GP Kanada 2008: Kubica siegt nach Hamiltons Boxengassen-Crash
Robert Kubica gewann den GP Kanada 2008 vor Nick Heidfeld. Es war der erste Sieg für BMW Sauber. Hamilton krachte an der roten Ampel in Räikkönen.

GP Kanada 2008: Kubicas erster Sieg und Doppelsieg für BMW Sauber
Robert Kubica gewann am 8. Juni 2008 den GP Kanada auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Montreal. Er siegte vor seinem Teamkollegen Nick Heidfeld und holte damit den ersten Doppelsieg für BMW Sauber. Dritter wurde David Coulthard im Red Bull. Entschieden wurde das Rennen in der Boxengasse: Polesetter Lewis Hamilton fuhr an der roten Ampel am Ausgang der Boxengasse in den wartenden Kimi Räikkönen. Damit waren beide Favoriten nach 19 Runden draußen.
Die Geschichte hätte kaum besser sein können. Ein Jahr zuvor hatte Kubica auf derselben Strecke einen schweren Unfall gehabt. Jetzt war er der erste Pole, der einen Formel-1-Grand-Prix gewann.
Rennverlauf: Hamilton enteilt, dann das Safety Car
Es war heiß in Montreal, laut Wikipedia um die 31 °C. Dazu kam ein Asphalt, der schon am Wochenende auseinanderbrach. Die Veranstalter besserten die Strecke an mehreren Kurven nach, unter anderem an der Haarnadel. Vor dem Start empfahlen sie den Fahrern, in Kurve 10 die Außenseite zu nutzen.
Hamilton verteidigte am Start seine Führung im McLaren und fuhr dem Feld davon. Nach den Rennnotizen von grandprix.com lag er in Runde 10 schon 5,0 Sekunden vor Kubica. Bis Runde 15 wuchs der Vorsprung laut dem Rennbericht auf 7,1 Sekunden. Kubica meldete Probleme mit dem Reifendruck, und Räikkönen im Ferrari rückte näher. Nico Rosberg im Williams kam früh außen herum auf den vierten Platz.
Dann blieb Adrian Sutil mit Getriebeschaden liegen. Sein Force India fing Feuer, und das Safety Car kam auf die Strecke. Als die Boxengasse wieder öffnete, kamen die Spitzenleute gleichzeitig zum Tanken und Reifenwechsel.
Hamilton gegen Räikkönen: Der Unfall an der roten Ampel
Räikkönen und Kubica waren nach ihren Stopps schneller abgefertigt als Hamilton. Am Ende der Boxengasse standen beide nebeneinander vor der roten Ampel, weil das Safety Car das Feld noch vorbeiführte. Hamilton kam mit Tempo heran und sah die Ampel zu spät. Er fuhr dem Ferrari ins Heck. „I was doing 80 kmh and they were at a standstill“, sagte Hamilton laut grandprix.com. Direkt dahinter fuhr Rosberg noch in Hamiltons McLaren.
Hamilton und Räikkönen schieden aus. Für beide stand das Rennen nach 19 Runden als Kollision in der Wertung. Rosberg fuhr mit kaputtem Frontflügel weiter, musste aber noch einmal an die Box. Kubica dagegen kam ohne Schaden davon. Die Rennkommissare bestraften Hamilton und Rosberg mit je zehn Startplätzen beim folgenden GP Frankreich. Räikkönen war bitter enttäuscht: „I am unhappy, because I had a chance of winning.“
Auch Felipe Massa hatte Pech an der Box. Sein Ferrari bekam beim ersten Stopp wegen eines technischen Problems kein Benzin. Deshalb musste er eine Runde später noch einmal hereinkommen und fiel bis ans Ende des Feldes zurück.
Strategie: Kubicas Qualifying-Runden gegen Heidfelds Ein-Stopp-Plan
Nach dem Chaos waren die Strategien gemischt, und die Führung wechselte oft. Laut unseren Daten führte ab Runde 19 Heidfeld, der in der Safety-Car-Phase draußen geblieben war. Danach lagen Rubens Barrichello im Honda (ab Runde 29), Coulthard (ab Runde 36), Jarno Trulli (ab Runde 37) und Timo Glock (ab Runde 39) vorn, beide im Toyota. Diese Fahrer hatten ihre Stopps zu dem Zeitpunkt noch vor sich.
