Rückblick · erstellt am · Rennen vom 21. Juli 2002

GP Frankreich 2002: Schumacher holt fünften Titel dank Ölspur

Michael Schumacher gewann in Magny-Cours und wurde zum fünften Mal Weltmeister. Räikkönen rutschte fünf Runden vor Schluss auf Öl aus der Führung.

Mit KI erstellt auf Basis unserer Renndaten · verantwortlich: Markus Ochmann

GP Frankreich 2002 im Überblick: Schumacher Weltmeister in Magny-Cours

Michael Schumacher gewann den Großen Preis von Frankreich 2002 im Ferrari vor den beiden McLaren-Piloten Kimi Räikkönen und David Coulthard. Damit stand er schon nach dem elften WM-Lauf als Weltmeister fest. Entschieden wurde das Rennen auf dem Circuit de Nevers Magny-Cours erst kurz vor Schluss: Der lange führende Räikkönen geriet in der Adelaide-Haarnadel auf eine Ölspur, rutschte weit neben die Ideallinie, und Schumacher ging an ihm vorbei.

Start: Barrichello bleibt stehen, Montoya verteidigt die Pole

Schon vor dem Start fehlten zwei Autos. Giancarlo Fisichella (Jordan) war im letzten freien Training am Samstag an der Estoril-Kurve heftig in die Reifenstapel eingeschlagen, nachdem sein Frontflügel nachgegeben hatte. Die Untersuchungen im Krankenhaus ergaben zwar keine schweren Verletzungen, doch FIA-Arzt Sid Watkins ließ ihn nicht starten. Noch bitterer traf es Ferrari: Der Wagen von Rubens Barrichello, der als Dritter starten sollte, rührte sich zur Einführungsrunde nicht vom Wagenheber. Offiziell wurde der Ausfall mit einem Defekt an der Zündung begründet. Laut Wikipedia nahmen deshalb nur 18 Autos das Rennen auf, so wenige wie seit Monaco 1975 nicht mehr.

Polesetter Juan Pablo Montoya im Williams zog vor dem Startplatz-Zweiten Schumacher nach innen und behauptete die Führung in die erste Kurve. Dahinter krachte es: Takuma Sato und Olivier Panis (BAR) kollidierten, und auch Pedro de la Rosa (Jaguar) landete beim Ausweichen im Kies. Felipe Massa (Sauber) war zu früh losgefahren und bekam dafür eine Durchfahrtsstrafe.

Rennverlauf: Weiße Linie, Durchfahrtsstrafen und wechselnde Führung

Montoya führte das Feld bis zu seinem ersten Boxenstopp an. Danach wechselte die Spitze mehrfach, und ab Runde 29 lag Schumacher in Führung. Dabei hatte er sich allerdings einen Fehler geleistet: Beim Verlassen der Box hatte er die weiße Linie an der Boxenausfahrt überfahren. Laut Wikipedia und Pirelli trat er die Durchfahrtsstrafe in Runde 35 an und fiel hinter Montoya und Räikkönen auf Platz drei zurück.

Die weiße Linie wurde an diesem Tag gleich mehreren Fahrern zum Verhängnis. Laut Crash.net und Atlas F1 kassierte auch Ralf Schumacher nach seinem zweiten Stopp eine Durchfahrtsstrafe. Massa wurde nach Angaben von Crash.net ebenfalls ein zweites Mal bestraft. Am teuersten wurde es für Coulthard: Atlas F1 zufolge überfuhr er nach seinem letzten Stopp in Runde 54 die Linie und musste in Runde 59 durch die Boxengasse. Damit war seine Chance auf den Sieg dahin.

Die zweite Stopprunde brachte die Wende zugunsten von McLaren. Montoya stoppte in Runde 43, verlor viel Zeit und kam laut Wikipedia nur als Sechster zurück auf die Strecke. Später klagte er über ein schwer fahrbares, unausgewogenes Auto. Räikkönen übernahm die Spitze, gab sie nach seinem eigenen Stopp kurz an Coulthard ab und holte sie sich ab Runde 55 zurück. Schumacher klebte am Getriebe des Finnen, kam aber nicht vorbei.

Die Entscheidung: Räikkönen rutscht auf McNishs Öl aus

Wenige Runden vor Schluss blieb Allan McNish mit Motorschaden im Toyota an der Adelaide-Haarnadel liegen, und sein Auto verlor dort Öl. Die Streckenposten zeigten zwar gelbe Flaggen wegen des stehenden Toyota, warnten aber nicht vor der Ölspur. Räikkönen bremste auf dem rutschigen Asphalt, das Vorderrad blockierte, und der McLaren schoss weit über den Scheitelpunkt hinaus. Schumacher war weiter hinten gewesen, wich dem Großteil des Öls aus und zog innen vorbei. Ab Runde 68 führte er und gab die Spitze nicht mehr her.

