GP Türkei 2010: Red-Bull-Crash ebnet Hamilton den Weg zum Sieg
Lewis Hamilton gewann in Istanbul vor Jenson Button, nachdem die führenden Red Bulls kollidierten. Webber rettete Platz 3 und seine WM-Führung.

GP Türkei 2010: McLaren-Doppelsieg nach Red-Bull-Kollision
Lewis Hamilton gewann den Großen Preis der Türkei 2010 vor seinem Teamkollegen Jenson Button und bescherte McLaren einen Doppelsieg. Polesetter Mark Webber wurde Dritter. Das Rennen entschied sich in Runde 40: Die beiden Red Bull kollidierten im Kampf um die Führung. Sebastian Vettel schied aus, Webber kam mit beschädigtem Auto weiter.
Für Hamilton war es der erste Saisonsieg und laut grandprix.com der zwölfte Sieg seiner Karriere. Im siebten Rennen des Jahres gab es damit den fünften verschiedenen Sieger.
Start in Istanbul Park: Webber vorn, Hamilton kontert Vettel
Auf dem Istanbul Park behielt Webber von der Pole-Position aus beim Start die Führung. Dahinter ging es hektisch zu: Vettel, der als Dritter losgefahren war, schob sich in Kurve 1 innen an Hamilton vorbei. Der Brite holte sich den zweiten Platz aber schon in Kurve 3 außen zurück. Auch Michael Schumacher im Mercedes ging kurz an Button vorbei. Button konterte jedoch noch in der ersten Runde.
Weiter hinten berührten sich Sébastien Buemi (Toro Rosso) und Nico Hülkenberg (Williams) in Kurve 7. Beide mussten früh an die Box. In den ersten Runden versuchte Hamilton mehrmals, Webber anzugreifen. Laut Wikipedia kam er dank F-Schacht auf der Gegengeraden zwar heran, aber nie nah genug für ein Überholmanöver. Gegen Runde 10 bemerkte McLaren einen höheren Spritverbrauch als geplant und stellte beide Autos auf sparsamere Motoreinstellungen um.
Boxenstopps: Langsamer Radwechsel kostet Hamilton Platz zwei
Alle Spitzenfahrer stoppten nur einmal und wechselten dabei von den weichen auf die härteren Reifen. Vettel kam zuerst an die Box, eine Runde später folgten Webber und Hamilton. Bei McLaren hakte es an einem Hinterrad. Dadurch kam Hamilton nicht nur hinter Webber, sondern auch hinter Vettel auf die Strecke zurück. Die genauen Runden geben die Quellen unterschiedlich an.
Button blieb etwas länger draußen und führte laut unseren Daten ab Runde 16 kurz das Rennen an. Nach seinem Stopp übernahm Webber ab Runde 18 wieder die Spitze. Danach lag die Reihenfolge bei Webber, Vettel, Hamilton und Button. Laut Wikipedia hatte das Quartett rund 15 Sekunden Vorsprung auf Schumacher, Nico Rosberg und Robert Kubica im Renault.
Runde 40: Vettel und Webber kollidieren im Kampf um die Führung
Lange sah es nach einem sicheren Red-Bull-Doppelsieg aus. Doch die McLaren blieben dran, und die Lage spitzte sich zu. Laut Wikipedia bat Webber in Runde 39 das Team, Vettel einbremsen zu lassen. Wegen des Drucks von hinten lehnte Red Bull das ab. Webber musste nun Sprit sparen, während Vettel rund ein Kilogramm Reserve hatte und mit stärkerer Motoreinstellung fahren durfte.
In Runde 40 erwischte Vettel einen besseren Ausgang aus Kurve 11 und zog auf der Gegengeraden innen neben Webber. Vor Kurve 12 berührten sich die beiden bei hohem Tempo. Vettel drehte sich und schied mit beschädigtem Hinterrad aus. Offizieller Grund laut unseren Daten: Kollision. Webber fuhr mit beschädigtem Frontflügel weiter und holte sich an der Box eine neue Nase. Platz drei blieb ihm, weil der Abstand zu Schumacher groß genug war.
