Rückblick · erstellt am · Rennen vom 24. Oktober 2004

GP Brasilien 2004: Montoya siegt zum Williams-Abschied

Juan Pablo Montoya gewann das Finale 2004 in Interlagos knapp vor Kimi Räikkönen. Entschieden wurde es beim frühen Wechsel auf Trockenreifen.

GP Brasilien 2004: Montoya gewinnt das Saisonfinale in Interlagos

Im letzten Rennen der Saison 2004 holte Juan Pablo Montoya für Williams den Sieg beim GP Brasilien. Er lag nur 1,022 Sekunden vor Kimi Räikkönen im McLaren. Auf Platz drei kam Polesetter Rubens Barrichello im Ferrari. Den Grundstein legte Montoya in einem Rad-an-Rad-Duell mit Räikkönen direkt nach dem Wechsel von Intermediates auf Trockenreifen. Danach gab er die Führung nur noch während der Boxenstopps kurz ab.

Für Montoya war es der erste Saisonsieg und zugleich sein Abschied vom Team: 2005 sollte er bei McLaren neben ausgerechnet Räikkönen fahren.

Vor dem Start: Schumachers Unfall und die Reifenfrage

Weltmeister Michael Schumacher stand schon vor dem Rennen schlecht da. Kurz vor Ende des letzten freien Trainings drehte er sich in der Ferradura-Kurve und schlug rückwärts in die Reifenstapel ein. Danach brannte das Auto kurz. Vermutet wurde ein Defekt an der rechten Vorderradaufhängung, ein Fahrfehler war aber nicht ausgeschlossen. Schumacher fuhr das Qualifying im Ersatzauto mit neuem Motor. Der Motorwechsel kostete ihn nach dem damaligen Reglement zehn Startplätze. So ging er nur von Platz 18 ins Rennen.

Vorne hatte Barrichello sich die Pole Position vor seinem Heimpublikum geholt, vor Montoya und Räikkönen. Felipe Massa stand im Sauber überraschend auf Startplatz vier.

Kurz vor dem Start regnete es. Die Strecke an der Autódromo José Carlos Pace war feucht, aber nicht richtig nass. Die meisten Fahrer gingen deshalb auf Intermediates ins Rennen. Renault wagte mit Fernando Alonso und Jacques Villeneuve dagegen Trockenreifen, ebenso David Coulthard in seinem letzten Rennen für McLaren.

Rennverlauf: Führungswechsel im Minutentakt

Barrichello kam gut weg, doch Räikkönen ging schon nach wenigen Kurven an ihm vorbei und führte das Rennen an. Montoya erwischte einen schwachen Start und fiel auf Platz vier zurück. Schumacher drehte sich früh im Rennen auf nasser Fahrbahn und hatte danach keine Chance mehr, nach vorn zu fahren.

Als die Strecke abtrocknete, holte sich Barrichello ab Runde 4 die Führung zurück. Kurz danach lag sogar Lokalmatador Massa vorn, ab Runde 6. Inzwischen kamen die Fahrer auf Intermediates nacheinander zum Wechsel auf Trockenreifen an die Box. Den Anfang machte Ralf Schumacher in Runde 4. Das war Renaults Moment: Alonso hatte sich den Stopp gespart und übernahm ab Runde 8 die Spitze.

Dahinter fiel die Entscheidung um den Sieg. Montoya und Räikkönen kamen Seite an Seite aus der Boxengasse. Räikkönen hatte am Ausgang die Innenbahn. Montoya wählte deshalb eine weitere Linie bergab, nahm mehr Schwung mit und ging beim Anbremsen am Ende der Gegengeraden vorbei. Als Alonso zum Ende von Runde 18 zum Nachtanken an die Box kam, fiel er auf Platz sechs zurück. Montoya lag nun in Führung.

Strategie: Räikkönens letzter Angriff scheitert knapp

Ab dann war es ein Zweikampf zwischen den künftigen Teamkollegen. Der Abstand schwankte immer wieder, doch Räikkönen kam nie nah genug für einen Angriff. Beim zweiten Stopp ging die Führung nur für Runde 29 kurz an den Finnen, danach führte wieder Montoya.

