GP Monaco 2008: Hamilton siegt nach Mauerkontakt im Regen
Lewis Hamilton gewann den Regen-GP Monaco 2008 trotz frühem Mauerkontakt. Kubica wurde Zweiter, Polesetter Massa nur Dritter – Ende nach zwei Stunden.

GP Monaco 2008: Hamilton gewinnt das Regenchaos
Lewis Hamilton gewann den Großen Preis von Monaco 2008 für McLaren, obwohl er schon früh die Leitplanke berührt und einen Reifenschaden erlitten hatte. Hinter ihm kamen Robert Kubica im BMW Sauber und Polesetter Felipe Massa im Ferrari ins Ziel. Entschieden wurde das Rennen durch McLarens Antwort auf das Missgeschick: Beim unfreiwilligen Stopp ließ das Team den Tank für einen langen Stint füllen. Auf der abtrocknenden Strecke brachte genau das Hamilton nach vorn.
Regen, Start und Hamiltons Kontakt an der Tabac
Am Renntag hatte es in Monte Carlo schon am Morgen geregnet. Kurz vor dem Start setzten wieder Schauer ein, und auch im weiteren Verlauf des Nachmittags regnete es immer wieder. Fast das ganze Feld ging deshalb auf Standard-Regenreifen ins Rennen. Nur Nelson Piquet Jr. im Renault wählte die Extremregenreifen.
Schon vor dem Start lief es für zwei Favoriten schlecht. Heikki Kovalainen hatte sich als Vierter qualifiziert, beim Losfahren zur Formationsrunde starb sein McLaren-Motor aber ab. Er musste aus der Boxengasse starten. Bei Kimi Räikkönen zog Ferrari die Reifen in der Startaufstellung zu spät auf. Dafür bekam der Weltmeister eine Durchfahrtsstrafe.
Massa verteidigte von der Pole-Position aus die Führung in Sainte Dévote. Hamilton überholte Räikkönen beim Start und wurde Zweiter. In Runde 6 kam der McLaren-Pilot an der Tabac jedoch zu weit hinaus und schlug mit dem Heck in die Leitplanke. Rechts hinten war der Reifen platt. Als Grund nannte Hamilton später einen Wasserlauf, der quer über die Strecke floss. Er schaffte es an die Box und reihte sich als Fünfter wieder ein. McLaren nutzte den Stopp und tankte so viel, dass Hamilton lange draußen bleiben konnte.
Ausfälle und Safety-Car: Coulthard, Bourdais und Massas Ausrutscher
Den Bedingungen fielen bald die ersten Fahrer zum Opfer. In Runde 8 kamen David Coulthard im Red Bull und Sébastien Bourdais im Toro Rosso bei Massenet von der Strecke ab. Die beiden Unfälle passierten wenige Sekunden nacheinander, und Bourdais traf dabei auch den Red Bull. Für beide war das Rennen vorbei: Bei Coulthard lautet der offizielle Grund Unfall, bei Bourdais Kollision. Massa hatte einen Vorsprung von rund zwölf Sekunden herausgefahren, doch das folgende Safety-Car machte ihn zunichte. Fernando Alonso war schon in der Anfangsphase mit Nico Rosberg an der Haarnadel aneinandergeraten und rutschte später ebenfalls bei Massenet ab. Er wechselte auf Extremregenreifen. Rosberg brauchte nach der Berührung einen neuen Frontflügel.
Auch der Spitzenreiter blieb nicht fehlerfrei. Massa verbremste sich in Sainte Dévote und rutschte in die Auslaufzone. Laut Grandprix.com fiel bei ihm zudem für etwa 20 Runden der Funk aus. Ab Runde 16 lag Kubica vorn. Der Pole fuhr mit wenig Sprit an Bord ein starkes Tempo und führte bis zu seinem Stopp. Ab Runde 26 übernahm Massa wieder die Spitze.
Strategie entscheidet: Hamiltons langer Stint und der Wechsel auf Trockenreifen
Jetzt zahlte sich die McLaren-Taktik aus. Massa musste an die Box. Ab Runde 33 führte deshalb Hamilton, der dank des vollen Tanks weiterfahren konnte. Auf der langsam abtrocknenden Strecke fuhr er Runde für Runde schnelle Zeiten. Laut Wikipedia wuchs sein Vorsprung bis zum nächsten Stopp von etwa 13 auf 37 Sekunden. Als sich eine trockene Linie bildete, kam er in Runde 54 an die Box und holte sich Trockenreifen. Auf die Strecke kehrte er mit gut 13 Sekunden Vorsprung zurück.
Ferrari reagierte zu spät. Massa wechselte erst zwei Runden nach Hamilton auf Slicks. Kubica war mit seiner Strategie schon früher auf Trockenreifen unterwegs und schob sich dadurch vor den Brasilianer. Massa räumte später ein, das Team habe bei der Strategie einen kleinen Fehler gemacht (Wikipedia).
