Rückblick · erstellt am · Rennen vom 28. März 2010

GP Australien 2010: Buttons Reifenpoker schlägt Vettel-Pech

Jenson Button gewann den GP Australien 2010 dank frühem Wechsel auf Slicks. Pole-Mann Vettel schied mit Radproblem aus, Kubica wurde stark Zweiter.

Mit KI erstellt auf Basis unserer Renndaten · verantwortlich: Markus Ochmann

GP Australien 2010: Button siegt in Melbourne

Jenson Button gewann den GP Australien 2010 im Albert Park von Startplatz 4 aus und holte damit im zweiten Rennen seinen ersten Sieg für McLaren. Auf Platz 2 kam Robert Kubica im Renault ins Ziel, Dritter wurde Felipe Massa im Ferrari. Den Ausschlag gaben zwei Dinge: Button wechselte als Erster von Intermediates auf Slicks, und der lange führende Polesetter Sebastian Vettel im Red Bull fiel mit einem Defekt am linken Vorderrad aus.

Start im Nassen: Startkollisionen und Safety Car in Melbourne

Leichter Regen hatte die Strecke vor dem Start befeuchtet, und das ganze Feld ging auf Intermediates ins Rennen. Vettel behielt in Kurve 1 die Führung. Massa schob sich an Mark Webber vorbei auf Rang 2. Den besten Start erwischte Kubica: Von Startplatz 9 aus lag er schon nach wenigen hundert Metern auf Rang 4. Später erklärte er, er habe sehr früh gebremst, sei über den Randstein gefahren und so an den anderen vorbeigekommen.

In der ersten Kurve krachte es. Button berührte mit dem linken Vorderrad den rechten Hinterreifen von Fernando Alonso. Der Ferrari drehte sich und beschädigte dabei den Frontflügel von Michael Schumacher im Mercedes. Beide fielen ans Ende des Feldes zurück. Wenig später verlor Kamui Kobayashi im Sauber nach einer Berührung seinen Frontflügel und rutschte in Nico Hülkenberg (Williams) und Sébastien Buemi (Toro Rosso). Für alle drei war das Rennen vorbei, bevor die erste Runde zu Ende war, und das Safety Car rückte aus. Schumacher holte sich an der Box eine neue Nase. Laut Wikipedia gab das Safety Car das Rennen am Ende der 4. Runde wieder frei, mit Vettel vor Massa an der Spitze.

Buttons Slick-Poker und Vettels Ausfall entscheiden das Rennen

Der Regen hatte kurz nach dem Start aufgehört, und die Ideallinie trocknete ab. In Runde 7 bog Button als Erster an die Box und ließ Slicks aufziehen. Das war riskant: Kurz nach dem Stopp rutschte er von der Strecke. Doch die Bahn trocknete schnell genug, und seine Rundenzeiten bestätigten die Entscheidung. Eine Runde später folgte der Großteil des Feldes. Button selbst nannte die Entscheidung im Nachhinein riskant.

Vettel kam in Runde 9 an die Box. Webber führte daraufhin kurz, verlor bei seinem eigenen Stopp aber Zeit, weil er in Kurve 1 von der Strecke rutschte. Ab Runde 11 lag wieder Vettel vorn, und lange sah alles nach einem souveränen Red-Bull-Sieg aus. Nach 25 Runden war es vorbei. Am linken Vorderrad sprühten Funken, eine starke Vibration setzte ein, und Vettel rutschte in Ascari ins Kiesbett. Die Quellen nennen ein Problem an Bremse bzw. Rad. Der offizielle Status lautet „Wheel“. Ab Runde 26 führte Button, und er gab die Spitze bis ins Ziel nicht mehr ab. Er schonte seine Reifen und war vor allem in den mittleren Sektoren schnell. Am Ende lag er laut grandprix.com 12,034 Sekunden vor Kubica.

Hamilton, Webber und das hitzige Finale im Albert Park

Die spannendsten Szenen spielten sich hinter Button ab. Lewis Hamilton war von Startplatz 11 aus schon in der ersten Kurve auf Rang 8 nach vorn gestürmt. In Runde 21 nutzte er einen Rutscher von Massa und ging innen vorbei. Danach machte er Jagd auf Kubica. Doch McLaren holte ihn laut Wikipedia in Runde 35 zu einem zweiten Reifenwechsel, und damit war er aus dem Kampf um das Podium raus. Über Funk fragte er, wessen Idee das gewesen sei, und urteilte: „Das war eine schreckliche Idee“ (übersetzt, nach grandprix.com). McLaren räumte die Fehlentscheidung später ein.

Auch Webber wechselte in Runde 33 noch einmal die Reifen und kam mit frischen Pneus von hinten. In Runde 47 fuhr er die schnellste Rennrunde (1:28,358 Minuten). In der vorletzten Runde eskalierte der Kampf um Platz 5: Hamilton versuchte, Alonso in Ascari außen zu überholen, doch der Spanier machte die Tür zu. Webber, dessen Frontflügel bereits an Abtrieb verloren hatte, bremste zu spät, blockierte die Räder und fuhr Hamilton ins Heck. Beide landeten im Kies, fuhren aber weiter. Webber brauchte eine neue Nase und wurde nur Neunter. Die Rennkommissare sprachen eine Verwarnung gegen ihn aus, und er entschuldigte sich.

