Rückblick · erstellt am · Rennen vom 27. Juni 2010

GP Europa 2010: Vettel siegt, Webber überschlägt sich

Sebastian Vettel gewann den GP Europa 2010 in Valencia start-ziel. Webbers Flug über den Lotus und das Safety Car stellten das Rennen auf den Kopf.

Mit KI erstellt auf Basis unserer Renndaten · verantwortlich: Markus Ochmann

GP Europa 2010 in Valencia: Vettel gewinnt start-ziel

Sebastian Vettel gewann den GP Europa 2010 auf dem Valencia Street Circuit von der Pole-Position und lag in allen 57 Runden vorn. Hinter ihm fuhren die beiden McLaren von Lewis Hamilton und Jenson Button aufs Podium. Entschieden wurde der Nachmittag in Runde 9: Nach dem spektakulären Überschlag von Mark Webber kam das Safety Car auf die Strecke, und danach war die Reihenfolge im Feld eine völlig andere.

Start und erste Runden: Hamilton drängt, Webber fällt zurück

Bei heißem, trockenem Wetter verteidigte Vettel seine Führung in der ersten Kurve. Hinter ihm erwischte Hamilton den besseren Start als Webber und ging in Kurve 2 an dem Australier vorbei. Dabei berührte er Vettels Red Bull am rechten Rad. Vettels Auto blieb heil, Hamilton meldete danach Vibrationen. Webber fiel nach einer Berührung mit Button bis auf Rang neun zurück. Auch Vitaly Petrov verlor am Start viel Boden, laut Wikipedia rutschte er wegen durchdrehender Räder von Platz zehn auf Platz 16 ab.

Nach der ersten Runde lag Vettel vor Hamilton, Fernando Alonso, Felipe Massa und Robert Kubica. In Runde 5 fuhr Vettel eine 1:43,055 Minuten und war damit rund drei Sekunden vor Hamilton. Webber holte sich in Runde 7 früh die härteren Reifen ab. Ein Problem beim Radwechsel hielt ihn 7,9 Sekunden auf, und er kam nur als 18. zurück auf die Strecke. Eine Runde später schoss Nico Rosberg über seine Boxenposition hinaus und kam nur als 19. wieder heraus.

Webbers Überschlag: Unfall mit Kovalainen und Safety Car

In Runde 9 griff Webber den Lotus von Heikki Kovalainen um Platz 17 an. Er saugte sich im Windschatten an, doch Kovalainen bremste früher, als Webber erwartet hatte. Der Red Bull traf das rechte Hinterrad des Lotus, hob ab und überschlug sich. Danach landete er im Reifenstapel in Kurve 12. Webber stieg unverletzt aus. Später gab er zu, Kovalainens Bremspunkt falsch eingeschätzt zu haben, während der Finne Webber die Schuld gab. Beide schieden aus, laut Faktenpaket nach 8 gewerteten Runden mit dem Status „Collision“.

Das Safety Car kam heraus, als die Spitze gerade Runde 9 beendete. Viele Fahrer bogen sofort zum Reifenwechsel ab, darunter Kubica, Button und Rubens Barrichello. Das Safety Car blieb bis zum Ende von Runde 14 auf der Strecke.

Hamiltons Durchfahrtsstrafe und Ferraris verlorenes Rennen

Die Szene, über die nach dem Rennen alle sprachen, spielte sich an der Boxenausfahrt ab. Das Safety Car kam nicht vor Vettel auf die Strecke. Hamilton zögerte kurz und überholte das Fahrzeug erst, nachdem es die Linie an der Boxenausfahrt schon überquert hatte. Das war ein Regelverstoß. Die Rennkommissare ermittelten ab Runde 10 und verhängten eine Durchfahrtsstrafe, die Hamilton erst in Runde 27 antrat. Bis dahin hatte er sich so weit abgesetzt, dass er auch nach der Strafe Zweiter blieb. Geholfen hatte ihm dabei auch, dass Sauber Kamui Kobayashi in der Safety-Car-Phase draußen ließ und ein Puffer zwischen Hamilton und den Verfolgern entstand.

Ausgerechnet die beiden Ferrari und Kubicas Renault fuhren direkt hinter dem Safety Car und mussten die volle langsame Runde drehen, bevor sie an die Box kamen. Laut Autosport fielen die Ferrari dadurch auf die Plätze 10 und 17 zurück. Alonso kämpfte sich zwar in Runde 15 in Kurve 17 an Nico Hülkenberg vorbei, steckte danach aber im Mittelfeld fest. Über Funk verlangte er, die Sache mit Rennleiter Charlie Whiting zu klären. Nach dem Rennen sprach er sogar von einem manipulierten Rennen, weil die Strafe für Hamilton zu spät gekommen sei. Massa biss sich an Vitantonio Liuzzi die Zähne aus und kam am Ende nur als Elfter ins Ziel.

Kobayashis Coup, Hülkenbergs Ausfall und neun Zeitstrafen

Vorne kontrollierte Vettel das Rennen. Hamilton verlor Zeit hinter den überrundeten Autos von Timo Glock und Bruno Senna, und in Runde 40 betrug sein Rückstand 11,9 Sekunden. Danach fuhr er einige schnellste Runden und kam bis auf 7,9 Sekunden heran (Runde 47). Für einen Angriff reichte das nicht mehr. Glock und Senna kollidierten in Runde 37. Glock bekam später eine 20-Sekunden-Strafe, weil er blaue Flaggen ignoriert hatte.