Zu früh auf Slicks wechselte dagegen Piquet. Kurz nach dem Wechsel landete er in Sainte Dévote in den Reifenstapeln und schied nach Runde 47 aus (Unfall). Giancarlo Fisichella stellte seinen Force India schon nach Runde 36 ab: Das Getriebe war defekt.
Rosbergs Crash, Sutils Drama und das Zwei-Stunden-Limit
Spannend wurde es noch einmal, als Rosberg im Schwimmbad-Abschnitt heftig verunglückte. Sein Williams wurde nach Runde 59 als Ausfall gewertet. Das Safety-Car kam heraus und schob das Feld hinter Hamilton wieder zusammen. Beim Restart setzte sich der McLaren-Fahrer aber sofort wieder ab.
Den bittersten Moment des Tages erlebte Adrian Sutil. Er war von Startplatz 18 aus bis auf Platz 4 nach vorn gefahren, was für Force India eine Sensation war. Kurz nach dem Restart verlor Räikkönen am Tunnelausgang beim Anbremsen die Kontrolle und fuhr dem Force India ins Heck. Sutil musste nach Runde 67 mit beschädigter Hinterradaufhängung aufgeben. Danach sagte er, das fühle sich an „wie ein Schmerz in meinem Herzen“ (Wikipedia, übersetzt). Räikkönen holte sich einen neuen Frontflügel und kam nur als Neunter ins Ziel, also ohne Punkte. Die schnellste Runde des Rennens fuhr trotzdem er.
Das Rennen war insgesamt so langsam, dass es an das Zeitlimit von zwei Stunden stieß. Statt der geplanten 78 Runden wurden deshalb nur 76 gefahren. Hamilton fing sich in der letzten Runde noch einen schleichenden Plattfuß ein, gewann aber trotzdem mit 3,064 Sekunden Vorsprung auf Kubica. Massa lag 4,811 Sekunden zurück (Wikipedia).
Gewinner und Verlierer des Monaco-GP
Die meisten Plätze machte Sebastian Vettel gut: Er fuhr von Startplatz 19 auf Rang 5, ein Plus von 14 Positionen. Für ihn waren das die ersten Punkte der Saison. Laut Grandprix.com lieferte er sich unterwegs ein Duell mit Piquet und danach mit Barrichello und Nakajima. Mark Webber kam von Startplatz 9 auf Rang 4. Die Plätze 6 und 7 holten Rubens Barrichello im Honda (von Startplatz 14) und Kazuki Nakajima im Williams (von 13). Kovalainen musste aus der Boxengasse starten und sicherte sich als Achter noch den letzten Punkt.
Zu den Verlierern gehörten Ferrari und vor allem Räikkönen: Er fiel von Startplatz 2 auf Rang 9 zurück. Der Pole-Mann Massa wurde nur Dritter. Rosberg hatte als Sechster begonnen und ging leer aus. Bei Toyota kamen Timo Glock als Zwölfter und Jarno Trulli als Dreizehnter ins Ziel, jeweils eine Runde zurück. Für Toyota gab es also keine Punkte. Alonso wurde Zehnter, Jenson Button Elfter. Nick Heidfeld war Kubicas Teamkollege bei BMW Sauber und kam mit vier Runden Rückstand als Vierzehnter an.
WM-Stand nach dem GP Monaco 2008: Hamilton übernimmt die Führung
Mit dem Sieg übernahm Hamilton die Führung im WM-Stand 2008. Er hatte jetzt 38 Punkte, Räikkönen 35, Massa 34 und Kubica 32. Damit lagen die ersten vier nur sechs Punkte auseinander. Bei den Konstrukteuren blieb Ferrari mit 69 Punkten vorn, dahinter folgten McLaren mit 53 und BMW Sauber mit 52.
Es war Hamiltons erster Sieg auf dem Circuit de Monaco und sein zweiter in dieser Saison. Grandprix.com zufolge war er damit der erste Engländer seit 1969, der in Monaco gewann. In einem Rennen mit Regen, Mauerkontakt und zwei Safety-Car-Phasen hatte McLaren die richtige Strategie gewählt, Ferrari dagegen falsch gepokert. Hamilton fasste die Bedingungen so zusammen: Er könne nicht erklären, „wie schwierig es für uns alle war“ (Wikipedia, übersetzt).
Quellen
- Ergebnis und Daten GP Monaco 2008 – formel-1-livestream.de
- 2008 Monaco Grand Prix – Wikipedia
- Monaco GP 2008 race report: In the wheeltracks of giants – grandprix.com
- 2008 Monaco Grand Prix – Formula One History
- 2008 Monaco Grand Prix – Motor Sport Magazine