runde 12 eröffnete Vettel die Boxenstopps und wechselte auf die harten Reifen. Red Bull wollte ihn so in freie Luft bringen. Ferrari reagierte prompt und holte Alonso und Massa kurz nacheinander herein. Button fuhr dagegen bewusst einen längeren ersten Stint und übernahm deshalb ab Runde 15 die Führung. Erst in Runde 22 stoppte er und kam als Fünfter zurück auf die Strecke. Ab Runde 23 führte wieder Massa.
Auf den harten Reifen hatte Massa jedoch zu kämpfen. Alonso saß ihm im Nacken und versuchte es in Runde 20 beim Überrunden von Bruno Senna und Timo Glock. Massa konterte und fuhr sich danach zeitweise mehr als drei Sekunden Vorsprung heraus. Alonso fuhr den Abstand aber wieder zu. Vettel verlor ebenfalls Zeit hinter Senna und fiel aus dem direkten Kampf um den Sieg zurück.
Teamorder bei Ferrari: „Fernando is faster than you“
Die entscheidende Szene folgte in Runde 48. Massas Renningenieur Rob Smedley funkte seinem Fahrer: „OK, so, Fernando is faster than you. Can you confirm you understood that message?“ (Wikipedia). Eine Runde später kam Massa auffällig langsam aus der Haarnadel, und Alonso zog vorbei. Ab Runde 49 führte der Spanier und brachte den Sieg mit gut vier Sekunden Vorsprung ins Ziel. Kurz danach entschuldigte sich Smedley über Funk bei Massa. Auf die Frage, ob man ihn angewiesen habe, die Führung herzugeben, sagte der Brasilianer nur: „I don't think I need to say anything about that.“ (UPI)
Damals waren Teamorder, die den Ausgang eines Rennens beeinflussen, ausdrücklich verboten. Die Rennkommissare sahen einen Verstoß gegen diese Regel und gegen das Verbot, den Sport in Verruf zu bringen. Sie bestraften Ferrari mit 100.000 US-Dollar, ließen das Ergebnis aber stehen und verwiesen den Fall an den FIA-Motorsport-Weltrat. Ferrari bestritt, eine Order gegeben zu haben.
Einordnung: Am 8. September 2010 bestätigte der Weltrat die Geldstrafe, verhängte aber keine weitere Strafe und ließ die Regel überprüfen. Ab 2011 strich die FIA das Teamorder-Verbot.
Vettel kam rund eine Sekunde hinter Massa ins Ziel. Auf der Jagd nach Platz zwei fuhr er die schnellste Runde des Rennens.
Ausfälle, Gewinner und Verlierer beim GP Deutschland
Fünf Fahrer kamen nicht ins Ziel:
- Sébastien Buemi (Toro Rosso) war nach einer Runde draußen, nach der Kollision mit Alguersuari.
- Jarno Trulli (Lotus) hatte wegen eines Getriebedefekts keinen zweiten Gang mehr und stellte nach 3 Runden ab.
- Sakon Yamamoto (HRT) schied nach 19 Runden mit Motorschaden aus.
- Lucas di Grassi (Virgin) war nach 50 Runden mit Getriebeschaden draußen.
- Heikki Kovalainen (Lotus) schied nach 56 Runden aus. Beim Überrunden hatte er eine Kollision mit Pedro de la Rosa (Sauber), wofür Kovalainen eine Verwarnung bekam.
Die meisten Plätze gutgemacht haben Vitantonio Liuzzi (Force India) und Timo Glock (Virgin): Beide fuhren fünf Positionen nach vorne, auf Platz 16 bzw. 18. Glock war damit der beste Fahrer der neuen Teams. Bei Force India lief es trotzdem schlecht. Liuzzi und Adrian Sutil bekamen bei ihrem frühen Stopp nach der ersten Runde vertauschte Reifen montiert und mussten deshalb erneut an die Box. Vitaly Petrov arbeitete sich im Renault von Startplatz 13 auf Rang 10 vor und holte einen Punkt.
Auf der Verliererseite standen neben Buemi (minus acht Plätze) und Trulli (minus sechs) die beiden Williams-Piloten. Rubens Barrichello und Nico Hülkenberg verloren beim Start Plätze und wurden nur 12. und 13. Bei Red Bull musste Webber wegen hohen Ölverbrauchs Tempo herausnehmen und landete auf Platz sechs. Lokalmatador Schumacher kam für Mercedes als Neunter ins Ziel. Er hatte bei den Boxenstopps Plätze verloren und holte bei seinem Heimrennen nur zwei Punkte.
WM-Stand nach dem GP Deutschland 2010
Hamilton baute als Vierter seine WM-Führung auf 157 Punkte aus. Button folgt mit 143 Punkten. Dahinter liegen Webber und Vettel mit je 136 Punkten gleichauf. Mit seinem Sieg kam Alonso auf 123 Punkte und ist jetzt bis auf 13 Zähler an das Red-Bull-Duo herangerückt. In der Konstrukteurswertung führt McLaren mit 300 Punkten vor Red Bull (272) und Ferrari (208). Den kompletten WM-Stand 2010 findest du in unserem Saisonarchiv.
Für Ferrari war der Doppelsieg sportlich ein klares Zeichen, dass das Team wieder ganz vorne mitfahren konnte. Mit der Entscheidung zugunsten von Alonso setzte Ferrari zudem früh auf ihn als Titelkandidaten. Gleichzeitig stand Ferrari nach Hockenheim wegen der Stallorder schwer in der Kritik, und die Frage war wieder offen, ob ein Verbot von Teamorder überhaupt durchzusetzen ist.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Deutschland 2010 – formel-1-livestream.de
- 2010 German Grand Prix – Wikipedia
- Team order controversy returns as Alonso wins – Crash.net
- Ferrari fined for German Grand Prix finish – UPI