Rückblick · erstellt am · Rennen vom 18. April 2010

GP China 2010: Button pokert richtig, McLaren feiert Doppelsieg

Jenson Button gewann den GP China 2010 dank kluger Reifenwahl im Nieselregen vor Lewis Hamilton – der erste britische Doppelsieg seit 1999.

Die Strecke Shanghai International Circuit in unserer 3D-Umgebung, ohne Fahrzeuge
Bild: Szene aus unserer 3D-Wiedergabe

GP China 2010 kompakt: Buttons Reifenpoker bringt den Sieg

Jenson Button gewann am 18. April 2010 den Großen Preis von China auf dem Shanghai International Circuit vor seinem McLaren-Teamkollegen Lewis Hamilton und Nico Rosberg im Mercedes. Den Grundstein für den Sieg legte Button in den ersten Runden: Als leichter Regen einsetzte, blieb er auf Trockenreifen. Die meisten Favoriten wechselten dagegen auf Intermediates. Damit begann für den Weltmeister ein Rennen, in dem er von Startplatz 5 aus ganz nach vorn fuhr.

Start in Shanghai: Alonsos Frühstart und Crash in Kurve 6

Sebastian Vettel stand im Red Bull auf der Pole-Position, kam aber nicht als Erster in die erste Kurve. Fernando Alonso startete im Ferrari von Platz 3, zog an beiden Red Bulls vorbei und führte nach der ersten Runde. Mark Webber schob sich dahinter an Vettel vorbei. Der Blitzstart hatte allerdings einen Haken: Die Rennkommissare werteten ihn als Frühstart. Laut Wikipedia erfuhr Ferrari davon in Runde 5. Alonso trat die Durchfahrtsstrafe in der folgenden Runde an und kam als 14. zurück auf die Strecke.

Weiter hinten krachte es noch in der ersten Runde. In Kurve 6 verlor Vitantonio Liuzzi im Force India beim Anbremsen die Kontrolle und rutschte in Kamui Kobayashi (Sauber) und Sébastien Buemi (Toro Rosso). Für alle drei war das Rennen damit beendet. Das Safety Car kam heraus und blieb bis zum Ende der dritten Runde auf der Strecke.

Rennverlauf: Rosberg führt, Button übernimmt in Runde 19

Hinter dem Safety Car begann der Reifenpoker. Am Ende der zweiten Runde holten sich mehrere Fahrer Intermediates, darunter Alonso und die Red-Bull-Piloten. Rosberg, Button und die beiden Renault-Fahrer Robert Kubica und Vitaly Petrov blieben dagegen auf Slicks. Der Regen wurde nicht stärker, und so fehlte den Fahrern auf Intermediates schnell der Grip. Sie mussten ein zweites Mal an die Box. Rosberg führte nun das Feld an, Button folgte ihm dicht.

In Runde 19 holte sich Button die Führung: In der Haarnadelkurve 14 ging er an Rosberg vorbei. Kurz darauf regnete es stärker, und das Feld wechselte erneut auf Intermediates. Ab Runde 22 lag das Safety Car ein zweites Mal vorn. Jaime Alguersuari hatte sich bei einer Berührung mit einem Hispania den Frontflügel beschädigt. Beim Boxenstopp für eine neue Nase löste sich der Flügel und verteilte Trümmer auf der Strecke. Am Ende der Runde 25 kam das Safety Car wieder herein. Buttons Vorsprung war weg, doch beim Neustart hielt er die Spitze. Laut grandprix.com kam diese Safety-Car-Phase vor allem Alonso gelegen, während sie Kubica den Vorteil seiner richtigen Reifenwahl zu Rennbeginn kostete.

Im Ziel lag Button mit 1,530 Sekunden vor Hamilton. Rosberg fehlten 9,484 Sekunden auf den Sieger, Alonso wurde mit 11,869 Sekunden Rückstand Vierter (Zeiten laut grandprix.com).

Hamiltons Aufholjagd und der Zwischenfall in der Boxengasse

Hamilton hatte früh auf Intermediates gewechselt und musste sich deshalb von hinten nach vorn kämpfen. Später gab er zu, er habe sich „sehr, sehr spät“ für den Wechsel entschieden, und das sei „nicht die richtige Wahl“ gewesen. In Runde 5 verließen er und Vettel nebeneinander ihre Boxen. Hamilton drehte die Räder durch und berührte den Red Bull. Die Kommissare sprachen gegen beide eine Verwarnung wegen gefährlichen Fahrens aus.