Die letzten Stopps entschieden das Rennen. Montoya und die übrigen Spitzenfahrer kamen ab Runde 47 zu ihren letzten Stopps an die Box. In Runde 49 fuhr Montoya mit 1:11,473 Minuten die schnellste Runde des Rennens. McLaren ließ Räikkönen länger draußen, und ab Runde 51 führte er. Doch die fünf Runden mit wenig Sprit reichten nicht. Nach seinem Stopp in Runde 55 kam Räikkönen etwa eine Sekunde hinter Montoya zurück auf die Strecke. Ab Runde 56 lag wieder der Kolumbianer vorn. Bis zur Zielflagge änderte sich daran nichts mehr.

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sprach laut grandprix.com von einer großen Erleichterung für das Team nach einer langen, harten Saison. Für BMW war es nach seinen Angaben der zehnte Sieg als Motorenpartner von Williams.

Ausfälle: Button, Heidfeld und Webber

Nur drei Fahrer kamen nicht ins Ziel:

  • Jenson Button (BAR): Vom fünften Startplatz aus kämpfte er um Platz drei, doch nach Runde 3 versagte der Honda-V10. Mit minus 15 Plätzen war er der große Verlierer des Tages.
  • Nick Heidfeld (Jordan): Er fiel nach Runde 15 mit Kupplungsschaden aus.
  • Mark Webber (Jaguar): Teamkollege Christian Klien verschätzte sich und traf Webber. Webbers Auto war danach zu stark beschädigt, um weiterzufahren. Er schied nach Runde 23 aus. Klien ließ an der Box reparieren und kam mit zwei Runden Rückstand als 14. ins Ziel.

Gewinner und Verlierer beim GP Brasilien 2004

Die meisten Plätze machte Michael Schumacher gut: Von Startplatz 18 fuhr er auf Platz sieben, also elf Positionen nach vorn. Vorne mitfahren konnte er trotzdem nicht. Ins Ziel kam er nur knapp hinter Ralf Schumacher und Takuma Sato.

Alonso holte von Startplatz acht aus Platz vier, vier Positionen besser. Renaults Reifenpoker brachte ihm zwar elf Runden an der Spitze und gute Punkte, aber keinen Sieg. In den letzten Stopps hielt er Ralf Schumacher hinter sich. Der überholte drei Runden vor Schluss noch Sato und wurde Fünfter.

Für Barrichello bedeutete Platz drei das einzige Heimpodium seiner Karriere. Es war außerdem seine erste Zielankunft in Interlagos seit 1994. Massa fiel nach seinen Führungsrunden von Startplatz vier auf Rang acht zurück, holte aber immerhin einen Punkt. Ohne Punkte blieb Giancarlo Fisichella auf Platz neun. Villeneuve und Coulthard folgten mit einer Runde Rückstand.

WM-Stand 2004 und Einordnung des Rennens

Die Titel waren längst vergeben. Im WM-Stand 2004 beendete Michael Schumacher die Saison mit 148 Punkten vor Barrichello (114) und Button (85). Um Platz vier ging es knapp zu: Alonso lag mit 59 Punkten genau einen Zähler vor Montoya (58). Räikkönen beendete die Saison mit 45 Punkten als Siebter. Ralf Schumacher kletterte durch Platz fünf auf WM-Rang neun und lag punktgleich mit Coulthard (je 24).

In der Konstrukteurswertung lag Ferrari mit 262 Punkten weit vorn. Dahinter sicherte BAR (119) Platz zwei vor Renault (105), Williams (88) und McLaren (69).

Das Rennen war ein Saisonfinale mit vielen Abschieden: Montoya fuhr sein letztes Rennen für Williams, Coulthard sein letztes für McLaren. Es war das erste Mal, dass der GP Brasilien die Saison abschloss. Für Montoya war es der vierte Grand-Prix-Sieg seiner Karriere und der einzige Williams-Sieg des Jahres 2004. Erst beim GP Spanien 2012 sollte Williams wieder gewinnen.

Quellen

  1. Ergebnis und Daten GP Brasilien 2004 – formel-1-livestream.de
  2. 2004 Brazilian Grand Prix – Wikipedia
  3. Brazilian GP 2004 – Race Report – grandprix.com
  4. Prac 4: Schuey crashes – Autosport
  5. 2004 Brazilian Grand Prix – Formula One History

Weitere News

Alle News