Hülkenberg fiel nach 49 Runden aus. Offiziell lautet der Grund Auspuff, laut Wikipedia hatte sich zuvor der rechte Hinterreifen abgelöst und dabei den Auspuff beschädigt. Kobayashi zögerte seinen einzigen Stopp bis Runde 53 hinaus und lag lange auf Podiumskurs. Nach dem Stopp kam er als Neunter zurück auf die Strecke, mit deutlich frischeren Reifen als die Konkurrenz. In der vorletzten Runde ging er an Alonso vorbei, als der Spanier weit wurde. In der letzten Kurve überholte er auch noch Sébastien Buemi. Button fuhr in Runde 54 mit 1:38,766 Minuten die schnellste Runde des Rennens.

Nach dem Rennen bestraften die Kommissare neun Fahrer mit je fünf Sekunden, weil sie während der Safety-Car-Phase die vorgeschriebene Mindestzeit auf dem Weg zur Box unterschritten hatten: Button, Barrichello, Kubica, Adrian Sutil, Buemi, Pedro de la Rosa, Petrov, Liuzzi und Hülkenberg. Bei Hülkenberg hatte die Strafe nach seinem Ausfall keine Folgen. Auswirkungen hatte sie nur bei zwei Platzierungen: Alonso rückte auf Platz acht vor Buemi, und Rosberg erbte Rang zehn von de la Rosa. Vettel gewann mit 5,042 Sekunden Vorsprung auf Hamilton, Button hatte als Dritter 12,658 Sekunden Rückstand.

Gewinner und Verlierer des GP Europa 2010

Gewinner:
- Kamui Kobayashi: von Startplatz 18 auf Platz 7, also elf Plätze gutgemacht. Das war der größte Sprung im Feld, geschafft mit mutiger Ein-Stopp-Taktik und zwei Überholmanövern in den letzten Runden.
- Adrian Sutil: Der Deutsche brachte seinen Force India von Startplatz 13 auf Rang sechs nach vorn.
- Rubens Barrichello: Startplatz neun, Ziel vier. Das war das bisher beste Ergebnis der Saison für Williams.
- Sebastian Vettel: Pole, jede Runde in Führung und der Sieg. Laut Wikipedia war es sein zweiter Saisonsieg und der siebte Sieg seiner Karriere.

Verlierer:
- Mark Webber: von Startplatz zwei ins Aus, nach einem Unfall, den er glücklicherweise unverletzt überstand.
- Ferrari: Alonso fiel von Startplatz vier auf Platz acht zurück, Massa von fünf auf elf. Beide verloren ihr Rennen in der Safety-Car-Phase.
- Nico Hülkenberg: Startplatz acht, dann der Ausfall wegen eines Defekts.
- Michael Schumacher: Für den Mercedes-Piloten ging es von Startplatz 15 nur auf Rang 15. Er blieb ohne Punkte.

WM-Stand nach dem GP Europa 2010 und Einordnung

Hamilton baute die Führung im WM-Stand 2010 aus. Mit 127 Punkten lag er sechs Punkte vor seinem McLaren-Teamkollegen Button (121). Vettel sprang mit 115 Punkten von Rang fünf auf Rang drei, vor Webber (103) und Alonso (98). Bei den Konstrukteuren führte McLaren mit 248 Punkten vor Red Bull (218) und Ferrari (165).

In Valencia bestätigte sich, dass Red Bull 2010 im Qualifying meistens vorn lag: Laut Wikipedia war es die achte Pole des Teams im neunten Rennen. Nach einigen Rückschlägen hatte Vettel wieder Anschluss an die Spitze. Das Rennen hatte auch ein Nachspiel: Ferrari drängte auf neue Regeln für Safety-Car-Phasen, weil Hamilton für seinen Regelverstoß nur eine milde Strafe bekommen hatte, während die korrekt fahrenden Ferrari viel verloren hatten. Lotus-Technikchef Mike Gascoyne wies darauf hin, dass ein Überholen des Safety Cars in der modernen Ära bis dahin praktisch nie vorgekommen war. Ergebnis und alle Daten findest du auf der Rennseite zum GP Europa 2010.

Das Rennen in Zahlen

Grafiken und Tabellen aus unserer Datenbank (amtliches Ergebnis, Rundendaten).

Positionsverlauf

Platz jedes Fahrers am Ende jeder Runde; farbig die ersten zehn im Ziel.
1102030405057RundeVETHAMBUTBARKUBSUTKOBALOBUEROS

WM-Stand vorher und nachher

PlatzFahrervorherPunkte
1Lewis Hamilton1 (109)127
2Jenson Button2 (106)121
3Sebastian Vettel5 (90)115
4Mark Webber3 (103)103
5Fernando Alonso4 (94)98
6Robert Kubica7 (73)83
7Nico Rosberg6 (74)75
8Felipe Massa8 (67)67
9Michael Schumacher9 (34)34
10Adrian Sutil10 (23)31

Quellen

Amtliches Ergebnis auf unserer Rennseite

  1. Ergebnis und Daten GP Europa 2010 – formel-1-livestream.de
  2. 2010 European Grand Prix – Wikipedia
  3. Vettel wins controversial European GP – Autosport
  4. Nine drivers receive 5-second penalty – grandprix.com
  5. Lewis and Jenson on the podium after dramatic European GP – BRDC

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