Danach startete Hamilton eine starke Aufholjagd. Er lieferte sich ein hartes Duell mit Michael Schumacher, den er hinterher den aggressivsten Gegner nannte, gegen den er je gefahren sei (grandprix.com). In Runde 13 fuhr er mit 1:42,061 Minuten die schnellste Rennrunde. In Runde 29 ging er an Kubica vorbei auf Platz 3. Rosberg hatte bald darauf immer stärker mit abbauenden Reifen zu kämpfen. Mercedes ließ ihn trotzdem draußen, weil noch mehr Regen erwartet wurde. Bei den letzten Boxenstopps setzte sich Hamilton gegen Rosberg durch und holte den zweiten Platz.

Gewinner und Verlierer: Petrov punktet, Red Bull stürzt ab

Gewinner des Tages:
- Vitaly Petrov fuhr von Startplatz 14 auf Platz 7 und machte damit 7 Plätze gut. In der Schlussphase überholte er noch Schumacher und Webber. Es waren seine ersten WM-Punkte und zugleich die ersten eines russischen Fahrers in der Formel 1. Weil Kubica Fünfter wurde, holte Renault in dieser Saison erstmals mit beiden Autos Punkte.
- Ebenfalls 7 Plätze gewannen Heikki Kovalainen im Lotus (Platz 14) sowie die HRT-Fahrer Bruno Senna (16.) und Karun Chandhok (17.).
- Button und Hamilton machten je 4 Plätze gut.

Verlierer des Tages:
- Red Bull: Vettel fiel von der Pole auf Platz 6 zurück, Webber von Startplatz 2 auf Platz 8. Beim Wechsel auf Intermediates musste Vettel in der Box hinter Webber warten. Webber verlor bei einem Stopp etwa neun Sekunden, weil er mit dem Frontflügel den Wagenheber traf.
- Felipe Massa kam nur als Neunter ins Ziel. In Runde 22 überholte ihn Alonso auf dem Weg zur Boxeneinfahrt, und Massa musste in der Box warten. Ferrari wertete die Szene als normalen Rennzwischenfall.
- Schumacher wurde Zehnter. Er sagte, dieses Rennen wolle man lieber vergessen.

Ausfälle beim GP China 2010

  • Timo Glock (Virgin) konnte nicht starten. Sein Motor verlor plötzlich den Luftdruck im pneumatischen Ventilsystem, und als Ursache stellte sich ein Defekt am Chassis heraus. Eine Reparatur war nicht mehr möglich.
  • Liuzzi, Kobayashi und Buemi schieden schon in der ersten Runde nach dem Unfall in Kurve 6 aus.
  • Pedro de la Rosa (Sauber) fiel nach 7 Runden mit einem technischen Defekt aus.
  • Lucas di Grassi (Virgin) startete nach einem Kupplungswechsel aus der Boxengasse. Nach 8 Runden versagte die Kupplung erneut.
  • Jarno Trulli (Lotus) stellte seinen Wagen nach 26 Runden mit einem Hydraulikschaden ab.

WM-Stand nach China 2010 und historische Einordnung

Mit seinem zweiten Saisonsieg übernahm Button die Führung im WM-Stand 2010. Er hatte nun 60 Punkte. Dahinter folgten Rosberg mit 50, Alonso und Hamilton mit je 49 und Vettel mit 45 Punkten. Bei den Teams zog McLaren mit 109 Punkten an Ferrari (90) vorbei, Red Bull lag mit 73 Punkten auf Platz 3.

Das Rennen schrieb auch Geschichte. Für Button war es der neunte Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Zum ersten Mal seit dem GP Österreich 1999 gab es einen britischen Doppelsieg, und zwei Engländer hatten zuletzt beim GP Monaco 1969 auf den ersten beiden Plätzen gestanden. Weil auch Rosberg einen Mercedes-Motor hatte, standen erstmals seit dem britischen Grand Prix 1955 nur Fahrer mit Mercedes-Antrieb auf dem Podium. Nach dem Sieg in Melbourne (siehe GP Australien 2010) zeigte Button erneut, dass er in Mischbedingungen ein sicheres Gespür für den richtigen Reifen hatte.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP China 2010 – formel-1-livestream.de
  2. 2010 Chinese Grand Prix – Wikipedia
  3. Chinese GP 2010 – grandprix.com
  4. 2010 Chinese Grand Prix – Formula One History

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