Rückblick · erstellt am · Rennen vom 29. Mai 2005

GP Europa 2005: Räikkönen-Drama in letzter Runde, Alonso siegt

Fernando Alonso gewann am Nürburgring, weil an Kimi Räikkönens McLaren in der letzten Runde die Aufhängung brach. Pole-Mann Heidfeld wurde Zweiter.

Illustration (KI-generiert): Nürburgring um 2005 mit Rennwagen
KI-generierte Illustration

GP Europa 2005 am Nürburgring: Alonso erbt den Sieg in der letzten Runde

Den GP Europa 2005 entschied die letzte Runde. Kimi Räikkönen hatte im McLaren den größten Teil des Rennens angeführt. Zu Beginn der 59. Runde brach am Eingang der ersten Kurve seine Vorderradaufhängung, und Fernando Alonso im Renault erbte den Sieg. Auf das Podium kamen außerdem Nick Heidfeld im Williams, der von der Pole gestartet war, und Rubens Barrichello im Ferrari.

Start am Nürburgring: Abbruch wegen Fisichella und Chaos in Kurve 1

Schon vor dem Start ging etwas schief. Giancarlo Fisichella würgte seinen Renault in der Startaufstellung ab, deshalb gab es eine zusätzliche Einführungsrunde. Damit wurde das Rennen von 60 auf 59 Runden verkürzt. Fisichellas Auto wurde in die Boxengasse geschoben, und er musste von dort losfahren.

Beim eigentlichen Start kamen beide Williams schlecht weg. Räikkönen ging noch vor der ersten Kurve an Heidfeld vorbei. Dahinter gab es Chaos: Mark Webber wollte Jarno Trulli hinter sich halten und bremste sehr spät. Dabei blockierte sein rechtes Vorderrad, und es kam zur Kollision mit Juan Pablo Montoya. Webber schied mit beschädigter Aufhängung aus, bevor er die erste Runde beendet hatte. Montoya fiel auf Platz 13 zurück, fuhr aber weiter.

Ralf Schumacher im Toyota und Takuma Sato im BAR beschädigten sich am Start die Frontflügel. Beide mussten nach der ersten Runde an die Box und fielen ans Ende des Feldes zurück. David Coulthard im Red Bull kam dagegen sauber durch das Gewühl und lag nach einer Runde schon auf Platz vier. Nach der ersten Runde führte Räikkönen mit 1,9 Sekunden Vorsprung.

Rennverlauf: Strafen, Boxenstopps und Führungswechsel

Bald zeigte sich, wie die Teams getankt hatten. Barrichello kam schon in Runde 8 zum ersten Stopp, Heidfeld in Runde 9. Die Pole des Williams-Piloten beruhte also zum Teil auf wenig Sprit im Tank. Laut grandprix.com fuhr Heidfeld eine Drei-Stopp-Strategie.

Trulli hatte als Startvierter gut begonnen, verlor dann aber viel durch eine Strafe. Seine Mechaniker waren nach Ablauf der 15-Sekunden-Frist noch in der Startaufstellung. Dafür bekam er eine Durchfahrtsstrafe, die er in Runde 8 antrat. Er fiel von Platz drei auf Platz neun zurück. Auch Coulthard wurde bestraft. In der ersten Stopp-Phase führte er eine Runde lang das Rennen an (ab Runde 19). Danach musste er wegen zu hohen Tempos in der Boxengasse eine Durchfahrtsstrafe antreten. Christijan Albers im Minardi und Tiago Monteiro im Jordan bekamen ebenfalls Durchfahrtsstrafen, weil sie blaue Flaggen missachtet hatten.

Während der Stopps wechselte die Führung mehrmals. Alonso lag ab Runde 20 vorne, Räikkönen ab Runde 24 wieder. Heidfeld führte in Runde 30 kurz, bevor er erneut an die Box kam. Ab Runde 31 lag wieder Räikkönen vorne. Ralf Schumacher drehte sich nach 33 Runden in der Ford-Schikane und schied aus.

Räikkönens Bremsplatte: McLarens Poker und das Drama in der letzten Runde

Die Entscheidung bahnte sich Mitte des Rennens an. Laut Autosport wollte Räikkönen in Runde 34 Jacques Villeneuve im Sauber überrunden. Der Kanadier ignorierte nach Angaben von Wikipedia die blauen Flaggen. Räikkönen blockierte beim Anbremsen auf die erste Kurve das rechte Vorderrad, und der Reifen bekam einen deutlichen Bremsplatten. In der Saison 2005 waren Reifenwechsel im Rennen grundsätzlich verboten. Ein beschädigter Reifen durfte nur aus Sicherheitsgründen getauscht werden.