Die Schuldfrage blieb offen. Laut grandprix.com blieben bei Red Bull zwei verärgerte Fahrer zurück. Teamchef Christian Horner war laut den Berichten mit beiden unzufrieden, weil sie einen sicheren Doppelsieg verschenkt hatten.
McLaren-Duell: Button überholt Hamilton, Hamilton schlägt zurück
Durch den Unfall lag Hamilton plötzlich in Führung, aber ruhig wurde es nicht. Kurz nach dem Crash fiel leichter Nieselregen. McLaren forderte Hamilton erneut zum Spritsparen auf. Button holte stetig auf und ging in Runde 48 in Kurve 12 außen an seinem Teamkollegen vorbei.
Hamilton antwortete sofort. Auf der Start-Ziel-Geraden holte er Schwung und kam in Kurve 1 wieder vorbei. Dabei verfehlten sich die beiden McLaren nur knapp. Laut Wikipedia hatte man Hamilton am Funk gesagt, Button werde ihn nicht angreifen. Danach mussten beide Fahrer Sprit und Reifen schonen. Hamilton gewann mit 2,6 Sekunden Vorsprung auf Button. Webber lag als Dritter 24,2 Sekunden zurück.
Ausfälle, Gewinner und Verlierer des Rennens
Neben Vettel schieden vier Fahrer der neuen Teams aus, alle mit technischen Defekten:
- Jarno Trulli (Lotus): nach 32 Runden, Hydraulik
- Heikki Kovalainen (Lotus): nach 33 Runden, Hydraulik. Laut Wikipedia war die Servolenkung ausgefallen, danach funktionierten auch Getriebe, Kupplung und Gas nicht mehr.
- Bruno Senna (HRT): nach 46 Runden, Kraftstoffdruck
- Karun Chandhok (HRT): nach 52 Runden, Benzinpumpe. Er wurde trotzdem als 20. gewertet.
Die meisten Plätze machte Vitantonio Liuzzi (Force India) gut, von Startplatz 18 auf Rang 13. Fernando Alonso kam im Ferrari von Startplatz 12 auf Rang 8, das waren vier Plätze. Laut Wikipedia bestritt Ferrari in Istanbul seinen 800. Grand Prix, schnitt aber schwach ab. Felipe Massa wurde nur Siebter. Auch Jaime Alguersuari und Lucas di Grassi (Virgin) gewannen je vier Plätze. Schumacher wiederholte als Vierter vor Rosberg sein Ergebnis aus Spanien, sein bisher bestes seit dem Comeback.
Der große Verlierer war Vettel, der von Startplatz 3 aus ohne Punkte blieb. Pech hatte auch Vitaly Petrov. Laut Wikipedia berührten er und Alonso sich in Runde 54 beim Duell um Platz acht. Petrov bekam einen Reifenschaden, musste an die Box und fiel von Startplatz 9 auf Rang 15 zurück. Mit frischen weichen Reifen fuhr er danach immerhin die schnellste Rennrunde. Kamui Kobayashi holte als Zehnter den ersten Saisonpunkt für Sauber.
WM-Stand nach dem GP Türkei 2010: Webber vorn, McLaren übernimmt
Trotz des Crashs blieb Webber mit 93 Punkten an der Spitze der Fahrer-WM. Button rückte mit 88 Punkten auf Rang zwei vor, Hamilton mit 84 Punkten auf Rang drei. Alonso (79) und Vettel (78) fielen auf die Plätze vier und fünf zurück. Vettel verlor damit 15 Punkte auf seinen Teamkollegen.
In der Konstrukteurs-WM übernahm McLaren mit 172 Punkten die Führung, einen Punkt vor Red Bull (171). Ferrari folgte mit 146 Punkten. Das Rennen machte deutlich, dass Red Bull zwar oft das schnellste Auto hatte, sich aber selbst um Punkte bringen konnte. Die Rivalität zwischen Vettel und Webber wurde nach Istanbul zu einem der großen Themen der Saison 2010.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Türkei 2010 – formel-1-livestream.de
- 2010 Turkish Grand Prix – Wikipedia
- Turkish GP 2010 – Race notes: Hamilton leads McLaren 1-2 as Red Bulls tangle in Turkey – grandprix.com