Alonso rettete Platz 4 vor Nico Rosberg, nachdem er sich vom Ende des Feldes nach vorn gekämpft hatte. Massa hatte mit körnenden Reifen zu kämpfen, hielt Platz 3 aber bis ins Ziel. Schumacher schnappte sich in der letzten Runde noch Pedro de la Rosa und damit den letzten WM-Punkt.

Ausfälle beim GP Australien 2010

Zehn Fahrer sahen die Zielflagge nicht, mehr als ein Drittel des Feldes:

  • Jarno Trulli (Lotus) konnte wegen eines Hydraulikdefekts in der Startaufstellung gar nicht erst losfahren.
  • Kobayashi, Hülkenberg und Buemi schieden in der ersten Runde durch die Kollision aus.
  • Bruno Senna (HRT) gab nach 4 Runden mit Hydraulikschaden auf.
  • Vitaly Petrov (Renault) drehte sich nach 9 Runden in Kurve 10 von der Strecke und blieb im Kies stecken.
  • Adrian Sutil (Force India) war nach 9 Runden mit einem Motorschaden draußen.
  • Sebastian Vettel fiel nach 25 Runden in Führung liegend mit einem Defekt am linken Vorderrad aus.
  • Lucas di Grassi (Virgin) stellte nach 26 Runden mit Hydraulikschaden ab.
  • Timo Glock (Virgin) kam auf 41 Runden. Laut Wikipedia hatte sich eine Distanzscheibe der Sturzeinstellung gelöst, sodass sich die Hinterradaufhängung verschob.

Für Virgin endete das Rennen damit mit einem doppelten Ausfall. Bei Lotus und HRT kam jeweils nur ein Auto ins Ziel: Heikki Kovalainen wurde mit zwei Runden Rückstand Dreizehnter, Karun Chandhok mit fünf Runden Rückstand Vierzehnter.

Gewinner, Verlierer und WM-Stand nach Melbourne 2010

Gewinner des Tages war neben Button vor allem Kubica: Von Startplatz 9 auf Rang 2 bedeutete 7 gutgemachte Plätze und 18 Punkte. Er selbst hatte nach eigenen Worten nicht mit einem Podium gerechnet. Stark fuhr auch Vitantonio Liuzzi: Er kam von Startplatz 13 auf Rang 7 und holte 6 Punkte für Force India. Rubens Barrichello wurde Achter und holte 4 Punkte für Williams. Jaime Alguersuari machte im Toro Rosso 6 Plätze gut, verpasste die Punkte als Elfter aber knapp.

Die Verlierer trugen Red-Bull-Farben. Vettel verlor zum zweiten Mal in Folge eine mögliche Siegchance durch einen technischen Defekt und war überzeugt, ohne den Ausfall gewonnen zu haben. Webber blieb bei seinem Heimrennen nach Startplatz 2 nur Rang 9 mit 2 Punkten.

Im WM-Stand 2010 blieb Alonso mit 37 Punkten vorn, vor Massa (33). Button sprang mit 31 Punkten um vier Plätze auf Rang 3. Hamilton (23) folgte als Vierter vor Rosberg (20), Kubica kletterte mit 18 Punkten auf Platz 6. Vettel fiel mit 12 Punkten auf Rang 7 zurück. Bei den Teams führte Ferrari mit 70 Punkten vor McLaren (54) und Mercedes (29). Renault und Red Bull hatten je 18 Punkte.

Einordnung: Für Button war es der zweite Australien-Sieg in Folge, nach dem Erfolg im Vorjahr mit Brawn. Vor allem war es eine Antwort an alle, die bezweifelt hatten, dass er sich bei McLaren gegen Hamilton behaupten kann. Mit kühlem Kopf und einer mutigen Reifenwahl hatte er das Rennen entschieden.

Das Rennen in Zahlen

Grafiken und Tabellen aus unserer Datenbank (amtliches Ergebnis, Rundendaten).

Positionsverlauf

Platz jedes Fahrers am Ende jeder Runde; farbig die ersten zehn im Ziel.
1102030405058RundeBUTKUBMASALOROSHAMLIUBARWEBMSC

WM-Stand vorher und nachher

PlatzFahrervorherPunkte
1Fernando Alonso1 (25)37
2Felipe Massa2 (18)33
3Jenson Button7 (6)31
4Lewis Hamilton3 (15)23
5Nico Rosberg5 (10)20
6Robert Kubica11 (0)18
7Sebastian Vettel4 (12)12
8Michael Schumacher6 (8)9
9Vitantonio Liuzzi9 (2)8
10Mark Webber8 (4)6

Quellen

Amtliches Ergebnis auf unserer Rennseite

  1. Ergebnis und Daten GP Australien 2010 – formel-1-livestream.de
  2. 2010 Australian Grand Prix – Wikipedia
  3. Australian GP 2010 – Race Report – grandprix.com
  4. F1 champ Button wins in Melbourne – Al Jazeera

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