Zunächst sah es noch gut für den Finnen aus: In Runde 36 lag er 15,2 Sekunden vor Alonso. Nach Räikkönens zweitem Stopp in Runde 43 übernahm Alonso kurz die Führung. In Runde 44 fuhr der Spanier mit 1:30,711 Minuten die schnellste Runde des Rennens. Danach rutschte er in der Dunlop-Kehre von der Strecke und verlor rund sieben Sekunden. Ab Runde 48 führte wieder Räikkönen.

In der Schlussphase wurden die Vibrationen am McLaren aber immer stärker. Acht Runden vor Schluss hatte Räikkönen noch einige Sekunden Vorsprung. McLaren entschied sich, ihn ohne neuen Reifen weiterfahren zu lassen und auf den Sieg zu setzen. Alonso kam Runde für Runde näher, und vor dem letzten Umlauf lag er laut Autosport nur noch rund anderthalb Sekunden zurück. Als Räikkönen in der letzten Runde auf die erste Kurve zubremste, gab die rechte Vorderradaufhängung nach. Der McLaren schoss ins Kiesbett und verfehlte dabei nur knapp den BAR von Jenson Button. Alonso fuhr vorbei und gewann mit 16,5 Sekunden Vorsprung auf Heidfeld. Räikkönen wurde mit 58 Runden als Elfter gewertet.

Gewinner und Verlierer des GP Europa 2005

Gewinner:

  • Fernando Alonso kam von Startplatz sechs zu seinem vierten Saisonsieg und fuhr außerdem die schnellste Runde. Trotz seines eigenen Ausritts hielt er den Druck auf Räikkönen bis zum Schluss aufrecht.
  • Nick Heidfeld holte vor seinem Heimpublikum die erste Pole-Position seiner Karriere und wurde Zweiter. Es sollte seine einzige Pole bleiben. In der Schlussphase hielt er Barrichello hinter sich.
  • David Coulthard gewann von Startplatz zwölf aus acht Plätze, mehr als jeder andere, und wurde trotz seiner Strafe Vierter. Sein Teamkollege Vitantonio Liuzzi verbesserte sich von Platz 14 auf Platz neun.
  • Rubens Barrichello fuhr von Startplatz sieben aufs Podium. Michael Schumacher fiel laut Autosport am Start auf Platz 14 zurück und kämpfte sich noch bis auf Platz fünf nach vorn.

Verlierer:

  • Kimi Räikkönen lag bis zur letzten Runde in Führung und ging trotzdem leer aus. Statt der möglichen zehn Punkte bekam er keinen einzigen.
  • Mark Webber startete als Dritter und schied in Kurve 1 aus.
  • Ralf Schumacher schied nach dem frühen Frontflügelschaden und seinem Dreher aus. Sein Teamkollege Trulli fiel nach der Strafe von Startplatz vier auf Platz acht zurück.
  • Felipe Massa im Sauber kam von der Strecke, beschädigte sich die Reifen und verlor kurz vor Schluss auch noch den Frontflügel. Am Ende wurde er nur 14.

WM-Stand nach dem GP Europa 2005 und Einordnung

Für die Weltmeisterschaft war die letzte Runde eine große Wende. Im WM-Stand 2005 lag Alonso nach dem siebten Saisonlauf mit 59 Punkten vorne. Räikkönen und Trulli hatten je 27 Punkte, der Vorsprung betrug also 32 Punkte. Heidfeld rückte mit 25 Punkten auf Platz vier vor, Webber fiel mit 18 Punkten auf Rang fünf zurück. Bei den Teams führte Renault mit 76 Punkten vor McLaren (53), Toyota (44), Williams (43) und Ferrari (31).

McLaren hatte zuvor zwei Rennen in Folge gewonnen. Räikkönen hatte die Pace für den dritten Sieg in Serie, aber er verlor ihn durch einen Verbremser beim Überrunden und durch die Entscheidung, keinen neuen Reifen zu holen. Das Rennen zeigte, wie viel Risiko die Reifenregel von 2005 mit sich brachte: Wer einen Reifen beschädigte, musste sich zwischen einem Boxenstopp und der Hoffnung entscheiden, dass der Reifen bis ins Ziel hält. Am Nürburgring kostete diese Entscheidung McLaren sicher geglaubte Punkte. Alonso und Renault bauten ihren Vorsprung in beiden Wertungen dagegen deutlich aus.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Europa 2005 – formel-1-livestream.de
  2. 2005 European Grand Prix – Wikipedia
  3. The 2005 European GP review – Autosport
  4. 2005 European Grand Prix – Formula One History
  5. European GP 2005 – Race Notes: Alonso wins European GP – GrandPrix.com

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