Ab Runde 42 führte Kubica und gab die Spitze nicht mehr ab. Heidfeld war auf einen Stopp umgestiegen und fuhr danach mit viel Benzin und weichen Reifen. Kubica dagegen plante zwei Stopps und war mit leichterem Auto schneller. Er musste sich genug Vorsprung herausfahren, um nach seinem zweiten Stopp vor Heidfeld zu bleiben. Das gelang ihm, und er kam als Führender zurück auf die Strecke. „It was like several laps of qualifying, I never had to push so much“, sagte Kubica laut grandprix.com. Im Ziel lag er 16,495 Sekunden vor Heidfeld.
Ausfälle beim GP Kanada 2008: Alonso, Piquet, Nakajima, Fisichella
Neben Sutil, Hamilton und Räikkönen fielen vier weitere Fahrer aus:
- Nelson Piquet Jr. (Renault): nach 43 Runden mit Bremsproblemen. Vorher hatte er sich schon einmal gedreht.
- Fernando Alonso (Renault): nach 44 Runden durch einen Dreher. Er lag zu dem Zeitpunkt stark im Rennen und machte Druck auf Heidfeld. Dann drehte er sich, schlug in die Mauer und beschädigte Frontflügel und Aufhängung.
- Kazuki Nakajima (Williams): nach 46 Runden durch einen Unfall. Er war Jenson Button ins Heck gefahren. Der abgerissene Frontflügel klemmte unter seinem Auto, und Nakajima rutschte bei der Einfahrt in die Boxengasse in die Mauer.
- Giancarlo Fisichella (Force India): nach 51 Runden durch einen Dreher. Schon beim ersten Boxenstopp hatte er den Motor abgewürgt.
Somit kam Force India mit keinem Auto ins Ziel.
Gewinner und Verlierer: Coulthard auf dem Podium, Vettel holt elf Plätze
Coulthard fuhr von Startplatz 13 auf Rang drei. Es waren seine ersten Punkte der Saison und sein erster Podestplatz seit Monaco 2006. Kurz vor dem Podium ging ihm das Benzin aus, und er lief das letzte Stück zu Fuß. Rückblickend sollte es sein letzter Podestplatz in der Formel 1 bleiben.
Toyota holte mit Glock auf Platz vier (von Startplatz 11) und Trulli auf Platz sechs (von Startplatz 14) acht Punkte. Sebastian Vettel gewann die meisten Plätze. Im Toro Rosso war er für Startplatz 19 eingetragen, startete aber aus der Boxengasse. Mit nur einem Stopp kam er auf Platz acht und holte einen Punkt. Button, ebenfalls aus der Boxengasse gestartet, machte neun Plätze gut und wurde Elfter.
Massa fuhr nach seinem Tankproblem vom Ende des Feldes noch auf Platz fünf. Laut grandprix.com überholte er Barrichello und Heikki Kovalainen an der Haarnadel, laut Wikipedia spät im Rennen auch noch Trulli.
Die Verlierer waren klar: Hamilton (–18 Plätze) und Räikkönen (–15) schieden in der Boxengasse aus, Alonso (–12) im Rennen. Kovalainen wurde nur Neunter, und McLaren blieb ohne Punkte. Zum ersten Mal seit Malaysia 2006 stand weder ein Ferrari noch ein McLaren auf dem Podium.
WM-Stand nach dem GP Kanada 2008: Kubica übernimmt die Führung
Mit dem Sieg kam Kubica auf 42 Punkte und führte die Fahrer-WM erstmals an. Dahinter lagen Hamilton und Massa mit je 38 Punkten, Räikkönen hatte 35 und Heidfeld 28. Bei den Konstrukteuren rückte BMW Sauber mit 70 Punkten bis auf drei Zähler an Ferrari (73) heran. McLaren folgte mit 53 Punkten. Den kompletten WM-Stand 2008 findest du bei uns.
Für BMW Sauber war der Tag historisch: erster Sieg, erster Doppelsieg und der erste Sieg eines deutschen Konstrukteurs seit dem GP Frankreich 1962. Rückblickend blieb es der einzige Sieg des Teams und der einzige Sieg eines polnischen Fahrers. Für die WM bedeutete Montreal vor allem eins: Die Saison 2008 war nach sieben Rennen offener denn je.
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Kanada 2008 – formel-1-livestream.de
- 2008 Canadian Grand Prix – Wikipedia
- Canadian GP 2008 – Race report: Bimmer fest – grandprix.com
- Canadian GP 2008 – Race notes: Kubica takes first win in Canadian GP – grandprix.com