Räikkönen sagte nach dem Rennen: „There were yellow flags but obviously not any flags for the oil or slippery circuit.“ (Atlas F1). McLaren-Teamchef Ron Dennis legte Protest ein, weil Schumacher unter Gelb überholt habe. Die Rennkommissare bestätigten zwar, dass Schumacher im Gelbbereich vorbeigegangen war. Weil Räikkönen aber neben der Strecke gewesen sei, beließen sie es dabei. Erst rund zwei Stunden nach dem Rennen stand der Titel damit endgültig fest. Schumacher selbst nannte die letzten fünf Runden später die schlimmsten seiner Karriere.

Ausfälle beim GP Frankreich 2002

Im Ziel kamen nur zehn Fahrer an. Die Ausfälle im Überblick:

  • Takuma Sato (Jordan) drehte sich nach 23 Runden an der Lycée-Kurve von der Strecke und blieb im Reifenstapel stecken.
  • Olivier Panis (BAR) schied nach 29 Runden aus. Offiziell lautet der Grund Unfall, laut Wikipedia und Crash.net litt sein Auto an den Schäden aus der Startkollision.
  • Jacques Villeneuve (BAR) musste nach 35 Runden mit Motorschaden aufgeben.
  • Felipe Massa (Sauber) stellte sein Auto nach 48 Runden mit einem technischen Defekt ab, laut Wikipedia am Getriebe.
  • Mika Salo (Toyota) schied ebenfalls nach 48 Runden mit Motorschaden aus.
  • Jarno Trulli (Renault) fiel nach 49 Runden mit Motorschaden aus.
  • Eddie Irvine (Jaguar) verlor nach 52 Runden bei hohem Tempo seinen Heckflügel und drehte sich an der Adelaide-Haarnadel ins Kiesbett.
  • Allan McNish (Toyota) hatte nach 65 Runden einen Motorschaden. Er wurde trotzdem als Elfter gewertet, und sein Öl entschied das Rennen.

Gewinner und Verlierer: Minardi jubelt, Montoya verliert den Sieg

Die meisten Plätze machte Mark Webber gut: Er startete von Rang 18 und kam im Minardi als Achter ins Ziel, also zehn Plätze weiter vorn. Teamkollege Alex Yoong verbesserte sich von Startplatz 19 auf Rang zehn. Damit sahen beide Minardi die Zielflagge. Nick Heidfeld holte im Sauber von Startplatz zehn aus Rang sieben. Jenson Button sicherte Renault als Sechster den letzten Punkt.

Zu den Verlierern zählte Montoya, der von der Pole Position auf Rang vier zurückfiel. Am härtesten traf es aber Räikkönen: Er war auf dem Weg zu seinem ersten Grand-Prix-Sieg, verlor die Führung auf der Ölspur und musste sich mit Platz zwei zufriedengeben.

WM-Stand 2002 und Einordnung: Schumacher zieht mit Fangio gleich

Laut WM-Stand hatte Michael Schumacher nach dem Rennen 96 Punkte. Montoya folgte mit 34 Punkten auf Rang zwei, dahinter lagen Barrichello und Ralf Schumacher mit je 32 Punkten. Bei 62 Punkten Vorsprung und nur noch sechs ausstehenden Rennen konnte Schumacher niemand mehr einholen. Bei den Konstrukteuren führte Ferrari mit 128 Punkten deutlich vor Williams mit 66 und McLaren mit 47.

Mit seinem fünften WM-Titel zog Schumacher mit Juan Manuel Fangio gleich, der diesen Rekord seit 1957 allein gehalten hatte. Laut Pirelli hatte zuvor noch nie ein Fahrer den Titel so früh in einer Saison gewonnen. Damit fiel auch die Bestmarke von Nigel Mansell, der den Titel 1992 mit den meisten noch ausstehenden Rennen gewonnen hatte. Magny-Cours zeigte zugleich, wie überlegen Ferrari 2002 war: Selbst mit einer Durchfahrtsstrafe und an einem Tag, an dem McLaren das schnellere Paket zu haben schien, reichte es am Ende zum Sieg.

Das Rennen in Zahlen

Grafiken und Tabellen aus unserer Datenbank (amtliches Ergebnis, Rundendaten).

Positionsverlauf

Platz jedes Fahrers am Ende jeder Runde; farbig die ersten zehn im Ziel.
11020304050607072RundeMSCRAICOUMONSCHBUTHEIWEBDLRAlex Yoong

Gewonnene und verlorene Plätze

WM-Stand vorher und nachher

PlatzFahrervorherPunkte
1Michael Schumacher1 (86)96
2Juan Pablo Montoya3 (31)34
3Rubens Barrichello2 (32)32
4Ralf Schumacher4 (30)32
5David Coulthard5 (26)30
6Kimi Räikkönen6 (11)17
7Jenson Button7 (10)11
8Nick Heidfeld8 (6)6
9Giancarlo Fisichella9 (6)6
10Jarno Trulli10 (4)4

Quellen

Amtliches Ergebnis auf unserer Rennseite

  1. Ergebnis und Daten GP Frankreich 2002 – formel-1-livestream.de
  2. 2002 French Grand Prix – Wikipedia
  3. French GP 2002: Schu champ after Kimi's mistake – Crash.net
  4. On this week #29: the 2002 France GP – Pirelli
  5. Atlas F1 – 2002 French GP Review – Atlas F1 / Autosport

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